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Sprache und Aphasie

Steffi Schenzle Neuropsychologie Deutsch 50 Folien

Sprache und Aphasie

Folien in diesem Satz (50)

  1. Was sind Aphasien?

    • erworbene Sprachstörungen, die als Folge einer akuten (meist) linkshemisphärischen Hirnschädigung auftreten
    • zeigen sich in Lautsprache (Sprechen und Hören), aber auch in Schriftsprache (Lesen und Schreiben) --> alle expressiven und rezeptiven sprachlichen Modalitäten
    • multi - bzw. supramodal: Phonologie, Lexikon, Syntax und Semantik sind je nach Ausmaß betroffen
    • 38% der linkshemisphärischen Schlaganfälle führen zu Sprachstörungen
    • spontane Besserung zunächst in den ersten Wochen
    • Klinische Erfahrung: keine wesentliche spontane Besserung nach einem Jahr
    • allgemeine kommunikative Fähigkeiten sind meist nicht gestört (natürlich ist die Kommunikation aber erschwert!)
    • Diaschisis:
    • Verlust der Funktion eines Teils des Gehirns
    • andere Bereiche müssen dessen Funktion übernehmen, bis das Ödem wieder abgebaut ist
  2. Neurolinguistische Termini

    • Wortfindungsstörung:
    • Stocken im Sprachfluss bzw. Satzabbruch, weil dem Patienten ein bestimmtes Wort nicht mehr einfällt
    • reduzierte Abrufbarkeit des intendierten Wortes
    • sprachliche Ersatzstrategien: Pantomine, Fortführen des Themas in variierter Form
    • reversibel
    • Neologismus:
    • Wörter, die in der Standardsprache aus lautlichen und semantischen Gründen nicht vorkommen
    • phonematisch und semantisch
    • Paraphasie:
    • semantisch: Mutter statt Frau (Bezug zum Zielwort
    • ist semantisch noch vorhanden!) --> Fehlerhaftes Auftreten eines Wortes
    • der Standardsprache, das zum Zielwort entweder eine bedeutungsmäßige
    • Ähnlichkeit hat oder grob davon abweicht
    • phonematisch: Spille statt Spinne --> Lautliche Veränderung eines Wortes von phonematisch veränderten Wörtern bei flüssiger Sprachproduktion
    • Schaden in der Verknüpfung von Wortbedeutung mit einer Wortform
  3. Neurolinguistische Termini

    • Satzverschränkung:
    • Überschneidung von aufeinanderfolgenden Satzstrukturen oder Zusammenziehen von zwei Sätzen zu einem
    • Verdopplung von Satzteilen:
    • Mehrfaches Vorkommen eines Satzteiles in verschiedenen Positionen des Satzes
    • Satzabbruch:
    • unvollendeter Satz
    • Redefloskel:
    • inhaltsleere Redewendung von unterschiedlicher Länge und unterschiedlichem Grad an Idiomatisierung, die im Gegensatz zu Stereotypien während des GEspräches nicht mehrfach wiederkehren
    • Stereotypie:
    • formstarre Floskeln, die ständig wiederkehren
    • Sprachautomatismus:
    • Auftreten von Silben, Wörtern oder Redephrasen, die unwillkürlich bei jedem Versuch, sich sprachlich mitzuteilen, hervorgebracht werden
    • Monsieur Tan!
  4. Neurolinguistische Termini

    • Wörter:
    • Funktionswörter: Wörter, die vorwiegend syntaktische Relationen im Satz ausdrücken (Artikel, Vorsilben, Präpositionen), bestimmen die Relation der Inhaltswörter
    • Inhaltswörter: Wörter wie Nomen, Verben, Adjektive mit eigenständige Bedeutung im Satz
    • Flexionsformen:
    • Endungen von Nomen, Verben und Adjektiven
    • Konjugationen/ Deklinationen z.B.
    • Sprachäußerung:
    • vokale Äußerung, die nicht notwendigerweise sinnvoll ist, Kette von sprachlichen Lauten
    • Phrase:
    • Abfolge von Wörtern, die auf Grund syntaktisch-semantischer und/oder prosodischer MErkmale zusammengehören (kleinste Redeeinheit)
    • Beispiel: der Mann
    • Sätze:
    • kurze einfache: Sätze mit Subjekt und Prädikat ohne Einbettungen, ausschließlich Nebenordnung von Sätzen
    • lange komplexe: Sätze mit Einbettungen von einem oder mehreren Nebensätzen, Infinitivsätzen oder attributiven Ergänzungen
  5. Neurolinguistische Termini

