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Lolo Medina Psychologie Alemão 146 flashcards

Flashcards do conjunto (146)

  1. 1Gegenstand der Klinischen Psychologie• Psychische Störungen, psychische Krisen, psychische
    Aspekte körperlicher Erkrankungen
    • Blickwinkel primär auf (psychische) Krankheiten/
    Störungen gerichtet
  2. 2Gegenstand der Gesundheitspsychologie• Körperliche und psychische Gesundheit
  3. 3Definition 1 Gesundheitspsych:Gesundheitspsychologie ist der wissenschaftliche
    Beitrag der Psychologie zur Förderung und Erhaltung von Gesundheit, Verhütung von Krankheit, Bestimmung von Risikoverhaltensweisen, Diagnose und Ursachenbestimmung von gesundheitlichen Störungen, Rehabilitation und Verbesserung des Systems
    gesundheitlicher Versorgung. (1990)
  4. 4GesundheitspsychologieDefinition 2:Gesundheitspsychologie ist die Wissenschaft vom
    Erleben und Verhalten der Menschen im Zusammenhang mit
    Gesundheit und Krankheit. Dabei stehen vor allem riskante und
    präventive Verhaltensweisen, psychische und soziale Einflussgrößen sowie deren Wechselwirkungen auf körperliche
    Erkrankungen und Behinderungen im Mittelpunkt. (2006)
  5. 5Fragen, mit denen sich die Gesundheitspsychologie beispielsweise befasst:• Warum werden manche Menschen krank, andere nicht?
    • Wie können HIV-Infektionen verhindert werden?
    • Wer erholt sich wie schnell von einem Herzinfarkt?
    • Wie lässt sich die Lebensqualität verbessern?
    • Allgemein: Wie beeinflussen Verhalten, Kognitionen,
    Emotionen, Motivation, Persönlichkeit, soziale Faktoren und
    das Gesundheitssystem die Gesundheit einer Person?
  6. 6Anwendungsorientiert / GrundlagenfachGesundheitspsychologie ist einerseits ein anwendungsorientiertes Fach: Entwicklung und Evaluation von
    Gesundheitsförderungsprogrammen
    Andererseits beinhaltet sie auch Grundlagenforschung:
    Entwicklung theoretischer Modelle zB zu
    Stressbewältigung, subjektiven Krankheitstheorien,
    Risikowahrnehmung…
  7. 7InterdisziplinärGesundheitspsychologie ist interdisziplinär ausgerichtet
    und integriert Befunde aus verschiedenen Bereichen,
    zB Sozialpsychologie, kognitive Psychologie,
    Entwicklungspsychologie…
  8. 8Biomedizische ModellIn der Medizin herrschte lange Zeit das biomedizinische
    Modell vor:
    • Krankheit als naturwissenschaftlich objektivierbarer,
    oft von einer Norm abweichender Zustand
    • Ursachen von Krankheit sind genetische oder externe
    Faktoren (Bakterien, Viren, Gifte…)
    • Gesundheit = Abwesenheit von Krankheit
  9. 9Basis der Gesundheitspsychologie ist NICHT das biomedizinische Modell, sondern das biopsychosoziale Modell:• Krankheiten werden in einer Wechselwirkung von
    biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren
    verursacht
    • Gesundheit und Krankheit als Endpunkte eines
    Kontinuums
  10. 10Wann hat sich die Gesundheitspsychologie im deutschsprachigen Raum zunehmend als eigenständige Disziplin etabliert?seit 1980er Jahren
  11. 11Gründe für die Etablierung als eigenständige Disziplin:• Massive Zunahme chronisch-degenerativer
    Erkrankungen
    • Entdeckung des Einflusses von Risikoverhalten auf
    Entstehung und Verlauf dieser Krankheiten
    • Kostenexplosion im Gesundheitswesen
  12. 12Abgrenzung zur Verhaltensmedizininterdisziplinäres Arbeitsfeld, in dem
    Gesundheits- und Krankheitsmechanismen unter
    Berücksichtigung psychosozialer, verhaltensbezogener und
    biomedizinischer Wissenschaften erforscht werden und die
    empirisch geprüften Erkenntnisse und Methoden in
    Prävention, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation
    eingesetzt werden1
    ; enge Beziehung zu Medizin
  13. 13Abgrenzung zur Psychosomatikbeschäftigt sich wie die Gesundheitspsychologie mit der Verbindung biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren von Krankheiten, ist aber
    überwiegend krankheits- und behandlungsorientiert
  14. 14Abgrenzung zur Medizinpsychologiebeschäftigt sich mit der gezielten
    Anwendung psychologischer Erkenntnisse und Modelle
    in der Medizin; Schwerpunkte sind zB die ArztPatienten-Beziehung, aber auch Gesundheitsförderung
    und Prävention
  15. 15Abgrenzung zu Public-Health (Gesundheitswissenschaften)hat die Ziele
    Gesundheitsförderung, Krankheitsverhütung, Lebensverlängerung, Förderung des Wohlbefindens, verwendet
    aber gemeindebezogene Maßnahmen, zB die
    Beeinflussung von Gesundheitssystemen
  16. 16Verschiedene Definitionen von Krankheit/Störung:• Krankheit als Schädigung (Pathologie)
    • Krankheit als Funktionseinschränkung
    • Krankheit als Leidenszustand
    • Krankheit als das, was Ärzte behandeln
    • Krankheit als Stressanpassung
    • Krankheit als Unvollkommenheit
    • Krankheit als eigene Schuld
    • Krankheit als Strafe für Sünde
    • Krankheit als Besessenheit (von etwas Bösem)
    • Krankheit als statistische Normabweichung
    • Krankheit als Begriff
  17. 17Was gilt für die Begriffe Krankheit/Störung/Gesundheit?Sind keine absoluten Begriffe, sondern
    welche, deren Bedeutung in verschiedenen Zeiten und
    Kontexten immer wieder neu verhandelt werden müssen.
    zB Ist jemand, der eine genetische Prädisposition für
    eine Krankheit hat, krank?
  18. 18Definition von "Gesunheit" der WHO (1946):Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen,
    geistigen und sozialen Wohlbefindens und daher weit
    mehr als die bloße Abwesenheit von Krankheit oder
    Gebrechen.
    (Krankheit bedeutet hier Abwesenheit von Gesundheit,
    nicht umgekehrt!)
  19. 19Kritik an der Definition der WHO• Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein
    kontinuierlicher Adaptationsprozess
    • WHO-Definition beinhaltet kein realistisches, sondern
    ein idealistisches Ziel
  20. 20Wer entwickelte Wann das Modell der Salutogenese?A. Antonovsky (1979): forderte komplementär zur bis
    dahin pathogenetisch orientierten Theoriebildung die
    Entwicklung von Modellen über Entstehung und
    Erhaltung von Gesundheit
  21. 21Was ist das Modell der Salutogenese?Gesundheit
    und Krankheit nicht als dichotome Gegensätze, sondern
    als Kontinuum mit den Endpunkten „Health-Ease” und
    „DisEase” (HEDE-Kontinuum)Da Gesundheit als Prozess aufgefasst wird, ist eine
    Person nicht „gesund“ oder „krank“
    , sondern befindet
    sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer
    bestimmten Stelle auf dem HEDE-Kontinuum.
    Für die Lokalisation der aktuellen Position eines
    Individuums sind wesentlich:
    • Ausprägung von Schmerzen und funktionellen
    Beeinträchtigungen,
    • Notwendigkeit präventiver/kurativer Maßnahmen
    • Prognostische Einschätzung durch ExpertInnen des
    Gesundheitssystems
  22. 22Was ist der Kohärenzsinn?Antonovsky entwickelte das Modell über die folgenden
    Jahre immer weiter. Zum zentralen Bestandteil wurde
    der Kohärenzsinn. Darunter versteht Antonovsky die
    grundsätzliche Fähigkeit jedes Individuums, sich aus der
    Umwelt jene Elemente nutzbar zu machen, die dem
    Aufbau der eigenen Struktur förderlich sind, und jene
    Elemente zu meiden, die diese Struktur gefährden.
  23. 23Was sind die Vorteile des Kohernzsinnes?Ein gut ausgebildeter Kohärenzsinn ermöglicht bzw.
    erleichtert die Nutzung von protektiven Faktoren wie
    sozialen Bindungen, Wissen oder materiellen Gütern
    und ist somit wesentlicher Bestandteil der ständigen
    Erzeugung von Gesundheit.
    Ein starker Kohärenzsinn äußert sich als grundlegendes
    Gefühl der Zuversicht; die innere und äußere Welt
    werden als verständlich, Ereignisse als grundsätzlich
    bewältigbar und die eigene Existenz und das eigene
    Handeln als sinnvoll erlebt.
