Flashcards
Einführung in die Sprachwissenschaft

Cards in this deck (189)
- 1Semiotisches Dreieck

- 2Das besondere am 3-Eck?Stellvertreterfunktion des Zeichens- etwas steht für etwas anderes
- 3Drei Arten von Zeichen (Charles S. Peirce) Was fehlt? Ikonisches Zeichen (Ikon)
– Ausdruck und Inhalt durch äußere Ähnlichkeit verbunden
– Bildliche/ikonische Verbindungen
Indexikalisches Zeichen (Index)
– Ausdruck und Inhalt durch innere Notwendigkeit verbunden
– Ausdruck nicht Abbild, sondern notwendige Folge des Inhalts
– Äußere Zeichenform verweist auf Inhalt
Symbolisches Zeichen (Symbol)
– Willkürliche Verbindung, theoretisch austauschbar
Bezug zum gegenstand fehlt
erläutern immer mit wie ausdruck und inhalt zusammenpassen - 4De Saussure – wichtige Begriffe langue – Gegenstand der Linguistik: das abstrakte Sprachsystem
parole – Rede (individuelle Realisierung von Sprache)
langage – Einzelsprache bzw. menschliche Sprechfähigkeit schlechthin
Synchronie – Betrachtung der Sprache an einem bestimmten Zeitpunkt
Diachronie – Betrachtung der Unterschiede der Sprache im Laufe der Zeit
Objekt der Linguistik = abstraktes, abgeschlossenes Sprachsystem als Struktursystem - 5Syntagma und Paradigma (de Saussure)Wörter einer Klasse haben gemeinsame Eigenschaften oder Formmerkmale
Gemeinsame Eigenschaften/Formmerkmale: Adjektive sind den Nomen vorangestellt; Kleinschreibung;
Wortendung
Syntagmatische Beziehung/Relation
Wörter gehen kombinatorisch spezifische Beziehungen ein, die grammatisch und semantisch
bestimmt sind
Syntagma = kombinatorische Einheit
achse des selektiven findet herraus ob para oder sntagma..
- 6De Saussures Zeichenmodell

- 7Distributionsanalyse Sprache X als Struktursystem
1. Wahl Sprachkorpus = „Material“ einer Sprache
2. Segmentieren = Zerlegen
• Lautlich, semantisch, syntaktisch
3. Distributionsanalyse = Verteilungsanalyse
• auf Umgebung analysieren
Die Distributionsanalyse zeigt, welche sprachlichen Einheiten man gegeneinander in gleicher sprachlicher Umgebung austauschen kann und welche nicht
4. Klassifizieren = Zuordnung der Einheiten zu Kategorien - 8Chomsky – wichtige Begriffe

- 9Reflexionsfragen (alle später beantworten) Was macht die Linguistik/Sprachwissenschaft?
Welche Ziele verfolgen linguistische Analysen?
Welche Teilbereiche betrachtet die Linguistik?
Was ist Sprache?
Warum ist die menschliche Sprache eine besondere Kommunikationsform?
Was erlaubt uns unsere Sprache zu tun?
Was macht das Zeichen zum Zeichen?
Was meint die Stellvertreterfunktion?
In welcher Relation stehen laut semiotischem Dreieck Ausdruck, Begriff und Gegenstand
jeweils zueinander?
Welche drei Arten von Zeichen unterscheidet Peirce? Geben Sie jeweils zwei neue, eigene
Beispiele.
Ist Peirce‘ Unterscheidung immer eindeutig?
Was meint de Saussure damit, dass die Sprache ein Struktursystem ist?
Wie unterscheiden sich Langue, Parole und Langage voneinander?
Warum ist die langue für de Saussure am wichtigsten? Hinterfragen Sie dies auch kritisch.
Wie unterscheiden sich de Saussures Zeichenbegriff und der im semiotischen Dreieck? - 10reflexionsfragen 2 Warum kann man die Langue nur synchron untersuchen? Zeigen/Begründen Sie an
einem selbstgewählten Textbeispiel.
Was sind „Grade der Motiviertheit“ in Bezug auf das sprachliche Zeichen? Finden Sie
Beispiele.
Erklären Sie folgende Aussage: Der gesamte Sprachmechanismus dreht sich nach de
Saussure ausschließlich um Identitäten und Unterschiede
Welchen „Problemfeldern“ des de Saussure‘schen Distributionalismus ging man im
Rahmen der Weiterentwicklung der Theorie an?
Wie entwickelte sich der Distributionalismus (amerikanischer Strukturalismus) in Amerika,
was wollte man erreichen?
Wie erstellt man eine Distributionsanalyse?
Wie kann man sprachliche Einheiten ermitteln? Zeigen Sie an eigenen Beispielen.
Nennen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen strukturalistischen
Sprachtheorien vor und seit Chomsky.
Gilt für die Sprachen Polnisch, Russisch, Türkisch und Französisch das Pro-Drop-,
Adjazenz- oder beide Parameter? Recherchieren Sie!
Recherchieren Sie online das „Sprachgen“! - 11Bühler – wichtige Begriffe Axiome der Sprache
Organonmodell
Vierfelderschema - 12Organonmodell (Bühler)

- 13Lösungen Organonmodell?

- 14Vierfelderschema (Bühler)

- 15Linguistik – eine DefinitionDie Linguistik (= Sprachwissenschaft) ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der
Beschreibung und Erklärung von Sprache, Sprachen und sprachlicher Kommunikation
befasst. Das Gesamtgebiet der Sprachwissenschaft ist in eine Reihe einzelner Teildisziplinen
gegliedert, die sich in Gegenstandsbereichen, Methoden und Erkenntnisinteressen vielfach scharf
voneinander unterscheiden.
Kern der Sprachwissenschaft ist die Erforschung von sprachlichen Zeichen auf
unterschiedlichen Hierarchieebenen, in die Sprache zum Zwecke ihrer Beschreibung eingeteilt
wird, nämlich Phonetik und Phonologie, Graphematik, Morphologie, Syntax, Semantik.
Textlinguistik und Stilistik befassen sich mit sprachlichen Einheiten jenseits der Satzebene. In
der linguistischen Pragmatik werden die Bedingungen und Regularitäten sprachlichen Handelns
untersucht. - 16Teilgebiete der Sprachwissenschaft1. Phonetik/Phonologie
Lehre der Funktionen von Sprachlauten, den Phonen/Phonemen, in Wörtern
2. Morphologie
Befasst sich mit der inneren Struktur von Wörtern und widmet sich der Erforschung der kleinsten bedeutungsund/oder
funktionstragenden Elemente einer Sprache, der Morpheme
morphologie unterteilt sich in flexion(konjugation/deklination) /Wortbildung (Kompromiss/derivation)
3. Syntax
Lehre des Aufbaus von Sätzen/Äußerungen
4. Semantik
Bedeutungslehre; beschäftigt sich typischerweise mit den Beziehungen zwischen den sprachlichen Zeichen
und deren Bedeutungen
5. Pragmatik
Lehre der Verwendung von Sprache und der Entstehung von Bedeutungen und Verwendungsmustern im
Kontext - 17Allgemeine Fragestellungen der Sprachwissenschaft

- 18Beschreibung sprachlicher Äußerungen, Wörter, Sätze

- 19Was ist Sprache? Wichtigstes und artspezifisches Kommunikationsmittel des Menschen
Austausch von Informationen
Organisation des Denkens (epistemologische Funktion)
Kognitive und affektive Funktion
a) Sprache = menschliche Sprachbegabung
b) Sprache = Einzelsprache, d.h. Konkretisierung von a) in einer bestimmten Sprachgemeinschaft,
zu einer bestimmten Zeit und in einem bestimmten geographischen Raum und deren Ausdruck in
konkreten Kommunikationsereignissen - 20Das Potential menschlicher SpracheDie entwickeltste [sic] Form der Kommunikation ist die Sprache des Menschen. Sprache ist die
zentrale Ressource kooperativen Handelns; ihre Herausbildung hat zu einer kulturellen
Evolution geführt. Sprachliche Verständigung macht anderen Menschen die eigene
Außensicht, das Denken, Wissen, Fühlen und Handeln sowie die Grundlagen (Normen,
Bewertungsmaßstäbe) zugänglich. Wirklichkeit kann geteilt, Handeln koordiniert,
Vergangenheit reflektiert und Zukunft geplant werden. Die Folie sprachlicher Interaktion ist
das, was die Handelnden schon wissen oder auf der Basis des Gewussten oder
Gesagten erschließen können, ihr Ziel ist die Übermittlung relevanter Information zu
kooperativen Zwecken. - 21Ferdinand de Saussure Schweizer Sprachwissenschaftler
1891 bis 1913 Professor für Indogermanistik in Genf
Begründer des Strukturalismus
Die menschliche Sprache ist ein Zeichensystem, dem eine Struktur
zugrunde liegt, die aufdeckbar ist.
Die Struktur erlaubt den einzelnen Teilen, miteinander ganzheitlich zu
funktionieren.
Hauptwerk (des Strukturalismus):
Cours de linguistique générale
1916 postum editiert und veröffentlicht von Bally/Sechehaye/Riedlinger
Deutsch: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft - 22Sprachtheoretische Grundprinzipien 2. Die Synchronie hat Vorrang vor der Diachronie

- 23Sprachtheoretische Grundprinzipien 3. Zeichenmodell

- 243-Eck umgesetzt?aus ausdruck wird idee im kopf gegenstand!

- 25Sprachtheoretische Grundprinzipien3.1 Das sprachliche Zeichen ist in der Regel arbiträr in der Zuordnung von Signifikant und
Signifikat, es gibt allerdings Grade der Motiviertheit.
3.2 Zeichen sind eindimensional zeitlich organisiert, folgen sequenziell aufeinander:
Prinzip der Linearität.
3.3 Der systemhafte Wert eines Zeichens, seine Identität ergibt sich aufgrund seiner
Differenz zur Umgebung im System. Sprache ist ein System von Werten, die sich auf
der Basis von Analogien durch Abgrenzung konstituieren.
3.4 Eine Klasse von Wörtern mit gemeinsamen Eigenschaften im Vorkommen oder
gemeinsamen Formmerkmalen stehen in paradigmatischer Beziehung. Gehen sie
kombinatorisch spezifische Beziehungen ein, stehen sie in syntagmatischer Relation - 26refelexionsfragen5. Warum kann man die Langue nur synchron untersuchen? Zeigen/Begründen Sie an einem
selbstgewählten Textbeispiel.
6. Was sind „Grade der Motiviertheit“ in Bezug auf das sprachliche Zeichen? Finden Sie Beispiele.
7. Erklären Sie folgende Aussage:
Der gesamte Sprachmechanismus dreht sich nach de Saussure ausschließlich um Identitäten und Unterschiede - 27Distributionalismus amerikanischer Strukturalismus

