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7. Klinische Psychologie: Ätiologie I - Einführung
Cards in this deck (33)
- 1Definition: ÄtiologieLehre von den Krankheitsursachen
=> Gesamtheit von (Risiko-) Faktoren,
die zu Krankheit oder Störungen
führen - 2Definition: Pathogenese (Ätiopathogenese)Prozess, der die Gesamtheit der, an Entstehung und Entwicklung einer Krankheit beteiligten Faktoren, umfasst
Konzepte von den Ursachen der Entstehung einer bestimmten Krankheit
[Mechanismus der Krankheitsentwicklung] - 3Definition: PathophysiologieLehre von den krankhaften (biologischen) Prozessen und Funktionsstörungen im Organismus
- 4Kernfragen der Ätiologie psychischer Störungen1. gibt es überindividuelle kausale (Einzel-) Ursachen für psychische Störungen bzw. lassen sich diese eindeutig bestimmen?
2. sind Ursachen psychischer Störungen primär körperlicher, psychischer oder sozialer Art? (oder alles zusammen?)
3. Wie sind ätiologische Fragestellungen empirisch zu untersuchen?(Möglichkeiten und Grenzen)
4. Welche Modelle sind auf Basis des aktuellen Forschungsstandes bislang formuliert worden? - 5(4) Phasen des Störungsveraufes1. pränatale und perinatale Phase
2. Sozialisations- und Entwicklungsphase
3. Prodromalphase
4. Verlauf nach Störungsausbruch - 6Phase 1: prä- und perinatale PhaseFaktoren:
1 Genetische Faktoren
2 Einflussgrößen, die während der Schwangerschaft wirksam werden
3. Einflussgrößen aus Zeit während bzw. um die Geburt => Randbedingungen für weitere Entwicklung
Ergebnisse dieser Faktoren:
=> (genetische) Disposition
bzw. Prädisposition
=> Diathese (Neigung des Körpers zu einer bestimmten Krankheit) bzw. Vulnerabilität
=> Persönlichkeitsaspekte ("Akzentuierung"), die Herausbildung einer Störung begünstigen - 7Phase 2: Sozialisations- bzw. EntwicklungsphaseSozialisations- bzw. Entwicklungsphase:
Entwicklung:
intraindividuelle Veränderungsquellen (z.B. Reifung) als lebenslanger Prozess
(life-span development)
Sozialisation:
Persönlichkeitsveränderungen aufgrund der Einflüsse anderer Personen und Institutionen
Risikofaktoren/Schutzfaktoren:
vulnerabilisierende und protektive Einflussgrößen aus der frühen Kindheit an Entstehung von Störungen (z.B. Schizophrenie) beteiligt, sowie Faktoren, die sich im Erwachsenenalter ausbilden
Interaktion:
Zusammenwirken der Einflussgrößen früher Kindheit mit den Einflussgrößen des Erwachsenenalter
=> ob Störung zustande kommt, hängt von zusätzlichen
auslösenden Momenten
ab
Resilienz/Salutogenese:
trotz vulnerabiliserender Faktoren keine Herausbildung einer Störung
Marker: Indikatoren für Störung
1. Trait-Marker:
vor erstmaligem Auftreten einer Störung vorhandene Merkmale
2. State-Marker:
Indikatoren, die nur während einer Störung gemessen werden können
=> Vorhersagemöglichkeit für
weiteren Verlauf - 8Phase 3: ProdromalphaseProdromalphase:
1. Störungsausbruch in der Regel nicht plötzlich sondern schleichend
2. Beginn der Störung zeitlich meist nur bedingt lokalisierbar (z.B. mittels Datierungshilfen wie Diagnosestellung, Änderungswunsch, Hilfesuchverhalten)
3. Im Vorfeld des Störungsausbruches in der Regel bestimmte Auslöser (belastende Ereignisse) sowie vulnerabilisierende oder
protektive Faktoren
wirksam
4. Diathese-Stress-Modelle erklären das Zusammenspiel zwischen
Anlage und Belastung - 9Phase 4: Verlauf nach StörungsausbruchZeit nach Störungsausbruch
=> aufrechterhaltende Bedingungen
schädigende und schützende Faktoren beeinflussen auch hier den weiteren Verlauf der Störung
z.B. "expressed emotion"
=> unterschiedliche Familienkonstellationen führen zu unterschiedlichem Rückfallrisiko bei schizophrenen Patienten - 10Entstehung und Aufrechterhaltung: AkquisitionsbedingungenFaktoren der Phasen 1 und 2:
kausale Entstehungsfaktoren für Vulnerabilität oder störungsförderne Bedingungen
=> Primäre Prävention (gezielte Verringerung bzw. Unterbindung spezifischer Risiken)
ätiologisches Wissen über Akquisitionsbedingungen ermöglicht:
