GoConqr hat ein neues Design! Sag uns, wie es dir gefällt.

Karteikarten

3. Klinische Psychologie: Krankheits- und Störungsmodell

arne.doebler Klinische Psychologie Bachelor Deutsch 34 Karten

Karten in diesem Stapel (34)

  1. 1(4) unterschiedliche Definitionen von "Gesundheit"1. Traditionelle Definition:
    Abwesenheit von Kranheit
    (Fehlen abweichender biologischer Körperstrukturen und -prozesse)
    2. Soziologische Definition:
    Zustand optimaler Leistungsfähigkeit zur Erfüllung der gesellschaftlichen Rollen und Aufgaben (Parsons, 1967)
    3. Psychologische Definition:
    Muster jener psychischen Eigenschaften
    (relativ stabile Kennzechen des Verhaltens und Erlebens), die die Vulnerabilität für psychische Störungen verringern (Becker, 1982)
    4. WHO-Definition:
    Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens
  2. 2(7) Definitionsmerkmale von "Gesundheit" (Franke, 1993)1. Störungsfreiheit
    2. Leistungsfähigkeit
    3. Rollenerfüllung
    4. Homöostase
    5. Flexibilität
    6. Anpassungsfähigkeit
    7. Wohlbefinden
  3. 3Empirisch ermittelte körperliche Faktoren für ein gesundes Leben1. genetische Faktoren
    2. gesunde Nahrung: Obst, Gemüse, Milch, Kartoffeln, Hülsenfrüchte etc.
    3. gesunde natürliche Umwelt:
    Luft, Wasser, Boden, Licht etc.
    4. gesicherte geschaffene Umwelt:
    Kleidung, Unterkunft, Wärme, Schutz vor Gefahren
    5. ausreichende körperliche Betätigung
    (Sport, Spiel, Arbeit), aber keine extremen Überanstrengungen
    6. genug Schlaf, Zeiten der Ruhe und Erholung, keine Hetze
    7. Entspannung und emotionale Ausgeglichenheit (s. auch unten)
    8. erfüllte Sexualität mit sich oder einem/mehreren anderen Menschen, oder deren gelungene Sublimination
    9. intakte soziale Beziehungen
    bspw. Freundeskreis, gute Beziehungen zu Arbeitskollegen
    10. der Gesundheit förderliche Arbeitsbedingungen, keine dauernde Über- oder Unterforderung
  4. 4Empirisch emittelte seelisch-geistige Faktoren für ein gesundes Leben1. geliebt sein und selbst lieben können:
    Lebenspartner, Kinder, Familie, Mitmenschen
    Freundlichkeit, Kontaktfähigkeit,
    soziale Kompetenz
    2. sich wertvoll empfinden; Selbstachtung, Selbstvertrauen
    Erfolg und Anerkennung:
    Bestätigung, Arbeitsklima, Kritik und Lob (Feedback)
    3. Sicherheit: Gefühl der Geborgenheit, Religion bzw. Lebenssinn
    mindest-Sicherheit, die Nahrung, die Kleidung, das Wohnen betreffend
    Sicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
    aber: gewisse Spannung notwendig, sonst versinken in Lethargie
    4. Freiheit:
    Gestaltungsmöglichkeiten, auch für das eigene Leben; lohnende Ziele
    Möglichkeit zur Artikulation, Gedankenfreiheit, Redefreiheit
    Berufs- und Partnerwahl
    Kreativität:
    schöpferische Betätigung und Spiel
    5. Verbundenheit
    zum Partner, zu Freunden und/oder anderen
    Konfliktfähigkeit und Bereitschaft zur Versöhnung
    Erlebnisse mit Erinnerungswert
  5. 5klassisches medizinisches Krankheitsmodell: Krankheit (disease, illness)Einheiten mit spezifischen Symptom- und Verlaufsmustern und dazugehörigen biologischen Prozessen (inklusive biologischer Ursache), wie sie nur bei einigen gestörten psychischen Phänomenen vorkommen
  6. 6klassisches medizinisches Krankheitsmodell: Störung (disorder)bei gestörten psychischen Phänomenen solche Zusammenhänge wie bei "Krankheit" strittig
    meist andere Konzepte sinnvoll
