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Flashcards

6. Klinische Psychologie: Epidemiologie psychischer Störungen

arne.doebler Klinische Psychologie Bachelor German 38 cards

Cards in this deck (38)

  1. 1Epidemiologische Trias1. Wirt
    Person, Dispositionen, Physiologie, Genetik
    2. Schädlicher Agens:
    akute oder chronische soziale, psychische, physikalische Belastung oder Noxe
    3. Umwelt:
    aktuelle soziale und physische Umwelt
  2. 2Definition: Epidemiologie (bzw. Unterscheidung)1. deskriptive Epidemiologie:
    Feststellung, der Krankheitshäufigkeiten bzw. -verteilung über Raum und Zeit in Abhängigkeit von Umwelt, Organismus und Persönlichkeit:
    Ermittlung von Erkrankungsraten
    Identifizierung allgemeiner Krankheitsrisiken, von Risikofaktoren und Schutzfaktoren
    deskriptive Querschnittstudien
    (große Stichproben!)
    2. analytische Epidemiologie
    (alias genetische Epidemiologie):
    Untersuchung von Entstehung, Verlauf und Ausgang von Erkrankungen (inklusive Versorgung)
    Prüfung von Hypothesen über
    kausale Beziehungen zwischen Umweltfaktoren, Krankheit und Person (Ergebnisse klinischer Forschung)
    Ermittlung von individuellen Krankheitsrisiken
    Längsschnittstudien
    (prospektiv-longitudinal,
    quasi-experimentelle Designs)
    Untersuchung der Versorgungsstruktur, -qualität und Funktionsweise des Gesundheitswesens
    (administrative Epidemiologie, Versorgungsepidemiologie)
  3. 3Gesundheitspolitische Aufgaben und Ziele der Epidemiologie1. Entwicklung, Ableitung und Evaluation präventiver Interventionen
    (z.B. Gesundheitsförderung, Gesundheitstrainings, Anti-Raucher-Kampagnen etc.)
    2. Verminderung von Risikofaktoren
    (Hygiene; Arbeits-, Verbraucher-, Umweltschutz)
    3. Optimierung von Behandlungskosten
    4. Qualitätssicherung der Versorgungspraxis
    5. Begündung rationaler Allokationsentscheidungen
    (Allokation = Zuordnung beschränkter Ressourcen zu potentiellen Verwendern)
    6. Gesundheitspolitik: Versorgungsplanung, Zugangssteuerung, Vernetzung
  4. 4Epidemiologische Kennwerte (Parameter)1. Prävalenz:
    Gesamtzahl (%) aller Krankheitsfälle in einer definierten Population zu einem bestimmten Zeitpunkt (Punktprävalenz) oder während einer Zeitperiode (Strecken-/Periodenprävalenz)
    2. Inzidenz:
    Häufigkeit des Neuauftretens einer Krankheit in einem bestimmten Zeitraum (z.B. eines Jahres) unabhängig davon, ob Krankheit noch besteht oder nicht (lifetime prävalenz = cum. lifetime inzidenz)
    3. "wahre" (Feldstudie in der Bevölkerung) vs. "behandelte" (administrative) Prävalenz (Häufigkeit in Behandlungseinrichtungen) bzw. Inzidenz (entsprechend)
  5. 5Prävalenz und Inzidenz: Zentrale Voraussetzungen1. genaue Definition der Bezugspopulation
    2. repräsentative Stichprobe oder Totalerhebung
    3. reliable Falldefinition
    4. Wahl adäquaten Designs
  6. 6Häufigkeit psychischer Störungen in Europa1. konservative Schätzung:
    > 78 Mio Menschen mit psychischen Störungen in EU (18 - 65 Jahre)
    2. nahezu jeder zweite Betroffene mehr als eine psychische Diagnose
    3. wenig Evidenz für ausgeprägte nationale und kulturelle Unterschiede
  7. 7Psychische Störungen in Deutschlandbis 2000: keine bundesweiten Untersuchungen, international erst in letzter Dekade ("Global Burden of Disease" Studien)
    1. Bundesgesundheitssurvey
    1998 (BGS98):
    nationale Erhebung des Gesundheitszustandes Erwachsener
    (18 - 65) in Deutschland
    2. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS):
    Deutscher Erwachsener
    Gesundheitssurvey (DEGS1):
    bundesweit repräsentative epidemiologische Studie
    (Robert Koch-Institut, TU Dresden),
    Daten erhoben, 2008 - 2011
    Probandenalter 18 - 79J.