- 28Operationale Verfahren im Strukturalismus1. Ersatzprobe (Substitutionstest)
Ersetze in einer Äußerung Teil A durch X und prüfe das Ergebnis auf Akzeptabilität.
Die ersetzten Ausdrücke gehören i.d.R. derselben Klasse an wie der ersetzte. Die Substitutionsklassen
enthalten Elemente mit gleichem syntaktischen Verhalten.
2. Kontaktprobe (Exklusionstest)
Überprüfen der syntagmatischen Kombinierbarkeit
Was kombinierbar ist, ist i.d.R. unterschiedlich zu klassifizieren. Was koordinierbar ist (heute und morgen), ist
meist von derselben Klasse.
3. Weglassprobe (Eliminierungstest)
Prüfe, ob die Äußerung nach Wegfall von Teil A noch akzeptabel ist.
Was nicht weglassbar ist, bildet i.d.R. den Äußerungskern (einen Kernsatz).
4. Verschiebeprobe (Permutationstest)
Prüfe, ob nach der Umstellung von (einfachen/komplexen) Ausdrücken die Äußerung noch akzeptabel ist.
Was (gemeinsam) zu verschieben ist, bildet i.d.R. eine Ausdruckseinheit. - 29Noam Chomsky Professor (emeritus) für Linguistik und Philosophie am
Massachusetts Institute of Technology (MIT)
Bekanntester Linguist des 20. Jahrhunderts und prägende
Figur für die Sprachwissenschaft seit 1950
Linker Intellektueller und Kritiker der US Politik
Wichtigste linguistische Publikation:
Syntactic Structures. Mouton, Den Haag 1957, de Gruyter, Berlin/New
York 1989.
Begründer der Theorie der Universalgrammatik (Generative
Grammatik)
“Language is a process of free creation; its laws and principles are
fixed, but the manner in which the principles of generation are used is
free and infinitely varied. Even the interpretation and use of words
involves a process of free creation.” - 30Universalgrammatik (UG Betrifft das core grammar Kerngrammatik Syntax, „regelmäßige Grundlagen“ Wortschatz, unregelmäßige Verben etc. sind nicht mitinbegriffen Besteht aus a) genetisch verankerten Prinzipien, die für alle Sprachen gelten, sie ergeben das Sprachmodul im Gehirn, über das jeder Mensch von Geburt an verfügt. b) Parameter sind sprachspezifische Wahlmöglichkeiten, deren Ausprägungen das Kind durch Erfahrungen mit seiner Muttersprache erwirbt Linguistischer Gegenstand ist das idealisierte sprachliche Wissen eines native speakers, das auf der UG basiert und Urteile über Grammatikalität, Ambiguitäten etc. erlaubt. Im Zentrum steht das intern modular aufgebaute Grammatikwissen als humanspezifische Ausstattung. I-Language
- 31Humanspezifische ausstattungbild einfügen
- 32Pro-Drop Parameter auch Nullsubjektparameter genannt Einige Sprachen erlauben das Weglassen des Subjektproterms, z.B. Spanisch, Italienisch, Latein... […] Tengo un amigo guapo. Ich habe einen hübschen Freund.
Das Kind erwirbt, ob das Pro-Drop Parameter für seine Sprache gilt. Dies geschieht auf Basis von Erfahrungen mit der Sprache. Bis zum 6./7. Lebensjahr ist die Parametrisierung erfolgt. - 33Adjazenzparameter

- 34Chomsky & Behaviorismus

- 35Kritik an Chomsky1. Hypothese der nativistischen Grundlage (Nativismus von lat. nativus: angeboren, natürlich)
Medizin, Genetik und Hirnforschung konnten keine wirklichen Beweise liefern
2. Hypothese der Prinzipien der Universalgrammatik
Chomsky postuliert, dass Rekursion Teil jeder menschlichen Sprache sei, jedoch wurden in neuerer Zeit
Sprachen (Yale, Pirahã) untersucht, denen dieses Phänomen zu fehlen scheint (vgl. dazu Everett 2009).
3. I-Language; Sprache als individuelles System
Sprache definiert sich insbesondere über ihren Gebrauch in der menschlichen Kommunikation, sie ist vom
Gebrauch determiniert und verändert sich. Sprachliche Äußerungen „leben“ vom sprachlichen Kontext.
4. Exklusion von Wortschatz und Idiomatik/Metaphorik/Irregularitäten
Wortschatz ist wichtiger und großer Teil im Spracherwerb
Idiomatik/Metaphorik/Irregularitäten sind dominante Sprachphänomene, deren Betrachtung als
„Randgrammatik“ nicht mit häufigen Vorkommen in der Sprache übereinstimmt (vgl. dazu z.B. Lakoff/Johnson
1980) - 36Karl Bühler Deutscher Denk- und Sprachpsychologe sowie
Sprachtheoretiker
Neben de Saussure, Jakobsen und Chomsky als einer der
wichtigsten Linguisten des 20. Jahrhunderts
Verfolgt eine handlungstheoretische Sprachauffassung
Sprache als Organon
Wichtigste Publikationen
Axiomatik der Sprachwissenschaften (1933);
Sprachtheorie (1934)
ergänzt felder symbol zeigefelder - 37Axiome der Sprache (I)

- 382. Axiom: Zeichennatur der Sprache

- 39Das OrganonmodellKreis: Schallereignis was man hört
abstraktive relevant- mehr gesagt als notwendig
z Sprachlichrd zrichen
symptom- brfindlichkeit des senders
werbung ls apell funktion
apperative ergänzung- ergänzt um dinge im kopf
- 403. Axiom: Vierfelderschema zur Aufgliederung des Gegenstands der Sprachwissenschaft

- 41Das Symbolfeld der Sprache

- 42Das Zeigfeld der Sprache

- 43Zeigfeld und Symbolfeldalles sprachlich Deiktische deshalb zusammengehört, weil
es nicht im Symbolfeld der Sprache, sondern im Zeigfeld (verortung entschiedent, bsp insel) der Sprache die
Bedeutungserfüllung und Bedeutungspräzision von Fall zu Fall erfährt; - 44Das Zeigfeld der SpracheDas Zeigen beansprucht Verweisräume (Bühler, Ehlich)
1. Sprechsituation/Wahrnehmungsfeld (visuell, ad oculos)
2. Vorstellungsraum (imaginativ, „im Phantasma“)
3. Rederaum
4. Textraum - 45Das Zeigfeld des Deutschen

- 46Reflexionsfragen – Bühler II1. Wie unterscheiden sich Wörter des Symbolfelds und Wörtern aus dem Zeigfeld?
2. Wie kann man sprachlich zeigen?
3. Wo kann man sprachlich zeigen?
4. Warum kennzeichnet sich „jetzt“ durch Vagheit?
5. Sind die Dimensionen des Zeigfelds für alle Sprachen universell zweidimensional wie
im Deutschen? Belegen Sie Ihre Antwort anhand von selbst recherchierten
Beispielen. - 475-FELDER-LEHRE 1.feldKonrad Ehlich
Operative Prozedur
Wörter und Morpheme aus diesem Feld dienen der Verarbeitung/
Prozessierung des sprachlichen Geschehens
Helfen beim Verstehen/Aufbau der Äußerungsbedeutung durch den Hörer H
Einordnung in das Wissen von H und das in Beziehung setzen der Äußerungsteile
Anapher, Artikel, Subjunktor, Konjunktor, Relativum
Manche Flexionsendungen (Plural, Kasussuffix)
Syntaktische Prozeduren, Gewichtungsakzent
beispiel: Anna ist Köxhin. SIE kocht gerne - 48Malfeld Malende/expressive Prozedur
Im Deutschen sind hier fast ausschließlich intonatorische
Ausdrucksmittel verortet
Diminutive- verniedlichung
Reduplikationen gang gan viel glück
Bsp: madarin wo ein wort bei verschiedener betonung viel heisen kann - 49Lenkfeld Lenkende/expeditive Prozedur
Wörter oder Morpheme des Lenkfeldes wirken direkt auf den Hörer H oder
Sprecher S
Interjektionen
steuern Handlungskooperation, Planung und Erwartungsverarbeitung (z.B. hḿ, âh etc.)
Können emotionale Befindlichkeit übermitteln (z.B. ih)
Verfügen über distinktive Tonmuster (Malfeld)
Imperativsuffix -e („Hole mir ein Bier!“; -e-Suffix im heutigen
Sprachgebrauch getilgt) - 50felder übersicht

- 51Reflexionsfragen – 5-Felder-Lehre1. Welche Felder nimmt Ehlich zu den Bühler‘schen hinzu und warum?
2. Was bedeutet „Prozedur“ im Rahmen der Fünffelderlehre?
3. Ordnen Sie die sprachlichen Prozeduren in der folgenden Äußerung den Feldern zu.
Dort rennt ein Hase in seinen Bau, weil der Fuchs ihn gerne fressen möchte.
4. Wie unterscheidet sich die klassische Unterteilung der Wörter in Wortarten von einer
Einteilung in die fünf Felder? - 52abiträr?frei gewählte Zuordnung wischen Lautbild und Vorstellung
- 53Sprache als Organon?Karl Bühler versteht Sprache als ein Werkzeug, mit dem jemand seinem Gesprächspartner etwas vermittelt. Er unterscheidet zwischen einem Sender und einem Empfänger, weshalb er Sprache von Anfang an als Kommunikation zwischen beiden betrachtet. Die Grundlage der Kommunikationssituation bildet das sprachliche Zeichen, also das, was tatsächlich gesprochen wird. Hierbei handelt es sich um das, was rein sinnlich wahrnehmbar ist. Bei der Kommunikation treten auf der Grundlage des sprachlichen Zeichens immer drei Funktionen zueinander in Beziehung.
- 54Dimensionen von Zeichen Organon ModellAusdruck=Symptom
Apell= Signal
Darstellung= sybol
Zeichen ist ein symptom in der Ausdrucksfähigkeit
alle gleichzeitig da aber eins kann überwiegen
BSP: Mülleimer ist voll- darstellung, ausdruck es stinkt, apell bring ihn raus - 55Verweisraum: Sprechsituation1. Sprachoritentierung
2. Orientierung des Hörers
3. Synachronisierung hören sprechen
- 56linearitätsprinzipsprachliche zeichen folgen aufeinander
- 57Sprechakttheorie – AustinWas sind Sprechen und Sprache?
I. Konstatierende Äußerungen sind wahr oder falsch.
II. Performative Äußerungen stellen Handlungen dar; sie können glücken oder missglücken.
III. Problem: Jede konstatierende Äußerung kann paraphrasiert und damit performativ werden.
Jedes Sprechen ist Handeln
__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
1. Explizit performative Äußerungen
Die vollzogene Handlung wird direkt vom Verb ausgedrückt
hiermit test; Wann immer das Adverb hiermit verwedte werden kann ist verb performativ
2. Implizit performative Äußerungen
Die vollzogene Handlung wird nicht direkt von einem Verb benannt
Bsp: Geh! Ich bitte dich zu gehen
Bsp: richtig/ falsch ich bin unschuldig
performativ: ich verspreche dir dass ich unschukdig bin - 58Sprachakttheorie - Austin Gründe für das Misslingen performativer Äußerungen sind:1. Nichtigkeit (ehe haustiere)
2. Missbrauch/Mangel an Aufrichtigkeit (lügen für date)
3. Bruch der Verpflichtung (erst so dann so) - 59Das Produzieren einer Äußerung beinhaltet den gleichzeitigen Vollzug dreier verschiedener Akte:1. Lokutiver Akt: unterteilt in einen phonetischen Akt (Hervorbringen von Lauten), einen
phatischen Akt (Anwendung der Grammatik) und einen rhetischen Akt (Äußerung erhält
einen Bezug zur Welt und eine Bedeutung)
2. Illokutiver Akt: das Behaupten, Versprechen etc. mit dem Äußern eines Satzes mittels
einer konventionellen Kraft, die damit verbunden ist
3. Perlokutiver Akt: das Übertragen von Wirkungen auf den Hörer durch das Äußern des (ich werde kommen: Glück oder drohung<)
Satzes, wobei die Wirkungen von den Äußerungsumständen abhängen - 60Sprechakttheorie – Searle Zwei GrundsätzeZwei Grundsätze
I. Prinzip der Ausdrückbarkeit (alles was man meinen kann kann man auch sagen)
II. Sprechen ist eine Form regelgeleiteten Verhaltens
a) Regulative Regeln
Regeln bereits existierende Handlungsweisen
b) Konstitutive Regeln
Konstituieren bestimmte Tätigkeiten/Verhaltensweisen
Erschaffen auch Sprechakte - 61Sprechakttheorie – Searle1. Äußerungsakt
Äußerung von Wörtern, Sätzen
2. Propositionaler Akt
Referenzakt: verweist auf Objekte der außersprachlichen Welt
und
Prädikationsakt: sagt etwas über das Objekt aus
3. Illokutiver Akt
das Behaupten, Versprechen etc. mit dem Äußern eines Satzes mittels einer konventionellen
Kraft, die damit verbunden ist
4. Perlokutiver Akt
das Erzeugen von Wirkungen auf den Hörer durch das Äußern des Satzes, wobei die Wirkungen
von den Äußerungsumständen abhängen
könntest du das fenster schließen- wörtlich frage aber aufferderung gemeint
illikation<. 1 primrer akt. gemacht vs. sekundärer akt. wirklich gemeint - 62Versprechen - Searle