    => offenerer Begriff der "psychischen Störung" verwendet
  7. 7Wofür wurde das allgemeine Krankheitsmodell ("Defektmodell") ursprünglich entwickelt?für Infektionskrankheiten
    => auf alle Krankheiten verallgemeinert
  8. 8Warum sprechen wir von psychischen Störungen nicht von psychischen Krankheiten?weil das medizinische Krankheitsmodell psychischen Störungen in der Regel nicht adäquat/angemessen ist
  9. 9traditionellens medizinisches Krankheitsmodell: (4) Prämissen1. Alle beobachtbaren Symptome,
    Beschwerden, Abweichungen (körperliche Funktionen) und Verhaltensauffäligkeiten sind auf zugrundeliegende primäre Störung
    (= spezifizierbarer Defekt)
    zurückführen
    2. Defekt ist in der Person gelegen und bildet eigentliche Krankheit (nicht die Symptomatik selbst!)
    3. Defekt ist zurückzuführen auf eine oder mehrere eindeutig spezifizierbare Ursachen
    4. Defekt bzw. Ursachen
    sind körperlicher Art
  10. 10(4) Dimensionen des allgemeinen medizinischen Krankheitskonzeptes1. Krankheitsursache:
    biologische, psychologische, soziologische Ursachen
    2. Krankheit:
    pathologische Veränderungen
    (Defekt in der Person)
    3. Kranksein:
    Beschwerden, Symptome, Befunde
    4. Krankheitsfolgen
    Krankenrolle, Einschränkung normalen Rollenverhaltens
  11. 11Probleme bei der Übertragung des traditionellen medizinischen Modells auf die Pychotherapie1. Kranksein ist statistisch "normal"! (nicht gesund sein)
    2. keine eindeutigen natürlichen Grenzen zwischen "gesund" und "krank"!
    3. (psychische) Defekte und Substrate lassen sich nicht so eindeutig identifizieren
    4. gerade bei psychischen Störungen spielt gesellschaftliche Definition von "Normalität" und "Abweichungen" wichtige Rolle
    5. Entstehung und Verlauf psychischer Störungen sind viel komplizierter
    => multifaktoriell statt (mono-) kausal
  12. 12(4) Dimensionen psychischer Störungen (gemeinsame Dimensionen verschiedener Definition für gestörtes Erleben und Verhalten)1. Devianz:
    (= abweichendes Verhalten)
    Gestörtes Erleben- & Verhaltensmuster sind in bestimmtem Kontext deviant bzw. abweichend
    => anders
    2. Leidensdruck:
    gestörte Erlebens- & Verhaltensmuster belasten jeweilige Person oder sind ihr unangenehm => setzen sie unter Leidensdruck
    3. Beeinträchtigung:
    gestörte Erlebens- & Verhaltensmuster beeinträchtigen jeweilige Person oder sind so störend/dysfunktional, dass sie alltägliche Handlungen nicht mehr konstruktiv verrichten kan
    4. Gefährdung
    ... sich und anderen Personen möglicherweise sogar gefährdet
  13. 13(6) differenzielle Konzepte der Störung psychischer Funktionen (Schulte, 1990)Psychische Störungen als:
    1. Symptomatik körperlicher Krankheiten:
    Verhaltensauffälligkeiten gehen zurück auf körperliche Beschwerden und Beeinträchtigungen
    (ohne Beeinträchtigung des Nervensystems)
    2. Neurologische Erkankungen:
    direkte (körperliche) Erkrankung des Nervensystems
    3. Krisenreaktionen:
    Überbelastung durch Stress, Überforderung oder Umweltbelastung => Vorübergehende Reaktion eines an sich funktionierenden Systems
    4. Psychische Krankheiten ("Psychosen"):
    qualitativ abweichende Funktionen der Informationsverarbeitung oder Verhaltenssteuerung z.B. aufgrund angeborener oder früh im Sozialisationsprozess erworbener "Programmfehler"
    => Defektmodell
    5. Verhaltensstörungen:
    ungünstige Lernprozesse, Störung der Person-Umwelt-Interaktion
