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Flashcards

Chronisch-körperliche Erkrankungen

evasophie Klinische Psychologie German 23 cards

Cards in this deck (23)

  1. 1Allgemeine Hinweise- eine chronisch-körperliche Erkrankung beeinflusst nachhaltig die psychische und soziale En- twicklung eines Kindes und seiner Familie
    - Einschränkungen in Alltagsaktivitäten & dauerhafte Abhängigkeit von medizinischer Hilfe
    - unzureichende Bewältigung —> Verschlechterung des Verlaufs der chronischen Krankheit +
    Beeinträchtigung des Selbstwert- und Kompetenzerlebens —> Risiko: psy. Störung
    - umgekehrt: psy. Vulnerabilität (Kind/Familie) —> gefährdet Erfolg der Krankheitsbewältigung
    - Kankheitsbewältigung und die allgemeine psychosoziale Entwicklung interagieren
  2. 2Chronische KrankheitenGastroentrologie: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
    Endokrinologie: Diabetes mellitus Typ 1, Wachstumsstörungen
    Pneumologie: Asthma bronchiale Dermatologie: Neurodermitis
    Onkologie: Leukämie, Lymphome, Tumorerkrankungen
    Neuropädiatrie: Muskelerkrankungen
    Kardiologie: angeborene und erworbene Fehlbildungen des Herzens
  3. 3Klassifikation von assoziierten psychischen Störungen nach ICD-10- zur Klassifikation der chronischen körperlichen Erkrankung: alle Kapitel der ICD-10 - nur Kapitel F klassifiziert psychische Störungen
    - wichtig für die Klassifikation der assoziierten psychischen Auffälligkeiten: erreichen sie eine eigene Störungswertigkeit oder nicht?
    A. PsychologischeFaktorenundVerhaltensfaktorenbeiandernortsklassifiziertensomatischen Krankheiten.
    = psy. Auffälligkeiten erfüllen nicht hinreichend die Kriterien für eine spezifische psy. Störung —> spielen aber trotzdem eine wichtige Rolle bei Entstehung & Verlauf chronischer Krankheit
    • Auffälligkeiten = prä- oder subklinisches Niveau
    B. KomorbiditäteinerorganischenErkrankungundpsychischenStörung.
    = beide Diagnosen haben eine Störungswertigkeit
    —> chronische Krankheit & psychische Störung werden als Komorbiditäten kodiert
  4. 4Klassifikation von chronischen KrankheitenEine Krankheit ist schwerwiegend chronisch, wenns ie wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde (Dauerbehandlung).
    a) Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3
    b) Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 % oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 60 %.
    c) Es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung erforderlich, ohne die nach ärztlicher Ein- schätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.
  5. 5Chronisch-episodisch- Wechsel von:
    - krisenhafte Zuspitzung der Symptomatik (akute Exazerbation) - relativ symptomarme Phasen (Krankheitsintervall)
    - Beispiele: Diabetes, Athma, Epilepsie, Neurodermitis - ob es zu einer akuten Krise kommt ist abhängig von:
    - Verlauf und Schweregrad der chronischen Krankheit - Therapieoptionen
    - Bewältigungsverhalten Kind und Familie
    - verantwortungsvolles Krankheitsmanagement
    1. Umsetzung prophylaktischer Maßnahmen
    2. rechtzeitiges und kompetentes Handeln in der akuten
    Krise (auf Basis eines Krisenplans)
    - Interventionen: Patientenschulungen & Verhaltenstrainings
  6. 6Progredient oder lebensbedrohlich verlaufende Erkrankung- Erkrankungen, die mit einer verkürzten Lebenserwartung einhergehen
