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Fichas

Deutsche Sprachgeschichte

Sarah Brosche Germanistik 10th grade Alemán 106 fichas

Deutsche Sprachgeschichte

Fichas del conjunto (106)

  1. 1Ausgangsbedingungen der Schriftlichkeit bis ins 16. Jh.- polyzentrische Struktur
    - horizontale Struktur
    (räumliches & zeitliches Nebeneinander sprachlicher Varietäten, keine völlige Gleichwertigkeit)
    - Sprachhandeln primär von konzeptueller Mündlichkeit geprägt
  2. 2Wendepunkt der dt. Sprachgeschichte um 1500?- Einfluss Buchdruck
    -Primat der Mündlichkeit zunehmend gebrochen
    - erleichterter Zugang zu Wissen und Information (durch Schriftlichkeit-Vermittlungsinstanz)
    - Ausbildung neuer Textsorten, zunehmende Verschriftlichung von Alltagstexten
    - langfristig: Emanzipation vom Lateinischen
    - Vereinheitlichungstendenzen der Schrift gefördert (-> großräumiger Absatz der Druckwerke)
    - zunehmende Bildung der Sprachöffentlichkeit
    - Teilhabe breiterer Schichten an der schriftsprachlichen Entwicklung
    - allmählich steigende Alphabetisierungsrate
    - Reformation schätzt Volkssprache hoch udn fördert Schrifttum
    - zunächst zaghafte Initiativen zu Pflege, Ausbau, Normierung der eigenen Sprache -> zunehmend als wichtiges Kutlturgut gewertet
    - Träger dieser Entwicklung:
    Sprachgelehrte, Drucker, Verleger, Literaten
    - Schriftsprache unter externe (normierende) Einflüsse
  3. 3Vormoderne Schreibsprachen- Hauptmerkmal: erhebliche graphematische Variation
    (a) regionale Gebundenheit
    (die Druckersprachen lösen sich aus ökonomischen Gründen als erste aus Bezügen)
    (b) Variation auch auf Ebene d. Schreiborte
    (c) Variation auch auf Ebene der einzelnen Schreiber
    - Gehobene/mittlere Schichten - Träger
    - Bindung an gesprochene Bezugsvarietät zu erkennen (Dialekt)
    - Orientierung der Schreiber an Schreibstilen (die z.B. den Adressaten/Textsorte/Prestigeformen berücksichtigen (soziale Symptomfunktion)
  4. 4Herausbildung der nhd. Schriftsprache 16.-18. Jh.- Ziel: einheitliche Schriftsprache
    d.h.: diejenige Varietät, die...
    - für alle schriftsprachlichen Zwecke eingesetzt werden kann (Polyfunktionalität)
    - gesellschaftlich gepflegt/normiert wird
    - kultureller (& nationaler) Identifikation dient
    - den folgenden Generationen vermittelt wird
    - auf die Mündlichkeit einwirkt
  5. 5Einheitliche Schriftsprache Notwendige Schritte (1)(1) Variantenabbau
    - auf der graphematischen Ebene
    - auf der morphologischen Ebene
    - auf der lexikalischen Ebene
    - auf der syntaktischen Ebene
  6. 6Einheitliche Schriftsprache Notwendige Schritte (2)(2) strukturelle Ausbauvorgänge
    - Grammatiken
    - Wörterbücher
    - stilistische Differenzierung im Wortschatz
    - Etablierung als Wissenschaftssprache
    - Etablierung als Literatursprache
  7. 7Vorbilder für Entwicklung- Personen und ihre Werke
    - Institutionen
    - Regionen
    -
  8. 8Gründe für das Vorbild des Ostmitteldeutschen- besonderes Prestige durch Luther & Reformation
    - kulturelle/wirtschaftliche Bedeutung (Fernhandel, Messen, literarische Blüte)
    - Mittlerstellung zwischen Nord und Süd
    - schon vor 1500: Ausgleichsvorgänge zw. omd./oberdeutschen Schreibräumen
    - Schreibsprachenwechsel im nd. Norden erweitert erheblich den Raum, in dem nach ostmitteldeutschem Vorbild geschrieben wird
  9. 9Vertikalisierung als Schlüsselbegriff der sprachhistorischen Entwicklung nach 1500sprachsoziologisch:
    - Herausbildung einer Leitvarietät
    - Gleichzeitige Abwertung der Dialekte
    medial:
    - Übergang zur konzeptuellen Schriftlichkeit
    - Sprachkulturelle Orientierung an geschriebenen Texten
    sprachgebrauchsbezogen:
    - größere Wahl innerhalb des dt. Varietätenspektrums
    sprachstrukturell:
    - zunehmende Kodifizierung bestimmter Regeln & Abwertung davon abweichender Sprachäußerungen
  10. 10Der Einfluss der Barocken SprachgesellschaftenErste dieser Art:
    - Fruchtbringende Gesellschaft (Palmenorden) 1617 Weimar
    Weitere Sprachgesellschaften:
    - Deutschgesinnte Gesellschaft 1642 Hamburg
    - Pegnesischer Blumenorden 1644 Nürnberg
    - Elbschwanenorden 1660 Lübeck
    - Deutsche Gesellschaft 1727 Leipzig
  11. 11Außersprachliche Ziele der Sprachgesellschaften- ehrbar
    - weise
    - tugendhaft
    - höflich
    - nützlich
    - ergetzlich
    - gesellig
    - mäßig sich überall bezeigen
    - rühmlich & ehrlich handeln
    - gütig, fröhlich & vertraulich in Worten, Gebärden und Werken treulichst erweisen
  12. 12Mittel der Spracharbeit durch Mitglieder der Sprachgesellschaftena) wissenschaftliche Schriften
    - Regelwerke zur Rechtschreibung
    (z.B. Chr. Gueintz 1645)
    - Grammatiken (z.B. Schottelius 1663)
    - Poetiken (z.B. Opitz 1624)
    - Wörterbucharbeit (z.B. Stieler 1691)
    b) Übersetzungen fremdsprachlicher Literatur
    c) eigene literarische Werke
    d) intensiver Meinungsaustausch
    (v.a. brieflich)
  13. 13Sprachpurismus: Barocke Eindeutschungsvorschlägeerfolgreich:
    Abstand (Distanz)
    Anschrift (Adresse)
    Augenblick (Moment)
    nicht erfolgreich:
    Jungfernzwinger (Kloster)
  14. 14Zum Diskurs der Sprachgelehrten im 17. und 18. Jh.Anomalisten:
    - Betonung des Sprachgebrauchs vor der Sprachregel
    - soziologische Präferenz zumeist verbunden mit einer regionalen Präferenz
    Analogisten:
    - Prinzip der Analogie:
    Sprachregel vor Sprachgebrauch
    - „Grundrichtigkeit“ des Deutschen
    - ahistorische Sichtweise auf Sprache
  15. 15Analogistische VorstellungenGrundrichtigkeit:
    ahistorisches Verständnis von der korrekten „gesetzmäßigen“ Sprachnatur des Deutschen (kann durch nachlässigen Sprachgebrauch verdeckt sein)
    Kunstrichtigkeit:
    Berücksichtigung der als richtig erkannten grammatischen Regeln im Schreiben & Sprechen
  16. 16Entwicklungen im Oberdeutschen- Gegenreformatorische Abwehr bis in die Mitte des 18. Jhs.