    6. abweichendes Verhalten
    im engeren Sinne:
    inklusive verhaltenssteuernde Umwelt => selber unangepasst, ineffizient oder gestört
  14. 14(3) Schwierigkeiten bei der Definition psychischer StörungenHauptproblem:
    Begriff "Störung" selbst relativ
    1. nur in Abhängigkeit der jeweiligen Normen und Werte einer Gesellschaft bzw. eines bestimmten Kulturkreises definier- und interpretierbar
    2. nur auf Grundlage der jeweils spezifischen individuellen (Lebens-) Bedingungen kann im Einzellfall beurteilt werden, was als "normal" bzw. "gestört" zu betrachten ist
    3. Einstufung als "gestört" von interessegebundener institutioneller Perspektive abhängig
    (Patient, Therapeut, Krankenkasse, Arbeitgeber)
    ergo: Begriffe wie "gestörtes Erleben und Verhalten" schwer zu fassen, da eng mit relativen Wertmaßstäben verquickt
  15. 15Wie viel % der Bevölkerung sind dem bundesweiten Gesundheitssurveys 1998 zufolge körperlich und psychisch gesund? (ohne Diagnose)23,4%
  16. 16Fünf unterschiedliche Normbegriffe (Was ist "normal"?)1. Statistische Norm:
    definiert nach statistischen Durchschnittswerten
    abnorm = ungewöhnlich
    2. Idealnorm:
    als universell gültige und philosophisch weltanschaulich begründete
    "Zustände von Vollkommenheit"
    abnorm = minderwertig
    3. Funktionale Norm:
    definiert als Funktionsfähigkeit
    (vs. Dysfunktion) bemessen an erwünschter/erwarteter Leistungsfähigkeit
    abnorm = schwach
    4. Sozialnorm:
    gesellschaftlich definierte Verhaltensstandards
    abnorm = regelwidrig
    Subjektive Norm:
    Individueller Ausgangszustand als Maßstab für Veränderungen
    Abnorm = verändert
  17. 17dimensionaler Charakter psychischer Störungennicht nur für die meisten körperlichen Erkrankungen (Hypertonus, Diabetes, Stoffwechsel), sondern auch für psychische Störungen
    keine eindeutigen Trennpunkte
    ("cut-offs"), die "gesund" und "krank" unterscheiden (kategoriale Ordnung)
    aber Nr. 1:
    dimensionale Konstrukte lassen sich durchaus sinnvoll und statistisch begründet in kategoriale Modelle überführen!
    aber Nr.2:
    für Definition von Störungen zumeist Konventionen und Zusatzannahmen notwendig => Diagnostik und Klassifikationssysteme
  18. 18Alternative Krankheits- und Gesundheitsmodelle: Soziologische Störungskonzepte ("Labeling approach")"Antipsychiatrie":
    Ursachen psychischer Störungen liegen nicht im Individuum, sondern im familiären und sozialen System
    => letzlich in der Gesellschaft => Zentraler "Defekt" = gesellschaftliche Verhältnisse (nicht individuelle Defizite!)
    Ansatz empirisch so nicht zu bestätigen
    => Heute nur noch für wenige Störungen (Persönlichkeitsstörungen) und von wenigen Vertretern verfolgt
    (z.B. systemische Ansätze)
  19. 19Alternative Krankheits- und Gesundheitsmodelle: Humanistische StörungskonzeptePsychische Störungen sind "Wachstums-" bzw. "Reifungsstörungen":
    die Umwelt hindert Menschen daran, bestimmte Bedürfnisse zu berfriedigen und Affekte auszuleben
    => resultierende "unabgeschlossene Gestalten" führen zu fortschreitender Entfremdung!
    Position in der Gestalttherapie und bioenergetischen Therapie, teilweise auch in der Gesprächstherapie nach wie vor präferiert
  20. 20Alternative Krankheits- und Gesundheitsmodelle: Psychologische Störungskonzepteentscheidender Unterschied zur traditionell eher kategorialen Psychopathologie ist die Annahme der Kontinuität von normal zu abnormal (Abnormal Psychology)
