Geschichte der Neuropsychologie
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- Schädeltrepanation
- = planmäßige, beabsichtigte Eröffnung des inaktes Schädeldaches zu Lebzeiten
- zählt zu den ältesten chirurgischen Eingriffen
- Durchführung zur Heilung, aber auch rituell
- recht hohe Überlebenschance --> 55 - 88% überlebt, nachweisbar durch Callusbildung (neues Knochengewebe)
- später war die Überlebenschance geringer --> prähistorisch weniger Gehirnschnitte dabei
- teilweise noch in Neuzeit vorgenommen
- Legenda: Schädel mit 7 verheilten Trepanationsöffnungen
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- Edwin Smith Papyrus
- Ägypten, 2500 v.Chr.
- praktisches Anwendungsbuch, das nahezu frei von magischen Texten ist
- beschreibt u.a. auch die Trepanationen
- ältester bekannter Text über das Gehirn
- Schilderung von medizinischen Fällen, darunter 27 Hirnverletzungen
- Platon
- ca. 400 v.Chr.
- deutlicher Gegenpol zur materialistischen Weltsicht der frühen Atomisten
- 3 Seelenanteile: Vernünftiges, Begehrliches, Eifriges (Mut, Will, Begehren) --> die Pferdekutsche!
- Vernünftiges ist im Gehirn, der Wille im Herzen, Begehren im Rumpf
- Aristoteles
- Schüler Platons
- das Hirn kühlt das erhitzte Blut, während die Seele im Herzen sitzt
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- Corpus Hippocraticum
- eine Sammlung von mehr als 60 antiken medizinischen Texten, zwischen dem 5. Jh. v. und 2 Jh. nach Chr. entstanden
- Sammlung klinischer Fälle mit Sprachstörung
- Sprachlosigkeit wird auf Flüssigkeitsverlust in den Blutgefäßen zurückgeführt
- Läsionen machen kontralaterale Spastik
- Galen
- Gladiatorenarzt, 130 n.Chr.
- neuroanatomische Studien und experimentelle Methode
- Hirn ist Sitz der Seele --> zur Herzkühlung zu weit entfernt
- Augen und Ohren sind mit Hirn verbunden
- Ventrikeltheorie: Pneuma ist die Verbindungsstelle zwischen Körper und Seele
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- In der Medizin ab dem Mittelalter vermehrt neuroanatomische Studien
- Andreas Vesalius
- bekannter Anatom
- erste Abbildungen vom geöffneten Schädel mit Entdeckungen und Beschriftungen wie der Dura Mater, Tentorium Cerebelli etc.
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- Franz Gall + Spurzheim, 18./19. Jh.
- Gehirn besteht aus vielen Organen, die jeweils eine bestimmte Funktion wahrnehmen
- Fähigkeiten eines Menschen können außem am Schädel abgegriffen werden
- Geist = Teil des Körpers, ohne Gehirn gibt es keine Geisteskraft
- --> Viel Gehirn = viel Geist = erhöhtes Hirngewicht
- 27 Areale für Hirnfunktionen, z.B. Auswölbung bei Begabung
- USA: Fowler und Fowler
- Fakultäten als Bausteine des Geistes
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Äquipotentialismus oder Lokalisationismus
- Äquipotentialismus: HIrnsubtanz habe, egal wo gelegen, immer die gleiche Funktion
- Goltz, Flourens
- Verhaltensstudien mit Ablation von Hirngewebe bei Tauben und Hühnern
- Großhirn = Sitz der Intelligenz; Kleinhirn = Koordination der Motorik; Medulla Oblangata = Herberge der Grundprinzipien des Lebens
- innerhalb der Großhirnrinde keine spezielle Lokalisation von Intelligenzfunktionen
- Einbußen an Intelligenz = Korrelation mit der Menge an zerstörten Hirngewebe
- Lokalisationismus: Fähigkeiten des Menschen lassen sich in umgeschriebenen Arealen des Gehirns lokalisieren
- Bouillaud: Verlust von Sprachleistungen nach Schädigung des linken Frontallappens
- Broca: Sprachverlust bei Patienten Leborgne, die er einer Läsion im Fuß der linken dritten Stirnhirnwindung der linken Hirnhälfte zuschrieb
- Wernicke: Sprachstörung nach Schädigungen in der linksseitigen temporalparietalen Übergangsregion und erkannte Bedeutung der Nervenbahnen zwischen Hirnregionen und hat so das Konzept der Leitungs- oder Diskonnetionsstörungen begründet
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Äquipotentialismus oder Lokalisationismus
- Hitzig & Fritsch
- durch elektrische Reizung bestimmter Areale des Gehirns von Hunden können spefizische Muskelaktivitäten ausgelöst werden
- Entdecker motorischer Zentren im Gehirn
- Karl Kleist
- Schüler von Wernicke
- Extremer Lokalisationist
- notiert jede Fähigkeitsstörung seiner Patienten und korreliert sie mit der Läsion
- Hirnkarte, in der die Fähigkeiten lokalisiert sind
- Suche nach weißen Feldern für die seelischen Teile
- John Hughlings Jackson
- 18./19. Jh.
