Karteikarten
Medienwirkungen
Karten in diesem Stapel (32)
- 1Warum Medienwirkung untersuchen?Um den Effekt den Medien auf uns haben zu definieren.
- 2Kontroverse und emotionale Diskussion über die Wirkung von Medien in der Öffentlichkeit▸ Meinungen über das Wirkungspotenzial schwanken zwischen «Allmacht» und «Ohnmacht»
▸ Spekulationen über negative Wirkungen:
- Schuldzuweisungen, Medien als Sündenböcke
- Ruf nach Regulierung, um „die anderen…“ vor negativen Auswirkungen der Medien zu schützen.
▸ ABER: Spekulationen über positive Wirkungen: z. B. Werbung über übergewichtige Kinder als Gefahr - 3Beurteilung der Auswirkungen von MedientätigkeitenAlle glauben, dass Medien einen grossen Einfluss auf uns haben, dabei kommt es aber auf die Art der Medien drauf an. Besonders Eltern finden, dass gewisse Medientätigkeiten negative Auswirkungen auf Kinder haben können (z. B. Fernsehen, Handy, Internet), dass es aber durchaus Medien gibt, die eine positive Wirkung haben können (z. B. Bücher lesen, Musik hören).
Bei einer Umfrage über inwieweit das Gamen von Computerspielen zu Aggressivität führt, ist heraus-gekommen, dass je älter die Person ist, desto mehr stimmt sie der Aussage zu, dass Computerspiele aggressiv machen. - 44 Herausforderungen an die wissenschaftliche Forschung-theoretische Herausforderungen
-Kausalitätsproblem
-methodische Herausforderungen
-Definitionsproblem - 5Theoretische HerausforderungenMedieneffekte entstehen durch das Zusammentreffen vieler Faktoren (Massenmedien und interpersonale Kommunikation) -> Rückführung auf nur eine einzige Ursache kaum möglich. Z. B. Fernsehen beeinträchtigt die schulischen Leistungen <-> Familienmilieu -> Langzeitstudien
- 6KausalitätsproblemWas ist Ursache, was ist Wirkung? Lässt sich beides trennen? Z. B. Tendieren aggressive Personen dazu, gewalttätige Computerspiele zu gamen oder beeinflussen gewalttätige Computerspiele die Menschen?
- 7Methodische Herausforderungen▸ Eindeutiger Nachweis oft kompliziert, da schwer zu erheben ist, wer wann mit welchen Medienbotschaften in Kontakt gekommen ist. Hörer und Seher sind auch Leser und Nutzer.
▸ Wirkungen vorhanden, aber oft schwer messbar bzw. treten erst langfristig auf. - 8DefinitionsproblemWas ist eigentlich eine »Wirkung« bzw. ein Effekt?
- 95 Wirkungsebenen der Medien-Physiologie
-Kognitionen
-Einstellungen
-Affekte
-Verhalten - 10Physiologie»Körperliche« Prozesse während und unmittelbar nach der Rezeption (z. B. Herzschlag, feuchte Hände, nervös).
- 11Kognitionen-Wissen (»knowledge«, empirisch überprüfbare Fakten)
-Überzeugungen (»beliefs«, können nicht so schnell widerlegt werden)
-Werte (»values«, persönlich wichtig wie die Liebe oder Familie)
-Meinungen (»opinions«, können nicht als richtig oder falsch eingestuft werden).
-> Wissenserwerb führt nicht automatisch zu Verhaltensänderungen. - 12AffekteEmotionen, Stimmungen, Gefühle -> Subjektive Auswirkungen wichtiger als die reine Informationsvermittlung (insbesondere beim Fernsehen, z. B. Entspannung, Erregung)
- 13Einstellungen (Entwicklung, Veränderung, Stabilisierung von Haltungen/Prädispositionen)▸ mentale Bereitschaft (Prädisposition), auf bestimmte Objekte konstant zu reagieren.
▸ Einstellungsobjekte können Personen, Gruppen, Gegenstände, Ideen, Situationen etc. sein.