    • Sprachanstrengung:
    • Schwierigkeit, Gedanken sprachlich auszudrücken auf Grund von Wortfindungsstörungen sowie Störungen in der Wort- und Satzbildung
    • Sprechanstrengung:
    • Sprechmotorische Schwierigkeiten auf Grund einer Beeinträchtigung von Artikulation und Phonation und des Sprechrhythmus
    • Sprechgeschwindigkeit:
    • Anzahl von Wörtern pro Minute (W/min)
    • sehr langsam: weniger als 50 W/min
    • langsam: 50 - 90 W/min
    • normal: mehr als 90 W/min
    • Pausen werden hierbei nicht berücksichtigt
    • Dysarthrie:
    • verwaschene, mühevolle Artikulation, die meist von Störungen der Phonation und des Sprechrhythmus begleitet ist und die Sprechanstrengung hervorruft
    • Dysprosodie:
    • Abweichungen in Sprechmelodie und/oder Sprechrhythmus bzw. in der Satzintention, im Wort- und Satzakzent
    • Sprachapraxie:
    • Beeinträchtigung der Fähigkeit, Sprechbewegungen in ihren räumlichen und zeitlich-sequentiellen Aspekten zu programmieren, ohne dass Schwäche, Verlangsamung oder Dyskoordination der beteiligten Muskeln oder perzeptive Dekodierungsdefizite verantwortlich gemacht werden können
  6. Beispiel: Broca-Aphasie

    • Beispiel: Broca-Aphasie
    • Agrammatismus (Fehlen grammatischer Strukturen)
    • phonematische Paraphasien
    • Wortfindungsstörungen
    • Angestrengte, mühsame Sprachproduktion
    • Zahlreiche Interjektionen (ähm)
    • Broca-Areal: Meist Hemisphärendominanz (Halbseitenlähmung)
  7. Beispiel: Wernicke-Aphasie

    • Paragrammatismus (komplex angelegter Satzbau mit Satzteilverdopplungen und
    • Verschränkungen, abweichender Abfolge von Satzteilen, Satzabbrüchen
    • sowie mit falschen Funktionswörtern und Flexionsformen)
    • semantische und phonematische Paraphasien
    • Neologismen
    • Artikulation und Prosodie sind wenig gestört
    • häufig Logorrhoe (Drang, sich übermäßig viel mitzuteilen)
    • Beispiel: Wernicke-Aphasie
  8. Beispiel: Amnestische Aphasie

    • Beispiel: Amnestische Aphasie
  9. Bedeutung der Sprache

    • repräsentiert eine einzigartige Form der Abstraktion, die nur beim Menschen vorkommt
    • relevant für die Form und Art von Informationsspeicherung
    • Bedeutung für das Denken und Problemlösen!
    • Hauptsächliches Medium der menschlichen Kommunikation
    • Sprache beeinflusst die Wahrnehmung
  10. Linguistik vs. Psychologie

    • Linguistik
    • kompetenz-basiert
    • beschäftigt sich mit der Struktur von
    • Phonemen
    • Bedeutung
    • Grammatik
    • Gedächtnisbasierte Satz- und Textverarbeitung
    • Psychologie
    • verhaltensbasiert
    • beschäftigt sich mit:
    • Sprachentwicklung
    • Kognitive Repräsentation
    • Prozessen, die dem Sprachverhalten zugrunde liegen
  11. Linguistische Hierarchie

