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Flashcards

Klinische Neuropsychologie - visuelle Reizerscheinungen

Joney Stoney Psychologie Zellbiologie German 11 cards

Cards in this deck (11)

  1. 1Visuelle Reizerscheinungen= Seheindrücke ohne entsprechende externe Reize
    -Können aus einfachen Formelementen oder aus komplexen Bildern bestehen
    -Haben einen realen Charakter (jedoch meist Bewusstsein über irrealität vorhanden)
    -Stellen Positivsymptome einer Schädigung des zentralen visuellen Systems dar
    Dauer:
    Sekunden bis Minuten, vereinzelt auch Monate bis Jahre
    Häufigkeit:
    -Je nach Ätiologie und Beobachtungszeitpunkt verschieden; zwischen 2-60%
    -Häufigkeit und Intensität meist mit zunehmendem zeitlichem Abstand von schädigendem Ereignis abnehmend
  2. 2FormenAufteilung anhand von Struktur und Komplexität in einfache und komplexe Formen
  3. 3Einfache Formen-Punkte, gerade, gezackte, geschlänngelte Linien, einfache Mosaikmuster
    -Bunte Formen oder unbunte Formen (häugier)
    -Erscheinungen häufig im Bereich des Gesichtsfeldausfalls
    -Einfache visuelle Halluzinationen meist nach Gehirnläsion
    -z.T. auch als Vorboten einer okzipitalen Durchblutungsstörung (Sekunden bis Minuten vorher)
    -Wiederholungen bis zu 20 mal am Tag
    -Scheinbar keine Hemisphärenunterschiede hinsichtlich Auftretenshäufigkeit und Form
  4. 4Komplexe Formen-Komplexe geometrische Muster, un-/bewegte Gegenstände, Menschen, Tiere un-/belebte Szenen
    -Subjektive Einschätzung der Patienten von angenehm über neutral bis unangenehm
    -Entsprechende Reaktionen des Patienten: Vermeidungsverhalten, Ansprechen einer imaginären Person etc.
    -Störung mit Latenz von Stunden bis Tagen nach Hirnschädigung auftretend
    -Meist im Halbfeld kontralateral zur Hirnschädigung, aber auch gesamtes Gesichtsfeld möglich - auch Schädigung des peripheren visuellen Systems kann komplexe visuelle Reizerscheinungen auslösen
  5. 5Flimmerskotom-Bekanntes visuelles Reizphänomen
    -Typisches Symptom ophthalmischer Migräneform
    -Zuerst stark flimmernder Fleck, in dessen Zentrum keine oder verfälschte Wahrnehmung stattfindet (grelle Lichtverhältnisse o.ä.)
    -Dehnen sich sehr langsam im betroffenen Halbfeld (selten gesamtes Gesichtsfeld) zur Peripherie hin aus; Größe des Musters nimmt zur Peripherie hin zu
    -Bestehen aus unbunten einfachen Formen (z.B. helle Punkte), Anordnung ähnlich einer mittelalterlichen Festungsmauer (fortification illusion)
  6. 6Migräne mit Aura-Vorbote der Migräne, d.h. Reizerscheinungen zeitlich vor Kopfschmerz
    -Kann Minuten bis Stunden dauern
    -Häufig von homonymen Gesichtsfeldstörungen und neurologischen Symptomen begleitet
    -Neben fortifikationsmustern auch Verschwommensehen, Palinopsien (Gesichtstäuschung) und Metamorphosien (subjektive Sehstörung mit verzerrter Wahrnehmung)
  7. 7Weitere UrsachenWeitere Ursachen visueller Reizerscheinungen:
    -Schädigung cingulärer, subkortikaler und zerebellärer Strukturen
    -Morbus Parkinson
    -Demenz (Lewy-Körper-Typ)
    -Posteriore kortikale Atrophie
    -Schizophrenie
    -Pathophysiologische Prozesse außerhalb des visuellen Systems können ursächlich sein: halluzinogene Substanzen, Funktionsstörungen des ARAS (pedunkuläre Halluzinose)
  8. 8Pathogenese und funktionelle BedeutungVisuelle Reizerscheinungen meist als von umschriebenen zerebralen Schädigungen ("discharging lesions" nach Hughlings-Jackson) ausgehende Phänomene interpretiert
  9. 9Ursachen visueller Reizerscheinungen (Pathogenese)-Lokale pathophysiologische Prozesse (z.B. regionale Durchblutungsstörungen, Raumforderungen, toxische Substanzen, epileptische Herde)
    -Verlust der afferenten Informationszufuhr für extrastriäre visuelle Neuronenpopulation durch eine Schädigung des afferenten (peripheren oder zentralen) visuellen Systems
    -Hirnstammläsionen, die aufsteigende cholinerge und serotonerge Projektionen schädigen
    Vermutete involvierte Strukturen nach Grüsser und Landis (1991):
    -Einfache Lichterscheinungen: Retina bis V1
    -Strukturierte Muster: V2, V3
    -Farbige Erscheinungen oder Muster: V2, V4
    -Bewegte Erscheinungen: V5
    -Gesichter, Tiere: Mediobasaler okzipitaler Kortex
    -Komplexe Objekte: IT-Kortex
    -Epileptische Entladungen können benachbarte (temporookzipitale) visuelle Areale stimulieren und visuelle Erscheinungen hervorrufen
    -Fokale Schädigungen des genikulostriären Systtems (CGL und Projektion nach V1)
    -Atrophische und pathophysiologische Zustände präfrontaler Strukturen
  10. 10Funktionelle Bedeutung-Patienten mit visuellen Reizerscheinungen weisen eine mit der Schädigung assoziierte Übererregbarkeit extrastriärer visueller Areale auf
    -Grundlage in der modalitätsspezifischen sensorischen Aktivierung visueller kortikaler Areale, die auch im "Normalfall", d.h. bei Vorliegen entsprechemder externer visueller Reize, aktiv sind
    -Visuelle Reizerscheinungen spiegeln funktionelle Spezialisierung wider, bspw.:
    => farbige Reizerscheinungen: Erregung farbkodierender Neuronen etc.
    -Erregung der ventralen (okzipitotemporalen) Verarbeitungsroute: Erzeugt Wahrnehmung von Farbe, Formen,, Objekten...
    -Erregung der dorsalen (okzipitoparietalen) Verarbeitungroute: Erzeugt einfache unbunte Reizerscheinungen mit Ortswechsel bzw. Bewegung
    -Auftreten meist im ausgefallenen Gesichtsfeldbereich => Beschränkungen möglich (Halbfeld, Quadranten..); Übergreifen vom kontralateralen Gesichtsfeld auf gesamtes jedoch möglich => Koaktivierung visueller Kortexareale über kallosale Fasern
  11. 11HyperarousalHyperarousal = Übererregbarkeit
    -Fokale genikulostriäre Schädigungen
    => afferente Deprivation
    => Disinhibition nachgeschalteter extrastriärer Areale
    => Neuronenaktivität ohne externe Reize
    => Seheindrücke
    -Hyperarousal kann ebenfalls Auftreten komplexer visueller Reizerscheinungen z.B. bei Schizophrenie oder Einnahme bestimmter psychoaktiver Substanzen erklären (jedoch nicht wie oben bei genikulostriärer Schädigung beschrieben)

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Zellbiologie Psychologie (Klinische Neuropsychologie) Flashcards on Klinische Neuropsychologie - visuelle Reizerscheinungen, created by Joney Stoney on 23/07/2018.
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Joney Stoney
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