Motivation aktivieren

Klaudia Weber
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Obwohl Motivation eine „Nebenrolle“ beim Lernerfolg spielt (den größten Beitrag dazu leisten kognitive Lerner-Merkmale wie u.a. Vorwissen und Intelligenz), ist es trotzdem lohnenswert, diese zu fördern. Denn langfristig (!) kann Motivation zu enormen Kompetenzunterschieden führen. Vor allem die überdauernde und intrinsische (im Gegensatz zur aktuellen und extrinsischen) Motivation gilt es zu fördern, was lt. Schiefele & Streblow (2005) mit folgenden SECHS FÖRDERANSÄTZEN erfolgen kann:

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Motivation aktivieren

Motivation wird meistens als zentrale Bedingung des Lernerfolgs betrachtet. Trotzdem muss man betonen, dass neben der Motivation auch KOGNITIVE LERNER-MERKMALE, wie z B. Vorwissen, Intelligenz, metakognitives Strategiewissen und die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses den größten Beitrag im Zusammenhang mit Lernerfolg zeigen (Vgl. Schiefele & Streblow 2005, S 232 ).Der Beitrag von Motivation im Zusammenhang mit Lernerfolg kann nicht generalisiert werden. So gibt es beispielsweise in der Unterstufe wenig Korrelationen zwischen dem Interesse an Mathematik und entsprechenden Schulleistungen. In der Oberstufe hingegen gibt es entsprechende Zusammenhänge, obwohl Mathematik immer als fähigkeitsabhängiges Fach bezeichnet wird. Eine Erklärung könnte die in den Oberstufen vorherrschende Wahlfreiheit in Bezug auf Leistungskursen sein, die mit den eigenen Interessen einhergehen, sodass der Faktor "intrinsische" Motivation hier zum Tragen kommen kann. Auch wenn der Motivation nur eine untergeordnete Rolle für den Lernerfolg zugeschrieben werden kann, ist es lohnenswert, sie zu fördern. Denn sie führt zu einer besseren Erlebensqualität bei den Lernenden und beeinflusst die Wahl von Kursen (Nur der motivierte Schüler wird sich vertiefen wollen, was zu beachtlichen Kompetenzunterschieden bei gleichermaßen begabten und intelligenten Schülern führen kann). (Vgl. Schiefele & Streblow 2005, S 233 f)

Sechs Förderansätze zur Motivation

LANGFRISTIG kann also Motivation zu beträchtlichen Kompetenzunterschieden führen. Im Folgenden werden zwei große Richtungen der MOTIVATIONSAKTIVIERUNG bearbeitet (Vgl. Schiefele & Streblow 2005, S 233 f):a) Förderung des Leistungsmotivs b) Förderung von intrinsischer Motivation und InteresseVor allem die überdauernde und intrinsische (im Gegensatz zur aktuellen und extrinsischen) Motivation gilt es zu fördern, was lt. Schiefele & Streblow (2005,) mit folgenden SECHS FÖRDERANSÄTZEN erfolgen kann:

