Bindung im Kindesalter

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H. Julius, B. Gasteiger-Klicpera, R. Kißgen (Hrsg.) (2008)
Barbara Schröder
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NICHT klinische, deutsche Stichproben, gemittelte prozentuale Verteilung: sicher gebunden 45,5% unsicher-vermeidend 27,7% unsicher-ambivalent 6,9 desorganisiert 19,9% Gloger-Tippelt, G., Vetter J. & Rauth, H. (2000): Untersuchungen mit der "Fremden Situation" in deutschsprachigen Ländern: Ein Überblick. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 47, S.81-87. zitiert von H. Julius im Kapitel 1. Bindung und familiäre Gewalt-, Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen, S.14f
Bowlby (1976) sieht Entwicklungsverläufe als EntwicklingsPFADE, die man nehmen, abbiegen und wechseln kann. Wechseln ist aber schwer: Neigung von der Umwelt, das Kind nicht verändert wahrzunehmen + Neigung des Kindes, die Umwelt seinen Verhaltensdispositionen entsprechend auszuwählen Bowlby, J. (1976): Trennung. München: Kindler. zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 39
Mütter, die selbst Bindungstrauma haben werden durch das Bindungsbedürfnis des Kindes ev. getriggert -> das Kind erlebt in seiner eigenen Not auch noch die Angst der Mutter, was es noch mehr ängstigt Hesse, E. & Main, M. (2006): Frigthened, threatening, and dissociate parental behavior in low-risk samples. Development and Psychopathology, 18, S. 309-343. und Lyos-Ruth, K. & Spielman, E. (2004): Disorganized infant attachment strategies and helpless-fearful profiles of parenting research with clinical intervention. Infant Mental Health Journal, 25, S. 318-335 zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 42
mütterliche Feinfühligkeit bedingt ob Bindung sicher oder unsicher wird, das Temperament des Kindes entscheidet, welche Art der unsicheren Bindung sich entwickelt (??? bei anderen Autoren hingegen deutliche Zuteilung von mütterlichem Verhalten und Art der unsicheren Bindung) Sroufe, L.A. et al (2005): The development of the person. New York: Guilford zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 42
Erst sichere Bindung setzt die Aufmerksamkeitsressourcen frei, die für die volle Entfaltung von kognitiven Fähigkeiten nötig sind. Main, M. (1991): Metacognitive knowledge, metacognitive monitoring, and singular (coherent) vs. multiple (incoherent) models of attachment. In C. M. Parkes, J. Stevenson-Hinde & P. Marris (Hrsg.): Attachment across the life cycl, S. 127-159. London: Tavistock/Routledge zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 42
Gutes Selbstkonzept eines Kindes basiert auf der wahrgenommenen Anschlussfähigkeit in der frühen familiären Kommunikation. -> Tragen ist Kommunikation auf Augenhöhe! zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 43
Kinder mit sicherer Bindungsqualität zeigten sich in einer groß angelegten Studie weiterhin unauffällig, auch wenn sich das Erziehungsverhalten ihrer Eltern mit der Zeit verschlechterte. Dagegen ließ sich eine frühe unsichere Bindung durchaus als Risikofaktor für externalisierte Störungen im Vorschul- wie auch im frühen Schulalter ausmachen. NICD Early Child Care Reasearch Network (2006): Infant-mother attachment classification: risk and protection in relation to changing maternal caregiving quality. Developmental Psychology, 42, S. 38-58 zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 45
Sicher gebundene 3-Jährige zeigten ein größeres Durchhaltevermögen und bewiesen eine höhere Effektivität bei einer kognitiven Aufgabe im Vergleich zu unsicheren Kindern. Matas, L. et al (1978): Continuity in adaption in the second year. The relationship between quality of attachment and later competence. Child Development, 49, S. 547-556 zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S. 48
2 Arten von Beziehung: sachorientiert (Vermittlung von Fähigkeiten und Werten, Interessen,...) und bindungsorientiert. Besonders in der Vater-Kind-Beziehung hängen emotionales Vertrauen und gute sachorientierte Beziehung eng zusammen. Bei Mutter-Kind-Beziehungen sind Sach- und Bindungsorientierheit hingegen eng verbunden, können daher besser kompensieren wenn eine Beziehungsart zum Kind nicht optimal ist. Grossmann, K. & Grossmann, K.E. (2004): Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart: Klett-Cotta. und Stephan, C. (1995): Bindungsbeziehung - Spielbeziehung - Kompetenzentwicklung In G. Spangler & P. Zimmermann (Hrsg.), Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung, S. 265-280. Stuttgart: Klett-Cotta. zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S.48f
Lehrer-Schüler-Beziehung: sicher gebundenes Kind kann eher um Hilfe bitten, weil Vertrauen dass es etwas bringt. Selbstwirksamkeit des Lehrers wird erhöht, wirkt sich weiter positiv auf Beziehung aus. unsicher gebundenes Kind wird wird wenig vom Lehrer erwarten, weil es von sich selbst auch nicht viel erwartet. Pianta, R.C. et al. (1995): The first two years of school: Teacher-child relationships and deflections in children's classroom adjustment. Development and Psychopathology, 7, S. 295-312. zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S.49f
desorganisiert-unsichere Bindung lässt sich als gemeinsamer Risikofaktor für die Entwicklung von dissozialen Verhaltensstörungen wie auch für Lernstörungen ansehen Moss, E. et al. (2004): Attachment at early school age and development risk: examining family contexts and behaviour problems of controlling-caregiving, controlling-punitive, and behaviorally disorganized children. Development Psychology, 40, S.519-532 zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S.51