    - Annahme der nhd. Schriftsprache in der 2. Hälfte des 18. Jhs.
  17. 17Beharrung auf oberdeutschen (katholischen) Traditionen-> das man (Bücher in oberdeutscher Schreibsprache) allerley leüten, Catholischen vnd Uncatholischen mit glegenheit austhayle: Auch in weütt gelegenen Örtten, wo ein sondere noth verhanden, in gueter Anzahl, vnd sauber gebunden, schickhe.
    Sonderlich soll man solche Gott-selige Büchlein geben den Stattschreibern, Marckhtschreibern, vnd Schuelmaistern: auch den Kauffleütten, Würthen, Handwerckern [...]
  18. 18Zum Einfluss von Gottsched (1700-1766)Wichtige Veröffentlichung (1748):
    Grundlegung einer Deutschen Sprachkunst. Nach den Mustern der besten Schriftsteller des vorigen und jetzigen Jahrhunderts abgefasst
    - strenges Regelwerk, das vorbildlichen (schriftlichen) Sprachgebrauch kodifiziert
    - zahlreiche Auflagen auch nach seinem Tod; verbreitete Grundlage für den Unterricht der deutschen Sprache
    - Übersetzungen (FR, LAT, RU, NDL)
  19. 19Einfluss Gottscheds im oberdeutschen Raum- Relativierung des sprachlichen Vorbilds Luther (fördert die Anerkennung seines Werks im katholischen Süden)
    - dafür: stärkere Relevanz der „besten“ Literaten
    - Im obd. Raum: Sprachgesellschaften, die Ideen Gottscheds verbreiten
  20. 20Anerkennung seiner „Sprachkunst“ in Österreich- Gottsched 1749: Wien (von Kaiserin empfangen)
    - Anerkennung seines Lehrbuchs am kaiserlichen Hof (politisches Zeichen - Aufweichung oberdt. Abwehrhaltung gegenüber Schriftsprache omd-meißn. Provenienz)
    - Intellektuelle & österreichische Grammatiker schließen sich Argumenten Gottscheds (Sprachautorität) an
  21. 21Zur Kodifizierung der Schriftsprache im 18. Jh.Bedeutungswörterbuch:
    Frisch: Teutsch-Lateinisches Wörterbuch (1741)
    Rechtschreibung:
    Freyer: Anweisung zur Teutschen Orthographie (1722)
    Adelung: Vollständige Anweisung zur dt. Orthographie (1788)
    Grammatiken:
    Gottsched: Grundlegung einer Deutschen Sprachkunst (1748)
    Aichinger: Versuch einer teutschen Sprachlehre (1753)
  22. 22Zur Situation Ende 18. Jh.- regionale Schreibsprachenlandschaften sind aufgelöst
    - weitgehend einheitliche Schriftsprache vorhanden, die durch prinzipielle Anerkennung kodifizierter Normen (Grammatiken, Wörterbücher) geprägt ist
    - staatlich verbindlich: Kodifizierung noch nicht (in der Rechtschreibung erst 1901/02)
    - Vorherrschaft der lateinischen Schriftsprache gebrochen
  23. 23Zur Geschichte der dt. Rechtschreibung- Lange Zeit nur Gebrauchsnormen
    (im Sprachgebrauch (weitgehend) frei entwickelte Auswahl verschiedener Realisierungsmöglichkeiten)
    - Erste Kodifizierungsversuche durch Regelwerke, Beg.: 16. Jh.