- 63Unterscheidung von fünf verschiedenen Sprechakten (Illokutionstypen): nach searle

- 64John L. Austin vs. John R. Searle

- 65Reflexionsfragen – SprechakttheorieZu Austin:
1. Warum ist jedes Sprechen auch ein Handeln?
2. Erklären Sie den Begriff ‚Performativität‘ anhand von beleidigen und bedanken.
3. Nicht immer gelingt alles…
1. Warum können Sie Donald Trump nicht das Präsidentenamt aberkennen?
2. Warum beglückwünschen/gratulieren Sie Donald Trump höchstwahrscheinlich nicht herzlich zur Präsidentschaft?
3. Warum muss Donald Trump eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen, die von Mexiko bezahlt wird?
Zu Searle:
1. Welche beiden Grundsätze unterstellt Searle der menschlichen Sprache?
2. Erklären Sie Proposition und Illokution anhand der folgenden Beispiele:
Ich habe den Schlüssel.
Hätte ich doch den Schlüssel!
3. Welche Besonderheit weist die folgende Äußerung auf: Das Essen ist noch heiß - 66Bedeutung als Sprecherintention – Grice(1) Sprecher S realisiert eine Äußerungshandlung in der Absicht, dass
(2) Hörer H daraufhin die Reaktion r zeigt,
(3) H erkennt, dass S (2) beabsichtigt,
(4) H (2) auf Grund der Erkenntnis von (3) erfüllt.
Kooperationsprinzip
„Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten
Zweck oder der akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst,
gerade verlangt wird.“
Kritik:
- maxime idealisiert
- ethik!
keine iroie methaphern
nicht kulturübergreifend - 67Konversationsmaximen1. Maxime der Quantität → Menge!
Gestalte deinen Beitrag so informativ wie für den gegebenen Zweck nötig. Sei nicht
informativer als nötig.
2. Maxime der Qualität → Wahrheit!
Sage nichts, was du für falsch hältst. Sage nichts, wofür dir angemessene Gründe
fehlen.
3. Maxime der Relation → Relevanz!
Realisiere die Beiträge, die relevant und wichtig sind.
4. Maxime der Art & Weise → Modalität!
Vermeide Ambiguitäten, Weitschweifigkeit und Dunkelheiten. Halte dich an die
Reihenfolge und fasse dich kurz. Sei klar und deutlich! - 68ImplikaturImplikaturen entstehen außerhalb des tatsächlich Gesagten, also wenn
a) der Sprecher S nicht die normale Äußerungsbedeutung p meint,
b) sondern etwas anderes q.
c) In diesem Fall glaubt und erwartet S, dass der Hörer H sich die Bedeutung (q)
des Gesagten erschließt.
Implikatur
Nach Grice gibt es verschiedene Arten von Implikaturen:
1. Konversationelle Implikaturen- neu im gespräch
2. Konventionelle Implikaturen- im gespräch enthalten: sie vs du - 69Reflexionsfragen – GriceWas ist hier die Implikatur (was wird gemeint)?
Wurde eine Maxime verletzt und wenn ja: welche?
a) Im Arbeitszeugnis: „X war redlich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.“
b) A: „Wie gefällt Dir mein neuer Mantel?“ B: „Sie ist giftgrün.“
c) Hat Johanna drei Kinder?
d) Hannes zog sich die Schuhe an und nahm seinen Schlüssel.
e) A: „Die Tina hat eine ganz schlimme neue Frisur!“ B: „Ja, ich hab auch Angst vor der KLAUSUR!“
f) Einige Fußballer sind verletzt.
g) Wenn Paul etwas macht, dann macht er es. - 70FUNKTIONALE PRAGMATIK Konrad Ehlich, Jochen Rehbein u.a

- 71Sprachliche HandlungenSprachliche Handlungen
-verbaliesierung eines zwecks
Spezifischer Teil menschlichen Handelns, eingebunden in die Subkategorie gesellschaftlichen
Handelns
Gesellschaftliche Tätigkeit, die in Mustern verläuft
Muster manifestieren sich durch wiederholtes Auftreten im Wissen des Handelnden
Hauptaufgaben der Sprache
Vermittlung von Information
Organisation kollektiven Wissens (Π)
Bezugnahme auf Sprecher S und Hörer H
Tatsächliche Verbalisierungen
Mentale Planungs- und Verarbeitungsprozesse - 72Sprachliche Handlungsmuster Sprachliches Handeln ist in Handlungsmustern (kurz: Mustern) organisiert
Muster erfüllen verschiedene gesellschaftliche Zwecke
zum Beispiel Wissen übertragen, Wissen erlangen, jemanden zu etwas veranlassen…
Ein Muster ergibt sich aus
standardisierten Handlungsmöglichkeiten, die im konkreten Handeln aktualisiert & realisiert werden
gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, denen es – für den Handelnden unterbewusst – unterliegt
Der Zweck ergibt sich aus
der Konstellation (Wirklichkeit), in der der Handelnde sich befindet
dem Bedürfnis (Defizienz) des Handelnden
Bestimmte Bedürfnisse führen dazu, dass Handlungswege zur Behebung ausgebildet werden
Bewähren sich Handlungswege, wird ihre Form und wieder genutzt, es entsteht ein Mittel-ZweckZusammenhang.
Die Form der Frage hat sich als geeignet erweisen, Wissensdefizite zu beheben. Alle kennen diese Form,
verwenden sie, reagieren darauf musterentsprechend. - 73Schichten der Handlungsanalyse (Abbildung nach Hoffmann 20142 , 31)

- 74Handlungsmuster Frage – Antwort

- 75Wie man (gesprochene) Sprache untersuchen kann FUNKTIONAL-PRAGMATISCHE DISKURSANALYSE (SPRECHHANDLUNGSANALYSE)1. Diskurs
bezeichnet eine systematisch und/oder thematisch zusammenhängende Menge an Äußerungen
Sprechhandlungssequenz: systematische Sprecherwechsel (englisch: turns; turn taking)
Sprechhandlungsverkettung: nur ein Sprecher
gebunden an die Sprechsituation im Hier und Jetzt
das Handeln situationsgebunden
2. Funktional-pragmatische Diskursanalyse
Methode: Analyse von Gesprächstranskripten
Qualitativ und empirisch-induktiv
Reflektierte Empirie ohne starre Analyseschritte
Ziel: Rekonstruktion diskursiver Tiefenstrukturen, d.h. sprachlicher Handlungsmuster - 76F.-P. Diskursanalyse – Wichtige Vokabeln Turn
Rederecht, Redepflicht
Turn-Apparat: Äußerungsfolgen im Diskurs
Turn-taking: Sprecherwechsel
Äußerung
Kommunikative Minimaleinheit
Einheit der gesprochenen Sprache
Selbstwahl
Übernehmen des turns
Fremdwahl
Übergeben des turns
Explizit Benennen des folgenden Sprechers
Implizit Höflichkeitsformeln, Fragen, Schweigen…
Segmentierung/Phasierung
Einteilung des Transkripts/der Gesprächsabschnitte - 77Beispiel Searls Sprechakttheorie

- 78Übung sprechakte

- 79Phonetik?

- 80Konsonantenklassifikation1. Artikulationsort
bilabial, labio-dental, alveolar, post-alveolar, palatal, velar, uvular, glottal/laryngal
2. Artikulationsart
Plosive, Nasale, Vibranten, Frikative, Laterale
3. Art der Phonation
stimmhaft (+ Schwingen der Stimmlippen)
stimmlos (- Schwingen der Stimmlippen)
Des Weiteren werden unterschieden:
1. Obstruenten der Luftstrom muss ein Hemmnis überwinden (Plosive und Frikative)
2. Sonoranten der Luftstrom kann frei fließen und wird lediglich modifiziert (alle anderen Konsonanten + Vokale)
Konsonantenklassifikation: Beispiel – stimmloser labio-dentaler Frikativ - 81VokalklassifikationVokale sind Öffnungslaute, d.h. der Ausatemstrom wird im Ansatzrohr nicht durch Verschluss/Reibung gehemmt
Stimmhafte f, die im Mundraum durch bestimmte Kiefer- und Zungenpositionen modifiziert werden Vier Hauptmerkmale zur Vokal-Klassifikation
1. Vertikale Zungenlage (höchster Punkt der Zunge) hoch ↔ mittel ↔ niedrig
2. Horizontale Zungenlage (Wölbung)
vorn ↔ zentral ↔ hinten
3. Lippenrundung ungerundet ↔ gerundet
4. Länge
lang – kurz
Außerdem unterscheiden sich Vokale noch in Bezug auf
Klangfarbe: hell = vordere Vokale; dunkel = hintere Vokale
Öffnungsgrad: geschlossen = hohe Vokale; offen = niedrige Vokale - 82PhonologieBeschreibt und untersucht die Funktion und Position der Laute als bedeutungsunterscheidende Einheiten in einer Sprache
- 83Phoneme sind Teil des abstrakten Sprachsystems (Langue)
benennen die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten des Lautsystems einer Sprache werden mithilfe der Minimalpaaranalyse ermittelt - 84Minimalpaar Ein Minimalpaar besteht aus zwei Wörtern,
die bedeutungsverschieden sind,
deren Bedeutungsunterschied sich aus einem anderen Phon ergibt,
die indigen sind,
die keine Eigennamen sind,
derselben Wortklasse angehören
Das ist aber nicht immer möglich, zum Beispiel nicht bei /b/, /g/… - 851. Bei welchen der folgenden Wortpaare handelt es sich um Minimalpaare? Schacht – Nacht
Boot – Not
Huhn - moon- nein
ringen – sinken- nein
Haar – Schar
salzen – walzen
Kopf – Zopf -nein
Lotte – Motte -nein - 862. Bilden Sie jeweils ein Minimalpaar für Anlaut, Inlaut und Auslaut für das Wort Rad [ʁa:t].Rad – Tat/Saat [ta:t]
Rad – Rot/Reet [ʁo:t]
Rad – Rahm [ʁa:m] - 87Die Auslautverhärtung im Deutschen besagt, dass stimmhafte Obstruenten im Auslaut der Silbe stimmlos werden
wird graphematisch, also in der Schriftsprache, nicht aufgegriffen
Allophone sind phonetische Variationen eines Phonems,
die nicht bedeutungsunterscheidend wirken,
können frei sein, d.h. unabhängig von der Lautumgebung auftreten und/oder dialektal bedingt sein, zum Beispiel das /ʀ/
können kombinatorisch entstehen, also von der Lautumgebung abhängen, z.B. der Ich- und der Ach-Laut
([ç] und [x] /x/)
bsp: grab- grap - 88Atmungs- und ArtikulationssystemSprachlaute entstehen aus dem Zusammenspiel von
Atemluft
Kehlkopf (Larynx)
Aktiven/passiven Artikulatoren
Verschiedenen Resonanzräumen
Gehirn
1. Initiation: Ausatmung; das Erzeugen des Luftstroms der zur Lautproduktion benötigt wird
2. Phonation: Stimmbildung mithilfe von Kehlkopf und Stimmlippen
3. Artikulation: Modifizierung des Schallsignals zu einem Sprachlaut - 89Artikulationsort1. bilabial
[b] Ball
[p] Pult
[m] Mann
2. labio-dental
[v] Wal
[f] Frosch
3. alveolar
[z] Sinn, Hase
[s] Muße, Rost
[d] Dampf
[t] Tier
[n] Nase
[r]Rand
4. post-alveolar
[l] Liste
[ʃ] Schule
4. palatal
[ç] China, ich
[j] Jacke
5. velar
[k] Kamm
[g] Gans
[x] Buch
[ŋ] Ring
6. uvular
[ʀ, ʁ] Rand
7. glottal
[h] Haus
[ʔ] Glottisverschluss - 90Artikulationsort zeichnung