    • Phonologie: Einheit = Phonem
    • einzelne Sprach"sounds"
    • Deutsch hat ungefähr 49, von denen 9 die Hälfte unserer Wörter ausmachen
    • Dimensionen: stimmhaft, stimmlos, frikativ, plosiv, Ort der Artikulation (palatal vs. labial)
    • Morphologie: Einheit = Morphem
    • kleinste Bedeutungseinheit (Wörter, Teile von Wörtern, Suffixe, etc)
    • frei ("alt", "das" etc.) vs. gebunden ( "-ung", "-te")
    • über 100.000 Wörter können durch Morphemkombinationen geformt werden
    • reguläre Flexionen vs. irreguläre Flexionen (tanzen - getanzt vs. werfen - warf)
    • Semantik: Studium der Bedeutung
    • Syntax: Regeln, die die Kombination von Mrophemen in Phrasen oder Sätzen bestimmen
    • Pragmatik: Beschreibung von kontextabhängigen Bedeutungen
  12. Aphasien - Ätiologie

    • am häufigsten nah Schlaganfällen --> Ischämie
    • Tumore
    • Blutungen
    • Schädel-Hirn-Verletzungen
    • Primär progressive Aphasie
    • Schlaganfall:
    • dritthäufigste Todesursache in Deutschland
    • Krankheit mit den meisten Folgekosten
    • ca. 25% haben eine Sprachstörung
  13. Wernicke-Lichtheim-Schema

    • Wernicke-Lichtheim-Schema
    • Beschreibt Läsionen!
    • Ist die Läsion zwischen/bei...
    • A = Wernicke'S Aphasie
    • M = Broca's Aphasie
    • Zwischen a und A: rein auditorische Aphasie
    • Zwischen M und m: Artikulationsstörungen (Aphemie)
    • Zwischen A und M: Leitungsaphasie
    • Zwischen A und B: transkortikale sensorische Aphasie
    • Zwischen B und M: Transkortkale Bewegungsaphasie
  14. Klassifikation der Aphasien

    • Klassifikation der Aphasien
  15. Klassfikation der Aphasien

    • Klassfikation der Aphasien
  16. Wozu Syndrom-Ansatz?

    • erleichtert die Kommunikation
    • erleichtert die Prognose
    • erleichtert die systematische therapeutische Forschung
    • Syndrom-Ansatz:
    • es existieren klar voneinander abgrenzbare Muster von Sprachstörungen = Syndrome
    • neuroanatomisch voneinander unterscheidbar
    • Kritik:
    • simplifiziert
    • versucht mit Macht, individuelle Störungsmuster zu kategorisieren
    • tritt nicht für alle Patienten zu! ca. 20-50% haben keine typische Aphasie
    • erschwert Forschung, da Patienten gruppiert werden, die nicht zusammen gehören
  17. Globale Aphasie

    • Globale Aphasie
    • gesamte perisylvische (umgibt die sylvische Furche) Region umfassende Läsionen
    • meist Hauptstamm der Arteria cerebri media
    • schwerste Form
    • starke Reduzierung der Ausdrucksmöglichkeiten
    • einzelne Wörter, Sprachautomatismen
    • Perseverationen
  18. Broca-Aphasie

    • Broca-Aphasie
    • Arteria praerolandica
    • Läsionen im suprasylvischen, prärolandischen Bereich
    • Broca-Gebiet kann, muss aber nicht beteiligt sein
    • typischerweise große Läsionen
    • stockend, langsam
    • Sprech- und Sprachanstrengung
    • phonematische Paraphasien häufig
    • morphologische Sprachaspekte sind beeinträchtigt
    • Telegrammstil
    • Verständnis relativ gut erhalten
    • Apraktische und Dysarthrische Probleme: Nivellierung der Sprachmelodie (gleichmachen), Skandierendes Sprechen (langsam und abgehackt), Phonationsprobleme, verwaschene Artikulation
  19. Wernicke-Aphasie