ineffizientes Erziehungsverhalten der Eltern hat besondere Bedeutung im Ursachenspektrum von dissozialem Verhalten: Kontextbedingungen wie zB. Armut, ... erhöhen das Risiko einer Entstehung dissozialen Entstehens nur dann, wenn assoziiert mit Fehlen von von Disziplin und Aufmerksamkeit der Eltern Patterson, G.R. (1996): Some characteristics of a development theory of early-onset delinquency. In M.F. Lenzenweger & J.J. Haugaard (Hrsg.), Frontiers of Developmental Psychopathology, S. 81-124. New York: Oxford University Press. zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S.52
verwahrlosende Eltern leiden an Mentalisierungsdefizit: erkennen bei sich selbst und anderen mentale Aktivitäten wie zB. Gesanken, Motive, Wünsche, Vermutungen, Phantasien oder Absichten schwer und haben Probleme damit, zu verstehen dass das eigene Verhalten und das anderer als durch seelische Zustände motiviert zu sehen. -> Tragen kann fördernd wirken Fronagy, P. et al. (2004): Affektregulierunf, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst. Stuttgart: Klett-Cotta. und Fonagy, P. et al. (1991): The capacity for understanding mental states: The reflective self in parent and child and its significance for security of attachment. Infant Mental Health Journal, 13, S.200-216. zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S.52
Zwischen Feinfühligkeit, Mentalisierung und Bindung besteht ein enger Zusammenhang. -> Tragen fördert Feinfühligkeit und auch durch Körperkontakt die Bindung Fonagy, P. (2003): Bindungstheorie and Psychoanalyse. Stuttgart: Klett-Cotta. und Grienenberger, J. et al. (2005): Maternal reflective functioning, mother-infant affective communication, and infant attachment: Exploring the link between mental states and observed caregiving behavior in the intergenerational transmission of attachment. Attachment & Human Development, 7, S.299-311. zitiert von R. Schleifer im 3. Kapitel Konsequenzen unsicherer Bindungsqualität: Verhaltensauffälligkeiten und Schulleistungsprobleme, S.52
Es wird davon ausgegangen, dass sich Aspekte der Bindungsqualität in der Persönlichkeit des Kindes verankern. Grossmann, K. (1995): Kontinuität und konsequenzen der frühen Bindungsqualität während des Vorschulalters, in: G. Spangler & P. Zimmermann (Hrsg.): Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung, S. 191-202, Stuttgart. und Grossmann, K. & Grossmann, K.E. (2004): Bindungen - Das Grfüge psychischer Sicherheit, Stuttgart. und Grossmann, K. & Grossmann, K.E. (2008): Die psychische Sicherheit in Bindungsbeziehungen. Basus für psychologische Anpassungsfähigkeit. Familiendynamik, 33, S. 231-259. zitiert von R. Kißgen im 4. Kapitel Kontinuität und Diskontinutität von Bindung, S. 68.
signifikanter Zusammenhang zwischen elterlichen Bindungsrepräsentationen und der Bindungsqualität der Kinder in retrospektiven Studien (Main, Kaplan &Cassidy 1985; van Ijzendoorn et al. 1991, Dornes 2000, Kißgen et al. 2008) und prospektiven Studien (Benoit & Parker 1994;Benoit, Parker & Zeanah 1997; Fonagy, Steele & Steele 1991 und 1996, Ward & Carlson 1995) R. Kißgen im 4. Kapitel Kontinuität und Diskontinutität von Bindung, S. 72.
Die Modifikation eines internalen Arbeitsmodels ist möglich, je älter man aber wird, umso mehr Erfahrungen werden in das Arbeitsmodell integriert und desto schwieriger wird dessen Umstrukturierung. Kerns,K.A. (2008): Attachment in middle childhood. in: Cassidy & P.R. Shaver (Hrsg.): Handbook of attachment,S. 234-240,New York. zitiert von R. Kißgen im 4. Kapitel Kontinuität und Diskontinutität von Bindung, S. 72.
Längsschnittstudien aus der Bindungsforschung zeigen, dass eine sichere Bindung einem protektiven Faktor für die psychosoziale Entwicklung gleich kommt. Unsichere Bindung dagegen stellt ein Handicap dar. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 91.
Für Bowlby sind Bindung Exploration zwei von mehreren Verhaltenssystemen, wie z.B. auch Ernährung, Reproduktion, Sexualität, Pflege -> dient alles dem Überleben der Spezies Bowlby, J. (1969): Attachment an loss. Vol. 1. Attachment., New York zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 91.
Der menschliche Säugling ist wie kein anderes Lebewesen abhängig von Schutz durch andere. Darum ist er mit relativ stabilen Verhaltensweisen ausgestattet, die ausreichende Nähe zu anderen gewährleisten. Bowlby, J. (1969): Attachment an loss. Vol. 1. Attachment., New York zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 91.
Signalverhalten (Schreien, Weinen, Lächeln, Vokalisieren, Anblicken) und Annäherungsverhalten (Nähe herstellen, Nachfolgen, Suchen) dienen der Herstellung von Nähe zur Bezugsperson (räumliches Ziel) und gewährleisten damit Schutz (emotionales Ziel) Bowlby, J. (1969): Attachment an loss. Vol. 1. Attachment., New York zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 92.
Das Bindungsverhaltenssystem und das Explorationsverhaltensystem sind antithetisch zueinander ausgerichtet. Das Kind kann nur dann seine Umgebung erkunden, wenn sein Bedürfnis nach Sicherheit gestillt ist, also das Bindungsverhaltenssystem deaktiviert ist. Bowlby, J. (1969): Attachment an loss. Vol. 1. Attachment., New York zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 92.