    - Bis dahin: nur Geschichte d. Schreibung, nicht d. Rechtschreibung
    - staatlich legitimierte Kodifizierung:
    erst 1901 durchgesetzt
  24. 24Merkmale heutiger Orthografie- kodifizierte Normen (in Regelwerken & Wörterbüchern fixiert)
    - hohes Maß an Verbindlichkeit
    - relativ geringe Variabilität der Normen
    - historisch entwickeltes, aber unsystematisches Nebeneinander verschiedener Grundprinzipien
    -> lassen sich konkrete Regeln ableiten
  25. 25generelle Funktionen der SchreibungAufzeichnungsfunktion:
    - die produktive Seite (Sicht der Schreiber)
    - wichtiges Interesse: leichte Lernbarkeit der Regeln
    Erfassungsfunktion:
    - rezeptive Seite (Sicht der Leser)
    (z.B. schnelle Identifizierung d. Substantiven durch Großschreibung)
  26. 26langfristige Entwicklung der Schreibung des Deutschen- Schreibung ist zunehmend leserfreundlicher
    (die Erfassungsfunktion wurde gestärkt)
    - es werden Informationen vermittelt, die über die rein lautliche Seite hinausgehen:
    das / dass
    Saite / Seite
    Groß-/Kleinschreibung
  27. 27Darstellung der Vokallänge im Dt.1) Verdopplung des Vokalgraphems
    Saat, Meer, Moor
    2) ohne explizite Kennzeichnung
    offene (betonte) Silbe: Name
    geschlossene Silbe: Tag
    3) Dehnungs-h
    4)
    5) Dehnungs-e
    (besonders nach a oder o)
    6) Dehnungs-i
    (zumeist nach o, seltener nach u)
  28. 28Historisch begründete Schreibungen: Zum Dehnungs-h- mhd. Zeit steht intervokalisches (als Hauchlaut) nach Kurz- oder Langvokal und vor schwach betontem e-Laut:
    zehen (zehn), vs. vêhede (Fehde)
    - schwach artikulierte Hauchlaut verstummt anschließend
    - nun direkt benachbarten Vokale kontrahieren, (kurzer) Stammvokal wird gedehnt, funktionslose Graphie bleibt bestehen
    - Anschließend steht in offener Silbe nur nach Langvokal, wird deswegen als Längenzeichen uminterpretiert
    - später erfolgt analogische Übertragung auf Wörter, die nie Hauchlaut hatten:
    z.B. fahren, Stuhl, wohnen
    -> eine historische Schreibung, die uminterpretiert worden ist
  29. 29Zur historisch begründeten Schreibung- ursprünglich: Schreibung für den Zwielaut [iə] (mhd. [liəbə] = Liebe)
    - durch nhd. Monophthongierung -> [î]
    - angestammte Schreibung bleibt
    (bei verändertem Lautwert)
    - spätere Generalisierung auf Wörter, die mhd. Zwielaut nicht aufweisen
    (z.B. liegen, wiegen)
  30. 30Orthografische Prinzipien- reflektieren generelle Beziehungen zwischen grafischer Ebene &
    übriger Ebenen des Sprachsystems
    (z.B. Lautlehre, Morph., Lexik, Syntax)
    - bilden Rahmen für Formulierung von Regeln
  31. 31Wichtige orthografische Prinzipiena) auf eine Lautebene bezogen:
    - phonematisches Prinzip
    b) auf Bedeutung bezogen:
    - morphematisches (etymologisches) Prinzip
    - lexikalisches Prinzip
    - grammatisch-syntaktisches Prinzip
  32. 32Zum phonematischen Prinzip (Relation: Graphem zu Phonem)- Grundlage jeder Buchstabenschrift ist die Bezugnahme der Schreibung auf Phoneme
    - möglichst eindeutige Zuordnung von Graphemen und Phonemen angestrebt
    - Realität: diese 1-1 Beziehung wird
    aber oft durchbrochen
  33. 33Polyrelationalität zwischen Phonemen & Graphemen- ein Graphem = mehrere Phoneme
    Villa vs. Vogel
    See vs. was
    - dasselbe Phonem kann unterschiedlich repräsentiert werden
    Wohnung vs. Vase
  34. 34Das morphematische Prinzip- m.P. meint Beziehung von Graphemen & Morphemen
    - hebt Identität von Morphemen hervor
    - das wichtigste Teilprinzip des semantischen Grundprinzips
    - im Lauf der dt. Sprachgeschichte deutlich gestärkt worden
    - dient v.a. der Erfassungsfunktion, weil die grafische Konstanz/Ähnlichkeit auf Bedeutungsgemeinsamkeiten verweist
    Schreibung der Umlaute:
    z.B. Fähre, nicht Fehre
    Aufhebung der Auslautverhärtung:
    z.B. Land/Länder - Tag/Tage
    Etablierung etymologisch durchsichtiger Schreibungen:
    numerieren -> nummerieren
    Stengel -> Stängel
    Reform der ß-Schreibung
    Faß/Fässer -> Fass/Fässer
  35. 35Zum lexikalischen Prinzip- Wortdifferenzierung (Homonymenvermeidung)
    Seite/Saite Lärche/Lerche
    - Großschreibung von Substantiven (Herausstellung einer Wortart)
    - Leerstellen vor und nach einem Wort
  36. 36Zum grammatisch-syntaktischen Prinzip- Interpunktion (die vor allem die Erfassungsfunktion stützen soll)
    - Großschreibung am Satzanfang
  37. 37Orthografische Regeln1) generelle Regeln
    z.B. Substantive schreibt man groß
    2) Einzelregeln
    (a) Bezug nur auf einzelnes Wort
    (b) -> nicht im amtlichen Regelwerk, sondern in der Wortliste
  38. 38Teutsche Orthographey und Phraseologey (1607) (Johann Rudolf Sattler)- erstes orthografisches Regelwerk, das auch eine alphabetisch geordnete Wortliste enthält
    - ca. 350 Lemmata
    - Titel dieser Wortliste: Wie etliche Wörter bey bewehrten Teutschen Authoren geschrieben werden
  39. 39Schottelius: Ausführliche Arbeit von der Teutschen Haubtsprache (1663)Kriterien der Rechtschreibung
    - konstante Stammwortschreibung = morphematisches Prinzip)
    - Analogie (ähnliche Fälle sollen
    identisch behandelt werden)
    - der gute Gebrauch
    (der Experte urteilt, was gut ist)
    - erst dann: Aussprache
  40. 40Adelung: Vollständige Anweisung zur Dt. Orthographie (1788)- 15.000 Stichwörter
    - erstmals: Wörterverzeichnis umfangreicher als Regelwerk
    - integriert sind Angaben, die über die reine Schreibung hinausgehen (Grammatik, Aussprache, Herkunft, Bedeutung)
    - wichtige Richtlinie für Schule, Verwaltung, Literatur
    (noch ohne amtliche Kodifizierung)
  41. 41Prinzipien der Schreibung nach Adelung- Schreibung nach der Aussprache
    (für die es noch keine Norm gibt; regionale Unterschiede!)