    - Beispiel: Mukoviszidose, neuromuskuläre Erkrankungen, ontologische
    Erkrankungen
    - (Krebs) Lebensbedrohlichkeit = alles überschattender Stressor
    —> auch wenn 70% der Kinder langfristig überleben
    - Interventionen: Familienberatung zur Anpassung an die Lebensbedro-
    hung und strapaziösen Behandlungsanforderungen
  7. 7Erkrankungen mit überdauernden Funktionseinbußen und Behinderungen- Erkrankungen mit (mehr oder weniger) irreversiblen sensorischen, mo- torischen und kognitiven Einbußen
    - erworbene Beeinträchtigungen (Unfall, Frühgeburt)
    - angeborene Beeinträchtigungen (genetische Syndrome & assozi-
    ierte Lernbeeinträchtigungen oder geistige Behinderung)
    - verursachen funktionelle Alltagsbeeinträchtigungen & Herausforderun-
    gen an die Selbstwertregulation
    - können zu internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten führen
    - Interventionen:
    • rehabilitative Kompensation der funktionellen Einschränkung • Stärkung der sozialen Teilhabe und Interaktion
    • Integration des Defiziterlebens ins Selbstkonzept
    • Akzeptanz der verbleibenden Beeinträchtigung
  8. 8Chronisch funktionelle Störungen- Störungsbild zeigt sich symptomatisch auf der körperlichen Ebene, jedoch gibt es in der Regel keine organische Ursache
    - es liegen keine Kuratoren Therapiemöglichkeiten vor
    - Beispiel: funktionelle Schmerzstörungen (Kopf & Bauch)
  9. 9Vier Verlaufstypen chronischer Krankheiten1. chronisch-episodisch verlaufende Erkrankung
    2. progredient oder lebensbedrohlich verlaufende Erkrankung
    3. Erkrankungen mit überdauernden Funktionseinbußen oder Behinderungen
    4. Chronisch funktionelle Störungen
  10. 10Komorbidität von chronischer Krankheit und psychischer Störung - Was war zuerst?klassische, tiefenpsychologische Psychosomatik:
    - Asthma bronchiale = psychosomatische Erkrankung
    - Kind führt über die Symptomatik Nähe zur Mutter herbei psychologische Tradition & Coping-Konzept:
    - somatopsychische Wirkrichtung
    - Asthma hat eine genetische und immunologische Grundlage
    - erst wenn Asthmasymptome bestehen —> psychosoziale Folgen (Störung der Anpassung)
    - eher belegt durch Studien:
    - bei gleicher genetischer Risikodisposition manifestiert sich Asthma bei Kindern mit psy- chosozialen Risikofaktoren früher heraus
    - psychologische Einflussfaktoren beeinflussen nicht nur den Krankheitsverlauf, sondern sind schon früh an der Krankheitsentstehung beteiligt
  11. 11Häufigkeit- 10 bis 15% aller Kinder
    - Inzidenz atopischer Krankheiten nimmt durch bessere Hygienebedingungen zu
    - Neonatologische Behandlungsfortschritte —> mehr überlebende Risikokinder
    - Prävalenz chronischer Erkrankungen nimmt durch die verbesserte symptomatische
    kinderärztliche Behandlung (—> längere Lebenserwartung) zu
  12. 12Komorbidität- Prävalenz einer psychischen Störung bei chronisch kranken Kindern 2-3 fach erhöht
    Psychische Störungen, die gehäuft als Folge bestimmter chronischer Krankheiten auftreten
    - Esstörungen (Diabetes)
    - Panikstörungen (Asthma)
    - posttraumatische Belastungsstörungen (Tumore, Leukämie)
    Drei Verlaufstypen der Komorbidität:
    - Ätiologisch unabhängige Komorbidität
    - Einheitliche Entstehungsgeschichte als Ursache für die Komorbidität
    - Konsekutive Komorbidität