- 91Artikulationsorte Im Deutschen: bilabial
labio-dental
alveolar
post-alveolar
palatal
velar
uvular
glottal
Artikulationsorte des Deutschen: bi-labial, labio-dental - 92Vokalklassifikation[a] wie in Ball → tief, vorn; unrund; kurz
[u:] wie in Fuß → hoch, hinten; rund; lang
[i:] wie in fies → hoch, vorn; unrund; lang
[y:] wie in Mühle → hoch, vorn; rund; lang
[o:] wie in Vogel → mittel, hinten; rund; lang
Unterscheidung der Klassifikationsmerkmale – Konsonanten: Artikulationsort, Artikulationsart,
– Vokale: Vertikale u. horizontale Lage der Zunge, Lippenrundung, Länge - 93Transkription

- 94Artikulationsart1. Plosive (Verschlusslaute)
Der Luftstrom wird unterbrochen und der Verschluss wird plötzlich geöffnet
2. Nasale
Der Mundraum ist geschlossen, Luftstrom geht durch die Nase
3. Vibranten
Schlagende Bewegung eines beweglichen Artikulators gegen einen unbeweglichen
4. Frikative (Reibelaute)
Der Luftstrom geht durch eine Engstelle zwischen zwei Artikulatoren, es entsteht ein
„Reibegeräusch“
5. Laterale
Der Zungenkranz (Korona) berührt den Zahndamm (Alveolen), wodurch der Luftstrom durch die
seitliche Mundhöhle entweicht - 95Art der Phonation Unterscheidung des Schwingens (a)) und Nicht-Schwingens (b)) der Stimmlippen
a) Stimmhafte Konsonanten
b) Stimmlose Konsonanten
Obstruenten (lat. obstruere = versperren)
Verengung/Verschluss der Artikulationsorgane
Stimmhaft, stimmlos
Sonoranten (lat. sonor = Ton)
Immer stimmhaft - 96Phonetische Konsonanten-Kreuzklassifikation

- 97Artikulation der VokaleVokale sind Öffnungslaute, d.h. der Ausatemstrom wird im Ansatzrohr nicht durch
Verschluss/Reibung gehemmt
Stimmhafte Laute, die im Mundraum durch bestimmte Kiefer- und Zungenpositionen
modifiziert werden
Vier Hauptmerkmale zur Vokal-Klassifikation
1. Vertikale Zungenlage
hoch ↔ mittel ↔ tief
2. Horizontale Zungenlage
vorn ↔ zentral ↔ hinten
3. Lippenrundung
ungerundet ↔ gerundet
4. Länge
lang ↔ kurz - 98Diphthonge im VokaltrapezSehr enge Verbindungen von Vokalen werden als Diphthonge bezeichnet, im Deutschen sind das vor
allem
[aɪ
̯] Ei, Mais
[aʊ
̯] Auge
[ɔʏ
̯] Heu, Läufer - 99Je nach Besetzung der einzelnen Positionen unterscheidet man folgende Silbentypen:

- 100Reflexionsfragen – Phonologie1. Finden Sie jeweils drei Minimalpaare, wobei der sich unterscheidende Laut jeweils in initialer, medialer
und finaler Position befinden soll:
initial: Daten - Taten [daːtən - taːtən]
medial: Maden - malen [maːlən - maːdən ]
final: Lob - Los [ lo…p - lo…s ]
2. In welchen der folgenden Wörter folgen die Laute in der wortfinalen Coda nicht der Sonoritätshierarchie
(Denken Sie daran, von der IPA-Transkription auszugehen!)?
kalt, sechs, Rost, Herbst, höchst, Kluft, Schmutz, Hemd, Welt, gebongt
3. Im Deutschen kann ein /g/ nach einem [ɪ] zu einem Frikativ werden (diesen Prozess nennt man gSpirantisierung),
wie folgende Daten beweisen:
König [køːnɪç] wenig [ve:nɪç] etwaig [ɛtvaɪç] ---- Belag [bəla:k] Betrug [bətru:k] Sog [zo:k]
a) Vervollständigen Sie folgende Regel um diesen Prozess zu beschreiben.
g-SpirantisierungS: /g/
b) Zeigen Sie anhand von wenig in welcher Reihenfolge g-Spirantisierung und Auslautverhärtung operieren müssen - 101GraphematikWissenschaft, die die distinktiven Einheiten des Schriftsystems einer bestimmten Sprache und davon
ausgehend die möglichen Schreibungen von gesprochener Sprache ermittelt. Aufgrund der
Korrelation zwischen gesprochener und geschriebener Sprache ist häufig das Phonemsystem
Ausgangspunkt der Analysen. Um graphematische Phänomene vollständig erfassen zu können, ist
aber auch ein Bezug auf andere linguistische Teildisziplinen wie z.B. Morphologie und Syntax
notwendig. (Busch/Stenschke 2008, 59)
Ein Graphem ist das kleinste bedeutungsunterscheidende Zeichen der Schriftsprache. Ein Graphem
besteht aus einem oder mehreren Graphen (= Buchstaben) und wird in spitzen Klammern notiert.
Zu den Graphen existieren allographische Varianten, z.B. in Form verschiedener Schrifttypen (
- ) oder Klein- und Großbuchstaben (auch Minuskeln und Majuskeln genannt) (, - 102Graphematische PrinzipienPhonographisches Schriftsystem
Wenn Sie ein Wort lesen, denken Sie an dessen Lautgestalt
Rekodierungsprinzip: anhand der Schreibung Lautung rekodieren
Logographisches Schriftsystem
Chinesische Schrift: Hanzi-Schriftzeichen für einzelne Wörter
„Wortbilder“ rufen keine lautliche, sondern eine gedankliche Gesamtvorstellung hervor - 103Das Deutsche Schriftsystem – Allgemeine Charakteristika Seit Mitte des 18. Jahrhunderts: Stabilität des dt. Schriftsystems
1. Wortbezogene Regularitäten
Graphemkombinatorik
Silbentrennung
Getrennt-/Zusammenschreibung
Groß-/Kleinschreibung
2. Satzbezogene Regularitäten
Insbesondere Interpunktionsregeln
Basis der Wortschreibung ist Graphem-Phonem-Bezugssystem
Lautung ist an den Graphemen ablesbar
Silbenstrukturelle Bezüge überlagern das G-P-System
Herstellung von konstanter und quantitativ ausgeglichener segmentaler Einheiten - 104Groß- und KleinschreibungGroßschreibung erfolgt in den folgenden Fällen
1. Satzanfänge
2. Anredepronomina
3. Adressatenbezogene Possessiva
4. Eigennamen
5. Nomen
Großschreibung von Nomen
Eigenheit (nur) des Deutschen
Grammatikalisiert und regelhaft: Bei einem Wortartenwechsel zwischen Nomen und
einer anderen Wortart, wird dies durch die Schreibung markiert - 105Grapheme und Phonographie Ein Graphem ist das kleinste bedeutungsunterscheidende Zeichen der
Schriftsprache. Ein Graphem besteht aus einem oder mehreren Graphen (=
Buchstaben) und wird in spitzen Klammern notiert.
Phonographie als Konzept bezeichnet die grundsätzliche Eigenschaft von
Schriftsystemen, mit den Lauten der gesprochenen Sprache zu korrespondieren
(Alphabetschriften, Konsonantenschriften und Silbenschriften)
Graphem-Phonem-Korrespondenz (GPK) - 106KonsonantenschreibungInsgesamt 18 Konsonantphoneme* 14 mit eindeutiger Korrespondenzregel auf
Einzelbuchstaben
[p] - , [t] - , [k] - , [b] - , [d] - , [g] - , [f] - , [v] - , [z] - , [j] - ,
[m] - , [n] - , [l] - , [ʀ] -
Konsonanten nur als Bestandteil von Mehrgraphen
in , in
kommt nur in einer kleinen Gruppe des Kernwortschatzes vor (, )
Markierte Verwendung: als „markiert“ gilt in der Linguistik, was wir umgangssprachlich als
„Sonderfall/Ausnahme von der Regel“ bezeichnen können
in – im Vergleich zur Normalopposition und in –
Mehrgraphen
[kv] - , [ŋ] - , [ʃ] - und *, [x], [ç], [k] - - 107Vokalschreibungen Für die Vollvokale ergibt sich eine einfache phonographische Grundstruktur bei zwei isomorphen
Vokalreihen
[a:], [a] - , [e:], [ɛ] - , [y:], [ʏ] - <ü>, [o:], [ɔ] - , [ø:], [ɶ] - <ö>, [u:], [ʊ] -
Ausnahme: [i:] und [ɪ]
[i:] unmarkiert als in ,
[ɪ] unmarkiert bezogen auf
Doppelvokalgrapheme sind markiert und distributionell begrenzt
in , in , in
Das Schwa [ə] wird graphematisch realisiert als
ist auf Fremdwörter beschränkt
Umlautgrapheme <ä>, <ö>, <ü> sind phonografisch und morphologisch begründet
Bär, gönnen, Gewürz…
ein Bruder – viele Brüder…
Diphthonge werden als Doppelgrapheme realisiert
[aɪ̯] , [au̯] [ɔʏ̯] , - 108Explizitform und silbische Schreibung Die Explizitform bezeichnet die Standardform nicht derivierter Wörter (Nomen, Verben und
Adjektive), die zweisilbig ist und aus einer betonten Silbe mit Vollvokal und einer
unbetonten Silbe mit Schwa besteht.
[ʁyːbə] [laʊ̯fən] [eːdəl]
Explizitformen sind wichtig für die Wortschreibung
Einige Hauptcharakteristika des deutschen Schriftsystems basieren auf
silbenstrukturellen Merkmalen von Explizitformen - 109DoppelkonsonantgraphemeVerdopplung eines Konsonantgraphems, wenn es phonographisch auf ein Silbengelenk
der phonologischen Wortform bezogen ist.
Silbengelenk: Ein einzelner Konsonant zwischen einem betonten kurzen und einem unbetonten
Vokal
Die Schreibung bringt zum Ausdruck, dass der entsprechende Konsonant sowohl zur ersten als
auch zweiten Silbe der Wortform gehört
Doppelgrapheme (Geminaten) bilden genau die Konsonanten, denen phonographisch ein
Einzelbuchstabe entspricht
= [t] , = [d] , = [g] , = [f] , = [s] ,
= [ʁ] , = [m] , = [n] , = [l]
Keine Verdopplung von Mehrgraphemen
[aʃə] , [kaxəl]
Steht [k] im Silbengelenk, wird dies Acker realisiert - 110Das ‚stumme h‘Im Deutschen gibt es zwei h-Schreibungen, die nicht auf den Konsonanten [h] bezogen sind
1. Dehnungs-h
Steht in der Explizitform nur dann, wenn in der phonologischen Wortform ein einzelner Sonorant
[ʁ, l, m, n] zwischen einem betonten langen und einem unbetonten Vokal steht
[maːnən] , [zoːlə] , [laːməs]
Es gibt Ausnahmen ([bluːmə] ) und steht nur da, wo der Vokal auch ohne lang
gesprochen worden wäre
2. Silbeninitiales h
Steht genau dann, wenn in der phonologischen Explizitform im Silbenkern ein langer betonter und
ein unbetonter Vokal als Silbenkerne direkt aufeinander folgen
[dʁoːən] , [fʁyːə] - 111Morphologische Schreibung Morpheme in verschiedenen Verwendungen (z.B. Flexionsformen oder Wortbildungen)
werden immer gleich geschrieben (= Morphemkonstanz)
Anhand der Schreibung ist also die Verwandtschaft zwischen Morphemen erkennbar:
Umlautschreibung:
Auslautverhärtung: [liːbə] [liːp]
Dehnungs-h:
Silbeninitiales h:
Konsonantendopplung: - 112Graphematik & OrthographieDie Graphematik beschreibt verschiedene Prinzipien, mithilfe derer die Sprache in
unterschiedlicher Weise verschriftet werden kann.
Die Orthographie hingegen ist ein explizit geregeltes, konventionalisiertes System
von Normen, nach dem für jedes Wort in der Regel nur eine Schreibweise die gültig
und richtig ist. - 113Wichtige BegriffePhon – kleinste Lauteinheit
Phonem – kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit
Lexem – abstrakte Größe, Bedeutung = Summe der Bedeutungen aller Wortformen eines Wortparadigmas
Wortform – Realisierung der abstrakten Einheit Wort
Wortparadigma – gebildet durch alle faktisch möglichen Wortformen
Morphem – kleinste bedeutungstragende (abstrakte Einheit) eines Sprachsystems
Morph – Realisierung eines Morphems
Allomorph - sind phonetische Variationen eines Phonems,
die nicht bedeutungsunterscheidend wirken,
Komplementäre Distribution, etwa bei den unregelmäßigen Verben
Freie Variation, zum Beispiel beim Genitiv, der {-es} oder nur {-s} gebildet werden kann
Nullallomorphe sind diejenigen Allomorphe, die in einem Paradigma ohne Ausdruck gebildet werden können, etwa der Plural {-ø} in ein Fahrer die Fahrer-ø
Diskontinuierliche Allomorphe, die sich aus unterschiedlichen Formelementen zusammensetzen, im Plural etwa Haus - Häuser {Umlaut} + {-er} - 114trapez klassifikationen1 Zugenposition
a) Vertikale Zungenlage
(höchster Punkt der Zunge)
b) Horizontale Zungenlage
(Wölbung)
2. Lippenrundung
3. Länge - 115Morphtypen Allomorph, Homonymes Morph, Portmanteau-Morph, unikales Morph oder diskontinuierliches Morph?Kind-er, Schul-en, Lehrer → Allomorphe {Plural}, 3 Morphe für 1 Morphem; Nullallmorph
Zum → Portmanteau-Morph, Verschmelzung von {zu} + {dem}
Hund-e, ich lauf-e → Homonyme Morphe {Plural} + {1. Pers. Sg.} [1 Morph für 2
Morpheme]
Schorn-stein → unikales Morph {Schorn-} [spezifische unikale Verbindung] - 116Morphemklassifikation 3c. Teile die folgenden Worte in Morphe und klassifizier diese. Tuch → {tuch}: frei, lexikalisch
wunderlich → {wunder}: frei, lexikalisch; {-lich}: gebunden, grammatisch
Schönheitswahl → {schön}: frei, lexikalisch; {-heit}: gebunden, grammatisch; {-s-}: gebunden, grammatisch; {wahl}: frei, lexikalisch
der → {der}: frei, grammatisch
Schornstein → {schorn-}: gebunden, lexikalisch;
{stein}: frei, lexikalisch - 117Die Silbenstruktur

