Fichas
Posttraumatische Belastungsstörung
Fichas del conjunto (30)
- 1Kennzeichen + verschiedene Traumata- eine der wenigen Störungen, für die eine Annahme zur Entstehung formuliert wird
- es muss ein traumatisches Ereignis vorliegen, in dessen Folge bestimmte Symptome auftreten
- traumatische Ereignisse
- Typ-1-Traumata: kurzdauernde traumatische Ereignisse
- Typ-2-Traumata: langdauernde, sich wiederholende traumatische Ereignisse
- von Menschen verursacht vs. Naturkatastrophen & technische Katastrophen
- schwerwiegendere Auswirkungen: langandauernde & durch Menschen verursachte Traumata
- Kinder können ähnliche und ebenso lang anhaltende Symptome wie Erwachsene entwickeln
- während/ kurz nach dem Ereignis: ängstlich, entsetzt, aufgelöst, agitiert - 2Kriterien für PTB-Diagnose- Symptome des Wiedererlebens (Instrusion o. Flashbacks)
--> unausweichliche Erinnerungen, Wiederinszenierten ((Tag-)Träume), unspezifische Albträume, symbolische Neuinszenierung
- Vermeidung
--> Aktivitäten o. Situationen, die eine Erinnerung an das Trauma wachrufen könnten vermeiden
- erhöhte Erregung/ autonome Übererregung (Hyperarousel)
--> Schlafstörungen, erhöhte Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, motorische
Unruhe, erhöhte Wachsamkeit, aggressive Verhaltensweisen, Trennungsangst
- emotionale Taubheit
--> Verminderung der Fähigkeit Gefühle zu empfinden
- vermindertes Interesse an vorher Freude bringenden Aktivitäten
- Verlust bereits vorliegender Fähigkeiten (wieder Bettnässen)
- Erinnerungsstörungen (Teile oder ganzes traumatisches Ereignis vergessen)
- Symptome zeigen sich altersspezifisch:
-->jüngere Kinder: diffuse Angst- und Vermeidungssymptome
--> Jugendliche: reagieren & verbalisieren eher wie Erwachsene - 3Diagnosen nach DSM-IV und ICD-10DSM-IV:
- Akute Belastungsstörung
- Posttraumatische Belastungsstörung - Anpassungsstörung
ICD-10:
+
- Andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung
- ICD-10 und DSM-IV unterscheiden sich an entscheidenden Punkten, sodass die Übereinstimmung der Diagnosen bei nur 35% bis 75% liegt
- DSM-IV-Kriterien haben sich durchgesetzt und sind deutlich strenger als ICD-Kriterien - 4Diagnosekriterien für eine PTB nach ICD-10 (nochmal ganz genau)A. kurz-oder lang anhaltenden Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt
B. Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen (Flashbacks), lebendige Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder mit ihr in Zusammenhang stehen.
C. Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden vermieden. Dieses Verhalten bestand nicht vor dem belastenden Ereignis. - 5Diagnosekriterien für eine PTB nach ICD-10 (nochmal ganz genau) IID. Diagnostische Klassifikationskriterien einer PTBS nach der ICD-10
Entweder 1. oder 2.
1. Teilweise oder vollständige Unfähigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern.
2. Anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität und Erregung (nicht vorhanden
vor der Belastung) mit zwei der folgenden Merkmale:
A. Ein-undDurchschlafstörungen
B. ReizbarkeitoderWutausbrüche
C. Konzentrationsschwierigkeiten
D. Übermäßige Wachsamkeit (Hypervigilanz)
E. Die Kriterien B, C und D treten inner halb von sechs Monaten nach dem Belastungsereignis oder nach Ende einer Belastungsperiode auf.
(In einigen speziellen Fällen kann ein späterer Beginn berücksichtigt werden, dies sollte aber gesondert angegeben werden.)