Während es eines der ersten Aufgaben des Neugeborenen ist, sein physiologischen Prozesse zu regulieren, besteht die Aufgabe der Bezugsperson darin, die Regulation der kindlichen Emotionen zu bewerkstelligen. Dieses Pflegeverhaltenssystem ermöglicht es dem Kind zu erleben, dass es in Zeiten emtotionaler Belastung darauf vertrauen kann, dass seine Bezugsperson ihm beistehen wird. Sroufe, L.A. (1996): Emotional development: The organization of emotional life in the early years, New York. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 92.
mit zunehmenden lokomotorischen Fähigkeiten des Kindes in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres entwickelt sich eine GEGENSEITIGE Regulation zwischen Kind und Bezugsperson. Tronick, E. (1989): Emotions an emotional communication in infants, American Psychologist, 44, S. 112-119. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 92.
Ainsworth entwickelte 1952-1957 bei Feldbeobachtungen in Uganda eine Skala zur Messung mütterlicher Feinfühligkeit -> wichtigstes Instrument zur Beurteilung der mütterl. Feinfühligkeit in der Bindungsforschung der frühen Kindheit. Feinfühligkeit ist demnach die Fähigkeit Signale des Kindes 1. wahrzunehmen, 2. richtig zu interpretieren, 3. angemessen und 4. prompt zu reagieren. Ainsworth, M. et al. (1974): Infant-mother attachment and social development: "Socialization" as a product of reciprocal responsiveness to signals, in: Richard, P. (Hrsg.): The integration of a child into a social world, S. 99-135, London. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 93.
Das Ziel des aktivierten Bindungsverhaltenssystems ist die Erlangung körperlicher Nähe mit der Bindungsperson oder das Erlben gefühlter Sicherheit. Sroufe, L. (1979): The coherence of individual development: Early care, attachment, and subsequent development issues, American Psychologist, 34, S. 834-841. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 96.
Die Art und Weise des beobachtbaren kindlichen Bindungsverhaltens hängt davon ab, wie stark das Bindungsverhaltenssystem des Kindes aktiviert ist. Von einem Kleinkind im Alter bis zu etwas zweieinhalb Jahren erwartet man deutliche Signale (Weinen, Schreien, Anklammer usw.) wenn dessen Bindungsverhalten aktiviert ist. -> besteht durch tragen bereits Körperkontakt/Nähe muss das Kind kein Bindungsverhalten (Weinen,...) zeigen -> psychische Entlastung für den Erwachsenen (vorausgesetzt, Körperkontakt selbst ist für ihn nicht stressig) Solomon, J. & George, C. (1999): The measurement of attachment security in infancy and childhood, in: J. cassidy & P. Shaver (Hrsg.): Handbook of attachment: Theory, Research, and Clinical Application, S. 287-316, New York. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 96.
sicher, unsicher-vermeidend und unsicher-ambivalent wurden als Bindungsqualitäten 1978 von Ainsworth et al. mit 8 Bindungsmustern gruppiert desorganisiert/desorientiert 1986 von Main und Solomon als vierter Bindungytyp zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 98.
Mittelschicht-Stichproben weltweit: sicher 55 - 65% unsicher-vermeidend 20 - 30% unsicher ambivalent 10 - 20 % desorganisiert Grossmann, K.E. et al. (2003): Die Bindungstheorie: Modell, entwicklungspsychologische Forschung und Ergebnisse, in: H. Keller (Hrsg.): Hndbuch der Kleinkindforschung (3. Auflage), S.223-282, Bern. und Goldberg, S. (1995): Introduction. in: S. Goldberg et al. (Hrsg.): Attachment theory. Social, development,and clinical perspectives, S. 1-15, Hillsdale. zitiert von R. Kißgen im 5. Kapitel Diagnostik der Bindungsqualität in der frühen Kindheit - Die Fremden Situation, S. 101.
