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Flashcards

Klinische Neuropsychologie - Visuelle Objektagnosie und Prosopagnosie

Joney Stoney Psychologie Zellbiologie German 28 cards

Cards in this deck (28)

  1. 1Agnosie-Nicht-Erkennen
    -Begriff von Sigmund Freud eingeführt
  2. 2Grundzüge der kognitiven Architektur und Anatomie visuellen ErkennensProblem: Die Schwierigkeiten des visuellen Erkennens von Objekten => Sie sind stetig wechselnd und in ihren Möglichhkeiten unbegrenzt, Fülle von visuellen Empfindungen müssen auf eine begrenzte Zahl von bekannt Objekten bezogen werden
    Mehrere Schritte des Erkennens und Klassifikation visueller Informationen: perzeptive, semantische und lexikalische Phase
  3. 3Perzeptive Phaserelevante Merkmale werden extrahiert:
    1. zusammenhängendes Objekt muss von anderen Objekten im Hintergrund abgegrenzt werden
    2. aus den Details und Zufälligkeiten der aktuellen Wahrnehmung des Objekts charakteristische Merkmale herausfiltern, welche unter allen Blickwinkeln und Beleuchtungen sowie für alle Exemplare einer Gattung von Objekten konstant sind
    3. Endprodukt: strukturelle Repräsentationen des Objektes
  4. 4Semantische PhaseAnalyse mit Wissen des semantischen Gedächtnisses bzgl. des Objektes verknüpft
    => Informationen über Eigenschaften, die nicht direkt aus der visuellen Wahrnehmung abgeleitet werden können
  5. 5Lexikalische PhaseBenennung
    Kontroverse, ob nicht auch Teil der semantischen Phase
  6. 6Apperzeptive visuelle Agnosie= Formagnosie (keine Differenzierung gleicher und ungleicher Objekte)
    Störung der perzeptiven Phase des Erkennens => Extrahierung der Merkmale nicht möglich
    Objektkonstanz (verschiedene Ansichten/Exemplare eines Objekts zuordnen) versagt
    Schwerste Form:
    Wahrnehmung lokaler Kontraste, Farben und Bewegungen gegeben, jedoch Verfolgung zusammenhängender Linien und Konturen nicht möglich
    => perzeptive Phase im 1. Schritt behindert; Rekonstruktion zusammenhängender struktureller Repräsentationen von Objekten unmöglich
    apperzeptive Agnosie im engeren Sinne: Formerkennung gegeben, allerdings keine Integration lokaler Details/globaler Umrisse eines Objektes => extraktion charakteristischer Merkmale nicht möglich
  7. 7Neurologische Korrelate apperzeptiver Agnosie-Toxische und anoxische Hirnschädigungen
    -Entwicklung aus initialer kortikaler Blindheit
    -Läsion in V2 => lateraler okzipitaler Komplex (LOK, hohe Aktivität bei Präsentation geschlossener Konturen)
    -apperzeptive Agnosie im eigentlichen Sinne (Formerkennung möglich) kann als Rückbildung der Formagnosie entstehen
  8. 8Dissoziation der dorsalen und ventralen Route der visuellen WahrnehmungVentrales System:
    -von Sehrinde in den basalen -Temporallappen
    -dient visuellem Erkennen
    Dorsales System:
    -von Sehrinde in lateralen Parietallappen
    -Erfassung räumlicher Beziehungen von Objekten und visuelle Steuerung motorischer Aktionen
    Visuelle Agnosien betreffen das ventrale System -> dorsales System i.d.R. intakt
    Beispiel: Patientin D.F.