  24. 24Umweltebene:Gesundheitsförderliche vs
    gesundheitsbeeinträchtigende Umwelten
    Soziales Umfeld/soziale Unterstützung, Arbeitsbedingungen, Wohnsituation, ökologische Qualität
    der Umwelt usw usw
  25. 25Individuelle Ebene:Gesundheitsförderliche vs
    gesundheitsbeeinträchtigende Personenfaktoren
    Körperliche Faktoren (zB Gewicht, Blutdruck),
    Persönlichkeitsmerkmale (zB Optimismus, Selbstwert,
    Kohärenzsinn), Kognitionen (zB Kontrollüberzeugung),
    Verhaltens-weisen/Verhaltensmuster (zB Ernährung,
    Bewegung, Stressbewältigung) usw usw
  26. 26Beispiele für GesundheitsempfehlungenErnährungspyramide
    der Deutschen
    Gesellschaft für
    Ernährung e.V.
    (gültig bis 2005)
    Österreichische
    Ernährungspyramide
    (BM f. Gesundheit,
    2010)
  27. 27Pest:durch das Bakterium Yersinia pestis verursachte Infektionskrankheit, die in mehreren Varianten auftreten kann; besonders häufig
    als Beulenpest oder Lungenpest
    Geschichte:
    1. nachgewiesene Pandemie 541-700 n.Chr.
    2. Pandemie „Schwarzer Tod“ (1347-ca. 1353), rund 25 Millionen Tote
    Letzte Epidemien in Europa im 18. Jhdt
    3. Pandemie 1896-ca. 1945, rund 12 Millionen Tote vor allem in Asien
    und Indochina
    Auch heute noch nicht ausgerottet, immer wieder Epidemien,
    zB seit 2008 in Madagaskar
  28. 28Vermutete Ursachen der Pest im Wandel der ZeitGriechische Antike: göttliche Pestpfeile (zB in Homers Ilias:
    Apoll schickt die Pest ins Lager der Griechen)
    Mittelalter: Medizin basierte auf Lehren der Antike sowie
    zB Astrologie; medizinische Theorien:
    • Pest als Fehlmischung der 4 Galen‘schen Körpersäfte (Blut,
    Schleim, gelbe und schwarze Galle)
    • Miasmentheorie: faul riechende Winde oder Dämpfe aus dem
    Erdinneren verbreiten die Krankheit („Pesthauch“)
    • Astrologie: ungünstige Dreierkonstellation Saturn-Jupiter-Mars
    • Frühes 16. bis frühes 19. Jhdt: Contagiontheorie
    (Krankheitsübertragung durch Körperkontakt)
  29. 29Empfehlungen zur Prävention im Wandel der Zeit• Göttliche Pestpfeile  Götter nicht erzürnen
    • Miasmentheorie  Fenster nur nach Norden öffnen; feuchtschwüles Klima, Südwind und die Luft über stehenden Gewässern vermeiden; Schutz gegen Pesthauch durch Verbrennen
    von Kräutern, offene Feuer; Schutzmasken für Ärzte
    • Astrologisch ungünstige Konstellation  keine
    • Contagiontheorie  Körperkontakt vermeiden,
    Essigwaschungen, regelmäßig Wäsche wechseln
    • Quarantäne (Ursprung unklar)
  30. 30Mittelalter ̶nicht-medizinische Theorien: (Pest)• Pest als Strafe Gottes  gottgefälliger Lebenswandel;
    Fasten, Enthaltsamkeit; Buße tun, zB Selbstgeißelung;
    >60 Pestheilige
    • Zuschreibung der Schuld an gesellschaftliche Randgruppen,
    zB jüdische Händler  mehrfache Judenpogrome
  31. 31Modernes Verständnis: (Pest)1894: A. Yersin identifiziert den Erreger der Pest
    1898: P.-L. Simond klärt den Übertragungsweg
    von der Ratte über den Rattenfloh zum Menschen
    • 2. Übertragungsweg: Tröpfcheninfektion Mensch-Mensch,
    wenn Lunge befallen
    • Behandlung: mit Antibiotika; bei frühem Behandlungsbeginn
    gute Prognose
    • Prävention: öffentliche Hygiene – Entsorgung von Müll und
    Unrat entzieht Ratten die Lebensgrundlage; Bau von Häusern
    aus Stein
    • Impfung: mehrere Impfstoffe entwickelt, aber kein Impfschutz
    gegen Lungenpest, kurze Wirksamkeit, erhebliche Nebenwirkungen
  32. 32Welche Schritte waren notwendig, um zu wirkungsvollen Empfehlungen zur Prävention zu gelangen?• Beschreibung der Krankheit (welche Symptome gehören
    zusammen, welche gehören nicht dazu)
    • Entwicklung der notwendigen Technologien
    • Entdeckung des Erregers
    • Entdeckung des Übertragungsweges
    • Entdeckung des 2. Übertragungsweges
    • Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der
    Übertragungswahrscheinlichkeit
    • (Entwicklung von Impfstoffen)
  33. 33Historische Entwicklung von Ernährungsempfehlungen am Beispiel USA:Anfang des 20. Jhdts: erste Empfehlungen zur gesunden Ernährung für
    Kinder, später Erwachsene; Fokus auf „schützenden“ Nahrungsmitteln
    1943: „Basic Seven“ (siehe Abb. weiter vorne) – sollte Versorgung mit
    allen wichtigen Nährstoffen sicherstellen
    1956: „Basic Four“ (Milchprodukte, Brot/Getreide, Obst/Gemüse,
    Fleisch) – Basisversorgung, mit Mengenangaben
    1977: Dietary Guidelines for Americans mit genauen Prozentangaben
    für jede Nahrungsmittelgruppe; seither mehrfach aktualisiert
    1984: Ernährungskreis
    1992: Ernährungspyramide
  34. 34Wer setzt Ernährungsziele?Spiekermann (2000): „Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und
    Medien versuchen auf eigene, gleichwohl eng miteinander
    verwobene Weise die jeweils rechte Ernährung vorzugeben.“
    1881: Voit‘sches Kostmaß – ermittelte Energieverbrauch von
    Menschen und leitete optimale Versorgung ab (Eiweiß, Fett,
    Kohlenhydrate in ausreichender Menge und richtiger
    Zusammensetzung); großer Einfluss auf Politik
  35. 35Verschiedene Motive für die Vorgabe von Ernährungszielen durch die Politik:notwendige Rationierung knapper
    Lebensmittel; der Bürger als Arbeitskraft, als Soldat, als
    Belastung für das Gesundheitssystem…; Umgang mit
    Nahrungsmangel vs Umgang mit Nahrungsüberfluss
  36. 36Wie kann man Zusammenhänge zwischen Ernährung und Erkrankungen bei Menschen wissenschaftlich untersuchen?Mit epidemiologischer Forschung!
  37. 37Nurses‘ Health StudyEine der größten epidemiologischen Kohortenstudien zu
    Gesundheitsfragen
    3 Phasen
  38. 383 Phasen der Nurses' Health StudySeit 1970: Ziel = Identifikation von Langzeit-Risikofaktoren für
    Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen
    122.000 Teilnehmerinnen (90% noch immer in der Studie!)
    Seit 1989: Ziel = Untersuchung des Einflusses von Ernährung und
    Lebensstil
    116.000 Teilnehmerinnen (90% noch immer in der Studie!)
    Seit 2010: Ziel = Untersuchung der Bereiche Lebensstil,
    Fortpflanzung, Umwelt und Arbeitsrisiken
  39. 39Nurses‘ Health Study – Stichprobe Phase 1:• Öffentliches Register von Krankenschwestern; 11 bevölkerungsreichste US-Bundesstaaten (California, Connecticut, Florida,
    Maryland, Massachusetts, Michigan, New Jersey, New York,
    Ohio, Pennsylvania, Texas);
    • Verheiratete lizenzierte Krankenschwestern, die 1976
    30-55 Jahre alt waren
    • Rund 238.000 Frauen erfüllten die Einschlusskriterien
    • 3-malige Aussendung der Fragebögen im Jahr 1976
    • Insgesamt 65.000 Fragebögen nicht zustellbar; von den
    172.000 zustellbaren wurden 122.000 ausgefüllt
    zurückgeschickt (71%)• Alle 2 Jahre Folge-Fragebogen mit Fragen zu Erkrankungen und
    zur Gesundheit, zB Rauchen, Einnahme von Hormonpräparaten
    • Ab 1980 zusätzlich alle 4 Jahre ein Fragebögen zum
    Ernährungsverhalten
    • Ab 1992 zusätzlich ein Fragebogen zur Lebensqualität
    • Zusätzlich verschiedene Spezial-Fragebögen an verschiedene
    Teilstichproben
    • Zusätzlich Proben (Blut, Harn…) von verschiedenen
    Teilstichproben zur Identifikation genetischer und anderer
    biologischer Marker
  40. 40Nurses‘ Health Study – Stichprobe Phase 2:• Mehr Infos zu Kindheit und Jugend
    • Schwerpunkt auf Einfluss von Hormonen in Jugend und frühem
    Erwachsenenalter
  41. 41Nurses‘ Health Study – Stichprobe Phase 3:• Komplett webbasiert
    • Auch mit anderen Gesundheitsberufen
    • Auch mit männlichen Krankenpflegern
    • Stärkere Berücksichtigung von ethnischer Diversität
  42. 42Nurses‘ Health Study ̶Ergebnisse Ernährung (Auswahl)• Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Brustkrebs.