bisherige Forschungsergebnisse legen nahe, dass frühe erworbene Arbeitsmodelle von Bindung bis zum Jugendalter aufrechterhalten werden, wenn keine tiefgreifende Veränderung in den Beziehungen des Kindes zu seinen Bindungsfiguren auftreten. Julius, H. et al. (2008): Einführung - Interventionen, in: Julius, H. et al. (Hrsg): Bindung im Kindesalter, S. 225 - 231, Göttingen
Bindung wird primär über die Eltern vermittelt, deshalb liegt es nahe im Falle einer unsicheren Bindung beim Kind das Elternverhalten zu modifizieren bzw. die Eltern feinfühliger für die Bindungsbedürfnisse ihrer Kinder zu machen. Julius, H. et al. (2008): Einführung - Interventionen, in: Julius, H. et al. (Hrsg): Bindung im Kindesalter, S. 225 - 231, Göttingen
3 Kriterien um als sichere Bindungsfigur in Frage zu kommen: *Person muss physische und emotionale Fürsprge bereit stellen *beständigund vorhersehbar präsent sein *emotionalen Einsatz zeigen Bowlby, J. (1969): Attachment an loss. Vol. 1. Attachment., New York und Ainsworth, M. (1967): Infancy in Uganda: Infant care and the growth of love, Baltimore. und van IJzendoorn, M.H. et al. (1992): The multiple carteaker paradox: Some data from Holland and Israel, in: R.C. Pianta (Hrsg.): Relationships between children and non-parental adults: New directions in child development, S. 5-24, San Francisco. zitiert von Julius H. et al. auf S. 226
Besonders im KiGa und Grundschulalter (auch noch!) sind Erzieher und Lehrer nicht nur für Wissensvermittlung zuständig, sondern auch für emotionale und physische Fürsorge (Trösten, Hilfe beim Essen, Spielen, Toilettengang,...) Julius, H. et al. (2008): Einführung - Interventionen, in: Julius, H. et al. (Hrsg): Bindung im Kindesalter, S. 225 - 231, Göttingen zitiert von Julius H. et al. auf S. 227
Das interne Arbeitsmodell einer konkreten Elter-Kind-Beziehung wird aus dem Bindungsverhalten des Kindes und dessen Konsequenzen heraus entwickelt. Wichtigste Funktionen der Arbeitsmodelle: Ereignisse vorwegzunehmen bzw. zu simulieren, um das Individuum zu antizipatorischen Verhalten zu befähigen. -> welche Erwartung habe ich an den anderen, wie wird er reagieren?responsiv, vertrauenswürdig, zuverlässig, verfügbar,...? Wie soll ich mich verhalten, damit ich möglichst gut aussteige? Bowlby, J. (1980): Attachment and loss. Vol. 3: Loss, sadness and depression, London. zitiert von Julius H. et al. auf S. 227
Bindungsverhalten wird durch bereits etablierte internale Arbeitsmodelle gesteuert. -> bei neuen Bindungsbeziehungen besteht dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder die gleichen Bindungsstrategien wie bisher einsetzen Grossmann, K. & Grossmann, K.E. (2008): elternbildung und Entwicklung des Kindes in Beziehungen. in: B: Herpertz-Dahlmann et al. (Hrsg.): Entwicklungspsychiatrie, S. 221-241, Stuttgart. zitiert von Julius H. et al. auf S. 228
Tendenz zu komplementären Verhalten der Bezugsperson: selbst Pflegeeltern mit sicherer Bindung boten weniger liebevolle Zuwendung an, wenn die Kleinkinder nicht den Eindruck erweckten, Zuwendung zu benötigen. -> v.a. unsicher gebundene Kinder "sicherheitshalber" tragen! Um Bindungsbedürfniss auch dann zu sättigen, wenn es aufgrund der bisherigen Lebenserfahrungen (mit den biolog. Eltern) zwar besteht aber nicht gezeigt/eingefordert wird! Dozier, M. et al. (2001): Attachment for infants in foster care: The role of caregiver state of mind. Child Development, 72, S. 1467-1477. zitiert von Julius H. et al. auf S. 228.
Minesota Längsschnittstudie: zahlreiche Parallelen im Verhalten von Müttern und Erzieherinnen. Schlussfolgerung: das bindungsbezogene Verhalten der Kinder löste in den Kindergärtnerinnen Verhalten aus, welches das bisherige Bindungsmuster der Kinder bestätigte. Sroufe, L.A. et al. (2005): The development of the person. The Minesota Study of risk and adaption from birth to adulthood, New York. zitiert von Julius H. et al. auf S. 229.
Im Vergleich zu unsicher gebundenen Kindern reagierten die Lehrer am feinfühligsten auf die Bindungssignale der sicher gebundenen Kinder. (häufig positiver Affekt, emotionale Nähe, soziales Engagement seitens der Lehrer) Howes, C. & Hamilton, C.E. (1992): Children's relationships with child care teachers: Stability and concordance with paternal attachments. Child Development, 63, S. 867-878. zitiert von Julius H. et al. auf S. 229.
misshandelte Kinder provozierten beim Lehrer oft durch Beleidigungen etc. Lässt sich interpreteieren als Test, ob Lehrer sie wirklich nicht misshandelt. Julius, H. (2001): Bindungstheoretisch abgeleitete Interventionen für Kinder, die an Erziehungshilfeschulen unterrichtet werden. Heilpädagogische Forschung, 27, S. 175-188. und Littner, N. (1960): The child's need to repeat his past. Some implications for placement. Social Services Reiew, 34, S. 128-148. zitiert von Julius H. et al. auf S. 229.
Minnesota Parent-Child Project: Längsschnittdaten zeigen, dass Traumatisierungen in den ersten vier Lebensjahren (Missbrauch, Misshandlung, Vernachlssigung, emotional nicht verfügbar erlebte Eltern) durch verschiedene Faktoren vorhersehbar waren: *Eltern in ihrer Kindheit selbst Opfer von Misshandlungen *aktuelle Ausgangslage der Mutter: hohe Stressbelastung, eingeschränkte Empathiefähigkeit, geringes Wissen um Grundlagen der kindlichen Entwicklung Egeland, B. & Erickson, M.F. (1987): Psychologically unavailable caregiving. The effects on development of young children and the implications for intervention. in: M. Brassard et al. (Hrsg.): Psychological Maltreatment of Children and Youth, S. 110-120, New York. und Egeland, B. & Sroufe, L.A. (1981): Attachment and early maltreatment. Child Debvelopment, 52, S. 44-52. zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.235.
Frühere Kindheitserfahrungen sind in Hinblick auf eigene Kinder weniger bedeutsam als die heutige Einstellung zu den früheren Erfahrungen. Dieses Wissen legitimiert eindrucksvoll jede Form von präventiver Arbeit mit den Eltern um das Kindeswohl zu fördern. Kißgen, R. (2008): Das STEEP-Programm, in: Julius, R. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter, S. 233-251, Göttingen. S. 236
Die Bindungsklassifikation im 1. Lebensjahr ist sowohl für das Problemlösungsverhalten, als auch für die Art und Weise der Unterstützung durch die Mütter in diesen Situationen prognostisch bedeutsam. Matas, L. et al. (1978): Continuity of adapion in the second year: The relationship between quality of attachment and later competence. Child Development, 49, S. 547-556. zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.236.
