Karteikarten
ADHS
Karten in diesem Stapel (41)
- 1Kernsymptome- Aufmerksamkeitsstörung (Unaufmerksamkeit)
- Impulsivität
- Hyperaktivität
- Symptome müssen in mehreren Lebensbereichen auftreten, können da aber unterschiedlich stark ausgeprägt sein
- Symptome sind stärker in Situationen, in denen längere Aufmerksamkeitsspannen und Aus- dauer erwartet werden —> Schule/ Unterricht/ Hausaufgaben - 2Aufmerksamkeitsstörung- Aufgaben vorzeitig abbrechen
- Tätigkeiten nicht beenden
- vor allem bei Aufgaben, die
einen kognitiven Einsatz ver-
langen
- stärker: bei fremdbestimmten
Tätigkeiten - 3Impulsivität- plötzliches Handeln ohne zu überlegen
- Unfähigkeit abzuwarten und Bedürfnisse aufzuschieben
- kognitive Impulisivität: ersten
Handlungsimpuls folgen, Hand- lung beginnen ohne dass sie durchdacht/erklärt ist
- motivationale Impulsivität: Schwierigkeiten Bedürfnisse aufzuschieben und abzuwarten - 4Hyperaktivität- desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende motorische Aktivität
- exzessive Ruhelosigkeit
- deutlich: in strukturierten und organisierten Situationen, die
ein hohes Maß an eigener Ver- haltenskontrolle erfordern (Schule) - 5Klassifikation nach DSM-IVAufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung
ADHS Mischtyp:
Unaufmerksamkeit + Hyperaktivität + Impulsivität
Unaufmerksamer Typ:
Unaufmerksamkeit
Hyperaktiv-Impulsiver Typ:
Hyperaktivität + Impulsivität
Nicht näher bezeichnete ADHS:
nicht alle Kriterien erfüllt - 6Klassifikation nach ICD-10hyperkinetische Störung // einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
Einfache Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung (F90):
Unaufmerksamkeit + Hyperaktivität + Impulsivität
Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens:
F90 + Störung des Sozialverhaltens
Sonstige Hyperkinetische Störung:
nicht alle Kriterien aus F90 erfüllt - 7Zusatzkriterien- vor dem sechsten (ICD)/siebten (DSM) Lebensjahr
- Dauer: Symptome müssen min. 6 Monate in einem dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu
vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß vorliegen
- mehr als ein Lebensbereich (z. B. zu Hause, in der Schule...) —> situationsübergreifend
- verursachen deutliches Leiden oder klinisch bedeutsame Beeinträchtigung der sozialen,
schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit —> beeinträchtigend
- erfüllt nicht die Kriterien für eine tiefgreifende Entwicklungsstörung (F84.-), eine manische
Episode (F30.-), eine depressive Episode (F32.-) oder eine Angststörung (F41.-). - 8Neuerungen in DSM-V- Symptome müssen vor dem Alter von 12 auftreten
- Erwachse müssen statt 6 von 9, nur 5 von 9 Symptomen erfüllen
- Die Beeinträchtigung wird von den Zusatzkriterien in die Symptombeschreibung verschoben - Keine Subtypen sondern vorherrschende Präsentation
- Beispiele für jedes Symptom, die nun auch auf Erwachsene passen - 9Prävalenz- Leitsymptome am zweithäufigsten festgestellte Einzelsymptome
- Kinder- und Jugendgesundheitssurvey: in Deutschland haben 4.8% d. Kinder ADHS Diagnose.