    • Wernicke-Aphasie
    • Läsionen im Schläfenlappen
    • Hinteres Drittel des Gyrus Temporalis superior (Wernicke-Gebiet)
    • Arteria temporalis posterior
    • flüssig, gelegentlich logorrhoeisch
    • phonematische, semantische Paraphasien, Neologismen
    • Jargon
    • Paragrammatismus
    • Verstehen: Schwierig auf Ebene der Wortsemantik
    • Verstehen von Inhaltswörtern ist beeinträchtigt
  20. Amnestische Aphasie

    • Amnestische Aphasie
    • unklare Zuordnung zu einer bestimmten Stelle
    • retrorolandisch im hinteren Bereich des Temporallappens
    • aber auch im unteren hinteren Parietallappen, gyrus angularis und temporoparietale Grenzgebiete
    • flüssige Sprache
    • relativ intakter Satzbau
    • Wortfindungsstörungen
    • Umweigleistungen
    • Ersatzstrategien
    • Satzabbrüche
    • Semantische Paraphasien
    • Anlauthilfen sind wirksam
  21. Leitungsaphasie

    • Leitungsaphasie
    • Gyrus supramarginalis/ weiße Substanz unter dem Gyrus marginalis
    • Fasciculus arcuatus (Verbindung Wernicke/Broca)
    • flüssig
    • phonematische Paraphasien
    • Unverhältnismäßig schwere Störung des Nachsprechens
  22. Transkortikal-motorische Aphasie

    • Transkortikal-motorische Aphasie
    • 2 typische Läsionsorte: Frontallappen (anterior des Broca-Gebietes) und supplementär motorischer Cortex
    • Sprechen kaum oder nicht
    • können aber mit guter Artikulation und intakter Syntax nachsprechen
    • verstehen relativ gut und können laut lesen
  23. Transkortikal-sensorische Aphasie

    • Transkortikal-sensorische Aphasie
    • hinterer temporoparietaler Bereich
    • Wernicke-Areal ist ausgespart!
    • Sprechen ähnlich wie Wernicke Aphasiker
    • Viele semantische Paraphasien
    • Echolalie in der Spontansprache (sinnloses Nachsprechen)
    • Herausragend gut erhaltene Nachsprechleistung
    • Nachsprechen ohne Erfassen des Inhalts
  24. Untersuchung: Sprache am Krankenbett

    • Spontansprache
    • Kommunikationsfähigkeit
    • Sprechgeschwindigkeit
    • Semantik: Paraphasien, Wortfindungsstörungen
    • Phonologie: Paraphasien
    • Prosodie
    • Syntax: Telegrammstil, Paragrammatismus, Agrammatismus, Funktionswörter, Inhaltswörter
    • Morphologie
    • Nachsprechen
    • Silben
    • Einfache Wörter
    • Lehnwörter mit unregelmäßiger Aussprache (Garage)
    • Zusammengesetzte Wörter: Hallenhandballweltmeisterschaft, Farbfernsehgeräteverkauf
    • Sätze
  25. Untersuchung: Sprache am Krankenbett

    • Benennen
    • Einfache Gegenstände
    • Gegenstände mit zusammengesetzten Namen (Schlüsselbund)
    • Einzelne Szenen
    • Verständnis
    • Einfache Kommandos (Zeigen Sie das Auto)
    • Zweischrittkommandos (Zeigen Sie die Frau und das Auto)
    • Syntaxverständnis: Zeigen Sie auf das Auto, nachdem Sie auf die Frau gezeigt haben!)
    • Lesen/Schreiben
    • Einzelne Wörter
    • zusammengesetzte Wörter
    • einfache und komplexere Sätze
    • Sätze und nachfolgendes Ausführen
    • Alternative: Arbeiten mit Plättchen
  26. Aachener Aphasietest (AAT) (Huber et al)

