Karteikarten
Kapitel 10 -Die Glücksgesellschaft
Karten in diesem Stapel (37)
- 1Das Wohlstandsparadox„In all dem, was das wirkliche Glück des menschlichen Lebens ausmacht, bleiben sie [die Armen] in keiner Beziehung hinter jenen zurück, die scheinbar so weit über ihnen stehen“ (Smith, 1759)
- 2Staat, Glück und GesellschaftsordnungWohlhabendere Nationen sind glücklicher als nicht wohlhabende!
-Jedoch nur bis zu einer gewissen Einkommensgrenze.
Individuelle Einkommen korrelieren kurzfristig (Zeitspanne ca. 7 Jahre) signifikant mit dem Wohlbefinden (Easterlin/ Angelescu)
-Begründung: „Endowment Effekt“ & Hedonische Tretmühle
-Referenzpunkt des Menschen verschiebt sich auf ein höheres Maß bei höherem Einkommen. - 3Easterlin-Paradox„Within-Country Comparisons“
-Glück und Einkommen korrelieren positiv miteinander bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze.
-„Abnehmenden Grenznutzen des Geldes“
„International Comparisons“
-Reichere Länder sind nicht wesentlich glücklicher als weniger wohlhabende Staaten.
„National Time Series“
-Im historischen Zeitablauf ist trotz Einkommenszuwächsen die Zufriedenheit der Menschen nicht gestiegen. - 4Abnehmender Grenznutzen des Geldes
- 5„Beyond GDP“ – Eine Initiative der EU-KommissionDie Forderungen nach Lebensqualität als Wohlstandsmaß (statt BIP pro Kopf) haben eine lange Tradition.
„Quality of life“ (A.C. Pigou, The theory of welfare, 1920)
„Toward Balanced Growth: Quantity with Quality“ (Richard Nixon, 1970)
„Qualitatives Wachstum“ (Denis Meadows, The limits of growth, 1973)
„Wohlfahrtssurvey 1978“; SOEP als Sozialindikatorenforschung (DIW, 1984); Zufriedenheitsforschung als etablierte Wissenschaftsdisziplin aber:
„Beyond GDP“ ist der bisher breiteste und wirkungsmächtigste Ansatz: „It‘s nothing less than changing the basic global paradigm of progress for people and nations, from the production to equitable and sustainable wellbeing“ (Stiglitz et al., 2009) - 6Zentrale Schwächen des BIP als WohlstandsindikatorWachstum des BIP pro Kopf als Indikator vernachlässigt
Lebensqualität
Nachhaltigkeit
Wirtschaftsleistung jenseits des Marktes Ziel: Entwicklung alternativer Wirtschaftsindizes - 7Positiver Zusammenhang zwischen BIP und anderen WohlfahrtsmaßenDas BIP pro Kopf bildet nicht direkt den Wohlstand ab.
Aber es gibt eine (starke) positive Korrelation zwischen BIP/Kopf:
Beschäftigung und Ausbildungsdauer
Einkommensgleichheit, Armutsraten, Kinderarmut, Kindersterblichkeit
Lebensjahren und Lebenserwartung - 8BIP und Lebenserwartung
- 9Nachhaltigkeit: Mehr Wachstum ≠mehr Verbrauch natürlicher RessourcenDas BIP bewertet monetär die am Markt erzeugten Güter und Dienstleistungen: Wertschöpfungsanteil der Dienstleistungen steigt
Auch Qualitätsverbesserungen können das BIP steigern. Wachstum kann deshalb nicht nur „mehr“, sondern auch „besser“ bedeuten: Effizientere Ressourcennutzung
Beispiele?
Informatisierung: Videokonferenzen
Technischer Fortschritt: effizientere KFZ-Motoren
Dienstleistungen: Pflege - 10Schwierigkeiten anderer IndizesNicht-materielle Aspekte sind widerspruchsfrei nur schwer zu erfassen.
Befragungsergebnisse zum „Subjektiven Wohlbefinden“ sind nicht unmittelbar für politische Empfehlungen verwendbar (Manipulation).
Je mehr Indikatoren herangezogen werden, um so weniger kann aggregiert werden. Internationale aggregierte Vergleiche jenseits des BIP sind damit kaum möglich.