- Bei weiteren 4.9% besteht ein Risiko für bzw. Verdacht
- weltweit durchschnitte Prävalenz: 5,3%
- Prävalenzen bei Jungen sind zwei bis dreimal häufiger als bei Mädchen
- Unterschiede nach DSM (höhere Prävalenz) und ICD (strengere Diagnosekriterien —>
niedrigere Prävalenz: 3,4% in Deutschland) - 10Komorbiditäten- 80% haben komorbide Störungen
- Oppositionelle Störung des Sozialverhaltens: 50%
- Störungen des Sozialverhaltens: 30-50%
- Affektive Störungen (vor allem depressive Störungen): 15-20%
- Angststörungen: 20-25%
- Lernstörungen, Teilleistungsschwächen: 10-25%
- Tic-Störungen, Tourette Syndrom: bis zu 30%
- Sprech- und Sprachstörungen, Störung der motorischen Funktionen
- Rauchen/ andere Substanzabhängigkeiten: 15-19% - 11Verlauf- Symptome werden im Erwachsenenalter weniger
- aber die Mehrzahl der Kinder (60-85%) erfüllt die Kriterien für die Diagnose weiterhin
- erhöhtes Risiko für:
- Drogenmissbrauch
- Schule ohne Abschluss verlassen - Minderwertigkeitsgefühle
- weniger soziale akzeptiert - 12Symptomatik: Säuglings- und Kleinkindalter- Schlaf- und Essprobleme
- Gesundheits-probleme
- deutlich erhöhte Aktivität
- Entwicklungs-verzögerungen - 13Symptomatik: Kindergarten- und Vorschulalter- motorische Unruhe
- zielloseAktivität
- geringe Spielintensität und -ausdauer - Trotzverhalten - 14Symptomatik: Grundschulalter- Unruhe und Ablenkbarkeit im Unterricht - Lernschwächen
- oppositionell-aggressives Verhalten
- Ablehnung durch Gleichaltrige
- Leistungsunsicherheit,Selbstwert-probleme - 15Symptomatik: Jugendalter- Rückgang der motorischen Hyperaktivität
- Persistieren von Aufmerksamkeitsstörungen und Impulsivität - emotionaleAuffälligkeiten
- aggressives Verhalten
- dissoziales Verhalten / Delinquenz (30%) - 16Symptomatik: Erwachsenenalter- gehäufte Verkehrsdelikte, Partnerprobleme - verminderte soziale Einbindung
- vermindertes psychisches Wohlbefinden
- dissoziales Verhalten / Delinquenz (20-45%) - antisoziale Persönlichkeitsstörung (~25%) - 17Biopsychosoziales Modell zur Entstehung von ADHS (allgemein)- integratives Modell zur Ätiologie von ADHS
- die primäre Ursachen wirken sich auf neurobiologische und neuropsychologische Prozesse aus - 18Primäre Faktoren- Genetische Faktoren
- Hirnschäden
- Nahrungseinflüsse
- Psychosoziale Bedingungen - 19Genetische Faktoren- genetische Faktoren beeinflussen am stärksten die Entstehung der Störung
- Metaanalyse von 20 unabhängigen Zwillingsstudien
- Heritabilität von 76%
- Ursache:
Genpolymorphismen, die den dopaminergen und sertonergen Stoffwechsel beeinflussen - 20Schädigungen des ZNS- Annahme früher: Schädigung des ZNS durch prä-, peri- und postnatale Komplikationen
- heute: nicht haltbar,
- aber Zusammenhänge zwischen ADHS und Noxen (Rauchen & Alkohol in der Schwangerschaft,
geringem Geburtsgewicht und Hirnschädigungen nach der Geburt) - 21Nahrungsmittelbestandteile- kontrovers diskutiert, kaum Studien mit eindeutigem Zusammenhang - Nahrungsmittelzusätze (Farbstoffe) können Symptome auslösen
- ungesättigte Fettsäuren können Symptome mildern - 22Psychosoziale Bedingungen- Schweregrad und Verlauf der ADHS und Komorbiditäten hängen mit ungünstigen psy- chosozialen Bedingungen (Schule/ Familie) zusammen
- das ist ein Hinweis für eine Interaktion zwischen genetischen Dispositionen (Anlage) und psy- chosozialen Bedingungen (Umwelt) bei der Entstehung von ADHS - 23Biopsychosoziales Modell: Vermittelnde Prozesse- Neurobiologische Prozesse
- Neuropsychologische Prozesse (Exekutive Funktionen & Motivationale Faktoren) - 24Neurobiologische Prozesse- Verminderte graue und weiße Substanz
- Morphologische Veränderungen am präfrontalen Kortex, Basalganglien und Corpous Callosum
- Verminderte Aktivität bei Inhibitionsaufgaben vor allem im Frontalkortex
(Nukleus Caudatus, anteriores Cingulum)
- veränderte elektrische Aktivität im Frontalkortex - 25Neuropsychologische Prozesse- Störung exekutiver Funktionen & motivatonale Störung = zentrale neuropsycholog. Komponente