▸ Komponenten:
- Kognitive: Wissen, Meinungen, Überzeugungen, Werte
- Affektive: Emotionen, Gefühle, Bewertungen
- Konative: Verhaltensdispositionen - 14Verhaltenz.B. (nicht) wählen, kaufen, schlagen, impfen, essen etc.
- 154 x 2 Wirkungsmodalitäten (=Wie treten die Wirkungen auf?)▸ kurzfristig vs. langfristig
z.B. Gewalt: kurzfristige Erregung ➜ langfristig Empathieverlust
▸ beabsichtigt vs. unbeabsichtigt
z.B. Produkte attraktiv machen und verkaufen ➜ Beitrag zur Gewichtszunahme leisten
▸ direkt vs. indirekt
z.B. unmittelbare Meinungsänderung durch Gesundheitskampagnen ➜ indirekte Überzeugung durch Meinungsführer
▸ aktiv vs. passiv
z.B. aktive Informationssuche/bewusstes Lernen ➜ beiläufiges Lernen von sozialen Informationen - 164 Wirkungsauslöser▸ Inhalte (Informationen, Argumente, Handlungen etc.)
▸ Formen: Formal-gestalterische Aspekte (Schnitte, Musik, Farbgebung, Grössen, Kompositionen)
▸ Formate (Nachrichten, Unterhaltungssendungen, Plakate, Werbung etc.)
▸ »Ganzes Medium« (»das« Fernsehen, »das« Internet, »das« Smartphone) - 17Relevanz der Medien für verschiedene Akteure▸ Informationen vermitteln, Wissen erweitern (z.B. Journalismus),
▸ für Ideen, Vertrauen, Stimmen werben (z.B. Politik), und dadurch
▸ Macht- und Handlungsspielraum sichern & erweitern (z.B. Unternehmen, Politik, NGOs, Staaten)
▸ Risiken (z.B. Gewalt, Gesundheit, Daten) kommunizieren, Chancen (z.B. Gesundheit, Bildung, Arbeit) eröffnen (z.B. Staat & Verwaltung, Interessengruppen)
▸ Produkte verkaufen (z.B. Wirtschaft, Medien),
▸ Wirkungsprozesse beschreiben, erklären, verstehen, vorhersagen (Wissenschaft) - 181. Phase: Medienallmacht▸ Annahme starker Medieneffekte, Publikum als homogene Masse (z. B. Radio Hörspiel „Invasion from Mars“ löste Panik in den USA aus)
▸ Hintergrund: Aufkommen des Radios, 1. Weltkrieg, Propaganda und Faschismus
▸ Gesellschaftskonzept und Menschenbild: Masse von sozial isolierten und instinktgesteuerten Menschen (Behaviorismus). - 19Stimulus-Response-ModellMenschliches Verhalten ist uniform und wird von einigen wenigen Grundinstinkten gelenkt, die gezielt angesprochen werden können, z. B. Sex, Angst, etc.
auf solche Medienbotschaften sind jeweils ähnliche Reaktionen zu erwarten. - 202. Phase: Medienohnmacht mit den zwei Forschungsrichtungen▸ Medieneffekte durch Rezipienten vermittelt: Hauptwirkung der Medien nicht Verhaltensänderung sondern Bestätigung und Verstärkung bestehender Meinungen und Einstellungen (z. B. Kommunikationskampagnen lösen nur bescheidene Wirkungen in Richtung Umweltschutz aus).
▸ Forschungsrichtung 1: Psychologisch orientierte Konsistenz-Theorie
▸ Forschungsrichtung 2: soziologisch orientierte Ansätze mit Konzepten von Gruppen, sozialer Vergleich, Konformität - 21Stimulus-Organism-ModellMedieneffekte sind immer durch den Mediennutzer vermittelt. Wegen psychischen und sozialen Mechanismen aufgrund von Gruppenbeziehungen besteht keine Änderung durch die Medien, sondern vielmehr eine Bestätigung und Verstärkung einer bereits vorhandenen Meinung und Einstellung.