    • Mediterrane Ernährung senkt das Risiko für KHK und
    Schlaganfall, Transfette und raffinierte Kohlenhydrate erhöhen
    das Risiko.
    • Hoher Konsum von rotem Fleisch und Wurstwaren erhöht das
    Risiko für Darmkrebs.
    • Hoher Konsum von Gemüse, vor allem grünem Blattgemüse,
    senkt das Risiko eines kognitiven Abbaus im Alter.
    • Übergewicht erhöht das Risiko für postmenopausalen
    Brustkrebs, Darmkrebs, KHK und Schlaganfall.
  43. 43Nurses‘ Health Study ̶andere Ergebnisse (Auswahl)• Rauchen erhöht das Risiko für KHK, Schlaganfall, Darmkrebs,
    Hüftfrakturen und verschiedene Augenerkrankungen.
    • Während der Einnahme der „Pille“ ist das Risiko für Brustkrebs
    und für KHK und Schlaganfall erhöht; nach dem Absetzen
    normalisiert sich das Risiko wieder.
    • Die Einnahme einer Hormonersatztherapie in der Menopause
    erhöht ab einer bestimmten Dauer das Brustkrebsrisiko.
    • Bewegung senkt das Risiko für Brust- und Darmkrebs,
    verbessert das Überleben nach Brustkrebs, senkt das Risiko für
    KHK, Schlaganfall, Hüftfrakturen und für kognitive
    Beeinträchtigungen.
  44. 44Probleme bei epidemiologischen Studien wie der Nurses‘ Health Study:• Enorm aufwändig und teuer
    • Basiert großteils auf Selbstauskünften der TeilnehmerInnen;
    Angaben daher nur bedingt verlässlich
    • TeilnehmerInnen gehen mit der Zeit „verloren“
    (fallen aus der Studie)
    • Wie weit können die Ergebnisse verallgemeinert werden?
    • Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge können nicht
    mit letzter Sicherheit festgestellt werden
  45. 45ConclusioHeutige Gesundheitsempfehlungen basieren zunehmend auf
    den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin, dh auf den
    Ergebnissen wissenschaftlicher Studien, deren Qualität nach
    definierten Maßstäben gesichert wird.
    Als Grundlage kommen, sofern bekannt, Ursache-WirkungsZusammenhänge (vgl. Pest) oder epidemiologisch gefundene
    statistische Zusammenhänge (vgl. Ernährung) in Frage.
    Der Stand der Forschung entwickelt sich in vielen Bereichen
    kontinuierlich weiter. In der Folge verändern sich auch
    Gesundheitsempfehlungen.
    Neben der Wissenschaft beeinflussen auch Politik, Wirtschaft und Medien die aktuellen Gesundheitsempfehlungen.
  46. 46Basisdaten: Österreichs Bevölkerung in den 2010er-Jahren (1)• 8,48 Millionen ÖsterreicherInnen
    • 2,35 Millionen Familien, davon 1,40 Millionen Familien
    (59,6%), in denen Kinder leben
    • 173.000 Ein-Eltern-Familien mit abhängigen Kindern <27
    Jahren bzw. 113.000 mit Kindern <15 Jahren (Mütter: 104.000;
    Väter: 9.000)
    • Mittleres Alter bei der 1. Heirat: 32,2 Jahre bei Männern,
    29,8 Jahre bei Frauen
    • 40,1% der Ehen werden wieder geschieden (Minimum: Kärnten
    35,2; Maximum: Wien 46,4)
  47. 47Basisdaten: Österreichs Bevölkerung in den 2010er-Jahren (2)• Bevölkerung wuchs 2013 um rund 0,66% (55.926 Personen);
    Zuwachs ist auf den positiven Wanderungssaldo zurückzuführen (Geburtenbilanz leicht negativ)
    • 16% der in Österreich lebenden Personen sind in einem
    anderen Land geboren, in Wien 31%
    • Die Gesamtfruchtbarkeitsrate pro Frau liegt mit 1,44
    (Spanne: 1,27-1,55) etwas unter dem EU-Durchschnitt mit
    1,55 (Maximum: Irland und Frankreich 2,01, Minimum:
    Portugal 1,28).
    • Mediane Lebenserwartung für 2013 Geborene: 78,5 Jahren
    für männliche und 83,6 Jahren für weiblichen Babys
    • 5,24 Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen
    20 und 65 Jahren stehen 3,24 Millionen Menschen <20 und
    >65 Jahren gegenüber
  48. 48TodesursachenDie häufigste Todesursache sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    (43%).
    Die zweithäufigste ist Krebs (25%).
  49. 49Chronische körperliche Erkrankungen• Krankheiten, die das Ergebnis eines längeren Prozesses
    degenerativer Veränderung sind; sowie
    • Krankheiten, die bleibende gesundheitliche Schäden oder
    Behinderung zur Folge haben
    Heilt eine Krankheit nicht aus oder kann ihre Ursache nicht
    beseitigt werden, kommt es zur Chronifizierung. Dabei können
    chronische Erkrankungen auch phasenhaft verlaufen, zB
    Rheumatoide Arthritis mit „Krankheitsschüben“.
  50. 50Chronische körperliche Erkrankungen (1)• Jede/r 3. ÖsterreicherIn gibt an, irgendwann einmal unter
    Wirbelsäulenbeschwerden gelitten zu haben (Männer 36%,
    Frauen: 39%). Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit
    des Auftretens dieses gesundheitlichen Problems an, unter
    den Über-75-Jährigen haben 47% der Männer und 52% der
    Frauen Wirbelsäulenbeschwerden.
    • Allergien (inkl. Asthma) sind ebenfalls relativ weit verbreitet:
    Jede fünfte Person ist davon betroffen, Frauen häufiger als
    Männer (24% bzw. 18%). Im Gegensatz zu anderen chronischen
    Krankheiten treten Allergien bei jungen Personen am
    häufigsten auf.
  51. 51Chronische körperliche Erkrankungen (2)• Große geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es im
    Auftreten von Migräne oder häufigen Kopfschmerzen. Jede
    vierte Frau, aber nur jeder neunte Mann leidet unter diesem
    Gesundheitsproblem (Frauen: 26%, Männer: 11%). Am
    häufigsten ist die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen
    betroffen (Frauen: 30%, Männer: 13%).
    • 6% der österreichischen Bevölkerung wissen, dass sie an
    Diabetes erkrankt sind, wobei die tatsächliche Prävalenz auf 8-
    9% geschätzt wird. Der Anteil der Betroffenen nimmt mit dem
    Alter zu, wobei auch schon Kinder erkranken können.
  52. 52Chronische körperliche Erkrankungen (3)• Ein Fünftel der Bevölkerung berichtet einen erhöhten
    Blutdruck (gehabt) zu haben (Männer: 20%, Frauen: 23%).
    • 13% der Männer und 20% der Frauen sind von Arthrose,
    Arthritis und Gelenksrheumatismus betroffen. Während im
    jungen Erwachsenenalter kaum Personen über diese Gruppe
    von Krankheiten klagen, ist es bei den 45- bis 59-Jährigen
    bereits jeder 5., bei den 60- bis 74-Jährigen jeder 3. und bei
    den über 75-Jährigen jeder 2. Mensch.
    • Eine Erkrankung, die vor allem bei Frauen im höheren Alter
    auftritt, ist Osteoporose: Jede 4. Frau über 60 leidet an dieser
    Erkrankung des Bewegungsapparates, aber nur rund 4% der
    Männer in dieser Altersgruppe sind davon betroffen.
  53. 53Psychische ErkrankungenEine Meta-Analyse ergab folgende 1-Jahres-Prävalenzen für Europa:
    • Angststörungen 14,0%
    • Affektive Störungen (Depression, Manie) insgesamt 7,8%
    • Somatoforme Störungen 6,3%
    • Alkoholabhängigkeit 3,4%
    • Anorexie 0,2-0,5%, Bulimie 0,1-0,9%
    • Nichtorganische Schlafstörungen 7,0%
    • Borderline-Persönlichkeitsst. 0,7%, Dissoziale Persönlichkeitsst. 0,6%
    • Demenzen 5,4%
    • ADHD 5,0%
    Insgesamt leiden jedes Jahr 27,4% der erwachsenen europäischen
    Bevölkerung am Vollbild einer psychischen Störung; das entspricht
    (unter Berücksichtigung der Komorbiditäten) 118 Mio. Menschen.