    DEGS-MH:
    klinisch-diagnostische Interviews (CIDI)
    + Fragebögen
  8. 8Ziele von DEGS-MH (DEGS-MH = CIDI + Fragebögen)1. umfassende,
    klinisch-diagnostisch differenzierte Erfassung psychischer Störungen (einschließlich psychotischer Syndrome und kognitiver Einschränkungen)
    2. diagnosespezifische Beschreibung assoziierter Beeinträchtigungen und Funktionseinschränkungen psychischer Störungen
    3. Aktualisierte Versorgungs- und Bedarfsabschätzung
    (Hintergrund: Wandel in Versorgungslandschaft und Inanspruchnahmeverhalten)
    4. Berücksichtigung
    psychischer Morbiditätsstrukturen bei Älteren (65+)
    5. Wechselwirkungen zwischen psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen (Krankheitsdynamik, Lebensqualität, "Krankheitslast")
    6. herausfinden ob psychische Störungen zugenommen haben
    => Veränderungen im Morbiditätssprektrum
    (DEGS vs. BGS98-MHS,
    z.B. Inzidenz und Remission, Behandlungskarriere, Prädiktoren)
  9. 9Methodik des DEGS-MH90 -120 min. persönliche Zusatz Untersuchung aller DEGS-Teilnehmer möglichst zeitnah nach Kernsurvey
    (14 - 42 Tage)
    2. standardisiertes computerisiertes diagnostisches Interview
    (15. Sektionen einschließlich neuropsychologischer Status)
    durch klinische Untersucher:
    Diagnostische Zusatzmodule,
    z.B Psychosen, kognitive Beeinträchtigungen
    Nicht-diagnostische Module,
    z.B. Inanspruchnahme, Persönlichkeit, Arbeitswelt, Lebensqualität
    Verlaufsmodul
    (Modul für ehemalige BGS98-Teilnehmer: Veränderung und Prädiktoren)
    Ziel: umfassende Beschreibung psychopathologischer Symptome, Syndrome und Diagnosen psychischer Störungen sowie assoziierter Einschränkungen im Querschnitt und Verlauf
  10. 10DEGS-MH: Erfasste Störungsgruppen (ICD-10, DSM-IV)DEGS-MH: Erfasste Störungsgruppen
    1. körperliche-/substanzbedingte psychische Ströungen
    (z.B. organisch wahnhafte Störungen)
    2. Missbrauch und Abhängigkeit von Subtanzen
    (z.B. Alkohol-, Nikotin-, Stimulanzienabhängigkeit)
    3. Psychotische Störungen
    (z.B Schizophrenie, Wahnstörung)
    4. Essstörungen
    (z.B. Bulimie, Anorexia nervosa)
    5. Affektive Störungen
    (z.B. Major Depression, Dysthymie, Bipolare)
    6. Somatoforme Störungen
    (z.B. Hypochondrie, Schmerzstörung, Dissoziative)
    7. Angststörungen
    (z.B. Panik, GAD, Agora-, Spezifische-, Soziale Phobie)
    8. Zwangsstörungen
    (z.B. Zwangsgedanken, oder Zwangshandlungen)
    9. Stress-/Anpassungsstörungen
    (Posttraumatische Belastungsstörung)
  11. 11Wieviel % der Bevölkerung war jemals an einer oder mehreren psychischen Störungen erkrankt?Lebenszeit (lifetime) Prävalenz:
    42,6 %
    Frauen: 48,9
    Männer: 36,8
  12. 12Wieviel % der Bevölkerung hat in den letzten 12 Monaten eine oder mehrere psychische Störung gehabt?12-Monats-Prävalenz:
    31,1 %
    => mehr als jeder vierte Deutsche
    Frauen: 33,3%
    Männer: 36,8 %
  13. 13Wieviel % der Bevölkerung hat in den letzten 4 Wochen eine oder mehrere psychische Störung gehabt?1-Monats-Prävalenz:
    19,8%
    Frauen: 23,9%
    Männer: 15,8%
  14. 1412-Monats-Diagnosen psychischer Störungen in Deutschland (18-79 Jährige)Jedes Jahr 27,7%
    (95% KI: 26.3-29.2, einschließlich Nikotinabhängigkeit: 34,4%) der Bevölkerung von mindestens einer psychischen Störung betroffen
    von diesen Betroffenen:
    33% Frauen 22% Männer => ???