- führt zu Beeinträchtigung von Lernprozessen
Exekutive Funktionen:
- psy. Prozesse, die der Ausführung von Handlungen unmittelbar vorangehen oder sie begleiten
- Reaktionshemmung, Arbeitsgedächtnis, kog Flexibilität, Planungsvermögen, Sprechflüssigkeit
- Funktionen sind eng mit dem präfrontalen Kortex verbunden
- Bei Kindern mit ADHS: Beeinträchtigung in der Reaktionshemmung, Vigilanz, dem Arbeits-
gedächtnis & bei Erfassung von Planungsprozessen
- nur ein Teil der Kinder zeigt durchgehende Auffälligkeiten; Störungsspezifität noch unklar
Motivationale Faktoren
- Theorie der Verzögerungsaversion:
- mangelnde Hemmung von Reaktion durch eine motivationale Störung (nicht grundlegendes Defizit) bedingt —> erhöhte Abneigung gegen Belohnungsverzögerung
- ADHS-Kind versucht Verzögerungen zu entfliehen oder zu vermeiden - 26Duales Modell inhibitorischer und motivatonaler Dysfunktionen- beide Ansätze integriert: zwei unterschiedliche Entstehungswege von ADHS
1. Dysregulation des Handelns und Denkens:
verringerte Hemmungskontrolle, die mit dem meso-kortikalen Ast des Dopaminsystems verbunden ist, welcher in den präfrontalen Kortex projiziert
2. motivationale Dysfunktion:
Abneigung gegen Belohnungsverzögerung, welche mit dem meso-limbischen dopaminer- gen System und den Belohnungsregelkreisen (Nucleus accumbens) verknüpft ist - 27Biopsychosoziale Modell zur Entstehung von ADHS (Ablauf)- primäre Faktoren (Genetik, Nahrung, Schädigungen des ZNS und ungünstige psychosoziale Faktoren) wirken auf neurobiologische Faktoren ein
- Folge: Störung des Neurotransmitterstoffwechsels (Dopamin) und andere zerebrale Störungen
- die neurobiologischen Störungen führen zu neuropsychologischen Störungen: Störungen der exekutiven und motivationalen Funktionen
- das wiederum führt zur ADHS-Symptomatik
- ADHS führt zu einer Zunahme von negativen Interaktionen mit Bezugspersonen
--> ungünstige psychosoziale Bedingungen wirken auch hier! (primärer Faktor)
--> verstärken Symptome und verschlechtern neuropsychologische Faktoren
- es entstehen komorbide Störungen, die die sozialen Interaktionen weiter verschlechtern - 28Interventionen- Stimulanzienbehandlung
- kognitive Trainings
- verhaltenstherapeutische Interventionen
empfohlen wird ein multimodales Vorgehen:
- Psychoedukation
-Psychotherapie
-psychosoziale Interventionen
- Pharmakotherapie - 29Psychoedukation(= Aufklärung und Beratung) der Eltern & des Kindes in altersangemessener Form ist Grundlage jeder therapeutischen Intervention
- 30Medikamentöse Therapie (Wirkstoffe)zwei wirkungsvolle Werkstoffgruppen:
1. Psychostimulanzien (Methylphenidat und Amphetamin —> Ritalin)
—> hemmen Dopamin Wiederaufnahme
2. Atomoxetin —> hemmen Noradrenalin Wiederaufnahme
Psychostimulanzien
- 70% der Kinder über fünf Jahre sprechen positiv auf die Behandlung an (jüngere Kinder drunter) - Pharmakotherapie auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wirkungsvoll
- deutliche Verminderung der Effekte nach 3-7 Stunden; kurze Halbwertszeit (gut in Unterricht)
- geringe Studien über Langzeiteffekte —> eher keine bessere Prognose wenn nur Medikamente
Atomoxetin
- wirkungsvoll, aber geringere Wirkung als Methylphenidat - 31Wann zur Pharmakotherapie greifen?- primäre medikamentöse Therapie bei stark ausgeprägter und situationsübergreifender ADHS- Symptomatik, die zu einer erheblichen Funktionseinschränkung führt
- Medikamentöse Therapie wenn verhaltenstherapeutische Maßnahmen nicht erfolgreich sind (als Ergänzung) - 32Interventionsmodi & Interventionen1. Patientenzentriert
2. Eltern- und familienzentriert
3. Kindergarten- /Schulzentriert
1. Patientenzentriert
- Psychoedukation des Patienten - Spieltraining
- kognitive Therapie
- Konzentrations-/ Selbstinstruktionstraining
- Selbstmanagementtraining - neuropsychologisches Training - Neurofeedback
- Pharmakotherapie
- Nahrungsergänzung
2. Eltern- und familienzentriert:
- Psychoedukation der Eltern
- Elterntraining
3. Kindergarten- // schulzentriert:
- Psychoedukation der Erzieher/Lehrer