  54. 54Suizidalität• In Ö traditionell sehr hohe Suizidrate; in den letzten 30 Jahren aber
    kontinuierlich gesunken, derzeit bei 12,8 je 100.000 Einwohnern
    • In absoluten Zahlen bedeutet das, dass sich 2012 knapp 1.300
    Menschen das Leben nahmen. Zum Vergleich: 2012 starben 550
    Menschen durch Verkehrsunfälle.
    • Über alle Altersgruppen betrachtet, haben österreichische Männer
    ein >3x so hohes Suizidrisiko wie Frauen; in jüngeren Jahren und im
    hohen Alter ist dieses Verhältnis noch extremer.
    • Suizidrisiko steigt mit dem Alter bis in das hohe und höchste Alter:
    Suizidrisiko ab dem 85. Lebensjahr ist etwa 3x so hoch wie in der
    Durchschnittsbevölkerung
    • Zu Suizidversuchen liegen keine verlässlichen Zahlen vor, da sie oft
    nicht erkannt bzw. entsprechend dokumentiert werden. Internationalen Studien folgend, muss von 12.000-38.000 Suizidversuchen in
    Österreich pro Jahr ausgegangen werden.
    (2012)
  55. 55Alkoholkonsum• 5% der österreichischen Bevölkerung sind alkoholabhängig
    (7,5% der Männer, 2,5% der Frauen). Dazu kommen weitere
    11% der Männer und 8% der Frauen, die Alkoholmengen
    trinken, die längerfristig ein erhebliches Gesundheitsrisiko
    darstellen (Männer: 3/4l Wein oder 3/2l Bier; Frauen: 2/4l
    Wein oder 2/2l Bier). Insgesamt trinken 14% der Erwachsenen
    Alkohol in problematischem Ausmaß.
    • Fast die Hälfte der 15-jährigen Burschen und ein Drittel der 15-
    jährigen Mädchen haben schon Rauscherfahrungen.
  56. 56Prävalenz psychischer Störungen bei österreichischen Jugendlichen: Studie von Wagner et al. (2017)• Punktprävalenz für mind. 1 psychische Störung: 23,9%,
    Lebenszeitprävalenz: 35,8% (Angststörungen 15,6%;
    Störungen der neuronalen Entwicklung (zB Autismus) gesamt
    9,3%, davon ADHD 5,2%; depressive Störungen 6,2%)
    • 47% mit einer Lebenszeit-Diagnose haben Zweitdiagnose
    • Internalisierende Störungen häufiger bei Mädchen, bei
    Burschen häufiger Störungen der neuronalen Entwicklung
    sowie disruptive, Impulskontroll- und Verhaltensstörungen
    • 48% mit Lebenszeit-Diagnose hatten Kontakt mit „Mental
    Health Services“
    , weitere 18% hätten Interesse daran
  57. 57Was können wir selbst beitragen, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben?• Ernährung spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung vieler
    Krankheiten, zB Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte (nicht
    alle) Arten von Krebs, Diabetes…
    • Wichtig sind Quantität und Qualität, also wieviel und was wir
    essen
    • Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit
    können sein:
    – Direkt (zuviel oder zuwenig bestimmter Inhaltsstoffe),
    – Indirekt (zuviel essen → Übergewicht → Krankheitsrisiko)
    – Oder beides (zB Diabetes Typ II: Risiko ist durch falsche
    Ernährung auch bei Normalgewichtigen erhöht, aber
    Übergewicht steigert das Risiko nochmals)
  58. 58Österreichische Ernährungspyramide (BM f. Gesundheit, 2010)7 Ebenen
  59. 59Ebene 1: Fettes, Süßes und SalzigesMax. eine Portion süßer oder fetter Snacks pro Tag
    Besser Kräuter und Gewürze statt Salz verwenden, stark gesalzene
    Lebensmittel vermeiden
  60. 60Ebene 2: Fette und ÖleTäglich 1-2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen; Qualität
    vor Menge
    Hochwertige pflanzliche Öle sowie Nüsse und Samen enthalten
    wertvolle Fettsäuren und können daher in moderaten Mengen
    täglich konsumiert werden. Streich-, Back- und Bratfette wie
    Butter, Margarine oder Schmalz und fettreiche Milchprodukte wie
    Schlagobers, Sauerrahm, Crème Fraîche sparsam verwenden
  61. 61Ebene 3: Fisch, Fleisch, Wurst und EierPro Woche mind. 1-2 Portionen Fisch (je 150 g), bevorzugt fettreichen Seefisch (zB Makrele, Lachs, Thunfisch, Hering) oder
    heimischen Kaltwasserfisch (zB Saibling)
    Pro Woche max. 3 Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme
    Wurstwaren (300-450 g pro Woche). Rotes Fleisch (zB Rind,
    Schwein und Lamm) und Wurstwaren eher selten essen.
    Pro Woche max. 3 Eier (diese Empfehlung wird evtl. in der
    nächsten Zeit weniger strikt)
  62. 62Ebene 4: Milch und MilchprodukteTäglich 3 Portionen Milch und Milchprodukte, bevorzugt fettarme Varianten. 1 Portion entspricht: 200ml Milch , 180-250g
    Joghurt, 200g Topfen oder Hüttenkäse, 50-60g Käse. Optimal
    sind 2 Portionen „weiß" (zB Joghurt, Buttermilch, Hüttenkäse)
    und 1 Portion „gelb" (Käse)
  63. 63Ebene 5: Getreide und ErdäpfelTäglich 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel
    (5 Portionen für sportlich Aktive und Kinder). 1 Portion entspricht:
    50-70g Brot/Gebäck, 50-60g Müsli/ Getreideflocken, 200-250g
    Teigwaren (gekocht), 150-180g Reis/Getreide (gekocht), 3-4
    mittelgroßeErdäpfel; bevorzugt Produkte aus Vollkorn
  64. 64Ebene 6: Gemüse, Hülsenfrüchte und ObstTäglich 5 Portionen Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst; ideal sind
    3 Portionen Gemüse/Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst.
    1 Portion entspricht: 200-300g Gemüse (gegart), 100-200g
    Rohkost, 75-100g Salat, 150-200g Hülsenfrüchte (gekocht),
    125-150g Obst, 200 ml Gemüse- oder Obstsaft.
    Faustregel: Eine geballte Faust entspricht einer Portion Obst,
    Gemüse oder Hülsenfrüchte. Gemüse zum Teil roh essen, das
    saisonale und regionale Angebot beachten
  65. 65Ebene 7: Alkoholfreie GetränkeTäglich mind. 1,5 Liter Flüssigkeit, bevorzugt energiearme
    Getränke: Wasser, Mineralwasser, ungezuckerte Früchte- oder
    Kräutertees, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte
    Gegen den täglichen moderaten Konsum von Kaffee/ Schwarztee
    (3-4 Tassen) und anderen koffeinhaltigen Getränken ist nichts
    einzuwenden
  66. 66Übergewicht bzw. Adipositas erhöhen das Risiko für:• Arteriosklerose
    • Bluthochdruck
    • Erhöhten Cholesterin-Spiegel
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Diabetes mellitus Typ II
    • Brust-, Dickdarm-, Gebärmutter- und Nierenkrebs
    • Gicht
    • Gallensteine
    • Schlaf-Apnoe-Syndrom
    • Gelenkserkrankungen, zB Arthrosen
  67. 67Wann erkranken Übergewichtige?Nicht jede/r Übergewichtige wird krank.
    Das Krankheitsrisiko steigt mit Höhe und Dauer des Übergewichts.
    Die Körperform („Apfel-/Birnentyp“) hat ebenfalls Einfluss.
  68. 68Das Adipositas-ParadoxonMehrere Meta-Analysen
    zeigen, dass leichtes Übergewicht (BMI 25-30) zwar das
    Krankheitsrisiko insgesamt erhöht, aber die Sterblichkeit
    etwas verringert. Starkes Übergewicht (Adipositas,
    BMI >30) erhöht sowohl das Krankheitsrisiko als auch
    die Mortalität.
    Gründe: nicht eindeutig geklärt
  69. 69Trinken• Zu geringe oder zu hohe Flüssigkeitsaufnahme spielt de facto in
    der gesunden Allgemeinbevölkerung keine große Rolle in der
    Krankheitsentstehung (Ausnahmen: Säuglinge und Kleinkinder
    zB bei Fieber, Menschen mit bestehender Vorerkrankung der
    Nieren oder Neigung zu Blasenentzündung)
    • Berichtet wird von besserem subjektiven Wohlbefinden,
    höherer Leistungsfähigkeit
    • Ausnahme: Im hohen Alter lässt bei vielen Personen das
    Durstgefühl nach; zu geringe Flüssigkeitszufuhr erhöht das
    Risiko für Verwirrtheitszustände (Delir) erheblich!