    • Ziele
    • Auslese
    • Differenzierung der Standardsymptome
    • Identifizierung von Nicht-Standard-Aphasien, modalitätsspezifischen Sprachstörungen, nicht klassifizierbaren Störungen
    • Erfassung der aphasischen Störungen in einzelnen sprachlichen Modalitäten
    • Bestimmung des Schweregrades
    • Beschreibung der aphasischen Störungen (Phonologie, Lexikon, Syntax, Semantik)
    • Untertests
    • Spontansprache
    • Token-Test
    • Nachsprechen
    • Schriftsprache
    • Benennen
    • Sprachverständnis
  27. Aphasiediagnostik

    • Impairment: Überbetont, aber etabliert
    • AABT (Aachener Aphasie Bedside Test) von Biniek, 1993
    • AAT, Huber 1983)
    • BMTDA (Basel Minnesota Test zur Differentialdiagnose der Aphasie) von Goodglass
    • LEMO/PHONO
    • Acitivity: Wichtig, zu wenig beachtet
    • ANELT (Amsterdam Nijmegen Everyday Language Test) von Blomert 1994
    • PACE Protokoll (Promoting aphasics communicative effectiveness) von Steiner 1988
    • CETI (Communicative effectiveness Index) von Lomas 1989
    • Partizipation: Ziel, geht aber nur mit Angehören, Fremdurteil!
    • ALQI (Aachener Lebensqualitäts Inventar) von Engell 1995
    • CMP (Promoting aphasics communiative effectiveness) von Herrmann 1997
  28. Zusammenfassung Aphasien

    • Zusammenfassung Aphasien
  29. Dyslexien: Erworbene Dyslexie (Alexien)

    • Aufmerksamkeits-Alexie (attentional alexia)
    • Neglect-Alexie
    • Pure Alexie
    • Oberflächen-Alexie (surface alexia)
    • Phonologische Alexie (phonological alexia)
    • Semantsiche Alexie (semantic alexia, alexia of Alzheimer's disease)
    • Tiefen-Alexie (deep dyslexia)
  30. Dyslexien: Kurze Anatomie

    • Wernicke + Broca + Gyrus angularis bilden das Sprachnetzwerk der dominanten Hemisphäre!
    • Alle drei Gebiete müssen im Zusammenhang betrachtet werden
    • Broca: Syntax
    • Wernicke: Semantik
    • Gyrus Angularis: integriert visuelle und somästhetische Informationen, die für das Lesen wichtig sind
  31. Aufmerksamkeits-Alexie (Lernen!)

    • Shallice and Warrington 1977
    • Patienten können einzelne Wörter lesen, aber nicht Multi-Wort-Displays
    • Buchstaben wanderten zwischen Wörtern
    • POT BIG HUT --> BUT BIG HUT
    • ähnliches Phänomen bei normalen Lesern, die unter tachistoskopischen Bedingungen lesen (Wörter nur sehr kurz dargeboten)
    • Zugrundeliegendes Problem: Selektive Aufmerksamkeit!
  32. Neglect-Alexie

    • verwandt mit den Neglecten
    • Probleme bei der Aufmerksamkeitssteuerung beim Lesen
    • verschiedene Ursachen:
    • - motorische Programmierung des okulären Scanning
    • - Räumliche Verteilung von Aufmerksamkeit
    • - Konstruktion von abstrakten visuospatialen Repräsentationen
    • bei Patienten mit rechts-parietalen Läsionen und links-seitigem Neglect betrachtet
    • - Neglect für die linke Hälfte einer Seite
    • - Auslassen von Wörtern auf der linken Seitenhälfte
    • - Substitutionen für die linke Hälfte von Wörtern
    • Substitutionen (häufig): Garage --> Blamage
    • Deletionen (relativ häufig): Giraffe --> Affe
    • Additionen (seltener): Ball --> Fußball
  33. Pure-Alexie

