Notas
8.8 Don Quijote - Eine Rezeptionsgeschichte
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es war Absicht des Autors den Ritterroman zu parodieren.
der Protagonist verliert durch die übertriebene Lektüre dieses Genres die Kontrolle über seine Einbildungskraft - igenio.
er sieht seine Mission als fahrender Ritter Don Quijote de la Mancha sich dem Bösen zu widersetzen und die Armen und Entrechten zu verteidigen.
stellt durch seinen polyphonen Charakter am Beginn des 17. Jahrhundert eine literarische Neuheit dar.
Cervantes hatte mit seinen beispielhaften Novellen "Novelas ejemplares" (1613) eine Vorbildwirkung für andere Autoren. Wie in seinem Vorwort erwähnt, führte er dieses kürzere Genre in Spanien ein.
8.8.1 Beispiele produktiver Rezeption in England
1734 schrieb Henry Fielding ein Drama - "Don Quixote in England", in dem der spanische Ritter in persona in England im 18. Jahrhundert auftritt.
Don Quijote wurde zum Auslöser für neue Entwicklungen.
Es gab eine markante Feminisierung der Quixote-Tradition, die "Don Quijotes im Reifrock hervorbringt.
Mitte im 18. Jahrhundert beeinflusste Cervantes Don Quijote eine ganze Reihe von englischen Romanen. Der Pastor Adams in Fieldings Roman trägt ganz eindeutig Züge, die an den Ritter erinnern: seine Gutmütigkeit und Weltfremdheit, die ihn zum Opfer werden lassen.
Charlotte Lennox (The Female Quixotte) und Jane Austen (Northanger Abbey, 1817) setzten eine weibliche Protagonisten als Don Quijote Figur ein.
The Female Quixote:
Eine Frau, die zuviel Ritter- und höfische Liebesliteratur gelesen hat und von der realen Welt entfremdet wird. Lennox Protagonistin, ist wie bei Cervantes, wahrscheinlich gerade durch ihre Verrücktheit positiv gezeichnet.
Northanger Abbey:
Catherine besitzt eine unstillbare Leselust. Zu den empfindsamen Romanen waren es auch Schauerromane denen sie zugetan war, es erschien als Gegenmittel zu ihren ereignislosen Dasein als älteste Tochter eines Landpfarrers. Sie nimmt das Unwahrscheinliche und Fantastische wie Don Quijote für bare Münze. Sie entwickelt Sehnsucht nach Leidenschaft und Abenteuer und fängt an ihr Leben entsprechend umzuinterpretieren.
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8.8.2 Beispiele produktiver Rezeption in Frankreich
Charles Sorel - Le berger extravagant - griff die Idee der verrückt machenden Lektüre auf.
Der polyphone Roman, wie Don Quijote ausgerichtet war, fand in Frankreich ein weit stärkeres Echo als in Spanien.
Bei Sorel war es der beliebte Schäferroman, den Cervantes in Don Quijote parodierte.
Der Schäferroman verführt den Helden zum Aufbau einer Scheinwelt und seines Daseins verführt. Der jugendliche Held glaubt der Pariser Bürgersohn Louis zu sein. Er beginnt am Ufer seine Schafe zu hüten, nennt sich Lysis und begibt sich auf die Suche nach seiner Catherine.
Madame Bovary (1857) von Gustave Flaubert beschreibt eine notorische Leserin namens Emma. Sie ging zur Klosterschule und ihre Zeit war dadurch ständig mit Lektüre bestimmt.
Der Ausgangspunkt der Charakterzeichnung ist der Realitätsverlust Emmas.
Durch die Abreise Léons ausgelöste Launenhaftigkeit und die somatisierenden Schwindelfälle, empfiehlt Charles Mutter, seiner Frau Emma das Lesen zu verbieten und für eine geregelte Beschäftigung zu sorgen.
Es taucht immer wieder die These auf, Emma hätte zuviel romantische Schundromane gelesen, aber der angeführte Neuschäfer revidiert diese These durch eine Art bovarystischen Rezeption. "Madame Bovary ist ein Roman über die Efahrungsweise der Romanleserin."
Es ist zu finden, dass Emma der Literatur keiner bestimmten Gattung, oder aus keiner bestimmten Epoche den Vorzug gibt und keineswegs nur literarischen Schund verfallen ist.
Für Emma vermag Literatur als psychischen Stimulus zur Befriedigung der inneren Sehnsüchte aufzunehmen.
Als Kompensation ihr unkreativen Leere ist sie unfähig Menschen und Dinge um ihres selbst willen zu schätzen und kann sie daher nur utilitaristisch in narzisstischer Projektion auf ihre Person interessant finden.
Es finden sich zwei wesentliche Unterschiede zwischen den Romanen:
Don Quijote befindet sich von Beginn an im Verstandesverlust, lebt in seiner illusionierten Welt, indem er Realitäten als Zauberei und magische Täuschungen wahrnimmt. Im Gegensatz zu Emma benötigt er keine Bücher zur Illusionsbildung. Er fällt nicht aus einem wahnhaften Weltempfinden heraus und erlangt kurz vor seinem Tode wieder den Verstand.
Emmas Welterfahrung ist die einer Schizophrenen: Sie muss sich immer wieder erneut in ihre Illusionswelt hinein versetzen. Die Psychose äußert sich phasenweise und zyklisch.
Don Quijote ist hier ein aktiver Typus, Emma dagegen ein passiver. Emma stirbt in heilloser Verzweiflung. Es folgt eine grausame Agonie und ihre Illusionen werden als Trugbilder entlarvt.