  70. 70Akute Räusche (Alkohol)sind mit Gefahren wie Ersticken, Erfrieren
    verbunden
  71. 71Langfristiger Alkoholkonsum in hohen Mengen:• Führt zu Alkoholabhängigkeit
    • Ist mit erhöhtem Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht,
    Schädigungen von Organen wie der Leber oder Bauchspeicheldrüse, Beeinträchtigungen der Potenz verbunden
    • Erhöht das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen (wie
    Mund-, Rachen-, Speiseröhren- oder Brustkrebs
  72. 72Extremer und chronischer Alkoholkonsum:kann zu schweren
    Schädigungen des Gehirns führen, bis hin zu Delir, Demenz,
    Persönlichkeitsveränderungen etc
  73. 73AlkoholOb bzw. in welcher Form mäßig genossener Alkohol positive
    Wirkungen auf die Gesundheit hat, ist umstritten; es gibt zB
    Hinweise auf einen günstigen Effekt bestimmter Inhaltsstoffe
    (Resveratrol…) von Rotwein auf die Blutgefäße.
    Jedenfalls ist Alkohol besonders dann schädlich, wenn er extrem
    und/oder chronisch konsumiert wird.
    Während einer Schwangerschaft sind auch geringe Alkoholmengen mit einem Risiko für Fehlbildungen des Kindes
    verbunden (FASD = Fetal Alcohol Spectrum Disorders)!
  74. 74Rauchen & KrebsRund ein Viertel aller Krebstodesfälle sind auf die Folgen des
    Rauchens zurückzuführen. RaucherInnen haben ein doppelt so
    hohes Krebsrisiko wie NichtraucherInnen. Rauchen ist der
    wichtigste vermeidbare Risikofaktor der Krebsentstehung. Das
    Krebsrisiko ist umso höher, je früher man mit dem Rauchen
    beginnt, je mehr Zigaretten man täglich konsumiert und je
    länger man raucht.
    Lungenkrebs ist bei RaucherInnen die häufigste Krebserkrankung. Rauchen erhöht auch das Risiko für Krebserkrankungen
    der Bronchien, des Kehlkopfs, des Mund-, Nasen- und Rachenraums, der Speiseröhre, der Leber, der Bauchspeicheldrüse,
    der Nieren, des Blutes, der Harnblase, der Brust sowie des
    Gebärmutterhalses.
  75. 75Rauchen & andere Erkrankungen• Rauchen ist eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen für
    die Entstehung von Arteriosklerose. Diese kann zu einem
    Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer peripheren arteriellen
    Verschlusskrankheit (zB Raucherbein) führen.
    • Rauchen ist die häufigste Ursache für COPD (chronisch
    obstruktive Lungenerkrankung). 90% der an COPD
    erkrankten Personen sind (Ex-)RaucherInnen.
    • Die Haut altert bei RaucherInnen vorzeitig. Rauchen
    begünstigt Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Akne.
    • Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, haben
    ein erhöhtes Risiko für Komplikationen; weiters bestehen
    Risiken für das Kind, zB für ein niedriges Geburtsgewicht.
    • Rauchen erhöht das Risiko für Zahnerkrankungen.
    • Rauchen ist ein Risikofaktor für Erektionsprobleme (Männer)
    und Fruchtbarkeitsstörungen (Männer und Frauen).
  76. 76NichtrauchenNichtrauchen ist eine der effektivsten
    Verhaltensweisen, um die eigene Gesundheit
    zu erhalten.
  77. 77Ein Rauchstopp hat folgende Wirkungen:• Nach 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck auf normale Werte.
    • Nach acht Stunden sinkt der Kohlenmonoxidspiegel im Blut, und
    die Sauerstoffwerte im Blut normalisieren sich.
    • Nach zwei Tagen ist der Körper frei von Nikotin, Geschmacks- und
    Geruchssinn verbessern sich.
    • Nach drei Tagen kann man besser atmen.
    • Nach zwei Wochen bis drei Monaten verbessert sich der Kreislauf.
    • Nach ein bis neun Monaten gehen Hustenanfälle und Kurzatmigkeit
    zurück, und die normale Lungenfunktion ist wieder erreicht.
    • Nach einem Jahr ist das Risiko eines Herzinfarkts nur noch halb so
    groß wie bei einer Raucherin/einem Raucher.
    • Nach zehn Jahren ist das Lungenkrebsrisiko nur noch halb so groß
    wie wie bei einer Raucherin/einem Raucher
  78. 78Gesundheitlicher Nutzen ausreichender körperlicher Bewegung:• Körpergewicht sinkt (bei gleichbleibender Ernährung)
    • Herz-Kreislauf-System wird leistungsfähiger
    • Blutdruck sinkt
    • Fettstoffwechsel verbessert sich
    • Zuckerstoffwechsel verbessert sich
    • Muskelkraft verbessert sich
    • Knochendichte nimmt zu
    • Stützfunktion, Stabilität verbessert sich
    • Beweglichkeit, Belastbarkeit der Gelenke nimmt zu
    • Immunabwehr verbessert sich
    • Gehirnfunktionen verbessern sich
    • Psyche: antidepressive Wirkung
  79. 79Bewegung senkt das Risiko für viele weitverbreitete Erkrankungen sowie Verletzungen:• Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Schlaganfall
    • Übergewicht und Fettleibigkeit
    • Diabetes Typ II
    • Krebs (vor allem Darm-, Lungen-, Brust-, Prostatakrebs)
    • Depression
    • Demenz
    • Infektionserkrankungen
    • Hüftfrakturen
    • Stürze
  80. 80Optimale Wirkung (Bewegung)Auch bei Bewegung hängt die optimale Wirkung von der Dosis ab,
    Überdosierung schadet auch beim Sport, zB der Herzgesundheit.
  81. 81Prävention psychischer Störungen:Günstige Verhaltensweisen
    wurden bisher fast ausschließlich im Rahmen von Interventionsstudien erforscht (zB angeleitete Trainingskurse), nicht im Sinn
    von Selbstanwendung
  82. 82Was wirkt (auf individueller Ebene)?• Förderung von Resilienz
    • Förderung der Stressverarbeitungskompetenz
    • Förderung der Konfliktlösefähigkeiten
    • Förderung von Selbstfürsorge
    • Förderung von Selbstwirksamkeit
    • Stärkung des sozialen Netzes
    • Früherkennung von erhöhtem Risiko, gezielte Hilfe
    (zB Suizidprophylaxe, Healthy Aging)
  83. 83Allgemein bekannte Faktoren, die für die psychische Verfassung förderlich sind: zB• Soziale Unterstützung/Integration
    • Als sinnhaft erlebte Tätigkeiten
    • Balance zwischen „Sollen“ und „Wollen“
    • Ausreichend Bewegung
  84. 84Mögliche Zusammenhänge Ernährung/Darmflora/Psyche:• Veränderte Darmflora bei Posttraumatischer Belastungsstörung,
    Depression, Angststörungen
    • Unter Stress kann Vielfalt nützlicher Darmbakterien reduziert sein;
    Darmschleimhaut wird durchlässiger, mehr Antigene gelangen
    hindurch; Immunzellen schlagen Alarm, rufen Entzündungsreaktionen hervor; entzündungsfördernde Zytokine werden produziert;
    diese wirken auch auf das Gehirn
    • Im Darm erfolgtauch großer Teil der Serotoninproduktion
  85. 85Warum ist es für viele Menschen so schwierig, sich gesundheitsförderlich zu verhalten?Ein Hauptproblem besteht darin, dass die Belohnung
    für das Verhalten nicht unmittelbar eintritt 
    Gratifikationsaufschub!
  86. 86Das Marshmallow-ExperimentIn den 1960er-Jahren entwickelte W. Mischel ein Experiment, um
    die Fähigkeit von 4-5jährigen Kindern zum Belohnungsaufschub
    zu untersuchen. Die Kinder bekamen ein Marshmallow und
    konnten sich entscheiden: Entweder sie aßen es gleich, oder sie
    warteten 15 Minuten und bekamen ein zweites dazu.
    Diejenigen Kinder, die lange warten konnten, waren
    10 Jahre später im Durchschnitt schulisch erfolgreicher, konnten
    besser mit Frustrationen umgehen, waren selbstbewusster etc.
    20 Jahre später hatten sie eine bessere Ausbildung, stabilere
    Beziehungen, nahmen seltener Drogen, waren seltener
    übergewichtig etc.
  87. 87Neuropsychologische Grundlage (des Marshmellow Experiments)Das Limbische System ist Sitz
    von Emotionen und instinktiven Reaktionen („Hot System“); auf
    einen Appetitreiz reagiert es mit dem Impuls zu essen. Der
    Präfrontale Cortex ist Sitz der Imagination, der Impulskontrolle
    und der Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen („Cool System“) –
    der Impuls zu essen kann zurückgehalten werden, indem der
    Präfrontale Cortex das Limbische System „überstimmt“.