Im Gegensatz zu sicher gebundenen Kindern schätzten Kidnergärtnerinnen bei MPCP (Minnesota Parent-Child Project) die unsicher gebundenen Kinder als abhängiger und unselbständiger ein und attributierten ihnen mehr depressive Tendenzen und Symptome. Block, J. (1980): From infancy to adulthood. A clarification. Child Development, 51, S. 622-623. zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.237.
MPCP: sicher gebundene Kinder konnten Konflikte konstruktiv lösen und reagierten mit größerer Anteilnahme und mehr Empathie wenn ein anderes Kind Kummer zeigte. Unsicher gebundene zeigten "Antiempathie": reagierten auf Kummer anderer zwar angespannt, aber sie trösteten es nicht sondern ärgerten oder provozierten es sogar noch. Sroufe, L.A. et al. (1993): Individuals in relationships: Development from infancy through adolescence, in: Funder, D.C. et al. (Hrsg.): Studying lives through time: Personality and development, S. 315-342, Washington, DC. zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.237.
Sowohl die systematischen Verhaltensbeobachtungen als auch die unabhängigen Einschätzungen der Kindergärtnerinnen ergaben im MPCP, dass die unsicher gebundenen Kinder ein deutlich höheres Maß an Abhängigkeit und Anlehnungsbedürfnis zeigten. Kißgen, R. (2008): Das STEEP-Programm, in: Julius, R. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter, S. 233-251, Göttingen. S.237
Kinder gestalten aufgrund ihrer persönlich gemachten Erfahrungen aktiv ihre momentane Umwelt mit. (Kindergärtnerinnen im MPCP reagierten ohne Wissen über den Bindungstyp dementsprechend) Sroufe, L.A. et al. (1993): Individuals in relationships: Development from infancy through adolescence, in: Funder, D.C. et al. (Hrsg.): Studying lives through time: Personality and development, S. 315-342, Washington, DC. zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.238.
MPCP: Die Kinder mit sicherer Bindungsqualität zum ENde des ersten Lebensjahres wisen ein günstigeres Entwicklungsniveau auf die unsicher gebundenen. Sroufe, L.A. et al. (1993): Individuals in relationships: Development from infancy through adolescence, in: Funder, D.C. et al. (Hrsg.): Studying lives through time: Personality and development, S. 315-342, Washington, DC. zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.238.
Kinder von feinfühligen Eltern reagieren postitiver und sozial kompetenter gegenüber neuen Anforderungen. Kinder nicht feinfühliger, ignorierender, überstimulierender oder gar ängstigenderen Eltern erleben sich eher als inkompetent bzw. zeigen sie oft schon im Vorschulalter Verhaltensauffälligkeiten. Grossmann, K. et al. (1985): Maternal sensitivity and newborns' orientation responses as related to quality of attachment in Northern German, in: Bretherton, I. & Waters, E. (Hrsg.): Growing points in attachment theory and research. Monographs of the Society for Research in Child Development, 50, S. 233-278, Chicago. und Suess, G.J. et al. (1992): Effects of infant attachment to mother and father on quality of adaption in preschool: From dyadic to individual organization of self. International Journal of Behavioral Development, 15, S. 43-65 zitiert von Kißgen, R. im 11. Kapitel Das STEEP-Programm S.242.
Das Weinen eines Kindes oder sein entwicklungsangemessenes Explorationsverhalten wird nicht selten als bewusste Provokation und Ärgernis erlebt. (STEEP-Programm zielt deswegen auf Fähigkeit zur Perspektivenübernahme ab um Bedürfnisse des Kindes zu erkennen) ißgen, R. (2008): Das STEEP-Programm, in: Julius, R. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter, S. 233-251, Göttingen. S.242
STEEP-Programm arbeitet u.a. mit *Förderung gesunder und realistischer Erwartungen *Vermittlung von Grundlagenwissen zur kindlichen Entwicklung *Befähigung der Eltern zur Perspektivenübernahme -> WISSEN, dass getragen werden dem Kind "programmiert" ist, ERWARTEN dass es das braucht/einfordert und VERSTEHEN warum! Kißgen, R. (2008): Das STEEP-Programm, in: Julius, R. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter, S. 233-251, Göttingen. S.242
STEEP-Programm zielt darauf ab den Eltern zu verdeutlichen, dass auch sie individuelle Stärken und Möglichkeiten besitzen, die sie im Alltag mit Kind nutzen können. -> Eltern erfahren durchs Tragen/Beruhigen können Selbstsicherheit Kißgen, R. (2008): Das STEEP-Programm, in: Julius, R. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter, S. 233-251, Göttingen. S.244
Wie gut Eltern die Bindugnsbedürfnisse beim Kind erkennen können und dann darauf eingehen werden liegt nicht nur in den Eigenarten der Eltern-Kind-Bindung begründet, sondern auch darin *inwieweit die Eltenr auf welches Unterstützungsnetz die bei Überforderung, Krisen,... zurück greifen können * inwieweit Arbeitswelt, Freizeit, Freunde, Partner die Eltern von der Wahrnehmung ihrer Kinder ablenken und fernhalten * in welcher Form das Bindungsmodell der Eltern ihre Wahrnehmeung und Reaktionen auf das Bindungsverhalten des Kindes beeinflussen Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. (2008): Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pfegeeltern, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 253-276. S. 254