    - Schreibung nach der Abstammung (synchrone Morphemidentität)
    - Schreibung nach dem Sprachgebrauch
  42. 42Sonderweg im 18. JahrhundertHeinrich Braun:
    - völliger Verzicht auf Abdruck von Regeln
    - nur Wörterverzeichnis
    - bleibt nahezu singulär
  43. 43Orthografische Konzeptionen im 19. Jh. (1)Traditionalisten und Anhänger des gemäßigten phonetischen Prinzips
    (z.B. von Raumer, Duden)
    - keine gravierenden Veränderungen, weitgehende Bestätigung von Adelung und dem bisherigen Gebrauch
    - Annahme: Lautung und Schreibung beeinflussen sich gegenseitig
    - Wichtige Schrift: Ueber dt. Rechtschreibung (von Raumer 1855): Bring deine Schrift und deine Aussprache in Übereinstimmung!
  44. 44Orthografische Konzeptionen im 19. Jh. (2)radikale phonetische Richtung (G. Michaelis, F.W. Fricke)
    - „Fi-Partei“ (wegen der präferierten Schreibung für „Vieh“)
    - „lauttreue Schreibung“
    - Ersetzung von Schriftzeichen
    z.B. ,
    - Gründung eines Vereins:
    „Algemeiner ferein für fereinfahte deutše rehtšreibung“
    - letztlich: geringe Wirkung
  45. 45Orthografische Konzeptionen im 19. Jh. (3)Historische Richtung
    - „Leffel-Partei“
    - Schreib, wie es die geschichtliche Fortentwicklung des Neuhochdeutschen verlangt! (Weinhold)
    - Es wäre fast allen übelständen abgeholfen, wenn sich, in der hauptsache, zu dem mhd. Brauch zurückkehren ließe (J. Grimm)
  46. 46Erste Berliner Rechtschreibkonferenz 1876- Initiative des preußischen Kultusministers, die an die Regierungen aller dt. Bundesstaaten gerichtet ist
    - Ziel: einheitliche Norm: zunächst Schulen, dann allgemeinen Gebrauch
    - 14 Teilnehmer aus Wissenschaft (Anhänger der gemäßigten phonetischen Richtung), Schule und Druckereien
    - Beschlüsse scheitern am Widerstand der Öffentlichkeit (v.a. durch die Zeitungen entfacht)
  47. 471876 Berliner Rechtschreibkonferenz (Auswahl der Beschlüsse)- Explizite Kennzeichnung der vokalischen Länge (nur e & i)
    (mit wenigen Ausnahmen kommen nur sie in betonter & unbetonter Silbe dt. Wörter vor): z.B. entehrt vs. entert
    - ansonsten: Verzicht auf Dehnungs-h und Doppelvokal:
    Nahrung > Narung
  48. 48Nach der gescheiterten Berliner Konferenz- (nicht einheitliche) Schulorthografien werden in einzelnen dt. Ländern erarbeitet (preußische bes. wichtig)
    - zwischen 3.000 - 5.000 Stichwörter
    (plus Regeldarstellung)
    - In Preußen gibt es sogar untersch. Regelungen in Schule & Verwaltung (Bismarcksche „Ottographie“)
    - Wer von meinen Beamten die Vorstellungen der Berliner Konferenz zum ersten mal anwendet, wird mit fünf Talern bestraft und das Weglassen der stummen Buchstaben [Dehnungs-h] bestrafe ich noch schärfer. (Bismarck, 1878)
    - Duden (1880): Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der dt. Sprache
    - 27.000 Lemmata
    - zahlreiche grammatische & etymologische Informationen
    basierend auf der preußischen und bayrischen Schulorthografie
    - Werk wird schnell zur maßgeblichen (informellen) Instanz der dt. Rechtschreibung abseits der Schulen
  49. 491901 – staatliche Kodifizierung der Rechtschreibung (Zweite Berliner Konferenz)- Ziel: einheitliches Regelwerk für Schulen und Verwaltungen im Deutschen Reich
    (+ Österreich und Schweiz)
    - Grundlage der Diskussion ist preußische Schulorthografie
    - Dauer der Konferenz: 3 Tage
    - nur 4 von 26 Teilnehmern sind Sprachwissenschaftler
    (darunter Duden)
    - verbindliche Gültigkeit ab 1903
  50. 50Ausgewählte Beschlüsse 1901- Wegfall der und -Schreibung in Wörtern deutschen Ursprungs
    Thor -> Tor
    Thaler -> Taler
    - Weitgehende Silbentrennung nach Sprechsilben, nicht nach Sprachsilben
    - Kleinschreibung statt Großschreibung in Zweifelsfällen
  51. 51Heutige Situation der Standardaussprache3 Oralisierungsnormen:
    Deutschland (die dominierende Norm, die auch in der Schweiz und Österreich anerkannt wird)
    Österreich
    Schweiz
  52. 52Normabweichungen der heutigen Aussprache1. Kurz- statt Langvokal in einsilbigen Wörtern: besonders im Norden
    (Tag, Bad, Zug)
    2. Spirantisierung von auslautendem g: (Norden)
    - Hamburg -> Hamburch
    3. -ig (Plosiv k statt Reibelaut):
    v.a. im Oberdeutschen
  53. 53Faktoren, die die frühe Ausbildung einer Aussprachenorm behindert haben- dialektale Aufsplitterung des dt. Sprachraums