Viele Indikatoren sind nicht zeitnah verfügbar. Für eine wirtschaftspolitische Steuerung scheiden sie damit aus.
Wenn einfache statistische Zielwerte als Maßstab der Politik dienen, wird der politischen Einflussnahme ein breites Betätigungsfeld eröffnet. - 11Indikatoren-System für Wirtschaftsleistung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit
- 12Die W3- Indikatoren der Enquete-Kommission
- 13Wirtschaftspolitische EmpfehlungEntwicklung weitere Indikatoren zur Wohlstands- und Wachstumsmessung sinnvoll
BIP bleibt aber auf absehbare Zeit unersetzlich
BIP als Indikator wird teilweise unbegründet kritisiert
Glücksforschung boomt auch, weil hoher materieller Wohlstand erreicht wurde
Wirtschaftswachstum bleibt – aufgrund enger Verzahnung mit anderen Indikatoren – für die Wohlstandssicherung notwendig – und ist nicht gleichbedeutend mit mehr Ressourcenverbrauch
PPP als neue Zielfunktion auch für Unternehmen (CSR-Debatte - 14Wachstum lindert ArmutZwischen 1981 und 2005 verringerte sich die Zahl der Menschen, die in Haushalten mit einem Einkommen von weniger als 1,25 US Dollar pro Tag und Kopf leben, um 500.000.000 auf 1,37 Milliarden (minus 27,7 Prozent). Der Anteil an der Weltbevölkerung halbierte sich im gleichen Zeitraum von 51,9 Prozent auf 25,2 Prozent!
- 15Warum wir nicht zum Glücklich sein geboren sindPHÄNOMEN: Alles wird besser, aber das Glücksniveau bleibt gleich…
HINTERGRUND:
Evolutionstheorie – Überleben des am besten Angepassten
Evolutionspsychologie: Statussymbole als Fitnessvorteil (Hedonische Tretmühle)
IMPLIKATIONEN:
Soziale Vergleichsprozesse: relativer Vorteil zählt
Mehr Produkte und Dienstleistungen: „Die Qual der Wahl“
Medialer Einfluss: „Bad news is good news“ - 16Das erste gossensche GesetzDas erste gossensche Gesetz wird auch als Sättigungsgesetz oder Gesetz des abnehmenden Grenznutzens bezeichnet. Es besagt, dass mit jeder zusätzlichen Einheit eines Gutes, das konsumiert wird, der Nutzen abnimmt, bis schließlich eine Sättigung erreicht ist. Angewendet auf Einkommen und Glück bedeutet dies, dass der zusätzliche Nutzen jedes weiteren Euro geringer wird. Der erste zusätzlich Euro bringt noch einen großen Glücksgewinn, während jeder weitere zwar noch Glücksgewinn bedeutet, aber nicht mehr so groß, wie beim ersten
- 17Kein Geld macht unglücklichKein Geld zu haben macht definitiv unglücklicher.
Ärmere Länder weisen häufig ein geringeres Zufriedenheitsniveau auf, als wohlhabende Staaten.
Ursache evtl. auch schlechtere Bildungs-, Gesundheits-, oder Politikbedingungen.
Notwendigkeit der Befriedigung von Grundbedürfnissen
Sorgen um Nahrung oder Behausung machen behindern Glücksgefühle - 18Maslow´sche Bedürfnispyramide
- 19Die Bedeutung des relativen Einkommens“It is only income change that matters, not income itself” (Deaton, 2010)
Menschen sind nicht in der Lage, absolute Entscheidungen und Wertungen vorzunehmen.
Referenzgruppe
Ärmere Länder: Steigerung BIP -> Glücksanstieg (Befriedigung Grundbedürfnisse)
Wohlhabendere Nationen: Steigerung BIP
->kein merklicher Anstieg der Lebenszufriedenheit - 20Geschlechtsspezifische UnterschiedePräferenz von Männern, Einkommenssituationen zu vergleichen
Statussymbol
Biologisch begründbare Rivalität
Im äußersten Falle macht uns eine Gehaltserhöhung trotz des Geldgewinns nicht einmal geringfügig glücklicher, wenn unsere Kollegen einen noch größeren Einkommensanstieg für sich verbuchen können (Drakopoulos, 2011). - 21Nationale EinkommensungleichheitenEinfluss unterschiedlicher Einkommenserwartungen der Individuen auf das Gerechtigkeitsempfinden der Einkommensverteilung.