- 22Zwei-Stufen-Fluss-ModellInformation fliesst zunächst zu den sogenannten „Meinungsführern“ und erreicht erst über diese die übrigen Wähler.
- 23Zwei-Stufen-Fluss-Modell (Grafik)
- 243. Phase: Ausdifferenzierungen und "neue" Konzepte▸ RezipientInnenorientierung: Motivationale, kognitive und affektive Perspektiven stärker in den Blick genommen und nicht mehr nur der Kommunikator mit seiner Botschaft.
▸ Mehrdimensionale Fragestellungen: Unter welchen Bedingungen wirken welche Medien(inhalte) auf welche Teile des Publikums auf welcher Ebene wie (stark, lange etc.)?
▸ Faktor Zeit: längerfristige Wirkungsprozesse betrachtet.
▸ Untersuchungen auf Makroebene (Mediensysteme, Bedeutung des Fernsehen für die Gesellschaft) - 25Neue Konzepte
- 26Agenda-Setting-Bezeichnet das Setzen konkreter Themenschwerpunkte.
-> Medien haben Einfluss worüber wir nachdenken
- Medienagenda kann mit Inhaltsanalysen gemessen werden.
-Publikumsagenda mithilfe von Befragungen - 27Primingbezeichnet einen Effekt aus der Medienwirkungsforschung, der Veränderungen von Bewertungsmustern und damit von Entscheidungen der Medienkonsumenten aus medial vermittelten Informationen heraus erklärt. Vereinfacht ausgedrückt besagt der Effekt, dass Medienkonsument spezifische politische Akteure bevorzugt nach denjenigen Kriterien beurteilen, die in der allgemeinen Medienberichterstattung verstärkt thematisiert wurden.
- 28Framing (=Kästchendenken)beschreibt den Prozess einer Einbettung von (politischen) Ereignissen und Themen in subjektive Deutungsrahmen durch massenmediale Akteure und politische Pressearbeit. Dabei wird eine bestimmte (politische) Thematik durch selektive Betonung und Akzentuierung dem Publikum auf eine bestimmte Art und Weise vermittelt. Die Thematik wird in den gesellschaftlichen Sachverhalt eingebettet, als Problematik definiert und mögliche Ursachen und zugehörige Problemlösungsansätze werden vorgestellt.
- 29These der wachsenden WissenskluftSteigt die Berichterstattung über ein Thema an, eignen sich Menschen mit höherer Bildung und /oder höherem sozialem Status die Info rascher an als das Segment mit tieferer Bildung / Status
-> Wissensklüfte verstärken sich zwischen den Segmenten der Gesellschaft. - 30Kultivierungsthese- Vielseher im Vergleich zu Wenigsehern nehmen Umwelt verzerrt wahr, d.h. durch „TV-Brille“
- Vielseher halten die Welt für gefährlicher und schrecklicher als Wenigseher, haben weniger Vertrauen zu ihren Mitbürgern, mehr Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, zeigen höhere Bereitschaft, in bedrohlichen Situationen aggressiv zu reagieren, sichern ihr Zuhause aufwändiger usw.
Kritik: Richtung des Zusammenhangs unklar - 31SchweigespiraleBesteht Konsonanz/Harmonie zwischen eigener und perzipierter Mehrheitsmeinung, kann die eigene Meinung öffentlich geäussert werden, und zwar ohne Gefahr, sich sozial zu isolieren. Bei Dissonanz wird geschwiegen, was die scheinbare Mehrheitsposition stärkt und was dazu führt, dass sich die Abweichenden in der Minderheit fühlen und ihre Meinung nicht mehr öffentlich äussern
-> Auslösung der Schweigespirale - 32Entwicklungsphasen der Wirkungsforschung
Informationen
- Beschreibung
- Bachelor Medien- und Kommunikationswissenschaft (Einführung in die Kommunikationswissenschaft) Karteikarten am Medienwirkungen, erstellt von Sarah Zaugg am 13/01/2016.
- Erstellt von
- Sarah Zaugg
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