E. Erhöhte Schreckhaftigkeit - 6Akute Belastungsstörung / Akute Belastungsreaktion- unmittelbar nach Ereignis: Akute Belastungsstörung/Belastungsreaktion (ABS/ABR) möglich
- ICD: ABR als vorübergehendes Syndrom
- DSM: ABS als noch nicht chronifizierte, aber deutlich krankheitswertige posttraumatische
Reaktion (vermehrt dissoziative Symptome)
- nicht alle Betroffene reagieren mit allen Symptomen, manche auch nur Teilsymptomatik
—> dann häufig als Anpassungsstörung kategorisiert - 7Sind die Symptomkriterien der PTB auf Vorschulkinder übertragbar?- Zweifel an Übertragbarkeit, da Kriterien auf Studien an Erwachsenen basieren
- Kinder haben noch nicht ausreichende introspektive Fähigkeiten & sind entwicklungsbedingt
noch nicht in der Lage ihre Eindrücke angemessen zu formulieren
- Kleinkinder äußern Belastung durch:
Störung des Affekts, Dysregulation beim Essen oder Schlafen, aggressives Verhalten
- Ereigniskriterium auf jüngere Kinder nicht anwendbar
- je jünger das Kind, desto mehr hängt das Verhalten von der emotionalen Reaktion der
Bezugsperson ab
- Vermeidungssymptome sind schwerer zu fassen (Kleinkinder wenig selbstbestimmt)
- „symbolische“ oder „magische“ Vermeidung
- nicht genügend Selbstbeobachtungsfähigkeiten, um verändertes Verhalten wahrzunehmen —> für Diagnose an Grundschulkindern müssen Kriterien ergänzt werden
—> aber Kernsymptome müssen auch für sie vorliegen (Intrusionssymptom,
Vermeidungssymptom, Übererregungsymptom) - 8Häufigkeit- regionale Unterschiedlichkeit
- Regionen mit häufigen Naturkatastrophen oder mit vielen sozialen Konflikten
—> höheres Risiko für PTB
- Mädchen sind häufiger betroffen (eher Viktimisiert)
- Wahrscheinlichkeit, nach einem Ereignis eine PTB zu entwickeln hängt von der Art des
Ereignisses ab ( 50% bei Vergewaltigungen, <10% bei Unfällen und Naturkatastrophen) - 9Komorbidität- PTB tritt häufig komorbid auf
- 87,5% der an PTB erkrankten haben zusätzlich min. eine Diagnose
- 77,5% der an PTB erkrankten haben zusätzlich min. zwei oder mehr Diagnosen - viermal häufigeres Auftreten einer internalisierenden Störung
- um den Faktor 12 erhöhtes Auftreten einer externalisierenden Störung
- verschlechterte Schulnoten
- Trennungsangst
depressive Störungen: 23,5%
somatoforme Störungen: 29,4% Substanzmissbrauch: 23,5% - 10Differenzialdiagnose- Differenzialdiagnostisch: hyperkinetische und aggressiv-dissoziale Störung ausschließen
- 11Verlauf- zu K.u.J. keine gesicherten Studien
- Erwachsene
- 1 Jahr nach der Diagnose: noch 60% erfüllen Diagnosekriterien
- 10 Jahre nach der Diagnose: noch 33% erfüllen Diagnosekriterien
- PTB hat ein starkes Chronifizierungsrisiko - 12Risikofaktoren (3 Gruppen)Prätraumatisch
Peritraumatisch
Posttraumatisch - 13Prätraumatische Risikofaktoren- jüngeresAlter
- weibliches Geschlecht
- Minoritätenstatus
- niedriger sozioökonomischer Status - psychiatrische Torerkrankung
- Vortraumatisierung
- Funktionsniveau - 14Peritraumatische Risikofaktoren- Ereignisschwere
- wahrgenommene Lebensgefahr
- Tod und Verletzung bekannter Personen
- Ressourcenverlust (Bsp.: Zerstörung des Hauses) - Art des Ereignisses
- unmittelbare emotionale Reaktion (Intensität) - 15Posttraumatische Risikofaktoren- Akute Belastungsstörung
- Psychopathologie (Ängstlichkeit und Depressionen) - dysfunktionale Bewältigungsstrategien
- mangelnde soziale Unterstützung (auch der Eltern) - PTB der Eltern
- weitere belastende Lebensereignisse - 16Risikofaktoren: Was ist von Bedeutung?- Ereignisschwere weniger wichtig
- große Bedeutung:
- soziale Unterstützung; psychische Probleme der Eltern - subjektiv wahrgenommene Lebensgefahr
- Intensität der unmittelbaren emotionalen Reaktion
- wichtige Rolle der Eltern oder Bezugspersonen bei Risikofaktoren
- Ereignis gemeinsam erlebt? Eigene Symptome? indirekte Traumatisierung?