    - Fehlen eines kulturellen Zentrums
    - Immobilität weiter Bevölkerungskreise
    - Standardisierung war primär auf Schriftsprache gerichtet
    - mangelhafte Ausbildung der Lehrer
  54. 54Zur Bühnenaussprache (Siebs 1898)- Bühnensprache ist darauf erbaut, dass hochdeutsche Sprachformen mit einfachen nd. Lautwerten ausgesprochen; keine Einmischung von Dialektformen
    - Siebs-Kommission:
    3 Sprachwissenschaftlern &
    3 Theaterdirektoren
    - erste Auflage 1898 enthielt noch kein Wörterverzeichnis
    - dt. Philologenversammlung stimmt 1899 den Beschlüssen zu
  55. 55Zögernde Umsetzung in den Schulen & Universitäten- Schulbücher reflektieren Bühnenaussprache zunächst fast gar nicht
    - bis 1945: schulische Umsetzung alles andere als konsequent
    - Lautschrift war in Schulen nicht präsent, auch weil die entsprechende Ausbildung an den Universitäten fehlte
  56. 56Durchsetzung im 20. Jh. v.a. durch die Massenmedien- Radio sorgt seit den 20er Jahren für Popularisierung der Hochlautung
    - 1931 bearbeitet Siebs die Anweisungen zur „Rundfunkaussprache“
    (entspricht Bühnenaussprache)
    - später verstärkt Fernsehen diese Entwicklung
    - zunehmende Mobilität der Bevölkerung nach 1945 kommt hinzu
  57. 57Varietätkohärente sprachliche Existenzform mit spezifischer Kombination von phonetisch-phonologischen, morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Merkmalen als abgrenzbarer Ausschnitt aus dem komplexen System einer Einzelsprache
  58. 58Sprechlage (Register)gruppenspezifische Variation der Sprachverwendung innerhalb einer Varietät, die mit regionalen, sozialen und situativen Aspekten zusammenhängt
  59. 59regionale Varietäten des Deutschen- Dialekte
    - Regiolekte
    -> bilden zusammen die Regionalsprachen des Deutschen
  60. 60Dialekte- kleinräumige, bodenständige sprachliche Existenzformen
    - vorwiegend mündlich benutzt
    - Sprache der Nähe
    - Subsystem einer Standardsprache
    - soziologische Aspekte („Volkssprache“)
    - geringere kommunikative Leistungsfähigkeit
    - geringerer Normierungsgrad
    (z.B. keine kodifizierte Rechtschreibung)
    - dennoch: (vollständige) linguistische Systemhaftigkeit
  61. 61Regiolekt vs. UmgangsspracheUmgangssprache hat wenigstens zwei Bedeutungen:
    1. im täglichen Umgang gesprochene Varietät
    (die auch Standard o. Dialekt sein kann)
    2. eine Varietät, die zwischen den Polen Standard & Dialekt liegt
    Nur die letzte Bedeutung trifft auch für die Bezeichnung „Regiolekt“ zu
  62. 62Zur Herausbildung der dt. Regionalsprachen Erste Phase (bis ins 16. Jahrhundert)- gesprochen werden nur Dialekte (abgesehen vom fremdsprachlichen Gebrauch)
    - fast alle Sprecher verfügen nur über eine Varietät
    - bewertende Aspekte spielen nur untergeordnete Rolle
    - soziologische Differenzen sind kaum auszumachen; Mündlichkeit ist horizontal (nicht vertikal) strukturiert
    - keine Leitvarietät
  63. 63Zur Herausbildung der dt. Regionalsprachen Zweite Phase- v.a. in Städten etabliert sich eine gesprochene Form der im Entstehen begriffenen nhd. Schriftsprache
    - diese gesprochenen Varietäten sind stark landschaftlich geprägt
    - eine einheitliche Aussprachenorm für die nhd. Schriftsprache existiert noch nicht
    - Sprechergruppen interpretieren die Aussprache der Schriftlichkeit aufgrund dialektaler Strukturen;
    strukturell ähnliche Dialektregionen kommen zu vergleichbaren Resultaten, die allmählich zu großlandschaftlichen Oralisierungsnormen führen
  64. 64Zur Herausbildung der dt. Regionalsprachen Dritte Phase- erst jetzt setzt sich eine normierte Aussprache des Deutschen durch, die spätestens seit den 1930er Jahren breite Bevölkerungskreise über die Massenmedien erreicht
    - dadurch: vertikal geordnet 3 gesprochene Varietäten des Deutschen:
    Standard (überregional)
    Regiolekt (aus dem früheren landschaftlichen Hd.)
    Dialekt
  65. 65Vereinfachtes Modell des vertikalen Varietätenspektrums im DeutschenVereinfachtes Modell des vertikalen Varietätenspektrums im Deutschen
  66. 66Namen- immer Substantive
    - sprachliche Universalien
    - (fast) nicht übersetzbar
    (Ausnahme: lex. durchsichtige Namen)
    - orthografische Regeln gelten nur bedingt für N.
