Notes
Die Verwandlung von Franz Kafka
Content of the notes (1)
Page 1

KURZZUSAMMENFASSUNG
Franz Kafkas 1915 erschienene Erzählung »Die Verwandlung« zählt zu den
wichtigsten Werken des gebürtigen Österreichers. Im Mittelpunkt der
Handlung steht die Prager Familie Samsa, bestehend aus Gregor Samsa,
dessen Schwester Grete sowie den Eltern. Weitere Personen sind ein
Prokurist und mehrere Bedienstete der Familie Samsa. Zeitlich ist das
Stück um die Jahrhundertwende (19. / 20. Jahrhundert) angesiedelt, die
Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten.
https://www.youtube.com/watch?v=KzTnzn0DxiI (Embed)
Erster Teil
Gregor Samsa arbeitet auf Wunsch seines strengen Vaters als Vertreter
und hält mit seinem Einkommen sich, seine Schwester und die Eltern über
Wasser. Alle Vier wohnen auch zusammen und so kann es geschehen, dass
seine Eltern eines Morgens seltsame Geräusche aus Gregors Zimmer
wahrnehmen. Hinter der Tür erwacht der Vertreter gerade aus dem Schlaf
und muss feststellen, dass er sich während der Nacht in etwas verwandelt
hat, das von Kafka als »Ungeziefer« beschrieben wird. Da sich der
verwandelte Gregor nur minimal bewegen kann, muss er nun die meiste Zeit
in seinem Bett verbringen, wo er beginnt, über sein bisheriges Leben
nachzudenken. Dabei wird ihm schnell die Unzulänglichkeit seiner
Existenz bewusst, da er seine Arbeit nur wegen der Schulden seines
Vaters ausübt. Als einziger Ernährer der Familie kann er aber nicht
kündigen und sein Leben in die eigenen Hände nehmen. Frustriert muss
Gregor die zweifache Abhängigkeit (zu seiner Familie und zu seiner
Arbeit) zur Kenntnis nehmen.
Zweiter Teil
Noch am selben Tag erscheint bei der Familie ein Prokurist von
Gregors Arbeitgeber, um sich nach dessen Verbleib zu erkundigen. Der
Vater führt den Prokuristen in das Zimmer des Verwandelten. Beim Anblick
des Ungeziefern ergreift der umgehend die Flucht, während Gregors Vater
– einem Dompteur gleich – versucht, den Sohn wieder in sein Zimmer
zurückzutreiben.
Als sich die Familie später am Tag mit der Situation
auseinandersetzt, wird schnell klar, dass vor allem dem Vater die
bevorstehenden finanziellen Sorgen mehr belasten als der Zustand seines
Sohnes. Die drei Angehörigen des bisherigen Ernährers beraten darüber,
wie die Familie nun finanziell abgesichert werden kann. Der Vater sieht
sich dazu außerstande, weil er seit seinem Konkurs vor einigen Jahren
nicht mehr gearbeitet hat. Außerdem hat er seitdem erheblich an Gewicht
zugelegt und ist in Lethargie verfallen. Auch für die Mutter kommt eine
Anstellung nicht infrage. Neben den Aufgaben einer klassischen Hausfrau
jener Zeit obliegt ihr auch die Pflege und Versorgung ihres von
Selbstmitleid zerfressenen Ehemannes. Wie fast alle Frauen des 19.
Jahrhunderts hat auch sie niemals gelernt, eigene Entscheidungen zu
treffen. Als ähnlich unfähig zum Broterwerb erweist sich Gregors
Schwester Grete. Im Gegensatz zu ihrem Bruder hat sie alle erdenklichen
Freiheiten innerhalb der Familie, bekommt nahezu jeden Wunsch erfüllt
und lebt vorwiegend in den Tag hinein. Weil Gregor seiner Schwester
dieses süße Leben aber gönnte und sie förderte, hatten die Beiden bis zu
jenem Morgen ein harmonisches Geschwisterverhältnis. Nun wird Grete
damit beauftragt, den verwandelten Bruder zu versorgen. Allerdings wird
diese Aufgabe bei ihr schnell zum Kalkül, denn Grete liegt nun weniger
an ihrem Bruder als viel mehr an ihrer gesteigerten Bedeutung innerhalb
der Familie.
Währenddessen wird immer deutlicher, dass es sich bei Gregors
Verwandlung wohl um etwas Endgültiges handelt. Seine menschlichen
Wesenszüge verblassen immer mehr und auch seine Hoffnung auf eine
Änderung der Lage schwindet. Gregor versucht, sich mit der Situation zu
arrangieren und kriecht über immer öfter durch sein Zimmer. Weil ihm das
vor allem an den Wänden schon recht gut gelingt, wollen Mutter und
Schwester das Zimmer völlig leerräumen, um dem Sohn mehr Möglichkeiten
zur Fortbewegung zu bieten. Neben den Möbeln soll auch Gregors
Lieblingsgemälde entfernt werden. Um dies zu verhindern, krabbelt Gregor
auf das Bild, um es zu schützen, was allerdings von der Mutter als
Attacke auf sie fehlinterpretiert wird. Gregors Mutter fällt vor Schreck
in Ohnmacht. Als die herbeieilende Schwester nach einer Medizin für die
Mutter greift, fällt versehentlich ein Fläschchen vom Regal, trifft
Gregor im Gesicht und verletzt ihn. Weitere Wunden erleidet Gregor, als
der Vater später am Tag von dem Vorfall erfährt und mit alten Äpfeln
nach seinem Sohn wirft.