    Die Fähigkeit zum Gratifikationsaufschub ist trainierbar!
    Die Selbstkontrolle kann durch eine Vielzahl von Strategien
    verbessert werden.
  88. 88Verhalten vs. anderen FaktorenZusammenfassend kann man sagen, dass unser Verhalten unsere
    Gesundheit in vielerlei Hinsicht beeinflusst.
  89. 89Sind wir also alles in allem allein für unsere Gesundheit verantwortlich?Nein!
  90. 90Einfluss auf die Gesundheit haben neben unserem Gesundheitsverhalten auch:• Soziale Beziehungen, sozialer Status
    • Medizinische Versorgung, Hygiene
    • Sozioökonomische Faktoren: existenzielle Sicherheit,
    Armut/Reichtum, Ausprägung der sozialen und ökonomischen
    Ungleichheit
    • Schwierige frühe Kindheit (Auswirkung auf Stressverarbeitung)
    • Und anderes mehr
  91. 91Europäischer Kodex zur Krebsbekämpfung1. Rauchen Sie nicht. Wenn Ihnen dies nicht gelingt, rauchen Sie
    nicht in Anwesenheit von Nichtrauchern, vor allem Kindern.
    2. Vermeiden Sie Übergewicht.
    3. Bewegen Sie sich täglich.
    4. Essen Sie mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse pro
    Tag. Essen Sie wenig tierisches Fett.
    5. Beschränken Sie Ihren Alkoholkonsum auf maximal
    2 Gläser/Tag als Mann bzw. auf 1 Glas/Tag als Frau.
    6. Vermeiden Sie übermäßige Sonnenbestrahlung. Besonders
    Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden.
    7. Halten Sie genauestens Vorschriften ein, die Sie vor einer
    Exposition gegenüber bekannten krebserregenden Stoffen
    schützen sollen.
  92. 92Gesundheitsverhalten:Verhaltensweisen, die (nach dem
    Stand der Forschung) die körperlichen, psychischen,
    sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Dimensionen
    der Gesundheit einer Person direkt oder indirekt fördern
    bzw. aufrechterhalten und Krankheiten vorbeugen –
    unabhängig von der Motivation der Person sowie davon,
    ob diese bewusst, unbewusst oder automatisiert ablaufen;
    auch Reduktion bzw. Modifikation von gesundheitsbeeinträchtigenden Verhaltensweisen1
    zB körperliche Aktivität, Ernährung, Teilnahme an
    Früherkennungsuntersuchungen, Rauchstopp…
  93. 93Risikoverhalten:Verhaltensweisen, die kurz-, mitteloder langfristig die Gesundheit einer Person gefährden
    oder beeinträchtigen bzw. das Entstehen von Krankheiten fördern – direkt oder indirekt, bewusst oder
    unbewusst, intendiert oder nicht intendiert; auch
    Unterlassen von gesundheitsförderlichem Verhalten1
    zB Alkohol- und Drogenmissbrauch, suboptimaler
    Umgang mit Diabetes…
  94. 94Modelle des Gesundheitsverhaltens• Kontinuierliche Modelle: Person befindet sich auf
    Kontinuum der Verhaltenswahrscheinlichkeit;
    Wahrscheinlichkeit zu handeln hängt von Ausprägung
    bestimmter kognitiver bzw. affektiver Variablen ab
    • Dynamische Stadienmodelle: Person durchläuft
    während Verhaltensänderung verschiedene Stadien,
    die sich qualitativ unterscheiden
  95. 95• Kontinuierliche Modelle:Health-Belief-Modell (Rosenstock, 1966 etc)
    Sozial-kognitive Theorie (Bandura, 1977, 1986)
    Theory of Planned Behavior (Ajzen, 1985)
    Volitionale Modelle
  96. 96• Dynamische Stadienmodelle:Transtheoretisches Modell der Verhaltensänderung
    (TTM, Prochaska & DiClemente, 1983)
    Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (HAPA,
    Schwarzer, 1992)
  97. 97Kontinuierliche Modelle des Gesundheitsverhaltens Grundannahme:Kognitionen von zentraler Bedeutung,
    ob sich Individuum gesundheitsförderlich verhält oder
    nicht; Gesundheitsverhalten wird speziell von folgenden
    Faktoren beeinflusst:
    1. Erlebte Bedrohung durch eine Krankheit
    a) Subjektive Vulnerabilität
    b) Schweregrad einer Erkrankung/antizipierte Folgen
    2. Wahrgenommenen Wirksamkeit der gesundheitsförderlichen Verhaltensweise
    a) Subjektiver Nutzen
    b) Subjektive Kosten
    Revidiertes Modell1
    :
    3. Gesundheitsmotivation: Bereitschaft, sich um
    gesundheitliche Fragen zu kümmern
    Modifizierende Faktoren: soziodemographische
    Variablen, Persönlichkeitsvariablen und handlungsaktivierende Variablen (zB Gesundheitskampagnen,
    Wahrnehmung von Krankheitssymptomen)
  98. 98Voraussetzung für realistische Einschätzungen:adäquate
    Vorinformationen
    Günstig: Erfahrungen mit Gesundheitsverhalten (zB
    Sport wird bei regelmäßiger Ausübung positiv erlebt)
  99. 99Forschungsergebnisse (Health-Belief-Modell)Erlebte Bedrohung und
    wahrgenommene Wirksamkeit haben keinen hohen
    Vorhersagewert für Gesundheitsverhalten (zB erzeugt
    subjektive Vulnerabilität Angst, und zwischen Angst und
    Handlungswahrscheinlichkeit besteht ein U-förmiger
    Zusammenhang)
  100. 100Forschungsergebnisse zur subjektiven RisikoeinschätzungZB „optimistischer Fehlschluss“: In >100 Studien wurde
    gezeigt, dass Menschen ihr eigenes Erkrankungsrisiko
    geringer einschätzen als jenes vergleichbarer (!)
    Mitmenschen
  101. 101Sozial-Kognitive-Theorie (Grundannahme)Kognitive, motivationale, emotionale
    und aktionale Prozesse werden durch subjektive
    Erwartungen gesteuert, vor allem durch Selbstwirksamkeits- und Handlungsergebniserwartungen
    Handlungsergebniserwartungen: Welche positiven und
    negativen Konsequenzen würden die verschiedenen
    Handlungsalternativen haben?
    Selbstwirksamkeit(serwartungen): Glaube ich, dass ich
    es schaffen werde, ein Verhalten tatsächlich
    umzusetzen?
  102. 102Studienergebnisse: Personen mit höherer Selbstwirksamkeit …… setzen sich höhere Ziele.
    … beginnen Handlungen schneller.
    … strengen sich mehr an.
    … geben nicht so schnell auf.
    … erholen sich schneller von Rückschlägen.
    Selbstwirksamkeit ist in diesem Modell bereichsspezifisch!
  103. 103Wie kann Selbstwirksamkeit gefördert werden?1. Erfahrung, dass eine Handlung erfolgreich ausgeführt wurde (und die Ursache für den Erfolg in der
    eigenen Person gesehen wird)
    2. Stellvertretende Erfahrung anhand eines „Modells“
    3. Symbolische Erfahrung (Stärkung durch das
    Vertrauen anderer)
    4. Emotionale Erregung kann die Selbstwirksamkeitserwartung senken
  104. 104Theory of Planned Behavior (TPB)Die TPB entstammt der Sozialpsychologie und ist eine
    Erweiterung der Theory of Reasoned Action/Theorie der
    Handlungsveranlassung (Fishbein & Ajzen, 1975), die
    den Zusammenhang zwischen Einstellung und Handlung
    untersuchte und als Zwischenglied die Intention
    postulierte.
    Intention: bewusste Entscheidung einer Person, ein
    bestimmtes Verhalten auszuführen oder ein bestimmtes
    Ziel zu erreichen; gemäß der Theorie bester Prädiktor
    des Verhaltens
  105. 105Die Intention ist von 3 Faktoren abhängig:• Von der Einstellung gegenüber dem Verhalten,
    dh seine affektiv getönte Bewertung
    • Von den sozialen Normen (Erwartung, wie
    nahestehende Personen das geplante Verhalten der
    Person bewerten würden)
    • Von der wahrgenommene Verhaltenskontrolle
    (Erwartung, wie einfach oder schwierig die
    Ausführung des geplanten Verhaltens wird)
  106. 106Beispielfragen (nach dem Schulnotenprinzip zu beantworten) - TBP• Einstellung: Regelmäßig Sport zu betreiben ist für
    mich (1) angenehm bis (5) unangenehm.
    • Soziale Normen: Mein Partner findet, dass ich (1)
    unbedingt bis (5) keinesfalls regelmäßig Sport
    betreiben sollte.
    • Wahrgenommene Verhaltenskontrolle: Regelmäßig
    Sport zu betreiben ist für mich (1) sehr gut möglich
    bis (5) völlig unmöglich.