  67. 67Name vs. AppellativName:
    - Identifizierungsfunktion (= Monoreferenz)
    - Individualisierungsfunktion
    Appellativ (Gattungsbezeichnung):
    - Bezug auf eine Klasse von Objekten oder Individuen (= Charakterisierung)
    - lexikalische Bedeutung
  68. 68Klassen von EigennamenIndividualnamen
    Kollektivnamen
    Siedlungsnamen
    Flurnamen
    Gewässernamen
    Gebirgsnamen
    Landschaftsnamen, Staatsnamen
    Namen von Verkehrswegen
    Objektnamen
    Ereignisnamen
    Phänomennamen
  69. 69Prinzipielle Aspekte von Namen(gebung)1. entstehen fast ausschließlich aus dem (appellativischen) Wortschatz
    Prozess der Bildung: Onymisierung
    Basis kann auch ein Syntagma sein
    (zu der neuen Burg > Neuenburg)
    2. Namengebungsakt i.d.R. motiviert:
    (a) Primärmotivation:
    lex. Bedeutung für Benennung ausschlaggebend
    (Beate = die Glückliche)
    (b) Sekundärmotivation:
    das Motiv liegt nicht in lex. Bedeutung des Appellativs
    (z.B. Klang, Prestige, Tradition)
    3. Semantische Isolierung:
    - ursprünglich vorhandene lexikalische Bedeutung von Namen verblasst zunehmend nach der ersten Namengebung;
    Weiterentwicklung abgekoppelt von Geschichte d. Lexeme, die sich im Namen verbergen
    4. Namen verfügen über "Bedeutsamkeit"
    - sie tragen Konnotationen
    (Summe der mit dem Namen verbundenen Vorstellungen/Wertungen)
    5. Für Namen gelten besondere grammatische Restriktionen
    - zumeist nur im Singular gebräuchlich
    - seltener nur im Plural
    (Anden, Alpen, Niederlande)
    - Pluralflexion (bei vorhandenem Sg.) nur mit -s
  70. 70Personennamen im Dt.- heute gilt Zweinamigkeit
    aus Rufnamen & Familiennamen
    - in den Dialekten geht der Famn. dem Rufn. häufig voran
    - oft ist dabei der Hof- oder Hausname wichtiger als der FamN
    - in kleinen Orten: gelegentlich noch Rufnamen die größere Bedeutung
  71. 71Rufnamen- Rufnamensystem: entwickelt sich von einem programmatischen Ansatz (Name als Programm) hin zu einem konventionellen, der Wohlklang, Schreibung und soziale Kategorien einschließt
    z.B. modern/unmodern; Konventionalität/Individualität
    - Rufnamen: u.a. daran zu erkennen, dass volle Vokale auch in unbetonten Silben vorkommen (z.B. Johanna)
  72. 72Ursprüngliche Rufnamenbildung- zumeist Komposita aus zwei nominalen Bestandteilen (= dithematische Namen)
    - Grundwort markiert das Geschlecht
    - Grundwörter im Neutrum existieren für Rufnamengebung nicht
    - Grundwörter beginnen nicht mit Vokal
    - kein Stabreim u. Endreim zwischen Grund- und Bestimmungswort
  73. 73Zäsur der Rufnamenbildung seit dem 12. Jh. (I)- beginnende Auflösung der zweigliedrigen Rufnamen
    - Entstehung zahlloser Kurzformen
    (Bernhard > Bernd)
    - onymische Suffixe treten hinzu und markieren das Geschlecht
    -a, -e für Frauen (Gunda, Hilda)
    - (sozial gestaffelte) Nachbenennung innerhalb der Familie reduziert die entstandene Vielfalt
    - Rufnameninventar zunehmend kleiner (Kurzformen/Varianten bestehen aber)
    - „Hinz und Kunz“ (= jedermann)
    - christliche bzw. biblische Rufnamen aus dem Lateinischen/Hebräischen/Griechischen werden zunehmend populär
    - frühe „Internationalisierung“, die germanische Namen marginalisiert
    Gründe:
    - romanische Einflüsse
    - Heiligenverehrung nach den Kreuzzügen (Benennung: Wunsch nach Schutz des Kindes durch Namenspatron)
  74. 74Umbruch nach der Reformation: Differenzierung nach konfessioneller ZugehörigkeitProtestanten bevorzugen:
    a) Namen aus dem Alten Testament
    (Abraham, Benjamin, Jakob)
    b) germanische Namen werden wiederbelebt (Rudolf, Konrad)
    Katholiken bevorzugen:
    Heiligennamen
    (germ. Namen gelten als heidnisch)
  75. 75Humanistische Rufnamengebungdirekte Entlehnungen aus den klassischen Sprachen, die in gehobenen Schichten populär wurden
    Claudius - Claudia; Cornelius -Cornelia;
  76. 76Umbruch durch das Patennamensystem im 16./17. Jh.- Form gebundener Namengebung
    - Rufname und Beivornamen richten sich nach Paten / Patinnen aus dem engeren Verwandtschaftskreis
    - zunächst stärkere Relevanz in protestantischen Gebieten
  77. 77Folgen des Patennamensystems- zunehmende Monotonie der familiären Namengebung
    - Bildung weiblicher RufN nach dem Patenonkel durch Movierung
    Anton -> Antonia
    - Maskulinmovierung ist selten
    Greta > Grethard (x)
  78. 78Pietistische Namengebung seit dem 17. Jh.- zweigliedrige, programmatische Namen
    - imperativische Satznamen
    - viele Verdeutschungen
    z.B. Fürchtegott < Timotheus
  79. 79Zunehmende Individualisierung und Internationalisierung seit der Aufklärung- Doppelnamen (Anna-Maria) bzw. zusammengezogene Rufnamen (Lieselotte, Annemarie)