Dritter Teil
Weil Gregors Verletzungen unbehandelt bleiben, verschlechtert sich
sein allgemeiner Zustand Zusehens. Auch Grete, die ihren Bruder
eigentlich mit Küchenabfällen versorgen sollte, vernachlässigt ihre
Pflichten gegenüber ihrem Bruder immer öfter und in dem eigentlich
freigeräumten Zimmer sammelt sich nun der Unrat. Zu allem Übel ist auch
Gregors »Auslauf« innerhalb der Wohnung stark eingeschränkt, weil die
Familie als Einnahmequelle mehrere Zimmer vermietet hat.
Die Familie hat sich insgesamt also arrangiert, die Aufgaben neu
verteilt und geht mehr und mehr wieder zum Alltag über. Als die Tür zu
Gregors Zimmer eines Abends versehentlich nicht verschlossen ist,
schleppt sich das vermeintliche »Ungeziefer« durch die Wohnung und wird
prompt von den Untermietern entdeckt, die ihn natürlich für echtes
Ungeziefer halten und daraufhin sofort ausziehen.
Dadurch reift bei den Eltern und bei Grete der Entschluss, sich des
verwandelten Gregors zu entledigen. Schon lange waren alle wegen des
fehlenden Einkommens, der Versorgung und der Geheimnistuerei frustriert,
aber nun ist Gregor endgültig nur noch ein Störenfried in den Augen
seiner Angehörigen. Aber noch bevor die Familie Gelegenheit zum Handeln
hat, wird Gregor von seinem letzten Lebenswillen verlassen und stirbt in
der nächsten Nacht. Mit der lieblosen Entsorgung seiner Überreste sind
alle Spuren von Gregors Existenz vernichtet, was den Hinterbliebenen
nicht wirklich ungelegen kommt.
Bei einem gemeinsamen Picknick beschließt Gregors Familie, das
Erlebte hinter sich zu lassen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu
schauen, womit insbesondere die Zukunft Gretes gemeint ist. Eine neue
Wohnung und vor allem ein Ehemann für Grete sind nun die Ziele der
Familie; über den verlorenen Sohn wird nie wieder ein Wort gesprochen.
Interpretation
Für die Literaturwelt trägt »Die Verwandlung« eindeutig
autobiografische Züge Kafkas. Der Schriftsteller hielt sich selbst oft
für unzulänglich und wurde von Zweifeln hinsichtlich seiner Rolle als
Vater und Ehemann geplagt, die zeitweise bis zum Verlust der eigenen
Identität reichten. In »Die Verwandlung« zeigt Kafka auf, wie das
wohlgeordnete Gleichgewicht innerhalb der Familie durch ein plötzliches,
unbeherrschbares und noch dazu völlig sinnloses Ereignis in Schieflage
gerät. Kernpunkt ist dabei die Frage nach der Machbarkeit von etwas
eigentlich Unmöglichem.
Dabei nutzt Kafka geschickt die Kontraste zwischen verschiedenen
Handlungen und der Kommunikation. So werden die Gedanken Gregors als
Käfer durch innere Monologe dargelegt, die restliche Familie aber
versucht nicht, mittels Gesprächen weitere Lösungen zu finden und umgeht
dadurch das offensichtlich normale Handeln. Unterstrichen wird das
durch die betonte Absurdität der Geschehnisse. Die eher oberflächlichen
Unterhaltungen im Hause Samsa stehen im krassen Widerspruch zu den
Ereignissen, mit denen sich Gregor konfrontiert sieht.
Auf den Leser wirkt die Erzählung oftmals irritierend, denn er sieht
sich gleich mehreren moralischen Wechselwirkungen ausgesetzt. Dazu zählt
insbesondere der Gegensatz zwischen einem Käfer (= Ungeziefer) und der
Gedankenwelt Gregors (= fühlendes Individuum mit menschlichen Werten).
Auch die anfängliche Verleugnung der Geschehnisse durch Gregor selbst
ist ein literarischer Kniff des Autors, der die Spannung des Stücks
durch das Weglassen von Tatsachen vorantreibt.
DIE VERWANDLUNG - FRANZ KAFKA
Information
- Description
- Eine Kurzzusammenfassung zu Kafka - Die Verwandlung
- Created by
- alina.ecke
- Views
- 1,454
- Tags
- History
-
- Created by barbara91 · Feb 2, 2015
- Copied by alina.ecke · Feb 2, 2015
- Rating