I: Training auf Grundlage des Selbstbewertungsmodells von Heckhausen: Wenn Menschen „Kompetenz““ und Tüchtigkeit“ erleben – z. B. beim Lösen herausfordernder Aufgaben – spricht man vom LEISTUNGSMOTIV: Hier unterscheidet man zwischen Erfolgsmotiv und Misserfolgsmotiv. Beide Motive stehen mit drei TEILKOMPONENTEN in Beziehung: a) Setzen von aufgabenbezogenen Zielen, b) Ursachenzuschreibungen (z. B. Fähigkeit, Anstrengung, Aufgabenschwierigkeit, Pech/Glück) und c) die daraus resultierenden Selbstbewertungen (z. B. Scham). Aufgrund der großen Bedeutung der Ursachenzuschreibungen für Erfolg und Misserfolg wurden vom Team rund um Heckhausen Trainings entwickelt, die zur Veränderung (!) der vorherrschenden Attributions-Muster (Pech, Glück, Aufgabenschwierigkeit …) dienen. Denn sowohl bei Erfolg als auch bei Misserfolg sollten vor allem Anstrengungs-Attributionen durch entsprechende Leistungs-Rückmeldungen gefördert werden => Schüler sollen (Miss-)Erfolg mit Anstrengung assoziieren, denn Anstrengung ist – im Gegensatz zu Pech/Glück … – von der Person selbst (!) steuerbar. II: Förderung des Leistungsmotivs durch individuelle Bezugsnormierung: In den Trainingsprogrammen wurde den Schülern auch nahegelegt, die eigene Leistung (anfänglich schulferne Tätigkeiten, wie z. B. Wurfspiele, später schulnahe Aufgaben) danach zu bewerten, ob sie realistische (!) Ziele erreicht haben oder nicht. Im „normalen“ Unterricht zeigte sich dann aber bei Schülern und Lehrern eine große Diskrepanz bezüglich der Leistungsbewertungen aufgrund unterschiedlicher Bezugsnormen. Bei den Trainings lernten die Schüler, sich im Zeitverlauf selbst zu bewerten (INDIVIDUELLE BEZUGSNORM). Im Unterricht wurde aber hauptsächlich die SOZIALE BEZUGSNORM (Orientierung an den durchschnittlichen schulischen Leistungen im Klassenverband) bzw. die SACHLICHE BEZUGSNORM (Orientierung an einem Sachkriterium wie ein Curriculum oder Lernziel) verwendet. Idealerweise wird im Unterricht eine Normenvielfalt (samt individueller Bezugsnormierung) praktiziert, um die Motivation zu erhöhen bzw. aufrechtzuerhalten.III. Förderung der KompetenzwahrnehmungDas Auftreten von intrinsischer Motivation ist eng an den Erwerb von Kompetenz gebunden (Deci & Ryan, 1985), wie auch das EXPLORATIONS- und SPIELVERHALTEN bei Kindern zeigt. Neben der Sicherung des eigenen Überlebens fördern diese beiden Verhaltensweisen das Erleben der eigenen Kompetenz. Folgende Interventionen können zur Stärkung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten führen: 1) Rückmeldungen und Bekräftigungen, 2) Förderung aktiver Beteiligung und lebenspraktischer Anwendungen,3) den Lehrstoff klar, strukturiert und anschaulich präsentieren, 4) soziale Unterstützung bei angemessenen Aufgaben.IV. Förderung der Selbstbestimmung Intrinsische Motivation und Interesse können nur dann entwickelt werden, wenn Schüler ein Mindestmaß an Mitbestimmung und Wahlfreiheit haben (z. B. bei der Auswahl des Lernstoffs und der Lernziele), bzw. über Handlungsspielräume (z. B. durch den Einsatz bestimmter Lehrmethoden, wie Projektunterricht, Freiarbeit und kooperatives Lernen) und Selbstbewertungsmöglichkeiten verfügen (z. B. durch Lernkurven …). Zudem soll es immer wieder zu einer Ankopplung an übergeordnete Ziele kommen (z. B. uninteressanter, aber notwendiger Lernstoff kann mit persönlich bedeutungsvollen und lebenspraktisch relevanten Oberzielen verknüpft werden).V: Förderung der sozialen EinbindungEine weitere Möglichkeit, intrinsische Motivation und Interesse zu fördern, besteht darin, das Gefühl sozialer Bezogenheit mit anderen zu erhöhen. Folgende Maßnahmen sind dafür geeignet. A) Teamarbeit: z. B. Kleingruppen, Teilergebnisse diskutieren und B) ein partnerschaftliches Lehrer-Schüler-Verhältnis: z. B. Lernen selbst zum Gegenstand des Unterrichts machen.VI: Förderung der persönlichen Bedeutsamkeit des LerngegenstandesFolgende Maßnahmen sind hilfreich, um das Ziel des Lerners klar und persönlich bedeutungsvoll zu machen: 1) Lehrende sollen ihr eigenes Interesse am Stoffgebiet zum Ausdruck bringen, 2) den emotionalen Gehalt des Lernstoffs erhöhen, 3) praktische Anwendungsmöglichkeiten hervorheben, 4) den Lernstoff mit „natürlichen“ Interessen verbinden, 5) für Abwechslung und Neuheit sorgen.LITERATUR UND QUELLE:Schiefele, Ulrich und Streblow, Lilian (2005). Motivation aktivieren. In H. Mandl & H. F. Friedrich (Eds.), Handbuch Lernstrategien (pp. 232-247). Göttingen: Hogrefe Hier noch ein Link zum einem Original-Onlinetext >

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