    - französische Namen seit der Frühaufklärung (Charlotte)
    - erste englische Einflüsse seit Ende des 18. Jh. (Edgar, Artur)
    - seit dem 19. Jh.: nordische (Knut, Sigrid) & slawische Namen (Sonja)
  80. 80Rufnahmen Umbruch am Ende des 19. Jhs.- Gründung der Standesämter (Säkularisierung; Wegfall der sozialen Kontrolle durch die Kirche)
    - Schreibung des RufN lebenslang fixiert
    - Übergang: gebundenen -> freien Namengebung
    - Individualisierung wird zentrales Motiv
    - weitere Vergrößerung des Nameninventars
  81. 81Fazit zur heutigen Rufnamengebung- etymologische Bedeutung spielt kaum Rolle (aber: Namenästhetik)
    - freie Namengebung dominiert
    - soziale Aspekte der Namengebung verlieren zunehmend an Bedeutung
    - Bestand an Namen durch Internationalisierung unübersehbar groß
    - Vielgestaltigkeit der Form stärkt Individualisierung
  82. 82FamiliennamenLiteratur: Deutscher Familiennamenatlas:
    sechsbändiges Grundlagenwerk
    2017 abgeschlossen
    1. Vokalismus
    2. Konsonantismus
    3. Morphologie
    4-6. Familiennamen nach Benennungsmotiven
  83. 83Zur Entstehung von Familiennamen- Inventar der Rufnamen reicht seit dem Spätmittelalter nicht mehr aus
    - Verlust von Monoreferenz:
    deshalb entwickeln sich zunehmend Beinamen
    (später: Familiennamen werden können)
  84. 84Beinamen- unfeste Zusätze zu den Rufnamen (können im Lauf des Lebens wechseln)
    - individuell, keine Vererbung
    - primärmotivierte Namen
    - Namengebung von außen (urspr.) zumeist mit Artikel/Präposition verbunden (Konrad der Kahle)
  85. 85Familiennnamen- ältere eingliedrige Personennamensystem (Einnamigkeit) dadurch in zweigliedriges überführt
    - Entwicklungsbeginn: 12./13. Jh. im Südwesten (romanischer Einfluss) in höheren Sozialschichten
    - um 1600: weitgehende Etablierung im dt. Sprachraum
    - heutige Gesamtzahl: ca. 850.000 (inkl. Varianten)
  86. 86Familienname vs. Rufname Historische Wertigkeit- Familiennamen bis zum 18. Jh. den Rufnamen untergeordnet
    - häufigere Kleinschreibung der FamN
    - Personenlisten sind nach Rufnamen geordnet
    - im sprachlichen Alltag dominiert offenkundig der Rufname
  87. 87Familiennamen in Relation zum Wortschatz und zu anderen Wortgruppen1) FN, die im übrigen WS enthalten sind
    (Fleischer, Fröhlich)
    2) FN, die auch aus anderen Namengruppen geläufig sind
    (Grunewald)
    3) nur als FN bekannt
    (Hanisch, Neumann)
  88. 88Familiennamen nach... (Prozente)1. FN aus Berufsnamen (30%)
    2. FN aus Übernamen (20%)
    3. FN nach Herkunft (10%)
    4. FN nach Lage der Wohnstätte (10%)
  89. 89Erweiterung des Inventars durch Namen fremder Herkunft- französische Namen (Hugenotten) seit dem 17. Jh. (Fontane, Lafontaine)
    - slawische Familiennamen
    a) Namen sprachgeschichtlich junger Einwanderung seit Ende des 19. Jhs.
    (bes. polnische Bergarbeiter im Ruhrgebiet; Podolski)
    b) alte slawische Namen im mittelalterlichen Kolonisierungsgebiet östlich von Elbe & Saale
    (z.B. sorbische Familiennamen in der Lausitz)
    - junge Migration nach 1945
  90. 90Familienname > Wort (Deonymisierung)- Konversion (Duden, röntgen)
    - Ableitung: lutherisch, kafkaesk,
    lynchen, Marxist
    - Komposition: Röntgengerät, Lynchjustiz
  91. 91Kritik an Fremdwörtergebrauch Kritik am Zeitungsstil Kritik an Massenpresse- 1643
    - 1755
    - 1891
  92. 92zentrale Definitionskriterien für Zeitungen- periodische Erscheinungsweise
    (nicht auf Einzelereignisse bezogene Berichterstattung)
    - Publizität (möglichst allgemeine Zugänglichkeit, keine exklusive Nachrichtenübermittlung)
    - Aktualität der Themen
    - Universalität der Themen
    (besser: inhaltliche Vielfalt)
  93. 93Vorläufer von Zeitungen (Berichtsmedien des 16. Jhs.)- Handschriftliche Korrespondenzen; Kaufmannsbriefe
    - Flugbätter und Flugschriften
    - „Neue Zeitungen“ des 16. Jahrhunderts
    - Meßrelationen
  94. 94Vorläufer (I): Handschriftliche Nachrichten, Kaufmannsbriefe- exklusive Art der Nachrichtenvermittlung
    („privater Nachrichtendienst“)
    - handschriftliche Nachrichten vorrangig über Krieg & Politik vor dem Hintergrund ökonomischer Interessen, oft als Anhang des geschäftlichen/privaten Briefwechsels
    - geringe Auflagenzahl & hoher Preis
    - handschriftliche Nachrichten verlieren am Ende des 17. Jhs. an Bedeutung
  95. 95Vorläufer (II): Flugblätter und FlugschriftenGemeinsamkeiten:
    - Druckwerke; kostengünstige Massenproduktion
    - vorwiegend in deutscher Sprache
    (im Unterschied zu Büchern)
    - Aufgreifen aktueller Themen (volkstümliche Inhalte)
    - kein periodisches Erscheinen
    Flugblätter:
    - Einblattdrucke
    - großes Format
    - gebunden an best. Ereignisse
    - fast immer illustriert