    44% mindestens zwei psychische Diagnosen
    22% haben mindestens vier psychische Diagnosen
    Junge Erwachsene am häufigsten betroffen (46% der 18-79 Jährigen)
  15. 15Häufigkeit spezifischer psychischer Störungen in der Bevölkerung (ermittelt durch DEGS-MH)1. Angststörungen: 15,3%
    2. Unipolare Depression: 7,9%
    3. Alkoholstörungen: 4,3%
    4. Somatoforme Störungen: 3,5%
    5. Psychotische Störungen: 2,6%
    6. Bipolare Störungen: 1,5 %
    7. Körperlich bedingte
    psychische Störungen: 1,2%
  16. 16Häufigkeit psychischer Störungen in der Bevölkerung: Männer vs. Frauen (DEGS-MH)1. Frauen leiden häufiger an Angststörungen ( Risiko 2,3 fach erhöht), Depressionen (Risiko 2-fach erhöht), Somatoformen Störungen und Essstörungen
    2. Männer leiden häufiger an Sucht- bzw. Alkoholstörungen
  17. 17Korrelate psychischer Störungen (Epidemiologische Befunde)Korrelate psychischer Störungen:
    1. soziale Schicht
    (Bildung, Einkommen, Beruf)
    2. Partnerschaft
    3. Wohnort
    (Depressionen und psychotische Störungen sign. häufiger in Großstädten)
  18. 18Beeinträchtigung psychischer Störungen (Epidemiologische Befunde)Anzahl der Einschränkungstage aufgrund psychischer oder körperlicher Probleme in alltäglichen Aktivitäten (Haushalt, Beruf, etc.)
    Gesamtstichprobe: 3,2 Tage
    ohne Diagnose: 2 Tage
    mit Diagnose: 5,8 Tage
  19. 19Voraussetzungen der Diagnosevergabe: CIDI / DSM-IV Diagnose1. definierte Symptomkriterien
    (inklusive Minalmerkmalen der Dauer, Schwere, Frequenz)
    + klinisch bedeutsames Leiden
    2. symptombedingte Einschränkungen und Behinderungen
    3. Und/oder aktives professionelles Hilfesuchverhalten
  20. 20diagnostische Prävalenz = Behandlungsbedarf?derartige Gleichsetzung ist höchst problematisch!
    werden
    Weitere Faktoren:
    1. Motivationales Stadium des Patienten
    2. Psychosoziale Rahmenbedingungen
    3. Verfügbarkeit von "first-line treatmets", Merkmale des Therapeuten/Dienstes, Wirtschaftlichkeitskriterien,
    etc.
    trotzdem kann bei jeder Diagnose von einem zumindest "niederschwelligen" Interventionsbedarf in bestimmten Phasen der Störung ausgegangen
    werden
  21. 21Versorgung psychischer Störungen (self report)Inanspruchnahme von Personen mit Störung* (self-report):
    stationär: 13,0%
    ambulant: 34,4%
    Hausarzt: 13,6%
    Psychiater/Nervenarzt: 11,8%
    Psychotherapeut: 19,4%
    * alles Fälle mit einer Lifetime-Diagnose einer psychischen Störung
  22. 22Hängt das gemeinsame Auftreten unterschiedlicher Störungsbilder (Komorbidität) systematisch zusammen?Komorbidität psychischer Störungen weist Gesetzmäßigkeiten auf
    z.B. frühe Angststörung
    erhöht Risiko für sekundäre Depression und Substanzabhängigkeit
  23. 23Komorbidität: Aktuelle Forschungsfragen1. wie hängen Ätiologie und Spontanverlauf zusammen?
    2. Additive Effekte? (Einschränkungen und Behinderungen)
    3. steigt oder sinkt Interventionswahrscheinlichkeit?
    4. Klinisch-therapeutische Implikationen? (Reihenfolge!)
    5. Konsequenzen für Versorgungsplanung? (Prävention, Rehabilitation)
  24. 24Wofür steht "DALY'"?Disability Adjustet Life Years
  25. 25Ersterkrankungsrisikodiagnostische unterschiedlich,
    am höchsten in den ersten drei Dekaden
    1. Frühe Störungen:
    (< 20 Lj.)