- 118 Weitere Typen von Morphen sind Homonyme Morphe, die dieselbe Form haben (Ausdrucksseite), aber unterschiedliche
Morpheme realisieren (Inhaltsseite), so kann beispielsweise das {-s} die Morpheme {Genitiv} und {Plural} realisieren
Portmenteau-Morphe, die eine Verschmelzung mehrerer Morpheme bezeichnen, beispielsweise in {beim} = {bei} und {dem}
Unikale Morphe, die nur in einem einzigen sprachlichen Zusammenhang (Wort) vorkommen, etwa das {brom-} in Brombeere, und meist sprachgeschichtlich (hier: ahd. brāma ‘Dornstrauch’) begründet sind
Diskontinuierliche Morphe, die durch mindestens zwei Morphe realisiert werden, die wiederum in ihrer linearen Abfolge getrennt wurden, zum Beispiel das {Partizip I} = {ge-} + {mach-} + {-t}
Bei den gebundenen grammatischen Morphemen kann man zudem unterscheiden zwischen
Flexionsmorphemen, die Wortformen generieren, auch konjugierte wörter
Derivationsmorphemen, die neue Wörter generieren, schön- schönheit - 119Affixe In vielen Sprachen wird der Wortstamm als Kern durch gebundene Morpheme – die Affixe – erweitert.
Affixe kann man auf Basis ihrer Position unterscheiden:
1. Präfix – vor dem Stamm {auf-} auf-essen
2. Suffix – hinter dem Stamm {keit} Tapfer-keit
3. Zirkumfix – um das Stamm {ge + t} ge-sag-t
4. Infix – im Stamm {un} funktions-un-tüchtig - 120verbindung morphem und allomorph

- 121Homonyme Morphe

- 122Reflexionsfragen – Morphologie1. Zerlegen Sie die folgenden Wörter in ihre morphologischen Bestandteile:
Grundordnung, Abstimmungsverfahren, Wintersemester, Sonnenfinsternis
2. Worin unterscheiden sich Derivations- und Flexionsaffixe? Erklären Sie anhand von Beispielen.
3. Ermitteln Sie die Morpheme folgender neuhebräischen Konjugation! (Isolieren Sie zunächst das
Morphem von „schrieb“):
a) Welches sind die Morpheme für die folgenden Wörter?
ich, du (m.s.)*, du (f.s.), er, sie, wir, ihr (m.pl.), ihr (f.pl.), sie (pl.)
b) Wie lauten die drei Allomorphe (Morphemvarianten) von „schrieb“? - 123Wortbildung (Bildung von lexikalischen Wörtern)

- 124KOMPOSITIONKOMPOSITION Zusammenfügung zweier lexikalischer Morpheme
1. Determinativkomposita: der erste Teil (Determinans) bestimmt den zweiten Teil (Determinatum) näher und trägt (i.d.R.) den Hauptakzent (Formel: „Ein AB ist ein B.“)
i. Zu den Determinativkomposita gehören auch Rektionskomposita, bei denen das von einem Verb abgeleitete Grundwort eine Ergänzung verlangt
Weintrinker (Wein trinken), Autofahrer (ein Auto fahren)
ii. Zu den Determinativkomposita gehören auch Possessivkomposita, die Eigenschaften des Benannten miteinbeziehen
Milchbart (ein Bart aus Milch)
2. Kopulativkomposita: die lexikalischen Konstituenten sind gleichrangig, der Hauptakzent liegt (i.d.R.) auf der letzten Konstituente (Formel: „Ein AB ist beides, ein A und ein B“) - 125DERIVATIONDERIVATION Bildung neuer Wörter durch Affigierung
1. Konversion: das lexikalische Morphem wird in eine andere Wortart übertragen
{lehr-} + {-er} = Lehrer, {krank-} + {-heit} = Krankheit, {sonn-} + {-ig} = sonnig, {sonn-} + {-e} = Sonne, {tief} + {Ø} = (das) Tief
2. Lexikalische Derivation:Bsp: aufblühen vs verblühen
das gebundene, grammatische Morphem ist zum Teil lexikalisch, dementsprechend geschieht eine Modifikation der Bedeutung, aber kein Wortartwechsel
{be-} + *{-treten} = betreten, {ver-} + {-bieten} = verbieten, {zu-} + {Stand} = Zustand, {ge-} + {Zeiten} = Gezeiten
KURZWÖRTER Wortbildung durch Abkürzung
1. Multisegmental als Initialabkürzungswort oder Silbenkurzwort (Teile aus allen Segmenten des Ursprungs)
2. Unisegmental als Anfangs-, Rumpf-, oder Endwort (Reduktion auf ein Segment des Ursprungs) - 126Flexion – Flexionsformen bestimmen

