GoConqr hat ein neues Design! Sag uns, wie es dir gefällt.

Karteikarten

4. Klinische Psychologie: Psychopathologie und Klassifikation psychischer Störungen

arne.doebler Klinische Psychologie Bachelor Deutsch 30 Karten

Karten in diesem Stapel (30)

  1. 1Konventionen: NomenklaturNomenklatur = "Fachsprache":
    unter Experten anerkannte Liste spezifischer Begriffe, die benutzt wird, um Klassen und Elemente eines Systems zu identifizieren
    (z.B. DSM, ICD)
    ... Namen der Klassen und technische Begriffe werden definiert
  2. 2Konventionen: TaxonomieTaxonomie:
    systematische Ordnung nach festen Regeln
  3. 3Konventionen: KlassifikationKlassifikation:
    Einteilung/Einordnung von Phänomenen, die durch bestimmte gemeinsame Merkmale charakterisiert sind,
    in ein nach Klassen gegliedertes System
  4. 4Konventionen: Diagnostische Identifikationdiagnostische Identifikation = diagnostischer Prozess
    Zuordnung bestimmter Merkmale/Individuen in diagnostische Klassen bzw. Kategorien eines bestehenden Klassifikationssystems
    (Wittchen & Lachner, 1996)
  5. 5Definition: Psychische Störungklinisch bedeutsames
    Verhaltenssyndrom/psychisches Syndrom/Muster, das einhergeht mit:
    1. momentanem Leiden
    (z.B. schmerzhaftem Symptom)
    oder:
    2. signifikanter Beeinträchtigung
    (z.B. Einschränkung in einem/mehreren wichtigen Funktionsbereichen)
    bzw.:
    3. einer verhaltensmäßigen, psychischen oder biologischen Funktionsstörung (unabhängig von ursprünglichem Auslöser)
    oder:
    4. erhöhtem Risiko zu sterben
  6. 6Definition: klassifikatorische Diagnostikklassifikatorische Diagnostik:
    Zuweisung von Diagnosen zum Symptomkomplex der Person
    Regeln hierfür in sogenannter Psychopathologie (Lehre von psychischen Störungsphänomenen) festgelegt
  7. 7klassifikatorische Diagnostik: AbgrenzungenAbgrenzungen:
    1. funktionale Diagnostik als Bedingungsanalyse,
    z.B. zur Mikroplanung der
    Indikation und Therapie
    2. Prozessdiagnostik als
    Verlaufs- und Erfolgsmessung, sowie zur Steuerung und Adaption von Interventionen und Veränderungen
    3. Strukturdiagnostik als
    Zuweisung zu dispositionellen Typen
    (bspw. Persönlichkeit)
  8. 8Ziele moderner diagnostischen KlassifikationssystemenZiele moderner diagnostischen Klassifikationssystemen
    1. nachvollziehbare, überprüfbare, reliable Ableitung von Diagnosen
    2. Entwicklung von
    Screening- und Diagnoseverfahren
    3. wissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen
    4. Präzisierung, Differenzierung und Validierung der Symptome und Syndrome
    5. Spezielle Indikation
    (Ableitung einer spezifischen Therapie): Verknüpfung von Diagnosen mit Entscheidungen für spezifische Interventionen;
    Spezifikation eindeutiger Kontraindikatoren
    6. Ableitung der Prognose
    7. interdisziplinäre, internationale, wissenschaftliche und interinstitutionelle Kommunikation
    8. versicherungsrechtliche, juristische, abrechnungstechnische Belange
    9. Qualitätssicherung, Allokationsentscheidungen, administrative Steuerung
    10. erhöhen der Ökonomie der Versorgung
    11. Lehr- und didaktische Zwecke
  9. 9NosologieNosologie = Krankheitslehre
    eindeutige und logische hierarchische Strukturierung beschriebener Krankheiten nach einheitlichen Gesichtspunkten
  10. 10Anspruch an nosologische Differentierungennosologische Differenzierungen sollen:
    1. ... übereinstimmen, mit wesentlichen Zusammenhängen bzw. Unterschieden im Bereich der objektiv gegebenen pathologischen Erscheinungen
    2. ... übereinstimmen mit, diese Zusammenhänge bzw. Unterschiede bedingenden, Faktoren
    3. ... alle tätsächlich vorkommenden Phänomene und Faktoren berücksichtigen