    • Problem der Informationsverarbeitung zwischen dem visuellen und dem linguistischen System
    • Orthografische und linguistische Verarbeitung ist intakt
    • Daher: Keine Agraphie (Unfähigkeit, Wörter zu schreiben) und keine Aphasie!
    • basale visuelle Informationsverarbeitung intakt
    • Daher: ein geschriebenes Wort wird akkurat wahrgenommen
    • ABER: visueller Input kann die zugehörigen orthographischen Detektoren nicht aktivieren
    • Kompensationsstrategie der Patienten: letter-by-letter-reading
    • je länger ein Wort, desto länger braucht ein Patient und desto häufiger macht er einen Lesefehler
    • Wörter, die laut buchstabiert werden, werden vom Patienten ohne Schwierigkeiten erkannt
    • Läsionen:
    • Läsionen, die den Gyrus angularis von seinem Input isolieren
    • Läsionen des Gyrus Angularis selbst erzeugen KEINE Pure-Alexie, sondern eine Alexie mit Agraphie
    • Patienten beschreiben gut, haben aber letter-by-letter-reading
  34. Oberflächen-Alexie (raus)

    • ein geschriebenes Wort aktiviert einen Eintrag im orthographischen Lexikon
    • ist dieses Lexikon kompromittiert, so resultiert ein Regularisierungseffekt
    • regulare Wörter und Pseudowörter können gelesen werden, aber Wörter, die irregulär ausgesprochen werden, werden regularisiert
    • Effekt in Sprachen mit wenig transparenter Graphem zu Phonem-Konversion gravierender
    • Homophon-Verwechselungen (ganz - Gans)
    • Pseudohomophone werden häufig als Wörter akzeptiert (Englisch: PHOCKS für FOX)
    • Läsionen: präfrontal, postzentral, gyrus supramarginalis, multiple Läsionen weiße Substanz, Gyrus temporalis inferior/medialis/superior, Gyrus angularis, Okzipitaler Cortex
    • Anatomisch nur unzureichend definiertes Syndrom!
  35. Phonologische Alexie (raus)

    • entsteht durch Zerstörung der direkten Verbindung zwischen orthographischem und phonologischem System
    • Lesen möglich
    • Probleme beim Lesen von Pseudowörtern ohne semantischen Eintrag und bei Wörtern mit einem "schlechten" Eintrag wie Funktionswörter
    • "Part of Speech" Effekt
    • Läsionen: Präfrontal, postcentral, Gyrus supramarginalis, gyrus angularis, gyrus temporalis inferior/medialis/superior, Gyrus angularis
    • --> Keine eindeutige Lokalisation!
  36. Semantische Alexie (Alex. beim Alzheimer) , raus

    • semantisches Lexikon enthält alles Wissen über Konzepte und ihre Beziehungen untereinander
    • semantisches Lexikon wird durch alle Sprachmodalitäten gleichsam benutzt
    • Alle Wörter werden korrekt gelesen, aber die Patienten verstehen nicht, was sie lesen
  37. Tiefendyslexien (raus)

    • gekennzeichnet durch semantische Paralexien
    • Heiß --> Kalt; Katze --> Tier; Frucht --> Apfel --> Das heißt, die Wörter haben eine Bedeutungsbeziehung zum Zielwort
    • Ansonsten:
    • - derivationale Paralexien (Ersetzen von Wörtern durch morphologische (formähnliche) Varianten)
    • - Orthographische Paralexien
    • - Nomina und Adjektive werden besser als Verben gelesen
    • - konkrete Wörter werden besser als abstrakte Wörter gelesen
    • - Unfähigkeit, Pseudowörter zu lesen
    • Erklärung 1: Multiple Läsionen/Impairments sind notwendig, um die verschiedenen Symptome zu erklären --> trifft offenbar nicht zu, da semantische Paralexien niemals isoliert auftreten
    • Erklärung 2: Tiefendyslexie reflektiert die Leistung des semantischen Systems, wenn die phonologische Route blockiert ist; die semantische Route sei sehr unpräzise, zusätzliche phonologische Infos sind notwendig, um zwischen Wörtern wie hübsch und schön zu unterscheiden; aber: nicht alle semantischen Paralexien betreffen Synonyme
    • Erkärung 3: Direkte route Orthographie zu Phonologie ist blockiert, sowie Defizite innerhalb der semantischen Leseroute --> alle Symptome einer phonologischen Dyslexie sind vorhanden
    • häufig Läsionen in der linken Hemisphäre --> Leistung eines rudimentären rechts-hemisphärischen Lesesystems?
  38. Behandlung der Dyslexien