=> Indikation und Prognose
=> Entwicklung spezifischer therapeutischer Strategien
Einschränkung:
Ätiologietheorien nur begrenzt vefügbar
=> empirisch fundiertes Bedingungswissen bedeutsamer! - 11Entstehung und Aufrechterhaltung: PerformanzbedingungenFaktoren der Phase 3 und 4:
hoher Stellenwert für Therapie
=> Kenntnisse über die Faktoren, die zum Zeitpunkt der Störung das gestörte Erleben und Verhalten regulieren
funktionale Zusammenhänge zwischen
gestörtem Verhalten und externen Stimulusbedingungen sowie
internen kognitiven, verdeckten Verhaltenstendenzen
=> Perormanzbedingungen:
Alphavariablen (externe situative Variablen),
Betavariablen (personale Variablen wie Kognitionen)
Gammavariablen (biologische Variablen) - 12Versuchsplanung ätiologischer Studien: Methodische GesichtspunkteMethodische Gesichtspunkte:
1. Stichprobenselektion
2. Design: Zahl der Erhebungszeitpunkte
3. Stichprobenumfang: Zahl der untersuchten Personen
3. Auflösungsgrad:
Abbildungsgenauigkeit Phänomen /Untersuchung
4. Ausmaß an Einflussnahme
der Untersucher
5. Analyseform - 13Studientypen1. Naturalistische Studien:
unmittelbare Erfassung der Realität an repräsentativer Bevölerungsstichprobe
2. Klinische Studien:
reale Bedingungsanalysen an selegierten Stichproben
(Patienten in Behandlung)
=> Selbstselektivität
3. Analogstudien:
nur partielle oder vergleichsweise Abbildung der Realität
=> leisten trotz eingeschränkter Übertragbarkeit wichtige Beitrage zur Frage der Ätiologie:
3.1 Tieruntersuchungen
3.2 Experimente an gesunden Menschen
3.3 Computersimulationen
4. Einzelfallstudien:
können wichtige Anregungen zur Ätiologie/Bedingungsanalyse geben
=> als Beweise für Ätiologieaussagen nicht akzeptabel
=> externe Validität begrenzt
(Ätiologiemodelle vieler Psychotherapie-Schulen angreifbar)
Dilemma interne vs. externe Validität:
Keine bezüglich aller Aspete valide Studie! - 14drei Arten der Stichprobenselektion1. Klinische Gruppen:
Analyse von Entstehungsbedingungen aus Daten von Inanspruchnahme-populationen
=> selektive Stichproben, die eine bestimmte Institution frequentieren,
verwendbar: alle Designs der Längs- und Querschnittstudien
2. Risikogruppen:
Bedingungen für erhöhtes Erkrankungsrisiko => kleinere Stichprobengröße legitim
(z.B. Rettungssanitäter für PTBS)
Verzicht auf Kontrollgruppe hingegen nicht; prospektive Längsschnittstudien (ökonomisch),
(Risikogruppen finden auch Verwendung bei Querschnittsuntersuchungen)
3. Unausgelesene Stichproben der Normalpopulation:
Überprüfung von real-life Bedingunsgefügen
=> prospektive Längsschnittstudien
=> große Ausgangsstichprobe erforderlich - 15Querschnitt (Design)Vergleich von 2 oder mehr Stichproben, die sich in ätiologisch wichtigen Aspekten unterscheiden (z.B. gesund vs. krank/gestört):
1. Genetik:
Berechnung Morbiditätsrisiko für Störung X bei verschiedenen Verwandtschaftsgraden
=> Erwartung von Gesetzmäßigkeiten
2.Epidemiologie:
Untersuchung von Stichproben
z.B. mit unterschiedlicher Schichtzugehörigkeit bezüglich des Erkrankungsrisikos
3. Experiment:
Vergleichsgruppe wird mit Kontrollgruppe verglichen
=> oftmals korrelatives oder quasieexperimentelles Design - 16Querschnittuntersuchungen: KritikKritik:
Querschnittsuntersuchungen bergen Interpretationsprobleme
bezüglich kausaler Fragestellungen
=> beobachtetes Phänomen unterschiedlich erklärbar:
1. Symptom-Variante:
Phänomen P (z.B. Schlafstörung) ist
Teil der Störung X
2. Variante, Aufrechterhaltung der Störung:
P folgt aus X (sekundär)
3. Ursachen-,Bedingungsvariante:
P führt kausal (allein oder mit anderen Faktoren) zu X
4. Vulnerabilitätsvariante:
P erhöht (allein oder mit anderen Faktoren) das Risiko für X - 17Design: (3) Arten von Längsschnittstudien(3) Arten von Längsschnittstudien
1. retrospektive Längsschnittstudien:
Rekonstruktion der Vergangenheit aus aktueller Sicht
=> retrospektive Verlaufsaussage
=> wichtig in life-event- und
coping-Forschung
KRITIK: Verzerrungseffekte
2. "fiktive" Längsschnittstudie (cross sectional):