    Ventrodorsale Bahn (3. Bahn) evtl Voraussetzung für stabile Repräsentation räumlicher Beziehungen
  9. 9Assoziative AgnosieAbschluss der perzeptiven Phase, jedoch Störung der semantischen Phase
    Ordnen von Objekten nach nicht wahrnehmbaren Eigenschaften (Funktion, Ort des Vorkommens etc.) nicht möglich
    Ursache:
    Läsionen des semantischen Systems (Wissen über Objekte) => multimodale Präsentation ebenfalls erfolglos, Objekte können nicht bildlich imaginiert werden, Beantwortung inhaltlicher Fragen nicht möglich
    Allerdings auch isolierte/modalitätsspezifische Formen möglich
  10. 10Neurologische Korrelate assoziativer AgnosieBeidseitige ausgedehnte temporale Läsionen; spezifischere Formen bei kleineren oder unilateralen Läsionen
  11. 11Optische AphasieStörung der lexikalen Phase => erkennen möglich, trotz sprachlicher Fähigkeiten jedoch keine Benennung des Objektes möglich
    Abgrenzung zur assoziativen Agnosie kontrovers; Zusammenfassbar als modalitätsspezifisch visuelles Fehlbenennen
    Leitsymptom: Fehlbenennung von visuell präsentierten Objekten
    -Fehlbenennungen nicht unter visueller Ähnlichkeit, jedoch unter semantisch oder assoziativer Ähnlichkeit/Verbundenheit zum Objekt
    -Richtiges Wissen über fehlbenannte Objekte kann wiedergegeben werden
    -Teils Benennung und Funktionserkennung möglich - in manchen Fällen nur non-verbal oder pantomimisch
    -Auswahl von richtigem Namen unter Präsentation mehrerer möglich
    -Bei Vorgabe des Namens kann Objekt aus dem Gedächtnis gezeichnet werden und Eigenschaften benannt
  12. 12Neurologische Korrelate zur optischen Aphasie/modalitätsspezifischen FehlbenennensLäsionen des linken Okzipitallappens sowie splenium des Corpus callosum oder Forceps major (Fortsetzung des Splenums in den Temporal- und Okzipitallappen der linken Hemisphäre)
    Ursache:
    meist Infarkte der linken Arteria cerebri posterior
    Begleitet von rechtsseitiger Hemianopsie
    Pathophysiologie:
    Durch rechtsseitige Hemianopsie keine visuelle Information der linken Hemisphäre (zum Sprachzentrum) => Information der rechten nötig; durch Läsion des Spleniums jedoch keine Informationsübertragung von rechts nach links => Fehlbenennungen, allerdings pantomimische Darstellungen und Zuordnungen möglich (intrahemisphärisch rechts)
  13. 13Verschiedene Erklärungsmodelle zur modalitätsspezifischen visuellen Fehlbenennung1. Gestörter Zugang zur Semantik
    2. Unterbrechung einer direkten Route
    3. Zwei semantische Systeme
    4. Superadditiver Effekt zweier Läsionen
    5. Alternativer Ansatz:
    Vorschlag zur Erklärung modalitätsspezifisch visueller Fehlbenennungen
  14. 14Gestörter Zugang zur SemantikAnnahme:
    Störung betrifft Zugang von struktureller Repräsentation (Ende der perzeptiven Phase) zum sematischen System
    Unvollständige und entstellt übertragene Information reicht aus, um Objekte grob zuordnen zu können, jedoch nicht für Identifikation
    Pantomim-Erklärung:
    Ableitung der Gebrauchsfunktion aus Aussehen (semantisch frei)
  15. 15Unterbrechung einer direkten Route von der Struktur zum NamenAnnahme:
    Existenz direkter Route von der strukturellen Repräsentation zum Namen neben semantischem System
    => Unterbrechung dieser führt zu Fehlbenennung, jedoch unter Einschluss semantischen Wissens
    Kritik:
    Kaum Hinweise auf eine direkte Route
  16. 16Zwei semantische SystemeAnnahme:
    Rechte Hemisphäre besitzt eigenständige semantische Kompetenz => erkennt Bilder (Sortieren), jedoch kein sprachlicher Ausdruck möglich (Benennen) => Worte können verstanden werden und Zuordnung zu verbaler Information möglich
    Erklärung für Unidirektionalität visuell verbaler Diskonnektion: individuell verschieden ausgeprägte Fähigkeiten, Wissen zu bekunden, können mit individuell verschieden ausgeprägter semantischer Kompetenz rechtter Hemisphäre erklärt werden