- Intervention in Kindergarten/Schule - 33Interventionen in der Familie, im Kindergarten oder der Schule- verhaltenstherapeutische Interventionen wenn ADHS-Symptome oder oppositionelles/ag- gressives Verhalten im Unterricht
- Psychoedukation, Interventionen im Unterricht, kognitive Interventionen beim Patienten
-Ziel:
- dysfunktionale Interaktionsmuster zwischen Kind und Bezugspersonen abbauen - günstigere Interaktionen aufbauen
- so ADHS-Symptomatik und komorbide Störungen vermindern - 34Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP - Döpfner)- multimodales Interventionsprogramm
- VT in Familie, Kiga oder Schule + medikamentöse Therapie beim Kind
- Alter: drei bis 12 Jahre
- zwei Teilprogramme:
- Eltern-Kind-Programm:
- 21 Behandlungseinheiten mit zwei Interventionsformen (familien- & kindzentriert) - familienzentriert: Fokus auf Arbeit mit Eltern (+ mögliche Integration Kind)
- kindzentriert: Fokus auf Arbeit mit Kind (+ mögliche Integration Eltern)
- Interventionen im KiGa oder in der Schule
- Entwicklung von Selbsthilfe- und Präventionsprogrammen (PEP) auf der Basis von THOP
- Wirksamkeit: THOP zeigt deutliche Effekte - 35Patientenzentrierte verhaltenstherapeutische Interventionen (Kognitive Interventionen)- Kognitive Interventionen (Konzentrations- und Selbstinstruktionstraining) wenn auch unter op- timalen Arbeitsbedingungen Aufmerksamkeitsstörung und Impulsivität
- ältere K.u.J.: Selbstmanagementverfahren (eigene Ziele formulieren, schrittweise Interventio-
nen umsetzten)
- Spieltraining (3-6 J.)
- Konzentrations- und Selbstinstruktionstraining (7-12 J.)
- Neuropsychologische Trainings
- Selbstmanagement-Methoden
- Neurofeedback - 36Spieltrainings- kognitive Interventionen noch nicht anwendbar
- Steigerung Spiel- und Beschäftigungsintensität und Ausdauer - 37Konzentrations- und Selbstinstruktionstraining (7-12 J.)- Aufmerksamkeit anhaltender zentrieren
- Impulse besser kontrollieren
- Handlungspläne entwickeln
- Verdeutlichung einzelner Handlungsschritte mit Signalkarten - Aufmerksamkeitstraining von Laut und Schlottke
- keine überzeugend nachgewiesenen Effekte - 38Neuropsychologische Trainings- ATTENTIONER Jacobs & Petermann
- neuropsychologische Aufgabeninhalte, die über Verstärkersys-
teme in verhaltenstherapeutischen Rahmen eingebettet sind
- Transferaufgaben: Übertragung des Gelernten auf Alltag
- 15 Therapiesitzungen Gruppentraining mit 4 Kindern
- fünf Elterngruppentrainings - 39Selbstmanagement-Methoden- in natürlicher Umgebung auf eigene Verhaltensprobleme achten, sie zu registrieren & angemessene Verhaltensweisen entwickeln
- sich für erfolgreiche Situationsbewältigung selbst positiv ver- stärken
- SELBST: Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen
- Modul Leistungungsstörungen: planerische Fertigkeiten, Lern- strategien, Intervention zur Modifikation mangelnder schulisch- er Mitarbeit, Verminderung Störverhalten und Wissenslücken - 40Neurofeedback- Frequenztrainings/ Theta/Beta-Frequenztrainings
- Feedback der Aktivität in den Frequenzbändern Theta und
Beta soll das Gehirn aktivieren und Defizite in der Aufmerk- samkeit verringern - 41Wirksamkeit multimodaler Behandlungen- Wirksamkeit von isolierter Verhaltenstherapie belegt
- aber höhere Wirksamkeit bei Kombination mit Pharmakotherapie
- verschiedene Studien (Abikoff & MTA-Studie) sprechen, dafür dass eine Kombination der Ver-
haltens- und Pharmakotherapie (bezogen auf bestimmte Merkmale) keine besseren Effekte erzielt als alleinige Pharmakotherapie
- Contra:
- Kombination im Gesamterfolg signifikant überlegen
- VT ist bei komorbinden Angststörungen besonders wirkungsvoll (Kombi ist auch der
isolierten Pharmakotherpie überlegen)
- adaptives Vorgehen ist sehr günstig (erst die eine, dann die andere Intervention anwenden)
Informationen
- Beschreibung
- Klinische Psychologie (3. ADHS) Karteikarten am ADHS, erstellt von evasophie am 30/07/2015.
- Erstellt von
- evasophie
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