Gleichverteilung = Gerechtigkeit?
Unterschiedlichen Qualifizierungen und Fähigkeiten
Mögliche Frustration und Unzufriedenheit
Bedeutung der Kultur für Gerechtigkeitsempfinden
Beispiel Amerika: große Ungleichheit in Einkommen führt nicht zu Unzufriedenheit - 22Einkommensungleichheit und Lebenszufriedenheit in Deutschland
- 23Psychologische ErklärungenZusätzliche Verdienste ab einem Jahresnettoeinkommen von mehr als 75.000$ (ca. 60.000 Euro) steigern das Glücksgefühl des Menschen nicht mehr (Kahneman und Deaton, 2010)
-Langfristige Rückkehr aufs Ausganglevel „Set Point of Happiness“.
-Konsumspirale, um stetig neues (kurzfristiges) Glück produzieren zu können.
Hedonische Tretmühle
-Sowohl positive als auch negative Ereignisse
-Abiturzeignis, Lottogewinn
-Tod Familienmitglied, Geldverlust - 24Irrtümlicher Impact-Bias„Alte Vergnügen“ verlieren an Bedeutung.
Mit steigendem Konsumlevel (Lottogewinn) wächst das Anspruchsniveau.
Veränderung der Erwartungshaltung
Keine Veränderung der Lebenszufriedenheit - 25Prospect Theory – Kahneman & Tversky (1979)
- 26Arbeit und GlückUnglücksfaktor Arbeitslosigkeit
Nutzen von Arbeit:
-Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
-Aufrechterhaltung sozialer Kontakte
-Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen
Arbeitslosigkeit wiegt schwerer auf Unzufriedenheit als eine Scheidung
SOEP: 90 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sagen, dass ihr Beruf ihnen sehr beziehungsweise ziemlich wichtig ist - 27Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und Arbeitstätigkeit
- 28Psychologische Auswirkungen von ArbeitslosigkeitMenschen definieren sich über ihren Beruf:
-Small-Talk „Was machen Sie beruflich?“
Arbeit bestimmt den sozialen Status!
-Sicherheit
-Selbstbewusstsein
-Einkommensquelle
-Sinnspendende Lebensaufgabe
Arbeitslosigkeit beeinflusst auch Familie & Bekannte - 29Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit
- 30Staatssystem und RahmenbedingungenFehlende Korrelation BIP & Lebenszufriedenheit
Bedeutung Nicht-Monetärer Faktoren
Länder mit hohem BIP:
Stabilere politische Systeme
Stärker ausgeprägte Demokratien - 31Freiheit
- 32Gründe der KorrelationGlücksfördernde Folgen der Demokratie:
-Bildung
-Wohlstand
-Sicherheit
Positive Korrelation von Glück & Freiheit universell!
-Tief verwurzelte menschliche Bedürfnisse.
-Je weniger Freiheitseinschränkung in einem Staat herrscht, desto glücklicher sind die Menschen. - 33Demokratie
- 34Politische PartizipationDie Anzahl und Ausprägung direkt-demokratischer Möglichkeiten eines Staatssystems hat einen besonders hohen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit.
-Aktive Entscheidungsfähigkeit der Bürger
-Identifikation mit dem Entscheidungsergebnis
-Transparenz - 35Glück und FöderalismusFrey & Stutzer, 2000, Schweiz: Föderalismus erhöht Lebenszufriedenheit
-KRITIK: Schweiz kein repräsentatives Land für internationalen Vergleich.
Frage nach Kausalität & wechselseitige Wirkung - 36Politische Freiheit
- 37„Inequality traps“
Informationen
- Beschreibung
- Glücksforschung Karteikarten am Kapitel 10 -Die Glücksgesellschaft, erstellt von david.duerr am 07/02/2014.
- Erstellt von
- david.duerr
- Aufrufe
- 227
- Tags
- Bewertung