- Bewertung des Ereignisses durch die Eltern (als gefährlich oder lebensbedrohlich)
- Coping-Vorbilder (mögliche Übernahme dysfunktionaler Bewältigungsstrategien: Vermeidung,
Grübeln, Gedankenunterdrückung)
- Glauben die Eltern dem Kind oder nicht? - 17Biologische Aspekte, die PTB erklären könnten- Erwachsene: PTB —> viele psychobiologische, neuroendokrinologische & strukturelle Korrelate - Kinder: wenige Studien, sehr heterogene, wenig gesicherte Befunde
Bestätigte Befunde:
- reduziertes Hippokampusvolumen
- Reduktion des zerebralen Volumens und des Corpus Callosums
- Überaktivierung der Amygdala & Minderaktivierung präfrontaler Strukturen bei
traumarelevanten/negativen Reizen
- Unregelmäßigkeiten im hormonellen Stresssystem
- erhöhte Aktivität des noradrenergen Stresssystems
- insgesamt niedrigere Kortisolausschüttung & erhöhte Sensitivität d. Glukokortikoidrezeptoren - 18Ehlers: kognitives Modell der PTBzentrale Aspekte:
- ungenügende Elaboration des traumatischen Ereignisses im Gedächtnis
- ungenügende Verknüpfung mit dem autobiografischen Gedächtnis
- führt (zusammen mit Priming- und Konditionierungsprozessen) zur leichten Auslösung von Symptomen des Wiedererlebens
- kann zu kognitiver Vermeidung führen
- das wiederum verhindert veränderte Verarbeitung der Gedächtnisinhalte
- extrem negative Bewertung des Ereignisses und seiner Folgen + ständiges Wiedererleben - führt zu einem ständig anhaltenden Gefühl der Bedrohung
- führt zu dysfunktionalen kognitiven Strategien und Verhaltensweisen (s.o.) - soll aktuell gefühlte Bedrohung verhindern, führt aber letztendlich zu einer
Aufrechterhaltung
—> Modell wurde eigentlich für Erwachsene erstellt, ist aber auf Kinder übertragbar
(Therapie daraus hat hohe Affektstärken) - 19Kinder & Bewertung- zentrale Bedeutung der Bewertung des Kindes selbst
- mögliche „magische“ Verknüpfung/ Denkweisen
- große Bedeutung bei der Aufrechterhaltung von Symptomen unabhängig von elterlicher
Bewertung
- fehlende langzeitliche Perspektive: missdeuten der eigenen Symptomatik als dauerhaft
- weniger Strategien zur Bewältigung des Gefühls der anhaltenden Bedrohung & zur Modulation
der damit verbundenen Erregungen - 20Indikation- Vorraussetzung für Intervention: intensive und breitangelegte Diagnostik
- Traumaanamnese = Balanceakt
- dringend benötigte Infos vs. Destabilisierung des Traumatisierten durch Wdh. Trauma - 21FragebögenInterview zu Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen
- 7-18 Jahren
- Unterformen zur Erfassung von ABS und ABR
- aktuelle & Lebenszeitdiagnose
- Schweregradeinschätzung
Child PTSD Reaction Index
- ab 7Jahre
- nur Schweregradeinschätzung, keine eigentliche Diagnose
Child Revised Impact of Event Scale
- am weitesten verbreiteter Fragebogen - 22Psychotherapie (Akutphase, Großschadenslage, Therapieformen)Empfehlungen für die Akutphase:
- Traumatisierte aufmerksam beobachten, um angemessene Interventionen einleiten zu
können, falls sich die Symptomatik nicht zurück bildet
- allgemeine Supportive Interventionen (soziale Unterstützung, Aufklärung, Psychohygiene)
Großschadenslage:
- keine Ressourcen für einzeltherapeutisches Vorgehen —> gruppentherapeutische
Kurzzeitinterventionen
Therapieformen
- kognitive Verhaltenstherapie (sehr wirksam)
- Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) (sehr wirksam)
- narrative Expositionstherapie (NET) - 23Phasen der Traumabearbeitung1. Stabilisierung
2. Traumabearbeitung
3. Integration
(über verschiedene Therapieformen hinweg) - 24Stabilisierung- Kind muss somatisch. psychisch und sozial stabilisiert werden, bevor mit der Traumbearbeitung
begonnen werden kann
• somatisch: körperliche Probleme weitgehend abgeschlossen o. kontrollierbar
• sozial: stabile Unterstützung im sozialen Netz des Kindes, keine weitere Bedrohung (z.B.