    Phobien
    Drogen-
    Ess- und somatoforme
    Störungen (Ausnahme Schmerzsyndrome)
    2. Spätere Störungen
    Panikstörung
    generalisierte Angst
    Alkohol
    Depression
  26. 26Verlauf: variabel1. eher episodisch:
    affektive Störungen (Major Depression, Bipolare)
    2. eher persistierend/chronisch:
    Alkoholabhängigkeit, Angststörungen, somatoforme Störungen, Dysthemie
    3. höhere Spontanremission:
    frühe Phobien, Drogenmissbrauch
  27. 27Epidemiologische Trias: Schädlicher AgensSchädlicher Agens:
    akute/chronische soziale, psychische oder physikalische Belastung
    oder Noxe
  28. 28Epidemiologische Trias: UmweltUmwelt:
    aktuelle soziale und physische Umwelt
  29. 29Epidemiologische Trias: WirtWirt:
    Person, Dispositionen, Physiologie, Genetik
  30. 30deskriptive Epidemiologiedeskriptive Epidemiologie:
    Feststellung, der Krankheitshäufigkeiten bzw. -verteilung über Raum und Zeit in Abhängigkeit von Umwelt, Organismus und Persönlichkeit:
    1. Ermittlung von Erkrankungsraten
    2. Identifizierung allgemeiner Krankheitsrisiken, von Risikofaktoren und Schutzfaktoren
    3. deskriptive Querschnittstudien
    (große Stichproben!)
  31. 31analytische (genetische) Epidemiologieanalytische (genetische) Epidemiologie:
    Untersuchung von Entstehung, Verlauf und Ausgang von Erkrankungen (inklusive Versorgung):
    1. Prüfung von Hypothesen über
    kausale Beziehungen zwischen Umweltfaktoren, Krankheit und Person (Ergebnisse klinischer Forschung)
    2. Ermittlung von individuellen Krankheitsrisiken
    3. Längsschnittstudien
    (prospektiv-longitudinal,
    quasi-experimentelle Designs)
    4. Untersuchung der Versorgungsstruktur, -qualität und Funktionsweise des Gesundheitswesens
    (administrative Epidemiologie, Versorgungsepidemiologie)
  32. 32Epidemiologische Parameter: PrävalenzPrävalenz:
    Gesamtzahl (%) aller Krankheitsfälle in einer definierten Population zu einem bestimmten Zeitpunkt (Punktprävalenz) oder während einer Zeitperiode (Strecken-/Periodenprävalenz)
  33. 33Epidemiologische Parameter: InzidenzInzidenz:
    Häufigkeit des Neuauftretens einer Krankheit in einem bestimmten Zeitraum (z.B. eines Jahres) unabhängig davon, ob Krankheit noch besteht oder nicht (lifetime prävalenz = cum. lifetime inzidenz)
  34. 34Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS)zweiter bundesweiter Morbiditäts- und Gesundheits-Survey
    (RKI, BMG, TU Dresden)
    DEGS1 (+DEGS1-MH)
    1. Welle: Befragungen und Untersuchungen (2008-2011)
    DEGS2
    2. Welle: vermutlich nur Befragungen (geplant für 2014-2015)
    Ziel:
    diagnosenspezifische und umfassende Gesundheitsberichterstattung (Prävalenz, Risiken, Korrelate, längsschittliche Gesundheitsdaten)
    Vorgehen:
    Ärztlich-medizinische (Labor)
    + klinisch-psychische Untersuchung
    + persönliche Untersuchungen
  35. 35DEGS1Repräsentative bundesweite Einwohnermeldestichprobe:
    N=8.152 Personen in 180
    sample points
    ... bestehend aus neuer Einwohnermeldestichprobe (Ersteingeladene N=4.193 ) und
    Teilnehmern des BGS98 (Wiedereingeladene N=3.959 )
    Quer- und Längsschnitterhebung
    kombiniert
  36. 36Wieviele deutsche sind gesund bzw. krank?nur jeder 4. Bundesbürger frei von Krankheit
  37. 37Wer ist häufiger psychisch krank, junge oder altere Menschen?junge Menschen
    (Statistik)
  38. 38Ätiologische Fragestellungen bei Komorbidität zweier Störungen1. direkter Kausalzusammenhang: chronologische Reihenfolge?
    2. gemeinsame Ursache (Prädiktor)?
    3. zufällige Korrelation: gleiche Komorbidität mit anderen Störungen?

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Bachelor Klinische Psychologie Flashcards on 6. Klinische Psychologie: Epidemiologie psychischer Störungen, created by arne.doebler on 23/01/2016.
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