DEFINITION: hereditärer (meist autosomal-dominant) oder
erworbener Defekt
EPIDEMIOLOGIE: häufigste angeborene hämorrhagische Diathese, 1%der
Bevölkerung betroffen, aber oft klinisch inapparent.
PATHOGENESE: Störung der Thrombozyten-Gefäßwand-lnteraktion
(gestörte primäre Hämostase) und mangelnde
Stabilisierung des Faktors VIII (gestörte sekundäre
Hämostase). Einteilung in Typ 1 (partiell quantitativer
Mangel), 2 (qualitativer Defekt), 3 (vollständiger
quantitativer Mangel).
KLINIK: Haut- und Schleimhautblutungen (Petechien,
Ekchymosen, Epistaxis, Menorrhagien), (Nach-)Blutungen
nach Operationen oder Traumen.
Gelenk-/Weichteilblutungen selten.
DIAGNOSE: Blutungszeit und PTI verlängert, Quick-Wert,
Thrombozytenzahl und -funktion normal, vWF-Antigen,
vWF-Aktivität, Faktor-VIII-spiegel, Ristoce-
tin-Kofaktor-Aktivität.
THERAPIE: DDAVP (Desmopressin) nur bei leichten Formen bei vWS
Typ 1, Faktor-VIli-Konzentrate mittlerer Reinheit (enthalten
noch vWF-Multimere) bei schwereren Formen und allen
Typen.
Verbrauchskoagulopathien (DIC)
DEFINITION: sekundäre komplexe Hämostase Störung, die durch verschiedene
Grunderkrankungen ausgelöst wird
PATHOGENESE: diffuse Aktivierung der intrinsischen und/oder extrinsischen
Gerinnungskaskade und der Thrombozyten -> überschießende unkontrollierte
Thrombenbildung in Mikrozirkulation--> Aktivierung von Gerinnungsinhibitoren
und Fibrinolyse --> Multiorganversagen durch mikrovaskuläre Thromben und
hämorrhagische Diathese durch Verbrauch der Gerinnungsfaktoren mit
lebensbedrohlichen Blutungen
STADIEN: Stadium I: pathologische Aktivierungsphase, kompensiert Stadium II:
Defizit; frühe Verbrauchsphase, dekompensiert Stadium III späte
Verbrauchsphase und reaktive Fibrinolyse,
KLINIK: Organischämien (Multiorganversagen); multiplen Haut- und
Schleimhautblutungen, Petechien, Sugillationen, Ekchymosen, Hämatomen,
Organblutungen und nekrotisierenden Hämorrhagien an Akren und Druckstellen
DIAGNOSE: Quick (-) ; PTT (+); Nachweis von D-Dimeren (+)
DEFINITION: Mangel oder Defekt von Faktor VIII (Hämophilie A) oder
Faktor IX (Hämophilie B).
EPIDEMIOLOGIE: zweithäufigste hereditäre Koagulopathie, 85%
Hämophilie A, 15% Hämophilie B.
PATHOGENESE: defektes Hämophilie-Gen -> intrinsische Aktivierung
der Gerinnungskaskade defekt-> gestörte sekundäre Hämostase -->
"WeißerThrombus" kann nicht stabilisiert werden.
KLINIK: Nabelschnurblutungen, große Hämatome, Muskel- und
Gelenkblutungen (Kompartmentsyndrom, destruierende
Arthropathie), späte Nachblutungen nach Operationen. Klinik
abhängig vom Schweregrad (leicht, mittelschwer, schwer).
DIAGNOSE: PTT verlängert, Quick-Wert und Blutungszeit normal.
THERAPIE: Substitution der Faktoren VIII bzw. IX mittels aus Plasma
aufgereinigter oder rekombinanter Faktorkonzentrate, DDAVP (nur
bei leichter Hämophilie A).
DEFINITION:Verminderung der
Thrombozytenzahl unter 150000/mikrol
URSACHEN: --> BILDUNGSTÖRUNG: verminderte
oder ineffiziente Thrombopoese, z. B. bei
Knochenmarkinsuffizienz durch Leukämien oder
nach Chemotherapie ---> UMSATZSTÖRUNG:
vermehrter Verbrauch oder Abbau von
Thrombozyten, z. B. immunologischer Ätiologie
wie bei Immunthrombozytopenie (ITP)
-->VERTEILUNGSSTÖRUNG: Thrombozytenpooling
bei Splenomegalie bzw. Hypersplenismus
DIAGNOSE: Thrombozytenzahl verringert,
Blutungszeit verlängert, Quick und PTT normal
KLINIK: prim. Hämostase gestört,
Blutungsneigung ab< 50000/mikrol: Petechien,
Ekchymosen, frühe (Nach-)Biutungen postop.
o. nach Trauma. Gefährl. Blutungen ab<
10000/IJI.