  11. 11Ziel nosologischer Klassifikationlogisches, natürliches und vollständiges System der Krankheiten
  12. 12Nosologie als "Systematik der Krankheiten"ordnet Teile "zu einem einheitlichen und wohlgegliederten Ganzen, indem das Einzelne im Verhältnis zum Ganzen und den übrigen Teilen eine ihm angemessene Stelle einnimmt"
  13. 13OrdnungskriterienOrdnungskriterien:
    1. Einheitlichkeit der
    Symptome und Syndrome
    2. Ätiologie
    3. Pathogenese
    4. Differentialdiagnose
  14. 14Einheitlichkeit der Symptome und Syndrome (Ordnungskriterien)Krankheiten sollten durch einheitliche charakteristische "Zeichen" der Krankheiten ("Symptome") und durch typische Symptomkonstellationen ("Syndrome") definiert sein (z.B. Panikattacken)
  15. 15Ätiologiewissenschaftliche Erklärung der Entstehung einer Krankheit
    umfasst alle relevanten genetischen, körperlichen, dispositionellen, Umwelt- und Situationsfaktoren, die mit dem Beginn der Erkrankung verbunden (z.B. familiäre Vorbelastung, kritische Lebensereignisse)
  16. 16PathogeneseGesetzmäßigkeiten des weiteren Verlaufs einer Krankheit
    (typische Erkrankungsdauer und Form, etwaige Komplikationen,
    bleibende und vorübergehende Folgen/Konsequenzen, z.B. Prodrome oder Residuen)
    ... und verlaufs-beeinflussende Faktoren
  17. 17DifferentialdiagnoseAbgrenzung eines Krankheitsbildes
    von einem anderen
    ... hinsichtlich der Symptome Syndrome, ätiologischer und pathogenetischer Besonderheiten ("diagnostische Ausschlusskriterien"
    z.B. Substanzkonsum)
  18. 18Klinischer Nutzen nosologischer Klassifikationnosologische Klassifikation, ermöglicht:
    1. Zuweisung einer Diagnose
    2. Aussagen über den zu erwartenden Verlauf (Heilung, Wiedererkrankungs- und Chronizitätsrisiko)
    3. ... über die zu erwartenden Komplikationen und Risiken
    4. Rückschluss auf wahrscheinliche Ursachen bzw. Bedingungsfaktoren
    5. ... im Idealfall auch auf die Therapie
    6. eindeutige Diagnose kann den Patienten unmittelbar entlasten, wenn sein Leiden einen Namen bekommt, mit der Aussicht auf eine Erfolg versprechende Therapie
  19. 19Idealziel einer nosologischen Klassifikation: Problemlogisches, natürliches und zugleich vollständiges System der Krankheiten
    bleibt auf vielen Gebieten der Medizin und insbesondere bei psychischen Störungen, aufgrund der in vielen Bereichen noch unvollständigen Erkenntnisse unerreicht
  20. 20Deskriptive KlassifikationDeskriptive Klassifikation:
    1. mangels Voraussetzungen für nosologische Klassifikation basieren aktuelle Klassifikationsansätze psychischer Störungen auf einem deskriptiven Ansatz mit expliziten Kriterien
    2. diese beziehen sich überwiegend auf subjektiv-verbale Informationen, sowie Beobachtung und Beurteilung
    3. deskriptivem Ansatz liegt ein Strukturmodell des diagnostischen Prozesses zugrunde
    4. dieses beschreibt und regelt,
    welche notwendigen und hinreichenden Bedingungen erfüllt sein müssen, um Zeichen, Beschwerden, Auffälligkeiten und Befunden eines Patienten den Stellenwert eines Symptoms zuzuordnen, sowie
    welche Symptomkonstellationen als überzufällig häufiges und bedeutungsvolles Syndrom zu werten sind
    5. Syndrome bestimmen weitgehend die aktuelle Schwere einer Störung, können durch entsprechende Syndromskalen quantifiziert werden
  21. 21Definition: SymptomeAuf grundlage der Psychopathologie
    als "Zeichen einer Störung" definiert
    können objektiv beobachtbar (Fremdbeurteilung) oder subjektiv erlebbar (Selbstbeurteilung) sein
    und psychometrisch quantifizierbar gemacht werden
  22. 22Definition: SyndromeÜberzufällig häufige oder
    typische Muster von Symtomen,
