Karteikarten
Klinische Neuropsychologie - Auditive Agnosien
Karten in diesem Stapel (14)
- 1Klinische Merkmale auditiver AgnosienLeitsymptom:
Laute hören ohne diese zu erkennen (materialspezifisch oder generalisiert; Möglichkeit verschiedener Ausprägungen)
Weitere Symptome:
-Reaktion auf Laute ohne Interpretation
-Unfähigkeit für das erkennen nonverbaler Geräusche
- u.U. Normale Tonaudiometrie
Testung durch Zuordnungs-/ Benennungsaufgabe von akustischen Objekten/Wörtern zu Bildern - 2Abgrenzung von anderen krotikalen HörstörungenZentrale Hörstörungen:
Patienten werden taub (kortikale Taubheit) oder erreichen nur rudimentäres Hören (durch selektive Aufmerksamkeitsfokussierung)
Bei auditiven Agnosien hingegen sind spätere Verarbeitungsschritte und -prozesse betroffen, welche zur Erkennung eines komplexen Lautes in seiner semantischen Bedeutung notwendig sind; d.h. der Reiz wird wahrgenommen - auch bewusst, jedoch kann er nicht zugeordnet werden
Auditive Agnosien gehören zu den kortikalen Hörstörungen, müssen jedoch von kortikaler Taubheit abgegrenzt werden - 3Akustisches SignalUnterliegt einer Analyse bzgl. physikalischer Parameter:
Intensität und räumliche Lokalisation des Schallreizes, spektrale Zusammensetzung, zeitlicher Verlauf und Muster von spezifischen Kombinationen der Grundparameter
Analyse dient Diskrimination verschiedener auditorischer Reize und Abgrenzung dieser vom akustischen Hintergrund => Problem des Alltags: häufige Überlappung kontinuierlicher Schallquellen
Erkennung von Geräuschen durch die Verknüpfung dieser prototypischen Merkmale mit (re-)aktivierten Wissensinhalten des semantischen Gedächtnisses - 4Klassifikation der verschiedenen auditiven AgnosienVerarbeitungshierarchie kann an verschiedenen Punkten gestört sein
Unterscheidung in:
1. Beeinträchtigung der Diskriminationsfähigkeit (gleich-ungleich) => apperzeptive auditive Agnosie
2. Beeinträchtigung der Erkennungsfähigkeit unter erhaltener Diskriminationsfähigkeit (Zuordnung) => assoziative auditivve Agnosie
Verbales sowie non-verbales Geräuschmaterial kann betroffen sein
Verbale auditorische Modalität: gesprochene Sprache/Wörter
nonverbale auditorische Modalität:
Umweltgeräusche (von Objekten/Handlungen), paralinguistische Qualitäten der gesprochenen Sprache (z.B. Tonhöhenveränderungen), musikalische Reize
Jede Modalität kann in apperzeptiver oder assoziativer Form gestört sein - 5Aphasische SymptomeMild ausgeprägt als Begleiterscheinung möglich:
-Erkennen von Stimuli in anderen Modalitäten als Sprache/nonverbales Geräusch
-Sprachfähigkeit vorhanden, jedoch leichte Auffälligkeiten der Stimmlage (Verschiebung der Tonlage) und der Sprachmelodie (Dysprosodie)
Ist Aphasie nur leicht vorhanden, aber Sprachverständnis schwer beeinträchtigt ist Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins einer auditiven Agnosie erhöht
Agnosie für nonverbale Geräusche oft unentdeckt => Untersuchung zur Abgrenzung zwischen reiner Worttaubheit und generalisierter auditiver Agnosie nötig - 6ÄtiologieHauptursache:
bilaterale Läsionen der Temporallappen und/oder des hinteren Thalamus (Corpus geniculatum mediale) und der Hörbahn (radiatio acustica) durch Hirninfarkte
Auch durch Enzephalitiden oder Schädel-Hirn-Traumata; seltener: Intoxikationen, Erstmanifestation degenerierender Krankheiten
Nach einseitiger Schädigung Materialspezifische selektive auditive Agnosien möglich - 7Generalisierte auditive Agnosie-Großteil der auditiven Agnosien
-Weder Verständnis von sinntragenden Umweltgeräuschen noch gesprochenen Wörtern in ihrer Bedeutung
-Vorhandene Hör-,Sprach-, und Schreibfähigkeiten (evtl. leichte aphasische Beeinträchtigungen)
Ursachen:
Variabel im Detail der Läsionsorte und
-ausdehnungen; allerdings nach bilateraler Läsion der Temporallappen
Kritische Strukturen:
Gyrus temporalis superior sowie Heschl-Querwindung inklusive afferenten und efferenten Verbindungen, Corpus geniculatum mediale, hintere Thalamuskerne und Radiatio acustica - 8Vorschlag Mesulam (2000)Apperzeptive Störungen durch Läsionen unimodaler Assoziationskortizes oder durch Diskonnektion der Verbindungen von primär-sensorischen zu unimodal assoziativen Kortizes
- 9Reine GeräuschagnosieSelten Beschrieben
Annahme:
Indizien werden stark unterschätzt, da Patienten ohne Störung des Sprachverständnisses seltener medizinische Hilfe in Anspruch nehmen
Durch Tonaudiometrien und Sprachverständnistests nicht detektierbar => Misses möglich
Differenzierung in apperzeptive und assoziative Form möglich
Ursachen:
bilaterlae oder rechtshemisphärische Läsionen der (o.g.) kritischen Areale - 10Paralinguistische auditive AgnosienGesprochene Sprache vermittelt Metainformationen (Wortwahl, Identität, Alter, emotionaler Gehalt) => Erkennen dieser kann selektiv gestört sein
Störungsbilder:
-Affektive auditive Agnosie
-Phonagnosie - 11Affektive auditive AgnosieAffektive auditive Agnosie:
=selektive auditive Agnosie für das Verständnis des emotionalen Gehaltes gesprochener Sprache
Ursache:
Läsion der rechten Hemisphäre => Schwierigkeit beim Verstehen emotionalen Ausdrucks
Verständnis des semantischen Inhaltes der Sprache intakt, Lese- und Schreibfähigkeit erhalten, evtl. leichte aphasische Beeinträchtigungen - 12Phonagnosie= selektive auditive Agnosie für das Erkennen von Stimmen (bekannter Menschen)
Ursache:
Läsion der rechten Hemisphäre - 13Beiträge funktionell bildgebender VerfahrenPET oder MRT erlauben Untersuchungen auditorischer Modalitäten bei Patienten und gesunden Probanden
- 14Weitere ForschungsansätzeErheblicher Forschungsbedarf im Bereich der auditiven Agnosien und der funktionellen zerebralen Organisation der Hörverarbeitung beim Menschen
Informationen
- Beschreibung
- Zellbiologie Psychologie (Klinische Neuropsychologie) Karteikarten am Klinische Neuropsychologie - Auditive Agnosien, erstellt von Joney Stoney am 25/07/2018.
- Erstellt von
- Joney Stoney
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