Cervantes Weltauffassung: eine heitere ironische
Flauberts Weltauffassung: von einem nicht kompensierbaren Pessimismus geprägt.
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8.8.3 Beispiele produktiver Rezeption in Russland
"Der Idiot" von Fjodor Dostojevski
erschien vom Januar 1868 - bis Februar 1869 in der Zeitschrift Russkij Vestnik.
Titelheld ist der junge Fürst Mischkyn. Der an Epelepsie Erkrankte kehrt nach seinem Aufenthalt in einem Schweizer Sanatorium nicht ganz geheilt nach Russland zurück.
Er scheitert in der St.Petersburger Gesellschaft, weil er durch seine Naivität, Ehrlichkeit und Tugendhaftigkeit nicht gegen die Intrigen zur Wehr setzen konnte. Sein Herz gehört zwei Frauen, das führte zu einer gesellschaftlichen Ächtung.
Mischkyn kann als Versuch gesehen werden, einen von der Ethik und Gesinnung geleiteten Charakter zu entwerfen, der in der realen Welt notwendig scheitern und an seinen Mitmenschen unschuldig schuldig werden muss.
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8.8.4 Cervantes im deutschen Sprachraum
Bereits 1613 soll bei einem Heidelberger Maskenumzug eine Anspielung auf den Roman zu finden gewesen sein.
Seit dem 16. Jahrhundert dienten spanische Stoffe und Gattungen als Quelle und Anregung für die deutsche Literatur.
Cervantes Novelas ejemplares wurden von Georg Philipp Harsdörfer in "Der große Schauplatz lust- und lehrreicher Geschichte" (1651) als Vorlage für seine Erzählungen herangezogen.
In Deutschland existierte im 18. Jahrhundert eine literarische Figur, die durch das Übermaß an Lektüre einer bestimmten Gattung in das Fiktionale kippt. Es handelt sich um Christoph Wielands Don Sylvio. Don Sylvio wird wie Don Quijote am Ende geheilt. Die Verblendung des Helden wird zur Schwärmerei.
8.8.5 Neuinterpretation und Inspirationsquelle in der Romantik
Der Roman wird nicht mehr nur als Parodie und als Mahnung gelesen. In der Romantik verfestigt sich die Sicht auf Don Quijote. Er wird als Vorbild gesehen und als idealistischer Kämpfer gegen das Schlechte der Welt. Die Tatsache, dass der Kampf zum Scheitern verurteilt und gegen alle Erfolgsaussichten ist, adelt ihn.
Eine intensive Rezeption erfolgt mit Ludwig Tiecks (1799-1801) Übersetzung ein.
Mit Beginn der Romantik galt die spanische Literatur als interessant und vorbildlich. Leidenschaftliche Liebe, eigenwillige Charaktere, Ehre und Mut, waren alles Elemente, welche die spanische Literatur darbot und an dem die Romantiker ihre Sujets fanden, und an denen sich die Literatur zu richten hatte. Nachahmungen folgten unteranderem Heinrich von Kleist oder E.T.A Hoffmann.
Es waren vorallem drei Tendenzen, welche von deutschen Romantikern aufgezeigt wurden:
Der Protagonist wird idealisiert, das Buch nicht mehr als Satire gelesen.
Die Entdeckung, in Don Quijote ein Symbol für die Beziehung zwischen den menschlichen Geist und der Wirklichkeit sehen zu können.
Die Interpretation, das dieses Symbol in der Ästhetik als auch in der Ideologie eine moderne Grundhaltung beinhaltet. Er wird zum Vorbild des romantischen Romans.
Deutschsprachige Übersetzungen waren unteranderem von:
Pahsch Basteln von der Sohle - Don Kichotede la Mantzscha. Das ist: Die abenteuerliche Geschichte des scharpfsinnigen Lehns- und Rittersassen/Juncker Harnisch auss Fleckenland. 1621
F.J. Bertuch: Leben und Thaten des weisen Junkers Don Quijote von Mancha. 1775-1777. Mittels Wörterbuch übersetzt. Durch die Übersetzung erlangte er Wohlstand.
D.W Soltau: Der sinnreiche Juncker Don Quixote von la Mancha. 1800
A.Keller: Der sinnreiche Juncker Don Quixote von der Mancha. 1839-1841
Susanne Lange: Der geistvolle Hidalgo Don Quijote von der Mancha. 2008
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8.9 Cervantes als spanischer Nationaldichter und als prägende Weltliteratur
Don Quijote bildete das Zentrum der kanonisierten spanischen Literatur
Der Philosoph und Schriftsteller Miguel de Umamo geht der Frage nach, ob der Autor mehr Einfluss auf die Romanfigur oder umgekehrt habe.
Im cervantinischen Hauptwerk spiegelt sich die Tatsache wieder, dass nicht nur Literaturwissenschaftler sich damit auseinandersetzten, wie unteranderem Harold Bloom, sondern auch Intellektuelle des 20. Jahrhunderts, wie Américo Castro.
Cervantes Vorlage wurde vielfach in Musik, Tanz und Bildender Kunst umgesetzt: Balletten (Leon Minkus,) Opern, bekannten Illustrationen (Picasso, usw.) oder in Denkmälern, wie in Madrid. Oder das 1965 uraufgeführte Musical in New York - The Man of La Mancha.
Informações
- Descrição
- vergleichende Literaturwissenschaft Notas sobre 8.8 Don Quijote - Eine Rezeptionsgeschichte, criado por katharina berger em 06-01-2019.
- Criado por
- katharina berger · jan 2019
- Atualizado
- 13 jan 2019
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