Flashcards
Methodische Grundlagen der Kriminalprognose

Flashcards do conjunto (23)
- 1Wozu benötigt es Prognosegutachten?1) Zur Unterstützung des Richters bei bestimmten strafrechtlichen Entscheidungen (nämlich dann, wenn diese Entscheidung eine erhebliche Tragweite für Täter und potenzielle Opfer birgt)
2) Verbesserung der Prognosezuverlässigkeit
3) bietet rationale, wissenschaftlich fundierte Grundlage für Rechtsentscheidungen bzgl prognostischen Aspekten - 2Was soll durch Prognosegutachten aufgearbeitet werden? Was müssen sie also bei ihrem Gutachten berücksichtigen?-Aus den Gesetzestexten kann man keine konkreten methodischen Vorgaben herauslesen. Die Rechtssprechung hat die Hinweise, die die Gesetzgebung bietet präzisiert:
Folgendes soll durch Prognosegutachten aufgearbeitet werden:
1) Vorgeschichte des Täters
2) Anlasstaten
3) Persönlichkeitsentwicklung
4) Aktuelle Außenbezüge
5) Zukunftsperspektiven
6) Zugrundeliegende Dynamik der Straftat und sonstige Tatursachen
7) Entwicklung während des Straf- und Maßregelvollzugs
8) Wahrscheinlichkeitsaussage treffen: wie wahrscheinlich ist es, dass der Täter rückfällig wird - 3In einem Prognosegutachten sollen verschiedene Aussagen getroffen werden u.a. eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Was sind weitere Aussagen, die getroffen werden sollen?-Art und Schweregrad der erwarteten Taten
-Möglichkeiten eines Risikomanagements
-Therapeutische Behandlungsindikationen
-Risiken destabilisierender Entwicklungen
=> benötigt mehrstufigen Beurteilungsprozess - 4Welche methodischen Anforderungen muss ein Prognosegutachten erfüllen?muss verhaltenswissenschaftlichen Anforderungen genügen:
a) rationale, nachvollziehbare und überprüfbare Logik
b) systematische Einbezug wissenschaftlich belegbarer Kenntnisse
c) objektive Urteile ermöglichen
d) Nachweise der grundsätzlichen Validität und Zuverlässigkeit der erzielten Vorhersagen liegen vor - 5Welche beiden Methoden der Prognosegutachten gibt es?Erfahrungsbasierte und erklärungsbasierte Methoden
- 6Was ist die Grundannahme erfahrungsbasierter Methoden?Dass Zusammenhänge zwischen früher erhobenen Daten + dem zu prognostizierenden Individiuum allgemeinen Gesetzmäßigkeiten unterliegen
- 7Welche Prognoseinstrumente bei der erfahrungsbasierten Methode unterscheidet man?1) rein statistischer Typus
2) Theoretische Konzepte über die Ursachen von Kriminalität und Rückfall - 8Wie werden die Prognoseinstrumente bei der erfahrungsbasierten Methode entwickelt?Schritt 1: Man findet Tätermerkmale
Schritt 2: Man stellt Regeln zur Erfassung dieser Merkmale + ihrer Verknüpfung auf - 9Was ist der rein statistische Typus (Prognoseinstrument der erfahrungsbasierten Methode)= Prädiktionsmerkmale werden ausschließlich nach ihren Beiträgen zur multivariaten Vorhersage der Rückfallgefährdung berücksichtigt
- 10Nenne Pro und Contra Argumente für den rein statistischen Typus+ Wenig diagnostischer Aufwand
+ Keine spezielle Expertise
- Beschränkung auf die bloße Angabe eines numerischen Rückfallrisikos
-Weitgehende Theoriefreiheit der Ansätze
- Nur statische, unveränderbare Merkmale werden erfasst
- Keine Änderungen der Risiken können abgebildet werden (Für Entlassungsprognose erforderlich) - 11Was sind theoretische Konzepte über die Ursachen von Kriminalität und Rückfall?-Neue Generation von erfahrungsbasierten Prognoseinstrumenten, die dynamische Merkmale miteinbeziehen
-ist trotzdem keine auf den Einzelfall zugeschnittene Individualprognose, sondern fußt auf statistischen Durchschnittszusammenhängen
-Kann also maximal zur Einschätzung des Grundrisikos erneuter Straftaten verwendet werden + nicht alls alleinige Methodik der Kriminalprognose - 12Was sind die Unterschiede zwischen dem rein statistischen Typ + der theoretischen Konzepte?(hier Tabelle reinkopieren)
- 13Was sind Stärken und Schwächen der theoretischen Konzepte über die Ursachen der Kriminalität + Rückfall?+ Hohe Übereinstimmung bei Mehrfachanwendung durch unabhängige Beurteiler
+ Systematische Prüfung der Risikobereiche hilft nichts Wesentliches zu übersehen
+ Vielfältige Anwendungszwecke (allgemeine Rückfallprognose, Prognose von Gewalt+ oder Sexualdelinquenz usw.) + Zielgruppen
+ Beleg von grundsätzlicher Validität zur Vorhersage von Rückfalldelinquenz
+ Mittlere Vorhersagegüte bewegt sich zwischen r=.25 und r=.40
- Zuverlässigkeit der Prognose variiert in Abhängigkeit von (demographischen, kriminologischen..) Probandenmerkmalen
-Erhöhte Anzahl falsch positiver Einschätzungen bei einer Vorhersage seltener Ereignisse => Grund: Normalverteilung der Scorewerte weicht von der Erwartungsverteilung seltener Ereignisse ab
-unveränderlicher Bereich der strafrechtlichen Vorgeschichte wird ebenfalls berücksichtigt & stark gewichtet => Kaum Chance in niedrigen Risikobereich zu gelangen - 14Was ist bei den erfahrungsbasierten Methoden zu beachten?Da es sich hierbei um keine auf den Einzelfall zugeschnittenen Individualprognosen handelt und sich die inhaltliche Bedeutung der Merkmale für das Tatgeschehen nur im Rahmen einer idiographischen Fallaufarbeitung klären lässt, können diese nicht als alleinige oder vorherrschende Methodik zur Kriminalprognose angewandt werden!