    • Einzelfall bzw. syndromorientiert
    • z.B: Patient mit Tiefendyslexie: Ziel: Trainieren, die phonologische Route zu nutzen: Jeder Buchstabe wurde mit einem einfach Wort, das mit diesem Buchstaben beginnt, gepaart --> Nach 9 Monaten deutliche Besserung
    • Behandlung der Oberflächendyslexie (Pat können unregelmäßig buchstabierte Wörter nicht lesen): Es werden alle Wörter, die zusammen gehören, auch zusammen geübt: grow, mow; Cox, Clown
    • Pure Dyslexie: Behandeln sich meist selbst --> lernen, dass sie über lautes Buchstabieren die Wörter verstehen und lesen können
  39. Geschichte der Agraphien

    • Lichtheim 1885: Fähigkeit zu schreiben, ist auf die allgemeine Sprachfähigkeit aufgepropft: Klassifikation der Agraphien die gleiche wie die der Aphasien
    • Goldstein 1948: Agraphien sind oft, aber nicht immer, mit Aphasien assoziiert.
    • Primäre Agraphie: resultiert aus einer Schädigung des motorischen Aspekts des Schreibens
    • Sekundäre Agraphie: Resultiert aus einer allgemeinen Sprachstörung
    • Goldstein 1948: 5 Typen primärer Agraphie
    • Kein Impuls zu schreiben
    • Schädigung der abstrakten Repräsentation von Schriftsprache
    • Ideatorische Agraphie (Verlust der Buchstabenrepräsentationen)
    • Motorische Agraphie (Produktion von inkorrekten Buchstaben)
    • Agraphie mit Apraxie in der nicht-dominanten Hand
  40. Agraphien - Aktuelle Klassifikation

    • Pure Agraphie
    • Aphasische Agraphie
    • Agraphie mit Alexie (parietale Agraphie)
    • Apraktische Agraphie
    • Spatiale Agraphie
  41. Agraphien: Aktuelle Klassfikation

    • Pure Agraphie
    • Fehlen weiterer signifikanter sprachbezogener Symptome
    • Buchstabierfehler bei wohlgeformten Buchstaben
    • Läsionen: Exners Area, Oberer Parietallappen, posteriore perisylvische Region, linker Ncl. Caudatus
    • Agraphien: Aktuelle Klassfikation
  42. Agraphien: Aktuelle Klassifikation

    • Aphasische Agraphie
    • Globale Aphasie
    • Broca Aphasie
    • Wernicke Aphasie
    • Leitungsaphasie
    • Transkortikal sensorische Aphasie
    • Schwierigkeiten der Graphemproduktion
    • Agrammatisches Schreiben
    • Wernicke: Schwere Buchstabierfehler (wie Jargon)
    • Agraphie mit Alexie (parietale Agraphie)
    • Schlecht/ nicht erkennbare Buchstaben beim Schreiben
    • Schwierigkeiten beim Buchstabieren
  43. Agraphien: Aktuelle Klassifikation

    • Apraktische Aphasie
    • Schwierigkeiten, Buchstaben zu formen, beim spontanen Schreiben oder beim Schreiben nach Diktat
    • Läsion meist im linken parietalen Kortex
    • Spatiale Agraphie
    • Läsionen im nicht-dominanten Parietallappen
  44. Agraphien: kognitiv-neurpsych. Klassifik.