Eltern mit distanzierenden Fürsorgemodellen blenden deutliche Bindungssignale ihrer Kinder immer wieder aus, vor allem wenn das eigene Bindugnssystem dadurch aktiviert werden könnte. Denn das würde unangenehme Erinnerungen und damit zusammenhängende Gefühle auslösen. Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. (2008): Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pfegeeltern, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 253-276. S. 258
Eltern mit aufgebendem Fürsorgemodell beschreiben sich als ohnmächtig ihren Kinden gegenüber, unfähig sie zu beschützen und geben an, sich verzweifelt darum zu bemühen , Kontrolle über sich selbst, ihre Kinder und die gesamte Situation zu erlangen. -> Tragen von den ersten Wochen weg als Baustein um Kompetenz- und Selbstwertgefühl zu steigern George, C. & Solomon, J. (1999): Attachment and Caregiving - The Caregiving Behavioral System, in: Cassidy, J. & Shaver P.R. (Hrsg.): Handbook of Attachment, S. 649-670, New York. zitiert von Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. im 12. Kapitel Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pflegeeltern, S. 258
Hitnergründe für aufgebenden Fürsorgestil können neben psychischen Erkrankungen oder Suchtabhängigkeit v.a. eigene unverarbeitete traumatische Erfahrungen sein. Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. (2008): Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pfegeeltern, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 253-276. S. 259
aufgebender Fürsorgestil: pädagogische u. therapeutische Hilfen zielen bei diesen Eltern zunächst darauf ab, dass sie wieder mehr Kontrolle über ihre Kinder gewinnen und Erfolgserlebnisse in ihrem Elternsein sammeln können. -> Tragen von den ersten Wochen weg als Baustein um Kompetenz- und Selbstwertgefühl zu steigern Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. (2008): Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pfegeeltern, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 253-276. S. 259
Gerade Kinder aus Risikofamilien sind immer wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit multiplen Risiken ausgesetzt. Wenn wir bei diesen Familien von Interventionsbeginn an den Aufbau und die Stärkung von Schutzmechanismen im Auge haben, tragen wir dadurch zur Steigerung bzw. Absicherung unseres Beratungs- bzw. Therapieerfolges bei. Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. (2008): Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pfegeeltern, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 253-276. S. 263
"Ermutigung zum Standhalten in der Beziehung und Erziehung sowie Organisation von Entlastung und Erholung für die Pflegeeltern" als wichtige Intervention als Hilfe im Bindungsbereich Lieberman, A. (2003): The treatment of attachment disorder in infancy and early childhood: Reflections from clinical intervention with later adopted foster care children, Attachment and Human Development, 5, S. 279-282 und Scheurer-Englisch, H. (1999): Aufgaben der Erziehungsberatung bei Fremdunterbringung. Begleitung von Kind und Familie im Übergang aus entwicklungspsychologischer Sicht, in: Hundsalz, A. et al. (Hrsg.): Jahrbuch für Erziehungsberatung, S. 137-159, Weinheim. und Scheurer-Englisch, H. (2004): Kindliche Sicherheit als Leitlinie fachlichen Handelns - Fremdplatzierung und Bindung von Kindern in Pflegefamilien. Broschüre Nr. 4 des PFAD: Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V., Frankfurt. zitiert von Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. im 12. Kapitel Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pflegeeltern, S. 266
erste = Anpassungsphase in Pflegefamilien: das Kind genießt Nähe, Fürsorglichkeit, Körpkontakt und Schutz und holt körperliche Rückstände sowie Verwahrlosunganzeichen schnell auf. Konflikten geht das Kind eher noch aus dem Weg. Nienstedt, M. & Westermann, A. (1995): Pflegekinder. Psychologische Beiträge zur Sozialisation von Kindern in Ersatzfamilien, Münster. und Scheurer-Englisch, H. (2004): Kindliche Sicherheit als Leitlinie fachlichen Handelns - Fremdplatzierung und Bindung von Kindern in Pflegefamilien. Broschüre Nr. 4 des PFAD: Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V., Frankfurt. zitiert von Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. im 12. Kapitel Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pflegeeltern, S. 267
zweite Phase in Pflegefamilien = prüfung des Vertrauens, Austesten der Grenzen: Bei ausreichendem Vertrauen aus der ersten Phase zeigt das Kind zunehmend sein eigenes Selbst mit seinen Bedürfnissen, seinen früheren Bindungs- und Handlungsmustern. Nienstedt, M. & Westermann, A. (1995): Pflegekinder. Psychologische Beiträge zur Sozialisation von Kindern in Ersatzfamilien, Münster. und Scheurer-Englisch, H. (2004): Kindliche Sicherheit als Leitlinie fachlichen Handelns - Fremdplatzierung und Bindung von Kindern in Pflegefamilien. Broschüre Nr. 4 des PFAD: Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V., Frankfurt. zitiert von Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. im 12. Kapitel Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pflegeeltern, S. 267