  13. 13Ätiologisch unabhängige Komorbiditätkörperliche Erkrankung und die psychische Störung haben keine gemeinsame Entstehungsbedingungen
  14. 14Einheitliche Entstehungsgeschichte als Ursache für die Komorbiditätkörperliche Erkrankung und psychische Störung gehen auf eine einheitliche Ätiologie zurück
    —> medizinische Behandlung kann Verhaltensstörung positiv beeinflussen
    Bsp: Läsionen im ZNS —> Epilepsie & Verhaltensstörung (ADHS)
  15. 15Konsekutive Komorbidität- größte Gruppe
    - misslungene Bewältigung der chronisch-körperlichen Erkrankung führt
    zu einer psychischen Störung
    - Manifestation oft zu einem kritischen Wendepunkt im Verlauf der chro-
    nischen Krankheit oder bei hinzutreten anderer kritischer Lebensereignisse (Trennung der Eltern)
  16. 16Verlauf- große Variationsbreite
    - Prinzip der Multifinalität:
    krankheitsbezogene und krankheitsunabhängige Risiko- und Schutzfaktoren können bei identis- cher chronisch-körperlicher Erkrankung in sehr unterschiedlichen Entwicklungsausgängen mün- den
    - Prinzip der Äquifinalität:
    unterschiedliche chronische Erkrankungen können eine hohe Ähnlichkeit im psychischen En-
    twicklungsergebnis hervorbringen
    Bewältigungs- und Entwickungsergebnisse:
    - psychische Störung
    - subklinische Beeinträchtigung
    - weitgehend normale Entwicklung
    - Entwicklungsgewinn und Resilienzen
  17. 17Biopsychosoziales Modell zur Bewältigung chronisch-körperlicher Erkrankungen1. Verlaufsform der chronisch-körperlichen Krankheit
    - episodisch-rezidivierend/ progredient oder lebensbedrohlich/ überdauernde Funktionseinbußen oder Behinderung/ chronisch-funktionelle Störungsbilder
    beeinflussen
    2.Erkrankungs- und Behandlungsbedingte Belastungen und Anforderungen
    - Therapiemitarbeit
    - Schmerzen und Beschwerden
    - Psychosoziale Folgen
    - Funktionseinschränkungen & Behinderung
    beeinflussen
    3. Moderierende Faktoren
    - Bewältigung aktueller Entwicklungsaufgaben
    - (nicht) erkrankungsbezogene Risiko- und Schutzfaktoren
    beeinflussen
    4. Bewältigungsprozess
    - Krankheitsmanagement (Compliance)
    - Selbstregulation von Schmerzen und Beschwerden
    -Krankheitsbweältigung psychosozialer Folgen: Problemlösung und Emotionsregulation
    beeinflussen
    5. das Bewältigung- und Entwicklungsergebnis
    - Psychische Störungen
    -Einbußen Lebensqualität
    - "normale" Entwicklung
    - Entwicklungsbeginn, Resilienz
  18. 18Transaktionale Stresstheorie (Anforderungs-Bewältigung-Modell Lazarus)- Coping = Bewältigungsverhalten
    --> bewusste, willentliche Anstrengung, um Emotionen, Kognitionen, Verhalten und die Umge-
    bung im Kontext stressbezogener Ereignisse oder Umstände zu regulieren
    - Modell von Lazarus:
    - Bewältigungsverhalten wird initiiert, wenn die Person glaubt, dass die aktuelle Situation (oder Krankheit) eine mögliche Bedrohung, Schädigung oder Herausforderung beinhaltet
    - Bewertung im Vorfeld des Bewältigungsverhaltens:
    --> primäre Einschätzung: richtet sich auf mögliche Bedrohung, Schädigung, Herausforderung - sekundäre Einschätzung: richtet sich auf Bewältigungsoptionen zur Abwendung der
    wahrgenommenen Bedrohung
    - nach einem Bewältigungsversuch: Neueinschätzung
    - je nach Bilanz wird das Bewältigungsverhalten modifiziert
    - kompetentes Problemlösen (Stolz) vs. unbefriedigendes Bewältigungsergebnis (Selbstzweifel)