    => Psychische Störungen lediglich Hemmungen oder Steigerungen normaler psychischer Prozesse
    allgemein akzeptierte aktuelle Position der wissenschaftlichen Klinischen Psychologie und empirischen Erforschung psychischer Störungen
    (bspw. Lernpsychologie, Verhaltenstherapie, kognitive Ansätze)
    => Synthese mit kategorialen Modellen
  21. 21Alternative Krankheits- und Gesundheitsmodelle: Biopsychosoziales Ätiologiemodell (Aktuelles Alternativkonzept:)moderne biopsychosoziale Erklärungsansätze:
    psychische Störungen als multifaktorielles Geschehen, das
    durch Zusammenspiel verschiedener pathogenetischer und protektiver Einflüsse bzw. durch summative Wirkung mehrerer jeweils
    nicht-pathologischer Faktoren
    (bspw. Alltagsstress, dysfunktionaler Copingstil etc.) verursacht werden kann
  22. 22Biopsychosoziales ErklärungsmodellKrankheitsentstehung immer durch multidimensionale Interaktion ...
    1. biologischer Faktoren
    2. psychologischer Faktoren
    3. sozialer Faktoren
    4. ökologischer Faktoren
    Krankheit/Gesundheit = Resultat des Zusammenwirkens von krankmachenden (pathogenen) und gesundheitsfördernden (protektiven) Faktoren
  23. 23traditionelle Definition von GesundheitAbwesenheit von Krankheit
    (Fehlen abweichender biologischer Körperstrukturen und -prozesse)
  24. 24soziologische Definition von Gesundheit (Parsons, 1967)Zustand optimaler Leistungsfähigkeit zur Erfüllung der gesellschaftlichen Rollen und Aufgaben
  25. 25psychologische Definition von Gesundheit (Becker, 1982)Muster jener psychischen Eigenschaften
    (relativ stabile Kennzeichen des Verhaltens und Erlebens), die die Vulnerabilität für psychische Störungen verringern
  26. 26WHO-Definition von Gesundheit (World Health Organization)Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens
  27. 27Wie viel % der Bevölkerung sind dem bundesweiten Gesundheitssurveys 1998 zufolge psychisch krank (Diagnose) und körperlich gesund?12%
  28. 28Wie viel % der Bevölkerung sind dem bundesweiten Gesundheitssurveys 1998 zufolge psychisch und körperlich krank? (mit Diagnose)28,3%
  29. 29Wie viel % der Bevölkerung sind dem bundesweiten Gesundheitssurveys 1998 zufolge psychisch gesund (ohne Diagnose) und körperlich krank?36,4%
  30. 30Normbegriffe: Statistische Normdefiniert nach statistischen Durchschnittswerten
    abnorm = ungewöhnlich
  31. 31Normbegriffe: Idealnormals universell gültige und philosophisch weltanschaulich begründete
    "Zustände von Vollkommenheit"
    abnorm = minderwertig
  32. 32Normbegriffe: Funktionale Normdefiniert als Funktionsfähigkeit
    (vs. Dysfunktion) bemessen an erwünschter/erwarteter Leistungsfähigkeit
    abnorm = schwach
  33. 33Normbegriffe: Sozialnorm:gesellschaftlich definierte Verhaltensstandards
    abnorm = regelwidrig
  34. 34Alternative Krankheits- und Gesundheitsmodelle1. Soziologische Störungskonzepte
    ("Labeling approach")
    2. Humanistische Störungskonzepte
    3. Psychologische Störungskonzepte
    4. Biopsychosoziales Ätiologiemodell
    (aktuelles Alternativkonzept)

Informationen

Beschreibung
Bachelor Klinische Psychologie Karteikarten am 3. Klinische Psychologie: Krankheits- und Störungsmodell, erstellt von arne.doebler am 20/01/2016.
Erstellt von
arne.doebler
Aufrufe
82
Bewertung

Feedback

Worum geht es?

Wie gefällt dir das neue Design?

Dein Eindruck