zeitliche Aneinanderreihung einzelner Gruppen (Kohorten: Patientengruppen, die seit 1, 5 und 10 Jahren an Schizophrenie leiden)
=> künstliche Längsschnittdaten aus verschiedenen Stichproben
KRITIK: Kohorten- und Zeiteffekte
=> Risiko falscher Schlussfolgerungen
3. (repräsentative)
prospektive Längsschnittstudie:
normale Personen ("noch-gesunde") vor Ausbruch einer Störung über längeren Zeitraum unter natürlichen Bedingungen beobachtet
=> nach Ausbruch Vergleich mit Personen mit/ohne Störung
KRITIK: Befunde nur gültig für betreffende Kohorte
(Generationseffekt) - 18Designmöglichkeiten: Fallstudien (beobachtend)ein Patient
(Querschnitt oder Verlauf;
Sigmund Freud)
1. schlecht generalisierbar
2. hypothesengenerierend - 19Designmöglichkeiten: Fallstudien (experimentell)2+ Patienten
(Variation einer oder mehrerer Variablen)
1. schlecht generalisierbar
2. hypothesengenerierend - 20Designmöglichkeiten: Querschnittstudien (beobachtend)Patienten (Querschnitt, retrospektiver Verlauf)
1. nur für Gruppe generalisierbar
2. retrospektiv (=> Fehler)
3. fehlschlussanfällig
4. hypothesengenerierend - 21Designmöglichkeiten: kontrollierte Querschnittsstudien (quasi experimentelle Kohortenstudie)mehrere Gruppen nach Merkmalen
(z.B. nach familiärer Belastung)
1. nur für Gruppe generalisierbar
2. retrospektiv (=> Fehler)
3. fehlschlussanfällig, aber spezifische Hypothesentestung - 22Designmöglichkeiten: "obige Designs" an repräsentativen Patienten oder BevölkerungVariationen wie "oben"
1. besser generalisierbar
2. retrospektiv (=> Fehler)
2. fehlschlussanfällig, aber spezifische Hypothesentestung - 23Designmöglichkeiten: Prospektive Verlaufsstudien (Patienten, Bevölkerung, Kohorte)2+ Verlaufsuntersuchungen
experimentell oder beobachtend
wenn an repräsentativen Gruppen generalisierbare kausale Faktoren identifizierbar - 24Typologie Risikofaktoren: KorrelateStatistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Faktor und Outcome
Querschnittstudie - 25Typologie Risikofaktoren: Risikofaktorstatistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Faktor und Outcome
potency (Kraft) und precedence (Dringlichkeit)
Längsschnittstudie - 26Typologie Risikofaktoren: variabler MarkerMerkmale, die sich spontan verändern oder verädert werden können
Längsschnittstudie - 27Typologie Risikofaktoren: Fester MarkerMerkmale, die sich nicht spontan verändern oder verändert werden können
Querschnitt- und Längsschnittstudie
(Daten von medizinischen Akten, Geburtsregistern) - 28Typologie Risikofaktoren: Variabler RisikofaktorManipulation verändert Risiko des Outcome nicht
randomisierte kontrollierte Studie
(RCT: randomized controlled trial) - 29Typologie Risikofaktoren: Kausaler RisikofaktorManipulation verändert Risiko des Outcome
randomisierte kontrollierte Studie
(RCT: randomized controlled trial) - 30Trait-Markervor erstmaligem Auftreten einer Störung vorhandene Merkmale
- 31State-MarkerIndikatoren, die nur während einer Störung gemessen werden können
=> Vorhersagemöglichkeit für
weiteren Verlauf - 32Methodische Gesichtspunkte zur Versuchsplanung ätiologischer Studien: ProblemWesentliches Problem:
Spezifität der Befunde
(welche spezifischen Risikofaktoren verursachen welche spezifischen Störungen)
=> Überprüfung an klinischen Vergleichsgruppen (Gesunde und Personen mit anderen Störungen) - 33Designmöglichkeiten1. beobachtende Fallstudien
2. experimetelle Fallstudien
3. beobachtende Querschnittstudien
4. kontrollierte (quasi experimentelle) Querschnittstudien
5. besagtes an repräsentativen Patienten oder Bevölkerung
6. prospektive Verlaufsstudien
(Patienten, BEvölerung, Kohorte)
Information
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- Bachelor Klinische Psychologie Flashcards on 7. Klinische Psychologie: Ätiologie I - Einführung, created by arne.doebler on 24/01/2016.
- Created by
- arne.doebler · Jan 2016
- Updated
- Feb 19, 2016
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