    - unbefriedigendes Ergebnis —> eigenes Versagen = wesentlicher Grund, warum eine unzure- ichende Krankheitsbewältigung die Entwicklung des Kindes insgesamt beeinträchtigen kann
  19. 19Modelle des Krankheit- und Stressmanagements= selbstregulierte Prozesse, mit denen chronische Kranke ihr Verhalten im Umgang mit der
    Erkrankung vor allem in Behandlungssituationen optimieren
    - Formulierung vorrangiger Ziele
    - gemeinsam (Eltern, Kind, Arzt) konkrete & verbindliche Behandlungsziele formulieren
    - Verpflichtungsgefühl und comittment steigen
    - Sammlung erkrankungs- und behandlungsbezogener Informationen (effektive Behandlungss-
    teuerung & Zielerreichung)
    - Fremd- (Arzt) und Selbstbeobachtung (self-monitoring // Kind —> Symptome)
    - danach entscheidet sich das weitere Behandlungsprocedere
    - konkrete Handlungsdurchführung (self-reaction) kann im Notfall mehr oder weniger stark von
    dem definierten Behandlungsziel abweichen
    - Handlungs- und Selbstbewertung (self-evaluation)
    - Effektivität des gezeigten Verhaltens, um gesetzte Ziele zu erreichen - positiv —> Motivation zur erneuten Handlungsdurchführung
    - negativ —> vermeidendes o. ausweichendes Verhalten
  20. 20Intervention (3 Eckpfeiler)Die drei wichtigsten Eckpfeiler der Interventionen
    - Patientenschulung
    - Familienberatung
    - verhaltentherapeutische Psychotherapie
  21. 21Strukturierte Patientenschulung- = Maßnahmen, die chronisch kranke Kinder in die Lage versetzten sollen, ihr Potenzial zur Kon- trolle der Symptomatik voll auszuschöpfen (auch Eltern werden miteinbezogen
    - Warum? Kompetenz & Motivation des Kindes und der Familie sind wichtig für Behandlungser- folg & dafür die medizinischen Behandlungsoptionen voll auszuschöpfen
    - Vorgehen:
    - Gruppen
    - Anwendung standardisiertes Material und Übungen —> Wissen & Fertigkeiten vermitteln - Transfer des Gelernten in den Alltag muss möglich sein (altersgerechtes Material)
  22. 22Behavioral-systemische Familienberatung- Auswirkungen von fortschreitenden und lebensbedrohlichen Erkrankungen = intensive Heraus- forderung für die gesamte Familie
    - Ziele:
    - emotionale Verarbeitung bedrohlicher Diagnosen
    - Klärung möglicher Schuldgefühle bezüglich der Verursachung
    - Erkrankung als gemeinsame Herausforderung annehmen
    - an Kind angepasste Aufklärung über den Ernst der Erkrankung und Notwendigkeit der Be-
    handlung
    - Stärkung einer offenen, innenfamiliären Kommunikation zum Krankheitsgeschehen
    - Schutz einzelner Familienmitglieder (besonders Mütter vor Überlastung)
    - Stärkung des familiären Zusammenhalts & des Verpflichtungsgefühls für eine gemeinsame
    Bewältigung der Krise
    - Sicherung der Lebensqualität & psychischer Gesundheit (Kind, Eltern, Geschwister)
  23. 23Verhaltenstherapeutische Psychotherapie- bei komorbiden psychischen Störungen angezeigt
    - muss Wechselwirkungen zwischen chronischer Erkrankung und psychischer Störung im Blick
    behalten
    - differenzieren ob die psychische Störung ätiologisch unabhängig oder abhängig ist

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Klinische Psychologie (9. chronisch-körperliche Krankheiten) Flashcards on Chronisch-körperliche Erkrankungen , created by evasophie on 30/07/2015.
Created by
evasophie · Jul 2015
Updated
Jan 5, 2017
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