    können kategorial oder typologisch definiert sein und sich aus obligativen wie fakultativen Symptomen zusammensetzen
    (Beispiel: depressives Syndrom
    setzt sich aus obligaten Symptomen "niedergedrückte Stimmung" oder "Verlust von Interesse", sowie den fakultativen Symptomen: "Konzentrationsstörungen", "Appetitverlust" etc. zusammen)
  23. 23Definition: DiagnosenEigentliche Krankheitsbezeichnungen
    setzen sich aus Symptomen und Syndromen, sowie unterschiedlich komplexen Zusatzkriterien (Zeitdauer, Verlaufskriterien, Schweregradskriterien, wie auch ätiologische Merkmale) zusammen
    Konventionen regeln, wie bezüglich der Überlappung von Diagnosekriterien zu verfahren ist (Differentialdiagnosen, Ausschluss- oder Hierarchieregeln)
    (Beispiel: Diagnose "Major Depression" darf nur vergeben werden, wenn u.a. die Symptom- und Syndromkriterien über mind. zwei Wochen erfüllt sind und zudem keine hypomanische oder manische Episode im bisherigen Lebenslauf aufgetreten ist)
  24. 24Allgemeine Aufgaben der klassifikatorischen DiagnostikAllgemeine Aufgaben der klassifikatorischen Diagnostik:
    1. Beschreibung
    2. Klassifikation
    3. Diagnose
    4. Differentialdiagnostik
    5. Erklärung
    6. Indikation
    7. Prognose
    8. Begründung und Rechtfertigung
    9. Institutionelle Zuweisung
    10. Evaluation
    11. Qualitätskontrolle und -sicherung
    12. Dokumentation
    13. Grobe Interventionszuweisung
  25. 25Wie werden psychische Störungen derzeit klassifiziert?1. Zwei international gebräuchliche Klassifikations-Systeme:
    ICD-10 (International Classification auf Diseases)
    DSM-5 (Diagnostic and Statictic Manual of Mental Disorders)
    2. Unterscheiden sich hinsichtlich diagnostischer Kategorien und Definitionen nur geringfügig
    3. DSM-5 = homogener, konsitenter, expliziter, ausführlicher und für alle Gesundheitsberufe verwendbar, weshalb i.d.R. von Psychologen benutzt (Ärzte: ICD-10!)
    4. ICD-10 zur Klassifikation aller Krankheiten und Störungen, sowie Anlässe in der Gesundheitsversorgung konzipiert, ganze Familie von ICD-10 Manualen bspw.:
    klinische Richtlinien
    ("blaues Buch": grobe Charakteristik für die klinische Anwendung)
    ICD-10 Forschungskriterien
    ("grünes Buch", differenzierter für Forschungszwecke)
    "Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)
    "Classification of Health Interventions" (ICHI)
  26. 26KonventionenJedes Wissenschaftsgebiet:
    Konventionen, wie Phänomene des
    Untersuchungsgebiets benannt, nach welchen Gesichtspunkten sie
    geordnet und klassifiziert werden,
    um sie systematischer Erforschung zugänglich sowie
    Beobachtungsergebnisse mitteilbar und vergleichbar zu machen
  27. 27funktionale DiagnostikBedingungsanalyse
    z.B. zur Mikroplanung der
    Indikation und Therapie
  28. 28ProzessdiagnostikVerlaufs- und Erfolgsmessung,
    sowie zur Steuerung und Adaption von Interventionen und Veränderungen
  29. 29StrukturdiagnostikZuweisung zu dispositionellen Typen
    (z.B. Persönlichkeit)
  30. 30Familie von ICD-10 Manualen: Beispiele1. klinische Richtlinien
    ("blaues Buch": grobe Charakteristik für die klinische Anwendung)
    2. ICD-10 Forschungskriterien
    ("grünes Buch", differenzierter für Forschungszwecke)
    3. "Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)
    4. "Classification of Health Interventions" (ICHI)

Informationen

Beschreibung
Bachelor Klinische Psychologie Karteikarten am 4. Klinische Psychologie: Psychopathologie und Klassifikation psychischer Störungen, erstellt von arne.doebler am 22/01/2016.
Erstellt von
arne.doebler
Aufrufe
17
Bewertung

Feedback

Worum geht es?

Wie gefällt dir das neue Design?

Dein Eindruck