Arzneimittelbedingte thrombozytopenische
Purpura: ausgeprägte Thrombozytopenie
durch immunologische Reaktion nach
Medikamenteneinnahme.
PTP: Thrombozytopenie durch
Antikörperbildung nach Transfusion von
Thrombozyten.
ITP: Autoantikörper gegen Thrombozyten,
isolierte Thrombozytopenie. --> Akute ITP:
v.a. Kinder nach viralem Infekt, hohe
Spontanremissionsrate innerhalb von 3 - 6
Monaten. -->Chronische ITP: Dauer> 6
Monate, niedrige Spontanremis- sionsrate,
Th: Glukokortikoide, Immunglobuline,
Splenektomie, immun- suppressive
Zytostatika.
PATHOGENESE: Verlust kontraktiler Strukturen der Gefäßwand -->
Gefäßerweiterungen und -brüche --> Teleangiektasien der Haut und
Schleimhäute v. a. im Gesichtsbereich, Handflächen und Fußsohlen
KLINIK: Punktförmige (intravasale) Blutungen= Teleangiektasien
an Lippen, SH; Magen-,Darmblutungen, AV-Malformationen in
Lunge und Gehirn, glgt. Leberhämangiome
THERAPIE: Symptomatisch (Nasentamponade, Emboli- sierung,
Verödung der Gefäßerweiterungen mittels Lasertherapie)
Purpura
Schoenlein-Henoch
(Vasculitis allergica)
DEFINITION: immunologisch vermittelte Vaskulitis der kleinen
Blutgefäße (Typ-lll·lmmunreaktion, Arthus·Typ), 2- 3
Wochen nach Infekten der oberen Atemwege oder nach
Medikamenteneinnahme; KLINIK: Juckreiz,
Einblutungen, urtikarieller Hautquaddeln an
Streckseiten der Beine und Gesäß. Wenn alle kapillären
Gefäße betroffen: Gelenkschwellung, GI-Trakt (kolikartige
Bauch schmerzen, gastrointestinale Blutungen), die Niere
(lgA-Nephritis, Hämaturie, evtl. Proteinurie) und das ZNS
(Kopfschmerzen) betroffen
Purpura simplex
und senilis
DEFINITIONFrauen und ist gekennzeichnet durch kurz vor der
Mens- truation auftretende schmerzhafte Petechien und
Ekchymosen (,.Teufelsflecken") an den Beinen. Die Purpura
senilis entsteht bei älte· ren Menschen durch altersbedingte
Atro- phie des Gefäßstützgewebes und ist durch Petechien
und Ekchymosen im Gesicht, auf dem Handrücken, an
Unterarmen und Bei- nen gekennzeichnet. Als Residuen
können braune Pigmemflecken bleiben. Der Krank-
heitswert beider Formen ist gering. Eine
DEFINITION: Gerinnungsstörungen jeglicher Ätiologie mit erhöhter Blutungsbereitschaft.KLINIK:
Petechien v.a. bei thrombozytären und vaskulären Ursachen, Hauthämatome (Ekchymosen =
kleinflächig, Sugillationen = großflächig) v. a. bei Koagulopathien, Nasenbluten (Epistaxis), starke
Blutungen und/oder Nachblutungen bei Operationen, Hämoptoe, Hämaturie, Meläna, GI-Blutungen,
zerebrale Blutungen.
DD: Störungen der primären und
sekundären Hämostase
Primäre Hämostase: Vasokonstriktion
Thrombozytenadhäsion und -aggregation
Bei Gefäßerkrankungen und Störungen
der Thrombozytenfunktion Ist die primäre
Hämostase defekt und es kommt
typischerweise zu oberflächlichen Haut-
und Schleimhautblutungen (Petechien)
und frühen Nachblutungen nach
operativen Eingriffen oder Traumen.
Sekundäre Hämostase:
Blutgerinnung
Bei Gerinnungsstörungen ist die
sekundäre Hämostase defekt und es
kommt typischerweise zu großflächigen
Elnblu- tungen (große Hämatome) in
(tiefe) Welchteile und Gelenke sowie zu
späten Nachblutungen nach operativen
Eingriffen Oder Traumen.