- 127Was bezeichnet das grammatische Geschlecht?Das grammatische Geschlecht (Genus) ist eine grammatische Kategorie, die den deutschen Nomen inhärent ist (Maskulinum, Femininum oder Neutrum). Das Genus eines Nomens beeinflusst die Wortform anderer Wörter (ein kleiner Ball – eine kleine Biene). Das Genus beschreibt nicht das natürliche
Geschlecht (Sexus), wobei es Übereinstimmungen gibt (siehe Beispiele links). Viele Dinge, auf die Nomen referieren, haben zudem gar kein Sexus – die Kategorisierung als Mask., Fem. oder Neutr. basiert auf anderen, hier nicht näher zu beschreibenden Mechanismen.
Daraus ergeben sich beispielsweise auch Differenzen in Sprachen:
Deutsch: die Sonne – der Mond
Französisch: le soleil – la - 128Übung: Kekchí (Guatemala) Untersuchen Sie das kleine Korpus und versuchen Sie herauszufinden, welche Morphe des Kekchí, einer Sprache aus Guatemala,• die Personaldeixeis {ich} und {du}
• den Verbstamm {wand-}
• die Tempora {Präsens} und {Futur I} realisieren.
tinbeq ‚ich werde wandern‘
tatbeq ‚du wirst wandern‘
ninbeq ‚ich wandere‘
lösung:
{t-} {Futur I}
{n-} {Präsens}
{-in-} {ich}; {1. Pers. Sg.}
{-at-} {du}; {2. Pers. Sg.}
{-beq} {wand-} - 129Das Adverb Funktion: spezifizieren das mit Prädikatsausdrücken oder dem Satz Gesagte in unterschiedlichen
Dimensionen (Zeit, Ort, Art & Weise, Grund…).
„Heute schein die Sonne.“ Zeit
„Tom liest gerne Bücher.“ Art & Weise
Können sich auch auf Adjektive und Nomen beziehen
Manche sind deiktisch (hier, jetzt, da)
Präpositionaladverbien setzen sich aus Zeigwort und Präposition zusammen (dabei, damit, hierzu…)
Formmerkmale:
Unflektierbar
Können den Kopf einer Phrase bilden
Mit W-Fragen inhaltlich erfragbar - 130Warum nicht Pronomen? Ausdruck Pronomen bezeichnet das, was für ein Nomen stehen kann (Pronominalisierung bezeichnet die Ersetzung)
Ersatz kann allenfalls für das Personalpronomen der 3. Person gelten, aber
es ersetzt nur ein Nomen, wenn es sich um einen Eigennamen handelt
Paula liebt Handtaschen. Sie kauft sich jeden Monat eine neue. In allen anderen Fällen wird eine Nominalphrase ersetzt
der alte Hund → er, die verlorene Meisterschaft → sie, das Faultier → es Funktion der 3. Pers. ist die thematische Fortführung im folgenden Satz
Die Klasse arbeitet selbständig an dem Projekt. Es hat sie sehr motiviert.
Diese Form unterstützt die Verarbeitung von Sprache durch Hörer/Leser (Genus-/Numeruskongruenz)
Die 1./2. Person umfasst Zeigwörter, die auf Sprecher/Hörer oder S/H-Gruppen zeigen und in einem Verweisraum aktuell orientieren
Homogener sind die Wortartunterscheidungen, die formale und funktionale Merkmale aufnehmen:
Anapher & Personaldeixis - 131Deixis & AnapherDrei Unterschiede zwischen deiktischer und anaphorischer Referenz:
1. Orientierung
Deiktische Ausdrücke orientieren sich an der Äußerungssituation, Anaphern dagegen an den vorangegangenen Text bzw. Diskurs.
2. Referenz
Deiktische Ausdrücke referieren kontextabhängig auf Entitäten im situativen Kontext der Äußerungssituation, Anaphern korreferieren kontextabhängig auf Entitäten.
3. Distribution
Deiktische Ausdrücke können an jeder Stelle eines Diskurses auftauchen, Anaphern stehen stets nach ihrem jeweiligen Antezedens (und das möglichst unmittelbar). - 132Reflexionsfragen – Wortarten1. Bestimmen Sie die Wortart/en der folgenden Beispiele.
2. Warum gehören die unterstrichenen Wörter in den Beispielen nicht zur selben Wortart?
Begründen Sie auf Basis der jeweiligen Funktion.
a) Vielleicht wird der BVB diese Saison deutscher Meister.
b) Mit dem neuen Trainer? Du hast vielleicht Vorstellungen.
c) Dann gewinnen sie eben den DfB-Pokal.
d) Dann muss Aubameyang bleiben – das wird nichts ohne den.
3. Anhand der Beispiele: Was ist eine Anapher (Bsp. a)), was könnte dagegen die Katapher (Bsp. b))
sein? Beachten Sie jeweils insbesondere die Funktion.
a) Das Buch lag zerfleddert im Rinnstein. Jemand hatte es achtlos weggeworfen.
b) Es lag zerfleddert im Rinnstein. Jemand hatte das Buch achtlos weggeworfen.
4. Haben alle Sprachen der Welt dieselben Wortarten? - 133SyntaxAls Teilbereich der Grammatik natürlicher Sprachen beschäftigt sich die Syntax mit dem Bau und der Gliederung des Satzes. In diesem Sinn ist Syntax die Satzlehre. Dabei geht es um ein System von Regeln, die beschreiben, wie aus einem Inventar von Grundelementen (Morphemen, Wörtern, Satzgliedern) durch spezifische syntaktische Mittel (morphologische Markierung, Intonation, Reihenfolge) alle wohlgeformten Sätze einer Sprache abgeleitet
werden können. (vgl. Bußmann 1990, 766f.) - 134 Der Satz… …formuliert einen Gedanken
…bereitet einen Sachverhaltsentwurf (Proposition) kommunikativ für die Adressaten auf
i. von einem Redegegenstand wird etwas ausgesagt (Verbindung von Subjektion und Prädikation =
Synthese) ii. der propositionale Gehalt ist zeitlich verankert (Finitheit) iii. ein einfacher Satz enthält genau ein finites Verb iv. der Äußerungsmodus (Deklarativsatz, W-Fragesätze…) begrenzt das illokutive Potenzial
Äußerungen (auch: kommunikative Minimaleinheiten)
kommunikativ eigenständige Einheiten bestehend aus einem Wort/ einer Interjektion/einem Responsiv, einer Wortgruppe oder einem Satz - 135Syntaxtheorien (I) 1. Klassische Konstituentenanalyse (vgl. Wells u.a.) Jeder Satz lässt sich schritt- und paarweise (binär) in unabhängige Wortsequenzen zerlegen
Die Zerlegung erfolgt so, dass die Sequenzen als ‚Expansionen‘ kürzerer, möglichst einwortiger Einheiten erscheinen oder insgesamt durch ein Wort ersetzbar sind.
Darstellung erfolgt häufig als Baumdiagramm, es entsteht eine hierarchische Satzstruktur, wobei bei zur Benennung der „Knoten“ syntaktische Kategorien dienen - 136Syntaxtheorien (I) 2. Dependenzsyntax (vgl. Tesnière u.a.)Dependenzsyntax (vgl. Tesnière u.a.)
Grundbeziehung: Y ist von X abhängig, füllt eine von X geforderte Leerstelle.
a) Wenn Y nicht weglassbar ist, spricht man davon, dass Y Komplement/Ergänzung zu X ist.
b) Fakultative Komplemente können weggelassen werden, sind aber impliziert.
c) Was frei zu X hinzutreten kann, in seiner Kategorie und Art nicht von X bestimmt wird, wird als Supplement/Angabe klassifiziert.
Valenz bedeutet nach Tesnière die Anzahl der Aktanten (=Komplemente/ Ergänzungen), die ein Verb regiert.
Die Satzstruktur ist determiniert von Abhängigkeiten, wobei das Verb diese bestimmt. - 137Phrasen Äußerungen bestehen aus Sätzen oder Phrasen
Phrasen können Satzfunktionen wie Subjekt, Adverbial, Objekt etc. zugewiesen werden
Jede Phrase ist funktional selbstständig und hat nur einen Kopf, die Bezeichnung der Phrase orientiert sich am Kopf
Elemente, die spezifizierende, determinierende, restriktive… Funktionen haben, können zum Kopf hinzutreten
Syntaktische Tests helfen bei der Ermittlung von Phrasen
1. Verschiebeprobe (Permutationstest) Eine Phrase kann im Deutschen komplett vor das finite Verb gestellt werden (Satzaussage darf sich nicht verändern)
2. Ersatzprobe (Substitutionstest) Eine Wortgruppe/Phrase kann durch einen funktionsäquivalenten Ausdruck ersetzt werden
3. Koordinationstest Eine Wortgruppe/Phrase kann mit gleichartigen Wortgruppen/ Phrasen koordiniert (kombiniert) werden
Phrasen können selbst Phrasen enthalten, man spricht von komplexen Phrasen - 138Verbalphrase – Verbalkomplex Die Verbalphrase besteht aus
Vollverb
Komplementen
Verbbezogene Supplementen
Subjekt und satzbezogene Supplemente sowie Abtönungspartikeln gehören nicht dazu!
Heute bringt Hannes Karla eh nach Kapstadt.
Heute bringt Hannes Karla gern nach Kapstadt..
Der Verbalkomplex
Umfasst alle finiten und infiniten Verbteile im Satz