dritte Phase in Pflegefamilien nach ca. 1 Jahr = neue Bindungsbeziehungen sind entstanden: bei einigermaßen stabilen Beziehungen und Absicherung des weiteren Verbleibs kann das Kind nun bei Bedarf auf frühere Entwicklungsstufen zurück kehren, unterstützende Erfahrungen von Körperkontakt, Zuwendung und ähnlichem nachholen und erleben. Nienstedt, M. & Westermann, A. (1995): Pflegekinder. Psychologische Beiträge zur Sozialisation von Kindern in Ersatzfamilien, Münster. und Scheurer-Englisch, H. (2004): Kindliche Sicherheit als Leitlinie fachlichen Handelns - Fremdplatzierung und Bindung von Kindern in Pflegefamilien. Broschüre Nr. 4 des PFAD: Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V., Frankfurt. zitiert von Suess, G. & Scheuerer-Englisch, H. im 12. Kapitel Bindungstheoretische Arbeit mit Eltern und Pflegeeltern, S. 269
Die Ergebnisse mehrer Studien belegen, dass Kinder in Belastungssituationen ähnlich wie bei ihren primären Bindungspersonen Nähe und Sicherheit auch bei bekannten nicht elterlichen Bindugnspersonen suchen. Barnas, M.V. & Cummings, E.M. (1994): Caregiver Stability and toddlers' attachment related behavior towards caregivers in day care. Infant Behavior and Development, 17, S. 141-147. und Fox, N.A. (1977): Attachment of kibbutz infants to mother and metapelet. Child Development, 48, S. 1228-1239. zitiert von Strohband, K. im 13. Kapitel Bindungsbegleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, S. 281
Im Vergleich mit einer unsicheren Erzieherinnen-Kind-Bindung ist eine sichere Erzieherinnen-Kind-Bindung assoziiert mit *prosozialem, unabhängigerem und zielorientierterem Verhalten *einer besseren Beziehungsqualität zur Lehrkraft in der Grundschule *einer höheren sozialen Kompetenz in Interaktionen mit anderen Kindern und erwachsenen Betreuungspersonen *größeren kognitiven Zugewinnen Oppenheim, D. et al. (1988): Infant-Adult Attachments on the Kibbutz and Their Relation to Socieconomical Development 4 Years Later. Development Psychology, 24, S. 427-433 und Howes, C. et al. (1998): Stability and Continuity of Child-Caregiver and Child-Peer Relationships. Child Development, 69, S. 418-426. und Howes, C. et al. (1988): Attachment and Child Care: Relationships With Mother and Caregiver. Childhood Research Quarterly, 3, S. 403-416 und Pierrehumbert, B. (1996): Child care in the perschool years: Attachment, behavior problems and cognitive development. European Journal of Psychology and Education, 11, S. 201-214 zitiert von Strohband, K. im 13. Kapitel Bindungsbegleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, S. 281
wichtig für Aufbau einer sicheren Erzieherinnen-Kind-Beziehung: durchgängige Verfügbarkeit der Erzieherin als Bezugsperson, insbesondere bei jüngeren Kindern, sowie ausreichend Zeit und Interaktionserfahrung mit dieser Ahnert, L. et al. (2006): Security of Children's Realtionships With Nonparental Care Providers: A Meta-Analysis. Child Development, 74, S. 664-679 und Barnas, M.V. & Cummings, E.M. (1994): Caregiver stability and toddler's attachment related behavior towards caregivers in day care. Infant Behavior and Development, 17, S. 141-147 und Howes, C. & Hamilton,C.E. (1992): Children's relationships with child cate teachers: stability and concordance with paternal attachment. Child Development, 63, S. 867-878 zitiert von Strohband, K. im 13. Kapitel Bindungsbegleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, S. 281f
Vor allem bei größeren Gruppen betreuter Kinder (wie sie in Tageseinrichtungen übich sind) ist die gruppenbeogene Feinfühligkeit, d.h. die angemessene Reaktion auf Einzelbedürfnisse von Kindern unter Einbezug der Anforderungen der Gruppe maßgeblich für eine sichere Erzieherinnen-Kind-Bindung. -> Tragend dem Schutz-/Nähebedürfnis eines Kindes nachkommen, auch wenn der "Gruppenalltag" weiter geht! Ahnert, L. et al. (2006): Security of Children's Relationships With Nonparental Care Providers: A Meta-Analysis. Child Development, 74, S. 664-679 zitiert von Strohband, K. im 13. Kapitel Bindungsbegleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, S. 281
unsichere Bindungsmuster sollten nicht als negativ gesehen werden, sondern als Anpassungsleistung der Kinder an bestimmte Umtweltbedingungen Strohband, K. (2008): Bindungsgeleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 277-292 S. 283
Für den Aufbau einer sicheren Bindungsbeziehung zwischen Erzieherin-Kind ist regelmäßig gemeinsam verbrachte Zeit sowie eine feinfühlige Reaktion auf die Schutzbedürfnisse der Kinder in Zeiten, in denen das Bindungssystem aktiviert ist, unter gleichzeitiger Einbeziehung der Gruppengröße maßgeblich Strohband, K. (2008): Bindungsgeleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 277-292 S. 286
komplementäres Verhalten der Erzieherinnen (Ergebnisse der Minnesota Längsschnittstudie) Bei Kindern mit sicherer Bindung kann man davon ausgehen, dass sie ihre Bedürfnisse nach Schutz und Sicherheit angemessen einfordern und diese dementsprechen befriedigt werden. Kinder mit vermeidender Bindung werdern sich in Belastungssituationen eher selbständig verhalten und Nähe vermeiden, was leicht dazu führen kann, dass die Erzieherinnen sich eher um andere, vermeintlich bedürftigere Kinder kümmern und die gleichfalls vorhandenen, aber nicht gezeigten Bindungsbedürfnisse der vermeidenden Kinder übersehen. Ambivalent gebundene Kinder fordern viel ein und bekommen anfangs meist viel Zuwendung. Wenn die Gruppe dann darunter leidet weil die Erzieherin die anderen vernachlössigt, erfahren die ambivalent gebundenen Kinder häufig Zurückweisung und sie machen damit ähnlich inkonsistente Erfahrungen bzgl. Verfügbarkeit der Erzieherin wie sie diese auch schon bei ihren primären Bindungspersonen gemacht haben. Sroufe, L.A. et al. (2005): The development of the person, New York. zitiert von Strohband, K. im 13. Kapitel Bindungsbegleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, S. 286f