    Flugschriften:
    - mehr als ein Blatt;
    meist vier oder acht Seiten
    - nicht gebunden
    - kleinformatiger als die Flugblätter
    - v.a. politische & religiöse Propaganda
    - nicht immer illustriert
  96. 96Vorläufer (III): Neue Zeitungen des 16. Jhs. (Sonderformen von Flugblättern, -schriften)- gedruckte Schriften mit geringem Umfang (oft Einblattdrucke)
    - nur in deutscher Sprache
    - nicht periodisch,
    sondern ereignisabhängig
    - oft illustriert
    - anonym
    - nahezu ohne bewertende Kommentare (keine Agitation)
    - mit thematischen Überschriften
    (die in den frühen Periodika fehlen)
  97. 97Vorläufer (IV): Meßrelationen (ab ca. 1580)- periodische Erscheinungsweise (Halbjahresrhythmus der Handelsmessen)
    - umfangreiche, kostspielige Druckschriften
    - zumeist kommentarlose Berichte über bedingt aktuelle Ereignisse
    - häufige Verbindung von lat. & dt. Titel
    - teilweise mit erklärenden Wortlisten
  98. 98Die ersten Zeitungen Zeitgenössische BezeichnungenAvisen (= briefliche Meldungen)
    Relationen (= Wiedergaben)
    No(u)vellen (= Neuigkeiten)
  99. 99Die ersten Zeitungen im 17. Jh.- wöchentliche Erscheinungsweise
    - (relative) Aktualität
    (meist 2–4 Wochen nach dem Ereignis)
    - Themen: (Auswärtige) Politik, Wirtschaft, Militär, Kirche & bes. Hofnachrichten
    (Leseinteresse gehobener Schichten)
    - Rezeption: individuell und kollektiv (Vorlesen)
    - sprachlich überregional orientiert
    (Beitrag zur Vereinheitlichung der dt. Schriftsprache)
  100. 100Zu den frühen Zeitungen- durchschnittliche Auflagenhöhe ca. 350
    - um 1700: erreichen Zeitungen direkt o. indirekt etwa 20% der Bevölkerung
    - regionale Herkunft der Texte aus den Korrespondenzorten ist wesentliches Gliederungsmerkmal
    (es gibt noch keine sachliche Ordnung)
    - Kurzmeldungen im Additionprinzip überwiegen (strukturlose Aneinanderreihung)
    - kaum Lokalnachrichten (Zensur regional sehr verschieden ausgeprägt)
    - Journalisten im Hauptberuf existieren nicht (erst seit19. Jh.)
    - Korrespondenten im Nebenberuf (Politiker, Kanzleischreiber, Beamte, Kaufleute, Juristen, auch Geistliche)
    - K. berichten handschriftlich aus ihrer Stadt und näherer Umgebung an die Verleger, die meist auch Drucker sind
    - Korrespondentennetz ist am Anfang noch sehr löchrig (ca. 20 Orte, von denen nur wenige Meldungen beisteuern)
    - namentliche Nennung der Beiträger untypisch
  101. 101Zu den Rezipienten früher Zeitschriften- zunächst wohl wenigstens 10 Rezipienten pro Exemplar
    - Kollektives (Vor-)Lesen
    - Abonnementsgemeinschaften zur Senkung der Kosten (schon im 17. Jh.)
    - seit Aufklärung: Lesegesellschaften (auch für Bücher & Zeitschriften)
  102. 102Erste Tageszeitung- 1650 „Einkommende Zeitungen“
    (T. Ritzsch)
    - in Leipzig (Handels- und Messezentrum)
    - meist 6x/Woche
    - sonst bis um 1800 höchstens 2-3 Ausgaben pro Woche typisch
  103. 103Zeitungslexika- entstehen Ende 17. Jhs.
    - sollen Hilfsmittel für Zeitungsleser sein
    - deuten auf Rolle der Zeitungen für Allgemeinbildung hin
    - enthalten häufig Glossare zur Fremdworterklärung
    - sind Vorläufer des Konversationslexikons
  104. 104Intelligenzblätter (= Einsichtsblätter, Informationsblätter)- seit dem frühen 18. Jh.
    Anzeigenblätter, die meist vom Staat herausgegeben/reglementiert wurden und das Monopol auf Anzeigen besaßen
    - enthalten auch öffentliche (amtliche) Bekanntmachungen
    - etwa 200 im 18. Jh.
  105. 105Zeitungen Entwicklungen nach 1848/49- staatliches Intelligenzmonopol fällt endgültig 1850(Anzeigen & Werbung sind nun für gesamte Presse möglich)
    - Meinungs-, Parteipresse entsteht (Lenkung der öffentlichen Meinung)
    - um 1900: 50% aller Zeitungen sind Teil der Parteipresse (liberal, konservativ, sozialistisch, katholisch)
    - daneben: Generalanzeiger (Massenpresse) bes. nach 1870
    (unpolitische Zeitungen, teilweise umsonst, Schwerpunkt Anzeigenwesen)
  106. 106Frühe Kritik an der Massenpresse- norddeutsch geprägter s-Plural der Substantive (Kommandos)
    - Bindestrich-Zusammensetzungen
    (Italien-Reisende)
    - Adverbialbildungen auf –weise (notwendigerweise, dummerweise)
    - Graduierungen von Adjektiven durch hoch- (hochinteressant, hochverdächtig)
    - fehlerhafter Fremdwortgebrauch
    - Präteritum (statt Perfekt) als bevorzugtes Tempus des Berichtens
    („Das Perfekt ist das Tempus der Meldung, Präteritum das des Erzählens“)

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10th grade Germanistik Fichas sobre Deutsche Sprachgeschichte, creado por Sarah Brosche el 10/07/2018.
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Sarah Brosche
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