Hannes wird Karla heute nach Kapstadt bringen.
Mittlerweile wird Hannes Karla nach Kapstadt gebracht haben. Hannes bringt Karla nach Kapstadt
verbalphrase: alle bestandteile des verbs: ohne subjekt- verb+objekt
verbalkomplex: wortlaut im weiten sinne
Bsp: Helga (NP) glaubt(VP) am leben(pp) im al(pp)l (VP) - 139Phrasen-TestsIch trage nie [gelbe Kleider].
Nominalphrase
Verschiebeprobe: [Gelbe Kleider] trage ich nie.
Ersatzprobe: Ich trage nie [grüne Hosen].
Koordinationstest: Ich trage nie [gelbe Kleider] und [grüne Hosen]. - 140Phrasen bestimmen beispiele[Ich] [sehe [ein [schönes] Haus]].
DP VP NP AdjP
[Er] [fragt [den Mann] [nach dem Weg]].
AnaP VP NP PP
[Seit 2016] [studiert ([man]) [schöner]] [in Dortmund].
PP VB IP AdjP PP
[[[Meinen] [neuen] Übungszettel] werde ([ich]) [mit großer Motivation] bearbeiten].
PossP AdjP NP DP PP - 141Dependenzsyntax Ich höre Babygeschrei.
→ Babygeschrei = Komplement
Mama schenkt mir einen Douglas-Gutschein.
→ mir, einen Douglas-Gutschein: Komplement
Wir lernen Sprachwissenschaft in der Uni.
→ Sprachwissenschaft: Komplement; in der Uni: Supplement
Die Sonne scheint heute nicht in Dortmund.
→ heute, nicht in Dortmund: Supplement - 142Reflexionsfragen – Syntaxtheorien I1. Ermitteln Sie die Konstituenten des folgenden Satzes. Zeichnen Sie hierzu einen
Phrasenstrukturbaum:
Privatdetektiv Strike sah die Verdächtige in dem Bus an der Haltestelle Conham Road.
2. Übertragen Sie die Ersetzungsregeln in einen Phrasenstrukturbaum:
S NP+VP N Hippies V tanzen
VP V+PP Det die N Wiesen
PP P+NP A verrückten
NP Det+N P auf
N A+N Det den
3. Welche Valenzen haben die Verben schlafen, reparieren, schenken und schneien? Erklären Sie
mithilfe von Beispielsätzen.
4. Kann dasselbe Wort (Form) verschiedene Valenzen haben? Zeigen Sie anhand von Beispielen. - 143PhrasenPhrasen (Wortgruppen) sind die Aufbaueinheiten von Äußerung und Satz. An
ihnen machen sich die Funktionen fest.
Jede Wortgruppe hat einen Kopf („Kern“). Das ist ein Ausdruck, der die Funktion
der ganzen Gruppe repräsentiert und andere Merkmale der Gruppe in ihren
Ausprägungen steuert. Diese Steuerung erfasst variable Merkmale wie Kasus,
Genus und Numerus. - 144Die Verbalphrase – Tests Test 1: „Es ist X der Fall, dass...“
Es ist in Frankfurt der Fall, dass Hannah studiert.
Es ist eh der Fall, dass Hannah in Frankfurt studiert.
*Es ist rückwärts der Fall, dass sie fährt.
*Es ist in Frankfurt der Fall, dass Hannah wohnt.
Test 2: Anschluss mit „,und das…“
Hannah studiert, und das in Frankfurt.
*Hannah studiert in Frankfurt, und das eh.
*Sie fährt, und das rückwärts.
*Hannah wohnt, und das in Frankfurt - 145Reflexionsfragen – Phrasen1. Welche Konstituenten in den folgenden Sätzen sind Komplemente, welche sind
Supplemente zum Verb?
a) Petra schneidet morgens ihren Pony gerne vor dem Badezimmerspiegel.
b) Letztes Jahr hat Tom in Kassel gewohnt.
c) Bei der Eröffnung gefiel den meisten Besuchern die Vielfalt der ausgestellten Kunstwerke.
2. Wie unterscheiden sich Komplemente von Supplementen? Zeigen Sie anhand eigener
Beispiele.
3. Führen Sie die syntaktischen Tests durch und bestimmen Sie die Verbalphrase:
Im Sommer grillen viele Studenten schon tagsüber Würstchen im Westpark.
4. Bestimmen Sie die Phrasen:
Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne und unten
leuchten wir - 146Satzfunktionen(auch: syntaktische Funktionen) sind die Rollen einzelner Elemente (Wörter,
Phrasen) in dem vom Satz ausgedrückten Sachverhalt, z.B. als Gegenstand, von dem etwas gesagt
wird (Subjekt), als Charakteristikum (Prädikat) oder von einer Handlung erfasstes Objekt. - 147SatzbezogenSubjekt
Prädikat
Objekt (direkt/indirekt)
Satzadverbial - 148NP-bezogenAttribut
- 149VerbbezogenPrädikativ
VG-Adverbial - 150Subjekt(ion)Funktion: Ansatzpunkt einer Szene als zentraler Beteiligter/Sachverhalt
regiert Personalform und Numerus des Verbs
Wenn Kasus vorhanden, dann Nominativ, aber auch als:
a) Satz
b) Infinitivgruppe (sie fragt, ob ein platz frei ist)
c) Adverb
ist oft thematisch
drückt aus, wovon fortlaufend die Rede sein wird
erscheint am Satzanfang oder unmittelbar nach dem flektierten Verb
Probe: Fragliche Wortgruppe mit der Anapher (er, sie, es) ersetzen, die thematisch fortführen
kann - 151Prädikat(ion)Funktion: Das über die Szene Gesagte, das bestimmende Charakteristikum
1. Maximales Prädikat
bezeichnet alles, was innerhalb der Verbszene über das Subjekt ausgesagt wird
2. Minimales Prädikat
nur das elementare Charakteristikum, das die Szene beschreibt (das finite Verb/den
Verbalkomplex)
Das, worauf sich mit dem Verb ausgedrückte Handlungen oder Ereignisse beziehen, ist das
Objekt, realisiert durch eine Phrase oder einen Objektsatz
Verben verbinden sich mit Objekten und legen dabei deren Kasus fest
Verben verbinden sich auch mit Präpositionen, die eine Nominalgruppe im Dativ oder Akkusativ
regieren - 1521. Akkusativobjektdem Verb am nächsten
Funktion: drückt oft eine von einer Handlung erfasste, veränderte, erzeugte Größe aus
Statt eines Akk.-Objekts kann ein Satz oder eine Infinitivgruppe erscheinen
Verben, die sich mit einem Akk.-Objekt verbinden, heißen transitive Verben, verbinden sie sich
mit zwei Akk.-Objekten, sind die ditransitiv. Alle anderen Verben sind intransitiv.
Probe: Fragliche Wortgruppe mit ihn/sie ersetzen - 153Dativobjekt Funktion: bezieht sich häufig auf Person/Lebewesen, die von einer Handlung betroffen sind,
denen sie nützt oder schadet
Probe: Fragliche Wortgruppe mit ihm/ihr ersetzen - 154PräpositionalobjektManche Verben verlangen nach bestimmten Präpositionen mit Nominalgruppen in einem
spezifischen Kasus.
Funktion: Die Präposition hat viel von ihrer Bedeutung eingebüßt und ist vom Verb bestimmt, den
Anschluss zu leisten.
Probe: Man fragt mit Präp.+ wem, wen/was; woran, worauf, worüber - 155GenitivobjektSeltener gebraucht
Der Genitiv verlangt ein Determinativ/Adjektiv
Probe: Man fragt mit wessen, Substitution mit dessen (Mask./Neutr. Sg.) oder derer,deren (Fem.
Sg., Plural) - 156Prädikativ Das (Subjekts-)Prädikativ erscheint in objektlosen Sätzen.
Die Prädikation besteht nur aus einem Kopulaverb und einem Ausdruck in der Funktion eines Prädikativs.
Funktion: Dem Kopulaverb wird ein Bedeutungselement hinzugefügt, so dass die ganze Einheit als
Prädikation zum Subjekt fungieren kann. - 157Adverbial Funktionen
Sachverhalt in Raum und Zeit verankern (temporal, durativ, lokal, direktional)
Gründe und Ursachen nennen (kausal, final)
Art und Weise der Ausführung beschreiben (instrumental, modifikativ)
Realisierungsformen des Adverbials
1. Adverb dort, dahin, jetzt, überall, blindlings, gern
2. Präpositionalgruppe vor Jahren, in Kapstadt
3. Nominalgruppe den ganzen Tag
4. Satz als es regnete, weil alle es wollen
Können sich als Verbgruppenadverbial auf Verb(-gruppe) oder den ganzen Satz
(Satzadverbial) beziehen
test ist es der fall einsetzen - 158Satzfunktion zweiter Stufe6. Attribut: modifiziert den Kopf einer Nominalgruppe
a) Genitivattribut Peters Verwandte, das Auto meiner Oma
b) Adjektivattribut das grüne Leuchten, der fahrende Sänger
c) Präpositionalattribut eine Stadt auf einem Berg
d) Erweiterungsnomen Bürgermeister Sierau
e) Apposition Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von NRW
f) Adverb der Schrank dort
g) Attributsatz die Frage, ob die Schule dreizügig wird
h) Relativsatz Löw, der auf die Youngsters setzte
i) Infinitivgruppe das Problem, die Schulden abzubauen
Mit Ausdrücken in Attributfunktion kann der Gegenstandsbezug der Nominalgruppe präziser gestaltet
werden
Probe: Was für ein N? Welcher N? Wessen N? - 159Phrasen & Satzfunktionen