- 15Was ist die erklärungsbasierte Methode von Prognosegutachten?Hier werden individuelle Ursachen zur bisherigen Delinquenz berücksichtigt.(=> idiographische Prognose)
- 16Welche ursprüngliche Methode wurde bei der erklärungsbasierten Methode angewandt und wieso ist das problematisch?Früher: Vorgegebenes Erklärungsmodell angeschaut + geprüft, inwieweit dies auf den vorliegenden Einzelfall passt. Bedeutsamste Ansatz hierfür basiert auf theoretischem Modell eines kriminogenen Persönlichkeitstypus (s. psychopathy nach Cleckley). Hintergrund: Da psychopathy nach Cleckley als Hochrisikofaktor gilt, liegt es nahe, dass auch als prognostisches Mittel zu verwenden. ABER: nicht ausreichend, da es auch viele rückfällige Kriminelle gibt, die nicht auf der Psychopathieskala scoren. Daher wurden Prognoseinstrumente entwickelt, die systematisch + universelle das Individuelle erfassen, ohne vorgegebenes Erklärungsmodell zu berücksichtigen. Beispiel: Prozessmodell der kriminalprognostischen Urteilsbildung
- 17Was sind Eigenschaften der Prognoseinstrumente, die auf der erklärungsbasierten Methode fußen und kein vorgegebenes Erklärungsmodell miteinbeziehen?1. Sind naturgemäß deutlich weniger strukturiert + operationalisiert
2. sind nicht auf bestimmte Problemstellungen beschränkt, sondern zerlegen das Problem der kriminalprognostischen Beurteilung in notwendige diagnostische Teilschritte - 18Was passiert im ersten Schritt des Prozessmodells der kriminalprognostischen Beurteilung?-Rekonstruktion der Biographie + strafrechtlichen Vorgeschichte => erst auf dieser Grundlage + der genauen Kenntniss der Lebenssituation lässt sich Tathergang analysieren + hinsichtlich seiner Dynamiken + Ursachen klären (Tathergangsanalyse)
-Ableitung einer individuellen Delinquenztheorie (=warum ist jemand straffällig geworden)
-Herausarbeitung der spezifischen Merkmale, die für Tathergang relevant sind. Außerdem kann man die situationalen Rahmenbedingungen herausarbeiten, die dazu geführt haben, dass sich die Risikofaktoren entfaltet haben.
- Testung der Gütekriterien: Erschöpfungsgrad, Widerspruchsfreiheit + semantische Konsistenz
- 19Was passiert im zweiten Schritt des Prozessmodells der kriminalprognostischen Beurteilung?Analyse der relevanten Verhaltensmuster seit der letzten Tat (also Entwicklung anschauen) => Ableitung einer individuellen Entwicklungstheorie der Persönlichkeit bzgl. personaler Risiko- und Schutzpotenziale (auch hier: Prüfung: Vollständigkeit, Güte + Relevanz). Es wird geschaut, unter welchen Rahmenbedingungen sie beobachtbar sind+ wie stabil sie sind + warum sie eingetreten sind.
- 20Was passiert im dritten Schritt des Prozessmodells der kriminalprognostischen Beurteilung?Aktuelle Querschnittsdiagnostik personaler Risiko- + Schutzfaktoren.=> Inhalte der Querschnittsdiagnostik bestimmen sich aus ersten beiden Schritten des Modells
Ziel: Gegenüberstellung der Fortschritte der Betreffenden in relevanten Bereichen + der noch vorhandenen Defizite, sowie der Beantwortung der Frage nach der Bedeutung der derzeit noch erkennbaren Restrisiken. Dazu schaut man sich auch bisherige situationale Risikopotenziale an + führt "wenn-dann-Analysen" durch. - 21Was passiert im vierten Schritt des Prozessmodells der kriminalprognostischen Beurteilung?Einschätzung der Wahrscheinlichkeit dieser Risikokonstellation + Exploration der Möglichkeiten eines Risikomanagements, um entsprechenden Entwicklungen vorzubeugen + destabilisierende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Dafür schaut man sich z.B. soziales Umfeld + berufliche Möglichkeiten an + unterstützende Hilfen wie Bewährungshelfer etc.
- 22Das Konzept der Prozessmodells der kriminalprognostischen Beurteilung wurde evaluiert. Wie lauten die Ergebnisse?1. Erzielbare Übereinstimmung unabhängiger Beurteilungen => hinreichendes Niveau für allgemeine und individualdiagnostische Zwecke (r = .80)
2. Prognosegüte
=> Vorhersagen idiographischer Beurteilungen waren deutlich überlegen
=> idiographische Beurteilungen nicht nur insgesamt besser, sie konnten beklagte Schwächen der vorherigen Methoden systematisch reduzieren - 23Welche kriminalprognostische Methode sollte zur Prognose angewandt werden?Beide. Vereint ermöglichen die Methoden begründete kriminalprognostische Einschätzungen
Informações
- Descrição
- Karteikarten zur Vorlesung 6 vom 22.11.18
- Criado por
- Jessica Cebe
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