    Kritik:
    Keine Erklärung für pantomimische Darstellung
  17. 17Superadditiver Effekt zweier LäsionenFarah, 1990
    Annahme:
    Benennstörung durch superadditive Kombination zweier unvollständigen Läsionen; einerseits Zugang von visueller Analyse zu semantik gestört, andererseits von Semantik zur Sprache
    Kritik:
    Keine Erklärung für Unidirektionalität der Diskonnektion und auch nicht für pantomimische Fähigkeit
    Problem: Patienten bei denen Zugriff zu Objektnamen perfekt ist, wenn semantische Information verbal vorgegeben wird
  18. 18Alternativer AnsatzUnterscheidet sich zu anderen Ansätzen, da Vorgänge innerhalb der Ebenen erklärt werden sollen (intrasemantisch) => Modellierung von Verbindungen von Teilinformatiuonen innerhalb einer Ebene
    Annahme:
    Zahlreiche parallele Verbindungen zwischen den Bearbeitungsstufen innerhalb einer Ebene => Teilinformationen werden übertragen und Vorausaktivierungen verwandter Informationen erzielt (Fehlbenennungen anhand semantischer Ähnlichkeit)
    Resultat:
    Netwerk von gleichzeitig aktivierten Informationseinheiten in mehreren Bearbeitungsstufen
    Wenn in stabilem Gleichgewicht => Informationsverarbeitung innerhalb der Stufen abgeschlossen
  19. 19Vorschlag zur Erklärung modalitätsspezifisch visueller FehlbenennungenGoldberg und Karlbauer
    Annahme:
    Nach struktureller Repräsentation Aktivierung semantischer Repräsentation des Objektes und semantisch ähnlicher Objekte, dabei:
    -Einengung auf das Richtige Objekt durch Hemmung konkurrierender
    -Voraussetzung für Hemmung ist überschreitung eines Schwellenwertes/kritischer Differenz gegenüber konkurrierender Objekte
    => Hypothese eines gestörten Zugangs von strukturellen Repräsentationen zur Semantik: gestörter Zugang zur semantik kann ausreichen, um Objekt mehr zu aktivieren als konkurrierende (Zuordnung), reicht jedoch nicht für eine Hemmung der konkurrierenden aus (Fehlbenennung)
    => wird Name vorgegeben, so kann Hemmung erfolgen, wird falscher Name vorgegeben, kann Fehlbenennung als richtig akzeptiert werden (Hemmung des eigentlichen Objektes durch ein konkurrierendes)
    Fehler bei Kategorien: Mitaktiviertung von Konkurrenten
    Erklärung Pantomime: Einschränkung der Ausbreitung im semantischen System, da Einengung durch zusätzliche Informationen nach Aufforderung zur Darstellung des Gebrauchs
  20. 20Prosopagnosie= Störung der Gesichtererkennung
    Leitsymptom:
    Menschen können nicht anhand ihrer Gesichter erkannt werden, jedoch anhand anderer Eiggenschaften (Stimme, Kleidung etc.)
    Prosopagnosie als Teilsympotm schwerer apperzeptiver Agnosie möglich: Menschliches Gesicht kann nicht als solches identifiziert werden, Abgrenzung zu Tiergesichtern mit menschlichen Accessoires oder entstellten Gesichtern (Mund, Auge, Nase verschoben) nicht möglich
  21. 21Besonderheiten des GesichtererkennensUmstritten, ob "reine" Prosopagnosie existiert; fraglich, ob Unterschiede in den Mechanismen des Erkennens von Gesichtern und Objekten, jedoch Hinweise in den Phasen des Gesichtererkennens darauf vorhanden
  22. 22Perzeptive Phase des GesichtserkennensLeitsymptom: Unfähigkeit individuelle Gesichter zu erkennen
    Prosopagnosie und Objektagnosie:
    Problem bei Prosopagnosie: Unfähigkeit bestimmtes Exemplar eines Gesichts zu identifizieren; höhere Ansprüche als das reine Erkennen der Art des Objektes
    Individualität ergibt sich aus Zusammenspiel verschiedener Merkmale der Person: Formen und exakte räumliche Position der Elemente, ist resistent gegen Veränderungen (Altern, Mimik)
  23. 23Semantisches Wissen und Personenerkennen-Semantisches Gedächtnis enthält allgemeingültiges Wissen (über Gesichter) => Hinweise zur Unterscheidung von anderen Lebewesen und auf Region, Geschlecht etc.