    • Einteilung der Verarbeitungsmodule in ...
    • Linguistische Komponenten:
    • - lexikalische Agraphie
    • - Phonologische Agraphie
    • - Tiefe Agraphie
    • - Semantische Agraphie
    • nicht-linguistische Komponenten
  45. Apraxien

    • Eine Störung von zielgerichteten Bewegungen, die nicht durch Schwäche, Akinese, Deafferentierung, abnormen Tonus, abnorme Haltung, Bewegungsstörung, intellektuellen Abbau, schlechtes Sprachverständnis oder mangelnde Kooperation erklärt werden kann.
    • Definition über Exklusion!
    • Tests:
    • Intransitive (nicht objekt-bezogen) Gesten der Extremitäten: Winken, Grüßen, Trampen, Stopp...
    • transitive Gesten der Extremitäten: Tür mit Schlüssel öffnen, Münze werfen, Flasche öffnen etc.
    • intransitive buccofaciale Gesten: Zunge rausstrecken, Küsschen geben
    • transitive buccofaciale Gesten: Streichholz ausblasen, an einem Strohhalm saugen
    • serielle Handlungen (Pfeife reinigen, Brief fertig machen)
  46. Ideomotorische Apraxie

    • normale Geschwindigkeit
    • größte Schwierigkeiten bei transitiven Bewegungen
    • leichte Verbesserung bei Imitation
    • Verbesserung auch, wenn Objekt benutzt werden darf
    • bis zu 80% aller Wernicke und Broca-Aphasiker haben eine Apraxie
    • Fehler:
    • Body part as object
    • Perseverationen
    • Sequenzierungsfehler
    • spatiale Fehler: posturale Fehler (halten Hand falsch), räumliche Orientierung (Handbewegung mit Werkzeug falsch), räumliche Bewegung (falsche Gelenke aktiviert)
  47. Apraxie nach Geschwind: Anatomie

    • Apraxie durch Diskonnektion
    • bei callosaler Durchtrennung (Split brain, Infarkt)
    • bei Störung der motorischen Assoziationsareale
    • bei Störung der Sprachareale
    • Aber: Theorie sagt nichts über die Repräsentation von Bewegungen -->
    • Apraxie nach Geschwind: Anatomie
  48. Repräsentationshypothese

    • Nach dem Lernen motorischer Programme können wir zukünftige motorische Aufgaben besser durchführen
    • wir können pantomimisch gelernte Bewegungen ausführen
    • spricht für eine Repräsentation von Bewegungen
    • Bewegungsformeln sind im dominanten parietalen Kortex gespeichert
    • Vorhersage: Patienten mit gestörten Praxicons sollten auch nicht in der Lage sein, zwischen korrekten und inkorrekten Bewegungen, die ihnen vorgemacht wurden, zu unterscheiden
    • Heilmann & Rothi:
    • zwei Formen der Apraxie: 1. Dominanter Parietallappen, Zerstörung der Praxicons und 2. Anterior davon: Zerstörung der Verbindungen
    • Repräsentationshypothese
  49. Weitere Apraxien

    • Ideatorische Apraxie
    • seltener als ideomotorische Apraxie
    • Unfähigkeit, eine Serie von Handlungen durchzuführen
    • Sequenzierung ist schwierig
    • Patienten haben häufig dementielle Erkrankungen (Alzheimer, Pick, etc.)
    • Konzeptuelle Apraxie
    • inhaltliche Fehler (benutzen Schraubenzieher wie Hammer)
    • können nicht erinnern, welches Werkzeug mit welchem Objekt assoziiert ist
    • wissen nicht, welchen mechanischen Vorteil ein Werkzeug hat
    • können keine Werkzeuge machen
  50. Weitere Apraxien

    • Buccofaciale Apraxie
    • Schwierigkeiten, Bewegungen mit der Zunge, den Lippen, dem Gesicht auszuführen
    • können auf Kommando nicht die Zunge rausstrecken
    • Dissoziationen zwischen ideomotorischer Apraxie und buccofacialer Apraxie beschrieben worden
    • Verwand: Sprachapraxie

Informationen

Beschreibung
Neuropsychologie (Vorlesungen) Folienset am Sprache und Aphasie, erstellt von Steffi Schenzle am 07/01/2017.
Erstellt von
Steffi Schenzle
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