durch Täterkontakt)
• psychisch: schwierig beim Vorliegen von schweren Komorbiditäten (Suizidalität ...)
- Verfahren:
• Einzelverfahren aus dem Bereich der
• imaginativen Verfahren
• Dialektisch-Behavioralen Therapie
• kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen (Unterbrechung intensiver Symptome wie
Selbstverletzung) - 25Traumabearbeitung- Verfahren:
- direkte Auseinandersetzung mit dem traumatischen Ereignis - Bearbeitung dysfunktionaler Kognition - 26Traumabearbeitung: Traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KVT)- zentrale Rolle von Bewerbungsprozessen und dysfunktionaler Kognition bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik
- Intervention an Modelle der PTB (z.B. von Ehlers) gebunden - 27Traumabearbeitung: Behandlungsmanual von Cohen: Therapie sexuell traumatisierte Kinder und Jugendlicher• Psychoedukation & Förderung der Erziehungskompetenzen
• Entspannung
• Emotionsregulation
• kognitive Bewältigung und Verarbeitung (angemessene Interpretation und Einordnung des
Geschehens!)
• Entwicklung eines Traumanarrativs (imaginatives Nacherleben - In-sensu-Exposition)
• Traumatrigger: Exposition in-vivo der symptomauslösenden Stimuli
• gemeinsame Eltern-Kind-Sitzungen (Eltern als Klotherapeuten)
• Fördern künftiger Sicherheit
- zunächst getrennte Sitzungen (Eltern und Kind) und am Ende gemeinsame Sitzungen - Traumabearbeitung: Traumanarrativ & In-vivo Esposition
- Traumanarrativ —> über mehrere Sitzungen hinweg
• Erklärung des Sinns des Traumanarrativs
• Erstellen eines Büchleins
• Selbstbeschreibung
• Beschreibung des Ereignisses
• jedes Teilstück wird laut vorgelesen
• Kind liest Geschichte l und ergänzt Gedanken und Gefühle
• Frage nach schlimmsten Aspekt des Ereignisses
- kognitive Interventionen
• kognitive Verzerrungen & Fehldeutungen aufzeigen und korrigieren
- Loben des Kindes für mutiges Vorgehen
- Überwältigung: Entspannungs- & Atemübungen - 28Traumabearbeitung: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) (Shapiro)- Patent*in und Therapeut*in sitzen sich gegenüber
- Patient konzentriert sich auf bestimmte Anteile der traumatischen Erinnerung und führt
gleichzeitig eine simple Wahrnehmungsaufgabe durch
- Bsp.: mit den Augen den sich vor ihm hin und her bewegenden Finger der Therapeutin
folgen
1. Stabilisierungsphase
2. Phase der Bewertung (positive & negative Kognitionen werden erarbeitet)
3. eigentliche Desensibilisierungsphase - 29Integration- Einbezug der traumatischen Ereignisse in den gesamten Lebenskontext
- Einordnung des Ereignisses in die Lebensgeschichte
- Ausweitung der Perspektive: Blick in die Zukunft (wiederaufgenommene Lebensentwürfe) - Verfahren: z.B.: narrative Expositionstherapie („Seiltechnik“) - 30Pharmakotherapie- Datenbasis extrem dürftig
- USA: Einsatz von Selektiven Serotonin-Wideraufnahmehemmern (SSRI) - !! nur begleitend und unter Überwachung!
Información
- Descripción
- (5. Posttraumatische Belastungsstörung) Klinische Psychologie Fichas sobre Posttraumatische Belastungsstörung, creado por evasophie el 30/07/2015.
- Creado por
- evasophie
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