  107. 107Forschungsergebnisse: (TPB)• Die sozialen Normen haben meist den geringsten
    Effekt (weil sie zu allgemein erfasst werden?)
    • In vielen Studien zu verschiedenen Gesundheitsbereichen gelang Vorhersage der Intention gut, die
    Vorhersage des Verhaltens deutlich schlechter.
  108. 108Die Intentions-Verhaltens-Lücke (Problem)Die Intention kann das tatsächliche Gesundheitsverhalten nur zu 20-30% erklären.
  109. 109 Es muss einen Zwischenschritt zwischen Intention und Handlung geben! Unterscheidung zwischen:Motivation = Prozess der Bildung einer Intention
    Volition = Prozess der Umsetzung der Intention
    in konkretes Handeln
    Es reicht daher auch nicht aus, Menschen zu motivieren
    – man muss sie auch in der Umsetzung unterstützen!
  110. 110Volitionale ModelleMehrere Modelle, die sich spezifisch mit der Umsetzung
    von Intention in Handlung befassen
    Wichtige Faktoren dabei sind zB:
    Handlungs- oder Ausführungsplanung (zB „Um mehr
    Obst zu essen, werde ich jeden Tag im Büro am
    Vormittag einen Apfel essen.“)
    Bewältigungsplanung („Welche Schwierigkeiten könnte
    ich dabei haben? Wie kann ich damit umgehen?“)
  111. 111Dynamische Stadienmodelle des GesundheitsverhaltensTranstheoretisches Modell (TTM)
    Prozessmodell gesundheitlichen Handelns
  112. 112Das Transtheoretisches Modell (TTM) postuliert 6 Stufen der Verhaltensänderung:1. Präkontemplation: In den nächsten 6 Monaten werde ich
    mein Verhalten sicher nicht ändern.
    2. Kontemplation: Hm, also noch nicht nächsten Monat… aber
    ich denke schon darüber nach, mein Verhalten zu ändern.
    Was hätte das für Vorteile und Nachteile?
    3. Vorbereitung: Jetzt geh‘ ich‘s an!
    4. Handlung: Ich habe mein Verhalten vor kurzem geändert.
    5. Aufrechterhaltung: Ich übe seit 6 Monaten mein neues
    Verhalten aus und will auch weiter nicht rückfällig werden.
    6. Stabilisierung: Jetzt ist es schon 5 Jahre her, dass ich mein
    Verhalten geändert habe! Ich werde sicher nicht mehr
    rückfällig.
  113. 113Was bedeuten spiralförmiger Prozess und ",mindsets" beim TTM?Ursprünglich war der Veränderungsprozess linear konzipiert; da häufig Rückfälle auftreten, sieht das TTM nun
    einen spiralförmigen Prozess vor.
    In den verschiedenen Stadien treten typische
    „mindsets“ auf; Variablen wie Selbstwirksamkeit und
    Handlungsergebniserwartung sind jeweils unterschiedlich relevant
  114. 114Weiters werden je 5 kognitiv-affektive und 5 verhaltensorientierte Prozesse der Verhaltensänderung definiert, die sich jeweils für bestimm-te Stadien besonders eignen (TTM)zB „Bewusstseinserhöhung“: Wahrnehmung von Ursachen,
    Konsequenzen und möglichen Lösungswegen erhöhen
    zB „Gegenkonditionierung“: Problemverhalten durch
    alternatives Verhalten ersetzen
     Interventionen können abgeleitet werden!
  115. 115Forschungsergebnisse (TTM)Vor allem das Auftreten verschiedener Prozesse in
    unterschiedlichen Stadien wurde untersucht; die
    Stadieneinteilung passt zB besser bei der Raucherentwöhnung als bei körperlicher Aktivität
  116. 116Kritik TTMunter anderem willkürliche Setzung der Zeitkriterien, Zuordnung von Personen zu den Stadien nicht
    immer eindeutig möglich
  117. 117Prozessmodell gesundheitlichen Handelns Health Action Process Approach (HAPA)„Hybridmodell“ – teils kontinuierlich, teils an Stadien
    orientiert
    Ausgangspunkt ist die Risikowahrnehmung, die unter
    Einbeziehung von Handlungsergebniserwartungen und
    Selbstwirksamkeit die Intention beeinflusst. Über die
    Phase der Handlungs- und Bewältigungsplanung kommt
    es zur Handlung. Dabei wird zwischen motivationaler
    und volitionaler Phase unterschieden.
  118. 118Prozessmodell gesundheitlichen Handelns ForschungsergebnisseAus dem Modell abgeleitete,
    spezifische Vorhersagen konnten in einigen Studien
    bestätigt werden.
  119. 119Prozessmodell gesundheitlichen Handelns KritikDas Modell überwindet zwar die Problematik der
    Intentions-Verhaltens-Lücke der kontinuierlichen
    Modelle. Für manche Bereiche sind aber Modelle mit
    mehr Phasen der Veränderung besser geeignet.
  120. 120Definition: RückfallRückfall = Rückkehr zum Risikoverhalten
    a) Vorübergehend oder
    b) Dauerhaft
  121. 121Rückfallforschungstammt ursprünglich von Suchtforschung ab (vor allem über Alkoholabhängigkeit), in
    der Gesundheitspsychologie wird die Thematik aber in
    Bezug auf alle Risikoverhaltensweisen untersucht.
    Zentrale Frage: Wie gehen Menschen mit Versuchungen
    und Ausrutschern um?
  122. 122Sucht & RückfallVorstellungen über Rückfälle hängen von Vorstellungen
    über Sucht ab:
    1. Modell der Sucht als moralisches Defizit
    2. Modell der Sucht als Krankheit
    3. Sozial-kognitive Perspektive: Selbstkontrollmodell
    der Sucht
  123. 123Modell der Sucht als moralisches Defizit• Sucht entsteht durch Willens- und Charakterschwäche
    • Rückfall durch diese Schwäche bedingt
    • Rückfallprophylaxe durch moralische Stärkung (??)
  124. 1242. Modell der Sucht als Krankheit• Sucht ist auf genetische Faktoren zurückzuführen,
    Abhängigkeit ist körperlich bedingt
    • Rückfall liegt nicht in der Kontrolle der Betroffenen
    • Rückfallprophylaxe nur durch völlige Abstinenz möglich
    • Wird zB von den „Anonymen Alkoholikern“ vertreten:
    Heilung ist unmöglich, man ist lebenslang Alkoholiker;
    Rückfall: ein Schluck Alkohol = Krankheit ist wieder voll
    ausgebrochen
  125. 125Kritik am Modell der Sucht als Krankheit:• Es gibt nur „abstinent“ oder „rückfällig“.
    • Rückfall wird als Ausdruck des Scheiterns, des Versagens
    von Patient/in, Therapeut/in und Behandlung erlebt
    • Wenn Rückfall als unkontrollierbar gesehen wird, steigt
    die Wahrscheinlichkeit des Weitertrinkens
  126. 126 Abstinenz-Verletzungs-EffektNach dem ersten Schluck
    entstehen Schuldgefühle; die Gründe für den Rückfall
    werden ungünstig attribuiert („Ich bin zu willensschwach,
    um trocken zu bleiben“). Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen schwerwiegenden oder dauerhaften Rückfall.