    Annahme:
    Existenz von Identitätsknoten außerhalb des semantischen Gedächtnisses; Aktivierung durch Sehen des Gesichts oder andere mit der Person assoziierte Dinge/Eigenschaften
    => Knoten stellen Verbindung zu biografischem Wissen über die erkannte Person her (aus autobiografischem (bekannte) oder semantischem (berühmte) Gedächtnis
    => vermitteln Zugriff zum Namen der Person, jedoch auch ohne Zugriff auf Namen und Wissen Vertrautheitsgefühl möglich, durch reine Knotenaktivierung
  24. 24Lexikalische Phase= Benennung der Person
    Eigennamen als besondere Wortklasse => Möglichkeit der selektiven Störung/Erhalt bei Sprachstörungen
  25. 25Biologische Bedeutung von GesichternGesichtererkennung als hoch wichtige biologische und soziale Leistung
    Durch Lebenserfahrung hohes Maß an Übung und daher Expertise => Hoch entwickelte Fertigkeit
  26. 26Selektivität der ProsopagnosieProsopagnosie geht häufig einher mit Unterscheidungsschwierigkeiten von einzelnen Exemplaren anderer Objekte
    Hinweis auf eigenständigen Mechanismus: Apperzeptive Objektagnosie mit Aussparung des Verlusts bzgl. Gesichtererkennung => doppelte Dissoziation zwischen Objekt- und Gesichtererkennung und Hinweis auf verschiedene unabhängige zerebrale Prozesse
    Kritik:
    Expertise für das Gesichtererkennen weitaus höher als für Objekte => eventuell nur ein verbesserter Prozess, jedoch kein eigenständiger
    => Doppelte Dissoziation weist auf zwei verschiedene Prozesse hin, unklar ist jedoch, ob sie sich nur durch Übung unterscheiden oder z.B. genetisch determiniert sind
  27. 27Assoziative ProsopagnosieAnnahme:
    Intakte perzeptive Analyse; Unterbrechung der Weiterleitung über die Identifikationsknoten zum biografischen Wissen
    Gestützt durch zwei Beobachtungen:
    1. Teilweise können verschiedene Ansichten einem Gesicht zugeordnet werden und Alter, Geschlecht und Emotionen bestimmt werden => perzeptive Bearbeitung kann Objektkonstanz erzeugen und allgemeines Wissen aktivieren
    2. Reaktion (experimentell) auf bekannte Gesichter unterschiedlich zu unbekannten Gesichtern (Hautwiderstand sinkt), obwohl kein bewusstes Erkennen oder Vertrautheitsgefühl vorhanden ist
    => Abschluss der perzeptiven Analyse und Aktivierung der Identitätsknoten, aber kein bewusster Zugriff auf biografisches Wissen
  28. 28Neurologische Korrelate ProsopagnosieBasal Anteile sekundärer visueller Rindenfelder betroffen, meist im Zuge diffuser Hirnschädigungen
    Läsion meist bilateral oder nur rechte Hemisphäre
    Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Typus (apperzeptiv/assoziativ) und uni- oder bilateraler Läsion

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Description
Zellbiologie Psychologie (Klinische Neuropsychologie) Flashcards on Klinische Neuropsychologie - Visuelle Objektagnosie und Prosopagnosie, created by Joney Stoney on 23/07/2018.
Created by
Joney Stoney
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