- akzeptierte anfangs Äquipotentialismus
- später aber anders:
- Gehirn ist ein hierarchischer Zusammenschluss aus Reptilienhirn, altem und neuen Säugerhirn
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- Theodor Meynert
- Lehrer von Freud und Wernicke
- erkannte Vielschichtigkeit der Hirnrindenregionen
- Begründer der Zytoarchitektonik im Sinne einer regionalen Zellgliederung der Hirnrinde
- Vorläufer für Brodmann
- Erstbeschreiber des Kernes, der heute seinen Namen trägt: Nucleus basalis meynert
- Korbinian Brodmann
- HIrnkarten anhand unterschiedlicher Zytoarchitektur
- definierte 52 Areale mit ähnlicher Zellstruktur
- Interesse: evolutionsbiologischer Hintergrund der HIrnrindenentwicklung
- einige Rindenfelder kommen in fast allen untersuchten Tierarten vor, andere differenzierten sich mit zunehmender evolutionärer Entwicklung der Gehirne
- Brodmann-Karten: schematisierte Darstellung eines typischen Gehirns , lässt interindividuelle Variabilität absichtlich unberücksichtigt
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- Constantin von Economo
- Beschreibungen des Mesencephalons, der Pons, und der zentralen Bahnen des Nervus trigeminus, Anatomie der Ganglienzellen
- Economo-Neurone: große, bipolare Neurone in der fünften Schicht des anterioren cingulären und des fronto-insularen Cortex
- Zytoarchitekturkarten des Cortex
- beschrieb Encephalitis lethargica (europäische Schlafkrankheit, Gehirnentzündung, unkontrollierte Schlafanfälle)
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- Camillo Golgi
- entwickelte die Golgi-Färbung, mit dem einige Neuronen angefärbt werden konnten, während die meisten ungefärbt bleiben konnten
- andere Färbemethoden: fluoreszierender Farbstoff und Nissl-Färbung
- Santiago Ramon y Cajal
- entwickelte Golgis Ansatz weiter
- schuf kunstvolle Zeichnungen von Hirnabschnitten und Nervenzellen
- Neuronendoktrin: Neurone als eigenständige, getrennte Einheiten, die über Synpasen miteinander kommunizieren
- erkannte Richtung der Signalübertragung innerhalb der Nervenzellen
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Psychiater und Neuropathologen
- Sergei Korsakow
- russischer Nervenarzt
- forschte insbesondere über die Alkohol-Psychose und führte dabei den Begriff Paranoia ein
- Korsakow-Syndrom: für Alkohol typische Amnesie
- Wernicke-Korsakow-Syndrom
- bei 3-5% der Alkoholkranken
- Folge eines chronischen Mangels an B-Vitaminen
- Augenmuskel- und Blicklähmungen, Verlust des LZG, Unfähigkeit des Einprägens neuer Gedächtnisinhalte
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Moderne Periode (nach dem 1. Weltkrieg)
- Lashley
- widersprach der Lokalisationslehre
- viele geistige Funktionen würden gar nicht von einzelnen Hirnstrukturen abhängen, sondern entstünden erst im dynamischen Ensemble des ganzen Gehirns oder großer Teile davon
- Hirnausschaltungsversuche an Ratten
- Spricht eher für die Äquipotentialhypothese
- Entscheidende Entdeckungen
- EEG (Berger)
- PET
- MRI
- fMRI
- seit ca. 1990 explosionsartige Entwicklung der Neuropsychologie
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- Aktuelle Aufgaben
- Wissenschaft:
- - Lokalisation
- - Kognitive Architektur
- Klinik:
- - Differentialdiagnose
- - Zustandsbeschreibung
- - Prognose
- - Therapie
- ZIelsetzung der neuropsychologischen Diagnostik
- Qualifizierung und Quantifizierung der Störungen
- Beurteilung von individuellen Ressourcen und Kompensationsleistungen
- Beurteilung des Verlaufs neuropsychologischer Defizite
- Differentialdiagnose
- Planung der neuropsychologischen Therapie (Reha!)
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- 3 generelle Methoden neuropsychologischer Diagnostik:
- Einsatz von Testbatterien
- Zusammenstellung einer individuellen Testbatterie
- Auswahl bestimmter Testverfahren, wenn auf Grund der Kenntnis der hirnorganischen Verletzung nur bestimmte Ausfälle zu erwarten sind