Kinder mit vermeidender Bindung haben Stärken in Bereich Selbständigkeit und Erkundung der Umwelt, sollten aber beim Suchen von Nähe, Schutz und Unterstützung in Bindungssituationen gefördert werden. Kindern mit ambivalenter Bindung sollte vor allem klare, konsistente Verfügbarkeit gewährleistet werden und andererseits ihre Selbständigkeit fördern Bei desorganisiert gebundenen Kindern ist es wichtig, dass die Erzieherin die Rolle der in Verantwortung für die Situation stehende, erwachsene Person einnimmt. Und psychologische Beratung für die Eltern, da desorganisierte Bindung ein Risikofaktor ist. Strohband, K. (2008): Bindungsgeleitetes Vorgehen in Kindertageseinrichtungen, in: Julius, H. et al. (Hrsg.): Bindung im Kindesalter: Diagnostik und Interventionen, S. 277-292 S. 288
unsicher gebundene Kinder zeigen im Vergleich zu sicher gebundenen weniger empathische Reaktionen, verfügen über weniger effektive Konfliktlösungsstrategien und interpretieren soziale Konfliktsituationen eher feindselig. Sroufe, L. (1983): Infant-caregiver attachment and patterns of adaption in preschool: The roots of maladaption and competence, in: Perlmutter, M. (Hrsg.): Minnesota Symposium in Child Psychology, S. 41-81, Hillsdale. und Suess, G. et al. (1992): Effects of infant attachment to mother and father on quality of adaption in preschool: From dyadic to individual organization of self. International Journal of Behavioral Development, 15, S. 43-65. zitiert von Julius, H. im 14.Kapitel Bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erzeihungshilfe, S. 293
sicher gebundene Kinder fallen durch mehr Optimismus in ihrer sozialen Wahrnehmung auf Suess, G. et al. (1992): Effects of infant attachment to mother and father on quality of adaption in preschool: From dyadic to individual organization of self. International Journal of Behavioral Development, 15, S. 43-65. zitiert von Julius, H. im 14.Kapitel Bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erzeihungshilfe, S. 293
unsicher gebundene Kinder fallen neben dem Sozialbereich auch durch mehr Ängstlichkeit, Hilflosigkeit, Depressivität und häufigeren Einsatz vermeidender Coping-Strategien auf. Dodge, K. & Frame, C. (1982): Social cognitive biases and deficits in aggressive boys, Child Development, 53, S. 620-635. und Kobak, R.R. & Sceery A. (1988): Attachment in late adolescence. Working models, affect refulation, and representations of self and others. Child Development, 59, S. 135-146. und Kobak, R.R. et al. (1993): Attachment and derpressive symptoms during adolescence. Development and Psychopathology, 3, S. 461-474 und Papini, D.R. et al. (1991): Early adolescence perceptionof attachment to mother and father. Journal of Early Adolescence, 11, S. 258-275. und Zimmermann, P. (1997): Bindungsentwicklung von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter und ihre Bedeutung für den Umgang mit Freundschaftsbeziehungen. in: Spangler, G. & Zimmermann, P. (Hrsg.): Die Bindungstherorie: Grundlagen, Forschung und Anwendung, S. 203-232, Stuttgart. zitiert von Julius, H. im 14.Kapitel Bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erzeihungshilfe, S. 293
unsichere Bindungsorganisation führt nicht zwangsläufig zu psychischen Störungen, ist aber Risikofaktor, durch den die Vulberabilität gegenüber Belastungen erhöht wird. Eine sichere Bindung hingegen hat Pufferwirkung für potenziell schädigende Einflüsse aus der Umwelt. desorganisierte Bindungsmuster sind dagegen statistisch wesentlich enger mit psychischen störungen assoziiert Dornes, M. (1999): Die Entstehung seelischer Erkrankungen: Risiko- und Schutzfaktoren, in: Suess, G. & Pfeifer, W. (Hrsg.): Frühe Hilfen: Anwendung von Bindungs- und Kleinkindforschung in Erziehung, Beratung, Therapie und Vorbeugung, S. 25-64, Gießen. zitiert von Julius, H. im 14.Kapitel Bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erzeihungshilfe, S. 294
desorganisiert gebundene Kinder zeigen eine ähnliche Symptomatik wie unsicher gebundene Kinder, allerdings stärker ausgeprägt. Ihre schlechten Schulnoten sind auf Probleme bei der Regulation emotionaler Zustände in kognitiven Anforderungssituationen zurückzuführen. zitiert von Julius, H. im 14.Kapitel Bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erzeihungshilfe, S. 294
Wechsel der Bindungsqualität von unsicher zu sicher wenn zB. eine zusätzliche Bezugsperson in die Familie kam oder das Verhalten der Mutter gegenüber dem Kind feinfühliger wurde (wurde in Risikostichproben der Arbeitsgruppe um Sroufe festgestellt) Egeland, B. & Sroufe, L.A. (1981): Attachment and early maltreatment. Child Development, 52, S. 44-52. und Vaughn, B. et al. (1979): Individual differences in infant mother attachmentat twelve and eigtheen months: Stability and change in families under stress. Child Development, 50, S. 971-975. zitiert von Julius, H. im 14.Kapitel Bindungsgeleitete Interventionen in der schulischen Erzeihungshilfe, S. 295
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