- 160Reflexionsfragen – SatzfunktionenBestimmen Sie alle Satzfunktionen in den folgenden Beispielen:
a) Horst schenkte seiner Frau zum Geburtstag einen Staubsauger.
b) Cordula wartet oft auf ihre Schwester.
c) Der BVB ist der beste Fußballverein der Welt.
d) Letztes Jahr hat Sabrina ihren Freunden Bücher geschenkt.
e) Max arbeitet in Berlin.
2. Entwickeln Sie Beispielsätze, die folgende Funktionen abbilden:
a) Satzadverbial + attribuiertes Subjekt + Min. Prädikat (V) + Akkusativobjekt (Komplement)
b) Satzadverbial + Subjekt + Min. Präd. (V) + VG-Adverbial + Präpositionalobjekt (Komplement)
c) Satzadv. + attribuiertes Subj. + Min. Prädikat (V) + Dativobjekt (Komplement) + Akkusativobjekt (Komplement)
3. Haben die unterstrichenen Elemente in den folgenden Beispielen unterschiedliche Funktionen? Erklären Sie
Ihre Antwort.
a) Ihr lauter Schrei verhallte im Nichts.
b) Sie schrie laut, doch es verhallte im Nichts.
4. Wer oder was ist „es“ in „Es schneit“? Recherchieren Sie - 161Nominalflexio?Nomen, Adjektiv , artikel anpassen
das genus ist im Nomen inherent= erhalten - 162Phonetik: Die Klassifikation der KonsonantenBei der Artikulation von Konsonanten wird anders als bei den Vokalen der Luftstrom (Phonationsstrom) an einer Stelle im Mund- oder Rachenraum verengt oder kurzfristig ganz blockiert. Für den Hörer entsteht durch diese Art der Lautproduktion ein Geräuscheindruck.
Konsonanten werden traditionell nach drei Hauptkriterien klassifiziert:
Artikulationsart: Art der Luftstrombehinderung
Artikulationsort: Stelle, an der die Behinderung erfolgt
Stimmton: stimmlos vs. stimmhaft - 163SatzfunktionenSatzfunktionen sind die Rollen einzelner Wörter/Phrasen im vom Satz ausgedrückten Sachverhalt
1. Subjekt
Funktion: Ansatzpunkt einer Szene als zentraler Beteiligter/ Sachverhalt regiert Personalform und Numerus des Verbs
Kasus Nominativ
ist oft thematisch und erscheint oft am Satzanfang
2. Prädikat
Funktion: Das über die Szene Gesagte, das bestimmende Charakteristikum Maximales Prädikat: alles, was über das Subjekt ausgesagt wird
Minimales Prädikat: das finite Verb bzw. der Verbalkomplex
Vom Verb ausgedrückte Handlungen/Ereignisse beziehen sich auf Objekte
Verben verbinden sich mit Objekten und legen dabei deren Kasus fest
Verben verbinden sich auch mit Präpositionen, die eine Nominalgruppe im Dativ oder Akkusativ regieren - 164Satzfunktionen – Objekt3a) Akkusativobjekt
dem Verb am nächsten („direktes“ Objekt) Zielkasus, Personenkasus
Funktion: drückt oft eine von einer Handlung erfasste, veränderte, erzeugte Größe aus Probe: Fragliche Wortgruppe mit ihn/sie ersetzen
3b) Dativobjekt
Funktion: bezieht sich häufig auf Person/Lebewesen, die von einer Handlung betroffen sind, denen sie nützt oder
schadet („indirektes“ Objekt)
Probe: Fragliche Wortgruppe mit ihm/ihr ersetzen
3c) Präpositionalobjekt
Manche Verben verlangen Präpositionen mit Nominalgruppen im Akk./Dat.
Funktion: Die Präposition hat viel von ihrer Bedeutung eingebüßt und ist vom Verb bestimmt, den Anschluss zu leisten.
Probe: Man fragt mit Präp.+ wem, wen/was; woran, worauf, worüber 3d) Genitivobjekt
Seltener gebraucht (v. a. als Kasus der attributiven NP; „Gerichtssprache“)
Probe: Man fragt mit wessen, Substitution mit dessen (Mask./Neutr. Sg.) oder derer,deren (Fem. Sg., Plural) - 165Satzfunktionen4. (Subjetkts-)Prädikativ
erscheint in objektlosen Sätzen
Prädikation (maximales Prädikat):
Kopulaverb + Ausdruck in der Funktion Prädikativ
Funktion: Dem Kopulaverb (sein, werden, bleiben) wird ein Bedeutungselement hinzugefügt, so dass die
ganze Einheit als Prädikation zum Subjekt fungieren kann
5. Adverbial
a) Räumliche/Zeitliche Verankerung v. Sachverhalten:
Heute gehen wir ins Kino.
b) Gründe /Ursachen/Zwecke nennen:
Wir gehen ins Kino wegen des neuen Star Wars Films.
c) Art und Weise der Ausführung beschreiben:
Wir gehen gerne ins Kino.
Realisierungsformen sind Adverb, PP, NP und Satz
VG-Adverbiale: beziehen sich auf die Verbgruppe und sind Teil des maximalen Prädikats Satzadverbiale: beziehen sich auf den Satz und gehören nicht zum maximalen Prädikat
6 - 1666. Attribut (Satzfunktion zweiter Stufe)Modifiziert den Kopf einer Nominalgruppe
Der Gegenstandsbezug wird durch Attribute präziser
Satzbezogen Subjekt Prädikat
Objekte (direkt/indirekt) Satzadverbial
Verbbezogen Prädikativ Präpositionalobjekt
Verbgruppenadverbial NP-bezogen Attribut - 167Stellungsprinzipien des DeutschenVerb/satzklammer
bsp: Thomas hat ein Brötchen bestellt. Die Satzklammer besteht aus einem linken und einem rechten Satzklammerteil.
Linker Satzklammerteil (lSkl) ist immer besetzt
Rechter Satzklammerteil (rSkl) je nach Satztyp obligatorisch oder fakultativ Fakultativ: Verberst- (1, 2, 3) und Verbzweitsätze (4, 5)
Obligatorisch: Verbletztsätze (6, 7) - 168Die Satzklammer1. Die Besetzung des linken Satzklammerteils:
• Verberst- und Verbzweitsätze: Besetzung durch ein finites Verb
• Verbletztsatz: Besetzung durch ein einleitendes Element
2. Die Besetzung des rechten Satzklammerteils:
• Komplexer, unterliegt bestimmten Abfolgeregularitäten
• Wenn besetzt, dann ausschließlich durch ein oder mehrere verbale Elemente, zu denen auch die Präverben ("trennbare Verbpräfixe") zählen
• Verbletztsatz: das einleitende Element bildet den linken Klammerteil, der gesamte Verbalkomplex (inkl. finites Verb) den rechten. - 169Stellungsfelder des Deutschenbild einfügen
- 170Stellungsfelder1. Vorfeld
Befindet sich vor der linken Satzklammer
Nur in Verbzweitsätzen besetzt
Verberst- und Verbletztsätze verfügen über kein Vorfeld
2. Mittelfeld
Befindet sich zwischen dem linken und dem realisierten oder potenziell realisierbaren rechten
Satzklammerteil
Kann in allen Satztypen besetzt sein und ist auch meist besetzt Stellungsregularitäten sind besonders wichtig
3. Nachfeld
Befindet sich rechts vom realisierten oder potenziell realisierbaren rechten Satzklammerteil
Kann in allen Satztypen besetzt werden, auch wenn der rechte Satzklammerteil nicht realisiert ist
Institut für deutsche Sprache und Literatur / Fakultät 15 - 171Semantik (nach Löbner 20031, 20152)Die Semantik ist die Wissenschaft von der Bedeutung einfacher oder zusammengesetzter sprachlicher Ausdrücke, die losgelöst von jedem konkreten Äußerungskontext für sich genommen werden. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Ausdrucksbedeutung und Äußerungsbedeutung, das heißt der Bedeutung, die ein Ausdruck annimmt, wenn er in einem konkreten Äußerungskontext verwendet wird.
(Löbner 2003, 13)
Wortbedeutung meint den gesamten Vorstellungsinhalt, der sich für Mitglieder einer Sprachgemeinschaft (individuell oder als Gesamtheit) mit einem Wort ergibt. Dieser ist gleichermaßen
1. Konventionalisiert (Zeichensystem einer Sprachgemeinschaft)
2. Kognitiv (im Kopf)
3. Kooperativ ((resultat von gem. sprachgesprauch)
4. Kontextabhängig
5. Kodifiziert (Wörterbuch) - 172Semantik – Was ist ein Wort?Unterhalb des Lexembegriffs kann man die Lexik (= Wortschatz) einer Sprache in zwei Gruppen einteilen
1.
2.
Autosemantika (auch: Inhaltswörter)
Ein Autosemantikum ist ein Inhaltswort, das unabhängig vom Kontext eine
selbstständige Bedeutung besitzt und satzgliedfähig ist.
Synsemantika (auch: Funktionswörter), operatives, deiktisches Feld)
Ein Synsemantikum ist ein Funktionswort, welches häufig keine kontextunabhängige lexikalische Bedeutung hat, sondern primär grammatische/deiktische Funktionen besetzt - 173Ausdrucks- und Äußerungsbedeutung1. Ausdrucksbedeutung
Die Bedeutung von Wörtern, Phrasen und Sätzen in ihrem allgemeinen Sinn Der Kontext wird ausgeklammert
Versuch des Erfassens des allgemeinen Potentials von Ausdrücken
2. Äußerungsbedeutung
3.
Die Bedeutung eines Ausdrucks, die sich aus seiner Verwendung und Interpretation in einem gegebenen Äußerungskontext ergibt
Ausdrucksbedeutungen können im Kontext Bedeutungsverschiebungen unterliegen, die sich auf Referenz und Wahrheit auswirken
Kommunikativer Sinn
Bedeutung einer Äußerung als kommunikative Handlung in einer gegebenen sozialen Konstellation (Sprachaktebene der Bedeutung) - 174Satzbedeutung & Kompositionalität1. 2.
3.
Lexikalische Bedeutung
Wortbedeutungen und „idiomatische“ Bedeutungen, die im mentalen Lexikon gespeichert sind Kompositionale Bedeutung
Bedeutung zusammengesetzter Ausdrücke, die aus dem gespeicherten sprachlichen Wissen errechnet/hergeleitet werden muss und nicht im Lexikon gespeichert ist
Grammatische Bedeutung
Bedeutungen von Wörter in ihrer gegebenen Form müssen mithilfe von Regeln abgeleitet werden
Die grammatische Form eines Wortes leistet einen Beitrag zur Satzbedeutung, soweit sie nicht grammatisch bestimmt ist - 175Kompositionalitätsprinzipbild einfügen
- 176Deskriptive BedeutungDie Bedeutung eines Inhaltswortes ist ein Konzept, das eine mentale Beschreibung einer
bestimmten Art von Entitäten bereitstellt.
Die Bedeutung eines Satzes ist ein Konzept, das eine mentale Beschreibung einer
bestimmten Art von Situation bereitstellt.
1. Die deskriptive Bedeutung eines Inhaltswortes ist ein Konzept für seine potentiellen
Referenten.
2. Die deskriptive Bedeutung eines Satzes, seine Proposition, ist ein Konzept für seine potentiellen Referenzsituationen.
3. Die deskriptive Bedeutung von Wörtern oder grammatischen Formen besteht in ihrem Beitrag zur deskriptiven Satzbedeutung - 177Das semiotische Dreieck für Inhaltswörterbild einfügen
- 178Übersicht: Bedeutungsanteilebild einfügen
soziale Bedeutung: Du vs. Sie
expressive Bedeutung: Ich liebe dich, fluchen etc - 179WortfeldEin Wortfeld ist eine Gruppe von Lexemen, die folgende Bedingungen erfüllt:
1. die Lexeme gehören zur selben grammatischen Kategorie,
2. ihre Bedeutungen haben gemeinsame Bestandteile,
3. zwischen ihnen bestehen klar definierte Bedeutungsbeziehungen,
4. die Gruppe ist bezüglich dieser Beziehungen abgeschlossen.
(Löbner 2003, Kap. 5)
Institut für deutsche Sprache und Literatur / Fakultät 15
„Ein Wortfeld bezeichnet – grob gesagt – eine Menge bedeutungsähnlicher Lexeme. So bilden sterben, verscheiden, erfrieren, verhungern, abkratzen, verrecken... das Wortfeld ‚Aufhören des Lebens‘. Die gängigste
Methode zur Ermittlung der Wortfeldlexeme ist die Merkmalanaly - 180WortfamilieEine Wortfamilie ist eine Gruppe von Lexemen, die durch den ausdrucksseitigen Bezug auf einen gemeinsamen Wortstamm oder ein gemeinsames Kernlexem (etymologische Wurzel) zurückgehen. Wortfamilien können synchron und diachron erstellt werden
- 181Lexikalische AmbiguitätLexikalische Ambiguität bezeichnet allgemein, wenn die Ausdrucksseite eines sprachlichen Zeichens
© Annika Frank
verschiedenen Bedeutungen zugeordnet werden kann.
1. Homonymie: dieselbe Laut- und Schriftform zweier Lexeme
Lexeme können auf keine gemeinsame Kernbedeutung zurückgeführt werden Sie haben verschiedene Bedeutungen, aber zufällig dieselbe Form
a) Homophonie: Homonymie in Bezug auf die Lautform
b) Homographie: Homonymie in Bezug auf die Schriftform
2. Polysemie
Lexeme sind polysem, wenn sie mehrere miteinander verbundene Bedeutungen/Bedeutungsvarianten
haben
haben einen sprachgeschichtlichen Zusammenhang (gehen etymologisch auf ein und dasselbe Lexem zurück)
sind systematisch (z.B. bezogen auf „äußere Ähnlichkeit“)
Ergebnis einer natürlichen ökonomischen Tendenz von Sprache - 182Oppositionen3.
Semantische Komplementarität (auch: Kontradiktion)
Wortpaare, die miteinander inkompatibel sind und einander gegenseitig ausschließen
Semantisch komplementäre Gegenteile haben identische Bedeutungen bis auf ein polares Entweder-Oder-Merkmal, in dem sie sich unterscheiden
Jeder der beiden Ausdrücke bezeichnet eine von genau zwei Möglichkeiten Semantische Komplementäre sind auch logisch komplementä (tot lebendig, schwanger/nicht schwanger)f
4. Heteronymie
Bezeichnet eine größere Anzahl von Lexemen, zum Beispiel die Hyponyme eines gemeinsamen Hyperonyms, die semantisch ein (möglicherweise offenes) Spektrum an Alternativen aufspannen
Wochentage, Verben der Fortbewegung, Farbadjektive...
Logisch inkompatibel, weil sie gleichrangige Alternativen bezeichnen - 183Oppositionen 1+21. Antonymie
Wortpaare, die auf einer Skala von Möglichkeiten entgegengesetzte Extreme bezeichnen
Prototypische Beispiele sind skalare Adjektive (alt – jung, hell – dunkel...), die auf einer Skala einen nach oben bzw. unten offenen Bereich hoher bzw. niedriger Werte bezeichnen
ein neutraler Mittelwert kann bleiben, z.B. nicht groß ≠ klein Skalare Adjektive sind steigerbar
2.
Logisch inkompatibel, aber nicht komplementär
Direktionale Oppositionen
Beziehen sich auf entgegengesetzte Richtungen auf einer Achse - 184Übereinstimmung von Bedeutungen – Synonymie1. Totale Synonymie (Cousin,vetter)(auch: strikte Synonymie): erstreckt sich auf alle eventuellen
Bedeutungsvarianten (deskriptiv, sozial, expressiv) eines Lexems
2. Partielle Synonymie: (fast/beinahe) die Lexeme teilen eine oder mehrere Bedeutungsvarianten
Synonymie-Bedingung: Bedeutungsgleichheit, d. h. Übereinstimmung auf Konzeptebene! - 185Überordnung & Unterordnung – Hyponymie1. Hyponym
A ist genau dann ein Hyponym von B, wenn A ein Unterbegriff von B ist und wenn die Bedeutung von B Teil
der Bedeutung von A ist.
Zusätzlich zu der Bedeutung von B muss die von A noch weitere Aspekte enthalten, die sie spezifischer machen als die von B.
2. Hyperonym
Wenn A ein Hyponym von B ist, wird B als Hyperonym (Oberbegriff) von A bezeichnet.
Die Bedeutung des Hyperonyms ist in der des Hyponyms enthalten, und umgekehrt ist die Denotation
des Hyponyms eine Teilmenge der Denotation des Hyperonyms. - 186Bedeutungsbeziehungenbild einfügen
- 187Denotation & Konnotation1) Beispiel: Junggeselle
Denotation: unverheirateter Mann
(Menge der potentiellen Referenten, Wortbedeutung im engeren Sinne) Konnotation: junger Mann, chaotisch, freiheitsliebend, feiert gerne...
(kulturkreis-spezifische Assoziation) - 188Bedeutungsbeziehungen Synonymie: Gabe – Geschenk
Antonymie: hell – dunkel
Semantische Komplementarität: bestanden – durchgefallen
Direktionale Opposition: raus – rein
Heteronymie: Hose, Pullover, T-Shirt
Homophonie: Matte – Mathe
Homographie: Konstanz – Konstanz
Hyperonymie: Haarfarbe Hyponymie: blond
Polysemie: Bank, Bank - 189—
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- Tu Flashcards on Einführung in die Sprachwissenschaft, created by Anna- Marie on 30/10/2017.
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