  127. 1273. Sozial-kognitive Perspektive: Selbstkontrollmodell der Sucht• Sucht ist erworbenes Gewohnheitsmuster und kann
    wieder verlernt werden
    • Suchtverhalten oft in Stressituationen
    • Angenehme Konsequenzen des Verhaltens folgen
    unmittelbar, unangenehme erst viel später, erhöhen
    aber den Stresslevel
    • Sucht kann somit als fehlangepasste Stressbewältigungsstrategie verstanden werden• Am Erwerb günstiger wie ungünstiger Verhaltensweisen sind verschiedene Faktoren beteiligt, viele
    davon stehen nicht unter der Kontrolle des
    Individuums
    • Die Beendigung des ungünstigen Verhaltens liegt aber
    in der Verantwortung des Betroffenen (der sich dazu
    auch Hilfe suchen kann)
    • Bei der Beendigung gibt es drei Phasen: Motivation
    (bis zur Bildung einer Intention), Handlung (Ändern
    des Verhaltens) und Aufrechterhaltung• Beim Prozess des Verlernens kann es zu Ausrutschern
    kommen, dh Fehlern, die normaler Teil des Veränderungsprozesses sind
    • Aus solchen Fehlern kann gelernt werden
    • Als „Rückfall“ gilt erst eine dauerhafte Rückkehr zum
    süchtigen Verhalten
    • „Kontrolliertes Trinken“ ist ebenso ein Erfolg wie
    Abstinenz
  128. 128Marlatt (1996; Marlatt & Gordon, 1985) entwickelte auf dieser Basis das sozial-kognitive Modell des Rückfallprozesses• Sucht ist gelerntes Verhalten und kann durch einen
    Prozess wieder verlernt werden
    • Zentrale Rolle spielen Hochrisikosituationen
    • Bedingungen, die Hochrisikosituationen begünstigen,
    können individuell identifiziert werden
    • Es gibt Strategien, welche die Wahrscheinlichkeit von
    Rückfällen reduzieren
    • Kann auf alle Suchtformen angewandt werden
  129. 1294 Kategorien von typischen Hochrisikosituationen:1. Negative emotionale Zustände, zB Angst, Ärger,
    Frustration, Langeweile
    2. Negative soziale Situationen, zB Konflikte, Einsamkeit
    3. Sozialer Druck, zB durch die süchtige Peer group
    4. Verschiedenes: Positive emotionale Zustände,
    alkoholbezogene Reize, unspezifisches Verlangen,
    Testen der eigenen Willensstärke
    Auf 1.-3. folgen ca. ¾ aller Rückfälle; besonders häufiger
    Anlass: negative emotionale Zustände
  130. 130Hochrisikosituationen haben verdeckte Vorbedingungen wie etwa:• Scheinbar irrelevante Entscheidungen (zB Alkohol
    kaufen, weil Freunde kommen könnten)
    • Lebensstilfaktoren (zB unausgewogener Anteil von
    Wollen und Sollen im Leben)
  131. 131Kommt es zu einem Ausrutscher, ist die Attribuierung (Ursachenzuschreibung) entscheidend:• internal - external
    • stabil - variabel
    • global - spezifisch
    Besonders ungünstig: internal, stabil und global
    Besonders günstig: external, variabel und spezifisch
    Durch die Attribuierung wird das Risiko beeinflusst,
    ob auf den Ausrutscher ein Rückfall folgt.
  132. 132Interventionsstrategien und Programme zur Rückfallprävention:1. Balance des Lebensstils
    2. Maßnahmen zur Identifizierung von Rückfallrisiken
    3. Maßnahmen zur Verbesserung der Bewältigungskompetenz
    4. Maßnahmen zur Veränderung rückfallbezogener
    Kognitionen (zB Attributionen)
  133. 133GesundheitserziehungSeit 19. Jhdt. bis heute, Informationsvermittlung in der Schule, zB über Hygiene; Themen
    der öffentlichen Gesundheit
  134. 134Gesundheitsinformation/ GesundheitsaufklärungSeit Beginn 20. Jhdt. bis heute, Information über die schädlichen Folgen
    von Risikoverhalten (Prävention)
  135. 135Gesundheitsberatung– individuell zugeschnittene Info wird in
    Beratungsgespräch vermittelt (Prävention)
  136. 136GesundheitsförderungDerzeit favorisiertes Modell, Förderung der Gesundheit unter aktiver Einbeziehung der
    jeweiligen Zielgruppe und Berücksichtigung ihrer Lebensumstände
    und -bedingungen; zielt auf die Stärkung der gesundheitlichen
    Entfaltungsmöglichkeiten; einbezogen werden ökonomische,
    kulturelle, soziale, bildungsbezogene und hygienische Aspekte
  137. 137Gesundheitsförderung - Definition (WHO, 1986; „Ottawa-Charta“):Gesundheitsförderung ist ein Prozess, der Menschen dazu in die
    Lage versetzen soll, mehr Einfluss auf ihren Gesundheitszustand
    zu entwickeln und ihre Gesundheit aktiv zu verbessern. Ziel ist die
    Erreichung eines Zustandes vollständigen körperlichen, geistigen
    und sozialen Wohlbefindens, der dadurch erreicht werden soll,
    dass Individuen und Gruppen unterstützt werden, eigene
    Wünsche wahrzunehmen und zu realisieren, Bedürfnisse zu
    befriedigen, sowie die Umgebung zu verändern oder sich an diese
    anzupassen.
    Gesundheit ist ein positives Konzept, das sowohl soziale und
    individuelle Ressourcen als auch körperliche Fähigkeiten betont.
    Aus diesem Grund ist Gesundheitsförderung nicht nur im
    Kompetenzbereich des Gesundheitssektors anzusiedeln, sondern
    Gesundheitsförderung geht weiter als ein gesunder Lebensstil
    zum Wohlbefinden.
  138. 138Wo finden Gesundheitsförderung und andere gesundheitsbezogene Interventionen heute statt?• HausärztInnen
    • Arbeitsplatz
    • Schulen und Kindergärten
    • Gesundheitssystem
    • Öffentlicher Raum: Gemeindebasierte Interventionen,
    Kampagnen
    • Forschungsprojekte
  139. 139Forschungsschwerpunkt an der Universität Wien - GesundheitsförderungGesundheitsförderung für Menschen mit intellektueller
    Behinderung (G. Weber)
    • Menschen mit IB weisen spezielle Gesundheitsrisiken
    auf (Ernährung, Bewegung…)
    • Modelle des Gesundheitsverhaltens sind oft nicht
    anwendbar, da zB zu komplex
    • Eigenes Modell und eigene Interventionsformen
    müssen entwickelt werden
  140. 140Wie kann man aus Theorien zum Gesundheitsverhalten konkrete gesundheitspsychologische Interventionen ableiten?Beispiel für Intervention ohne Theoriebezug
    Bsp. „Grim Reaper“: Australischer TV-Spot im Rahmen
    einer HIV-Präventionskampagne (1987)
    http://www.youtube.com/watch?v=U219eUIZ7Qo
    Forschungsergebnis: Erlebte Bedrohung hat keinen
    hohen Vorhersagewert für Gesundheitsverhalten
  141. 141Kritik Interventionen ohne TheoriebezugProbleme bei der
    Beantwortung folgender Fragen:
    • Wirken sie?
    • Warum (nicht)?
    • Wenn ja, wie genau?
    • Wenn ja, warum auf wen wie stark?
    • Etc
  142. 142Theoriebasierte InterventionBeispiel1
    : Förderung der Selbstuntersuchung der Brust zur
    Früherkennung von Brustkrebs
    Theoretische Basis: Prozessmodell gesundheitlichen
    Handelns (Schwarzer, 1992)
    Ziel: Erhöhung der Selbstwirksamkeit durch Handlungserfolg
    Methoden: Film vs Ausprobieren am Silikonmodell
    Ergebnis: Häufigkeit der Selbstuntersuchung wurde durch
    Ausprobieren erhöht
  143. 143Gesundheitspsychologische Interventionen in der Praxis am Beispiel Krankenhaus(Fiktives) Beispiel: „Familie Mayer“
    Vater: Peter Mayer, 41 Jahre, Elektriker
    Mutter: Sonja Mayer, 42 Jahre, Buchhalterin
    Tochter: Hanna, 13 Jahre
    Sohn: Moritz, 9 Jahre
    Frau Mayer tastet einen Knoten in ihrer Brust. Durch
    verschiedene Untersuchungen wird Brustkrebs festgestellt.
    Es wird ihr empfohlen, sich mit einer Operation, einer
    Chemotherapie und einer Strahlentherapie behandeln zu lassen;
    dann hat sie sehr gute Chancen, dauerhaft gesund zu bleiben.
  144. 144Belastung Behandlung mit BrustkrebsKrebserkrankungen sind mit starken psychischen Belastungen
    verbunden. Ursachen:
    ➢ Existenzielle Bedrohung
    ➢ Angst vor Leid und Isolation
    ➢ Erkrankung und Behandlungen führen (zumindest vorübergehend) zu Verlusten, körperlichen Beschwerden und Schmerzen, Funktionseinschränkungen und/oder Verminderung der
    Lebensqualität
    Krebs betrifft immer die ganze Familie!
    Krisen, Angst, Trauer bei PatientInnen und Angehörigen sind
    häufig und normal.
    Behandlungsbedürftige psychische Störungen treten bei 30-50%
    der PatientInnen irgendwann im Krankheitsverlauf auf.
  145. 145Protektive Faktoren (Bsp. Fam Mayer)Bei Familie Mayer wirken mehrere protektive Faktoren:
    • Gesicherte finanzielle Situation
    • Abgesehen von der Erkrankung keine weiteren Belastungsfaktoren
    • Gutes soziales Netz, viel Unterstützung auf verschiedenen
    Ebenen
    • Guter Zusammenhalt innerhalb der Familie
  146. 146Was kann die Gesundheitspsychologie Familie Mayer anbieten?Mutter Sonja: vor und während der onkologischen Behandlung.
    1. PatientInnenschulung (Primärprävention)
    2. Entspannung (Gesundheitsförderung, Primärprävention)
    Mutter Sonja: nach Abschluss der onkologischen Behandung.
    3. Rehabilitation
    Vater Peter: Abbau von Risikoverhalten (Primärprävention)
    4. Raucherentwöhnung

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Karteikarten auf Gesundheitspsych, erstellt von Lolo Medina auf 04.01.2019.
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Lolo Medina
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